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Dienstag, 19. Oktober 1915.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 488. * 63. Jahrgang.

Der Vormarsch in Serbien.

vranja besetzt!

Erfreuliche Fortschritte der vulgaren.

W. T.-B. Sofia. 18. Olt. (Nichtamtlich.) Dem Bericht deS bulgarischen Großen Generalstabes vom 15. Oktober ist folgendes zu entnehmen: In Mazedonien schreitet unser Vor­dringen gegen die obere Brejalnica fort. Unsere Truppen haben die Linie Drancsac-Sukavolac und die Berggegend von K a v k a und Golak Planina erreicht. Unsere Truppen eroberten Zarevoselo. PehtschSvo und H e r o v o. Auf dem westlichen Abhang des großen Balkans erreichten unsere Truppen die Linie Novokorito- Zlainac - Hepugnica - Rovnobucse - Tscherni B r h. Unsere Truppen besetzten im Morawa-Tale das strate­gisch wichtige Vranja Glava.

Radujewac an der Donau von den Bulgaren genommen.

Br. Bukarest. 19. Oft. (Erg. DraMericht. Zotts. Mn.) Einem Bericht aus Turn-Severin zufolge haben die bulgarischen Truppen Radujewac ein­genommen. Am 15. Oktober begann die Beschießung des Ortes, die sehr heftig war und grostcn Schaden an­richtete. Am 16. Oktober zogen die Bulgaren in Radu- jewac ein. Die Bevölkerung flüchtete nach Gruia. An der D o n a u l i n i e entwickeln sich die Kämpfe für die Bulgaren günstig. Bei Negotin fanden hef­tige Kämpfe auch bei Nacht statt. (»Radujciwac ist eine serbische Gemeinde in der K ras na, etwa 12 Kilometer nordöstlich von Negotin an der Donau gelegen. Schristl.) Das bulgarische Vordringen in Mazedonien.

Jubelnder Empfang durch die Bevölkerung.

Berlin. 19. Okt. (Zens. Bln.) Uber das Vordringen der bulgarischen Armeen in Serbien heißt eS laut „B. L.-A." in dem Bericht eines Budapester Blattes: Nach der Einnahme von Carcvoselo und Grado überschritten die Bulgaren in Verfolgung des Feindes die Bregalniza und nahmen Xaliananschi und Radlovci. Die Bewohner der mazedonischen Ortschaften empfingen mit jubelnder Freude die bulgarischen Truppen. Dir Berfolgung der Serben gegen O b r i n a r i und B i n i c a wird fortgesetzt. Die über Blagura - Planina in Mazedonien cingedrungcne bul­garische Armee — 50 000 Mann — steht längs des OftuferS des Wardar in äußerst blutigem Kampfe mit den sich erbittert verteidigenden serbischen Truppen.

Eine Äußerung des bulgarischen Regierungsblattes.

W. T.-B. Sofia, 18. Okt. (Nichtamtlich.) Zu dem sieg­reichen Vordringen der bulgarischen Truppen in Serbien sagt das Regierungsorgan „Marodni Prava": In Serbien voll­zieht sich jetzt der S ch l u tz t e i l des blutigen Balkan- d r a m a s. Serbien war es innerhalb zweier Jahre ge­lungen. aus Mazedonien eine Trümmerstätte zu machen, nachdem dort ein mittelalterliches Schreckensregiment einge­führt worden war. Um den serbischen Schrecken in Maze­donien zu brechen, sind die bulgarischen Truppen in das Ge­biet dieses verräterischen Volkes eingedrungen, welches den Weltbrand entzündet hat. indem es den Fürstenmord von Serajewo anzettelte. Die bulgarische Armee wird ihre große Aufgabe erfüllen und da? vor zwei Jahren geraubte Mazedonien mit Bulgarien vereinigen.

Bulgarische Rriegsmatznahmen am Schwarzen und Kegäikchen Meer.

W. T.-B. Sofia. 19. Okt. (Nichtamtlich. Bulgarische Delegraphen-Agentur.) Es wird bekannt gegeben, daß an der bulgarischen Küste des Schwarzen Meeres und des Ägäischen Meeres Minen gelegt und die Leuchtfeuer gelöscht sind.

Furcht der rusfifchen Schwarzmeerflotte vor feindlichen Unterseebooten.

Wie». 19. Okt. (Zens. Bln.) Laut „Wiener Reichspost" teilt die Petersburger „Wjedomosti" mit, daß die russische Schwarzmeerflotte infolge des Auftretens feindlicher Unter­seeboote wieder in ihre Häfen zurückkchrt.

weitgehende serbische Zugeständnisse im amtlichen Bericht.

W. T.-B. Risch» 18. Okt. (Nichtamtlich.) Das serbische Pressebureau meldet amtlich: An der serbischen Front griffen die Bulgaren mit starken Kräften auf der ganzen Linie an. Im Gebiet des T i m o k und der Bregalniza. in der Nähe von Zajccar. durchschritten sic Poikow, Saust nnb Stoikbrdo. Weiter südlich zwangen sie die Serben, in der Richtung auf Knjazevac zurückzuweicheu. Sic griffen ferner mft mehreren Regimentern weiter nördlich bei Kriwa-Palanka. an der Straße nach Kumanowo, an. Es gelang ihnen, Tschupincbrdo zu erreichen, von wo auS sie Kumanowo - Vranja und die Eisenbahnlinie Risch-Saloniki bedrohen können. Die Serben leisten an der Bregalniza mit Erfolg Widerstand.

Der serbische Staatssckatz und dieStaatsarchiev nach Monastir gebracht.

W. T.-B. Paris, 19. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) ^Jusärmalüm" meldet ans Achen: Es wird hier bestätigt, daß

der Staatsschatz der serbischen Nationalbank und die serbischen Staatsarchive nach Monastir verbracht worden sind.

Großfürst Nikolai Oberbefehlshaber in Serbien?

Br. Wien. 19. Okt. (Sig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das „Neue Wiener Tageblatt" veröffentlicht eine nicht sehr wahrscheinlich klingende Meldung aus Osenpejt, wonach Großfürst Nikolai den Oberbefehl über die serbische Armee übernommen habe. Er soll bereits nach Serbien ab­gereist sein.

Die Truppenlandungen in Saloniki.

Die Herrschaft der Engländer.

Br. Konstantinopel, 19. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Bei Saloniki sind bisher 23 000 Franzosen und 13 000 Engländer gelandet. Die Engländer beabsichtigen, die Höhen um Saloniki zu besetzen. Sie haben eine funkentelegraphische Station errichtet. Für die Truppen aus Ägypten stehen ihnen angeblich 120 Schiffe zur Verfügung.

Rbermals 6000 Franzosen und Engländer in Saloniki angekommen.

Br. Saloniki, 19. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Mit dem französischen Befehlshaber der Orientarmee, General Sarai, trafen noch ungefähr 6000 Franzosen und Engländer ein. Wann das Gros der Verbündeten nach Serbien abgeht, ist noch nicht fest-gestellt. Weitere große Transporte werden erwartet. Der längere Aufenthalt der Verbündeten in Saloniki bringt bei den Griechen unangenehme Empfindungen hervor.

Die Wahrnehmung der bulgarischen Interessen in England.

Br. Stockholm, 18. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der schwedische Gesandte in London wurde mit der Wahr­nehmung der bulgarischen Interessen in Großbritannien be- aufttagt.

Der weinende Gesandte.

Bulgarische Blätter melden in ihren Berichten über die Abreise der Gesandten des Vierverbandes von Sofia, daß auf dem Bahnhof namentlich der italienische Gesandte, Herr Cuccchi Boasso, ganz die Fassung verlor, so daß er in Tränen ausbrach, was nach der teilnahmsvollen Bemerkung des halbamtlichen „Echo de Bulgarie" sowohl „dem Herrn Boassa als auch Bulgarien zur Ehre gereicht". Bei dieser Gelegenheit hebt dasselbe Blatt als Merkwürdigkeit hervor, daß Herr Boasso von seiner Regierung abberufen wurde, ohne daß diese es für angebracht gefunden hat, dem bulgarischen Kabinett auch nur eine einzige Zelle über die Ursache dieses diplomatischen Bruches zu übermitteln.

Die Durchreise von 6000 wehrpflichtigen Bulgaren ausDeutschland durchRumänien gegen den Widerspruch des Vierverbandes gestattet.

Br. Kopenhagen, 19. Oft. (Eig. Drahtbcricht. Zens. Bln.) „National Tidende" meldet aus Petersburg: Rumänien er­laubte 6000 in Deutschland sich aufhaltenden Bulgaren die Durchreise nach Bulgarien, um sich zur Fahne zu melden. Rumänien ivünscht jedoch eine Kontrolle, daß sich unter den Wehrpflichtigen keine deutschen Offiziere befinden. DerBierverband hat dagegen Einspruch erhoben.

Jur Einberufung eines neuen Rekruten- kontjngents in Rumänien.

Br. Wien, 19. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das rumänische Dekret, welches die Jahrgänge 1916 für den 29. Oktober einberuft und anordnet, daß der letzte Jahrgang vorläufig unter den Waffen bleibt, bedeutet keine wirÄiche Vermehrung der rumänischen Armee. In Rumänien wird das unter die Fahnen gerufene Rekrutenkontingent nicht mit dem Jahre der Einberufung, wie in Österreich-Ungarn und Deutschland, sondern mit dem nachfolgenden Jahre bezeichnet. Der Jahrgang 1916 ist demnach der Jahrgang, der normaler­weise im Herbst 1915 einrückt.

wie sollen wir Serbien helfen?

Englische Fragen über Fragen.

W. T.-B. London, 19. Okt. (Nichtamtlich.) Die Wochen­schrift „Nation" schreibt: Vtvianis Rede über die Expeditton nach Saloniki würde in England mehr gewürdigt werden, wenn man wüßte, was er gemeint hat. Welches ist die russische Armee, von der er spricht? Wo soll sie ansetzen? Wie groß ist sie? Wird Italien helfen? Sollen wir ohne die Zusicherung Griechenlands losgehen? Sollen die Verbündeten die Dardanellen aufgeben oder behaupten? Wie soll die durch die gange Zeit abgequälte Armee sich sofort für einen neuen harten Feldzug in einem schwierigen Gelände Herrichten? Welche HilsStruppen können wir in Frankreich von naher oder ferner Basis entbehren, und binnen welcher Zeit können sie in den Kampf eingreifen? Wie kann die Stärke der zureichenden Streitmacht von 200 000 bis 300 000 Mann aus einer eingleisigen Bahn, die beständiger Unter­brechung ausgesetzt ist, erhalten werden? Gibt es für unsere Expeditionen keine Grenze? 'Das sind die m i l i i ä r i sch c n Fragen, die der französische Generalstab erwogen haben muß, sobald die Möglichkeit der serbischen Expedition auftauchte. Wir haben keine solche Körperschaft. Das melancholische Bei- spiel der Dardanellen bezeugt ihr Nichtvorhandensein. Aber gibt es selbst eine unorganisierte militärische Meinung zu­gunsten dieses Abenteuers? Ich höre von keiner. Natürlich

werden wir Serbien helfen. Die Frage ist nur, ob die Hilfe indirekt und mächtig oder direkt, belanglos und unheil­voll sein wird.

Line offiziöse italienische Erklärung über die Stellungnahme zur Balkanaktion.

Br. Lugano, 19. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Eorriere della Sera" muß heute sehr wider Willen einen offiziösen Artikel aufnehmen, der die absolute Notwen- digkett einer Absage einer italienischen Mitwirkung an der Balkanattion erläutert. Der Arttkel erklärt, warum sich Italien weder beteiligen kann, noch will. Es handle sich für Italien tatsächlich um einen Defensivkrieg und nun scheinbar um einen Offensivkrieg. Während Frankreich den Krieg gegen seinen Willen auf sich nahm, habe Italien den Krieg gewollt und gesucht. Deshalb habe das italienische Volk das Recht, zu verlangen, daß er an seinen Grenzen geführt werde. Was haben, so fuhrt das Blatt aus, die Italiener den Alliierten versprochen? Die Ent­lastung Rußlands, und diese wurde zu Rußlands wach­sendem Vorteil loyal durchgeführt. Aber man verlangt mehr. Wir, die wir nicht einmal Truppen genug hatten, um sie nach dem bedrohten Tripolis zu senden, wir sollten in der Lage sein, den Vievverband in Serbien vor sicherer Nreder- lage zu retten? — In einem zu diesem Artikel stark in Wider­spruch stehendem Leitartikel führt das leitende Blatt SomrinoS, „Giornale d'Jtalia", aus, daß Italien nach wie vor an der Zertrümmerung Österreichs und Deuffchlands eifrig mi- arbeitte. Es bestehe sogar ein geheimer Kriegsplcm, dick Gegner an der Stelle zu treffen, wo sie es am wenigsten der» muten, aber hierüber dürste auch nicht die leiseste Andeutung gemacht werden, da sonst der ganze Plan mißlingen Knne.

Italiens Mitwirkung am Balkan doch völlig sicher?

W. T.-B. Paris, 19. Oft. (Nichtamtlich.) „Petit Jourrwl" meldet aus London: Auskünften aus gut unterrichteter

diplomatischer Quelle zufolge kann die Mitwirkung Jtnftens am Balkan hente völlig sicher gellen. Italien wird wahrscheinlich mit einer Marincaktion im Ägäischen Meere beginnen und an dem gemeinsamen Unternehmen gegen die Küsten Bulgariens und der Türkei durch Ent­sendung von Kriegsschiffen und Transportschiffen teilnehmen.

Sonninos Demission bevorstehend!

Br. Genf, 19. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das Pariser „Journal" erhält eine Privatmeldung aus Rom, wo­nach die Demission Sonninos als bevorstehend betrachtet werden könne. Doch dürfte das Kabinett Salandra das Ver­trauen des Königs bewahren, falls cS einen vollwertigen Er­satz für Sonnino findet.

Der italienische Rriegsminister in Unterredung mit dem Rönig und Eadorna.

W. T.-B. Mailand, 19. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Wie der „Secolo" meldet, hatte der Kriegsminister Zupelli vorgestern den ganzen Tag über mit dem König und Eadorna im Hauptquartier Unterredungen, über deren Inhalt und Ergebnis strengstes Stillschweigen bewahrt wird. (Jedenfalls aber hat es sich um Italiens Teilnahme an der Balkanaktion gehandelt. Schristl.) ^

Der Krieg der Türkei.

Der amtliche türkische Bericht.

W. T.-B. Konstantinopel, 18. Okt. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront bei Ana - forta außer Scharmützeln zwischen Aufklärungsabteilungen und aussetzcndem Artilleriegcsecht nichts von Bedeutung. Bei Ari Burnu brachten unsere Küfteubatterieu fcindlick-e Torpedoboote, die eine Zeitlang wirkungslos unsere Stellun­gen beschossen, zum Schweigen. Wir sprengten eine Mine, die der Feind bei B a n l i T e p e gegraben hatte. Bei Sedd-ül-Bahr schoß der Feind am 16. Oktober in 24 Stunden mehr als 1000 Haubitzenschüsse ab, ohne irgend eine Wirkung zu erzielen. — Sonst nichts von Be­deutung.

Vas „mißglückte vardanellenunternehmen."

Ein äußerst ungünsttger Londoner Bericht!

IV.T.-B. Mailand, 19. Oft. (Nichtamtlich.) Der Lon­doner Korrespondent deS „Secolo" nennt die Dardanellen- Unternehmung unter Anführung der schweren englischen Ver­luste ein mißglücktes Unternehmen und wieder­holt, daß die Einstellung der Dardanellenexpedition nicht ausgeschlossen sei, um so mehr, als die aus Gallipoli kämpfen­den Truppen nutzbringender in Serbien verwendet werden könnten. Sicherlich könne man nur mit Schmerz an das unglückselige Unternehmen und an die Irrtum er und außerordentlichen Schwierigkeiten denken. Die Dardanellen­unternehmung lvar nicht etwa ein launischer Streich Eng­lands oder Frankreichs, sondern es sei aus drei Gründen von Rußland dringend verlangt worden: 1. damit es einen Ausfuhrweg für sein Getreide offen habe, 2. um den! Druck der türkischen Truppen im Kaukasus zu vermindern, und 3. um auch dort den Krieg mit dem seit Jahrhunderten: von den Rüsten gehegten- Traum, Konstanttnopel zu beherr- schen und im Mittelmeer eine Macht zu werden, volkstümlich zu machen. Diese Zwecke seien natürlich nicht bekannt ge«