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Dienstag, 19. Oktober 1915.

Morgen- klusgabe.

Nr. 487. ♦ 63. Jahrgang.

weiter hinein nach Serbien.

Deutsche Flieger belegen Belfort mit 80 Bomben —Im Fortschreiteu südlich von Riga. — Feindliche Stellungen bei Illuxt in 3 Kilometer Breite erobert. — Neue Rümpfe am Stqr.

Der Tagesbericht vom 18. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 18. Okt.

(Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Das in die feindliche Stellung weit vorfpriugende Wert nordöstlich Bermelles wurde von den Engländern wiederholt mit starken Kräften ange­griffen. Alle Angriffe schlugen unter sehr schweren Verlusten für den Gegner fehl. Das Werk blieb fest in unserem Besitz.

Angriffsversuchc der Franzosen bei Tahure wur­den durch Feuer niedcrgchaltcn.

Ein neuer feindlicher Vorstoß zur Wiedercroberung der verlorenen Stellung südlich von Laintrey blieb erfolglos, kostete die Franzosen aber neben starken bluti­gen Verlusten 3 Offiziere, 17 Unteroffiziere und 73 Jäger an Gefangenen.

Am Schratzmännle konnte der Feind im An­griff trotz Einsatzes einer erheblichen Menge von Muni­tion keinen Fuß breit Boden wiedergewinnen.

Deutsche Fluggeschwader griffen gestern die Festung B elfort an, vertrieben feindliche Flieger und belegten die Festung mit 80 Bomben, wodurch Brände hcrvorgcrufcn wurden.

Gestlkcher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Ter Angriff südlich von Riga macht gute Fort­schritte. 2 Offiziere und 280 Mann blieben als Ge­fangene in unserer Hand.

Russische Angriffe westlich von Jakob st adt wur­den abgcwiesen.

Westlich von Illuxt bemächtigten wir uns in etwa 3 Kilometer Frontbrcite der feindlichen Stellung.

Weiter südlich bis in die Gegend von S m o r g o n wurden mehrfach mit starken Kräften unternommene russische Vorstöße unter starken Verlusten für den Geg­ner z u r ü ck g c s ch l a g c n. Es wurden 2 Offiziere und L75 Mann zu Gefangenen gemacht.

Ein rnssischcr Angriff beiderseits der Bahn Ljacho- witschhi-Bara gegen Owitschhi brach 400 Meter vor unserer Stellung im Feuer zusammen.

Heeresgruppe des Generals ourt Lin'ingen.

Am Stpr-Fluß von Rafalowka bis Kulikowizczh haben sich neue örtliche Kämpfe entwickelt.

valkanstriegsschauplatz.

An der M a c w a beginnt der Feind zu Weichen. Auf dem Höhengelände südlich Belgrad sind unsere Truppen im Vorschreiten gegen Cvetkov-Grob und den Ort Vrcin. Südlich von Pozarevac sind Ml. Crnice und Bozcvac genommen. Bulgarische Truppen haben die Höhen des Muslin-Percin und Babin-Zub be­setzt. Weiter südlich dringen sic über Egripalanka vor.

Oberste Heeresleitung.

*

Oie heutige Kriegslage.

(Bon unserer Berliner Schriftleitung,)

I-. Berlin, 18. CT ft. (Eig. Meldung. Jens. Bin.) Sir

Edward G r e N bat in seiner lebten Rede im Unterhaus an­gebeutet, man möge die Vierverbandsdiplomaten nicht zu sehr dafür verantwortlich machen, wenn sie auf dem Balkan bei ihren Einigungsbestrcbungen keinen Erfolg ge­habt hätten. Rumänien, Griechenland und Bulgarien sähen zu sehr aus die militärischen Ereignisse und ließe» sich von diesen in ihren Entschlüssen beeinflussen. Damit ge­steht Grev indirekt ein, daß die Vierverbandsmächte noch keinen militärischen Erfolg von ausschlaggebender Bedeutung erzielt baden.

Um sich wenigstens einen kleinen äußeren Erfolg zu ver­schaffen, kämpfen die Engländer im Westen auch jetzt mit be­sonderer Energie um den Besitz des Hohenzollern- Werkes, das sie schon einmal erobert zu haben behaupteten, woran aber kein wahres Wort ist. Wegen des Namens die­ser Verteidigungsstellung opfern üe viele Leute, aber alle ihre Anstrengungen sind abermals vergeblich gewesen. In der Ehampagne sind die Angriffe der Franzosen schwächer geworden; offenbar haben sie dort starke Einbuße er­litten, doch darf man aus diesem Nachlaßen der feindlichen Stoßkraft nicht ans eine Abführung von Truppen nach dem Orient schließen wollen. Wir glauben, daß hierfür keine Anhaltspunkte gegeben sind. Die Franzosen griffen Schratzmännle erneut an. An unsere Stellungen am Lartmannsweilrrkopf, die nach dem letzten Bericht des Hauptquartiers w» und planmäßig wieder geräumt wur­

den, arbeiteten sich die Franzosen gestern sehr vorsichtig heran. Sie ahnten nicht, daß die Gräben leer waren. Ihre bedeu­tenden Vorsichtsmaßregeln wurden von uns beobachtet und er­regten nicht geringe Heiterkeit.

An der Ostfront waren erneute starke An­griffe der Russen zu verzeichnen; immer mit dem gleichen Mißerfolg.

In Serbien geht es weiter vorwärts. Der Donau­übergang ist fast zu Ende geführt, so daß jetzt alle Vor­aussetzungen sür einen großzügigen Vormarsch erfüllt sind. Was Bulgarien bisher geleistet hat, muß in hohem Maß anerkannt werden. Die Bulgaren haben mit schweren klimatischen Verhältnissen zu kämpfen, da in den Bergen schon Schnee liegt. Sehr wichtig scheint uns, daß man aus den bisherigen Kampfberichten, sowohl der deut­schen wie der österreichisch-ungarischen Heeresführung ersehen kann, daß eine einheitliche Führung unserer ii nd der bulgarischen Heere besteht. In Zukunft Linste es sich zweifellos zeigen, daß alle Operationen in Ser­bien unter ein und denselben Gesichtspunkten und demselben Ziel zustrebend,geleitet werden. In militäri­schen Kreisen glaubt man nicht recht daran, daß die in Saloniki gelandeten Truppen, die nach neuen Gerüchten auf 25 »00 Franzosen und 6001) Engländer (!) eingeschätzt wer­den, mit noch weiteren stacken Nachschüben nach Serbien transportiert werden sollen, da Serbiens einzige Eisenbahn­linie in höchstem Maß für Munitionsnachschübe be- nöiigt wird, und man sich nicht denken kann, daß bei dem ver­hältnismäßig geringen Wagenmaterial gleichzeitig auch noch ganze Heere nach dem Norden befördert werden können.

Wahrscheinlich werden die Engländer sich doch darauf be­schränken, sich in Saloniki festzusetzen, ähnlich wie sie das an der Nordküste Frankreichs getan haben, so daß Griechenland bald ein englisches Saloniki wie Frankreich ein englisches Calais kennen wird. In­teressant erscheint uns auch eine Angabe, die nicht darauf schließen läßt, daß die Russen einen Durchmarsch durch Rumänien planen. Letzthin soll festgestellt w-rden sein, daß von Odessa Truppen nach R o w n o abgezogen wurden. Stünde ein Vormarsch durch Rumänien bevor, dann würden zweifellos die Truppen von Odessa dorthin dirigiert wor­den sein.

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Die Hohen des Muslin-Pecin und Ladin-Zub in Serbien besetzt.

Mißlungene russische Angriffe. — amRormin räumen die Russen in voller Auslösung das Feld. — verlustreiche italienische vorstötze auf dem Doberdopiateau.

Oer österreichisch-ungarische Taaesberlchr.

W. T.-B. Wien, 18. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vvm 18. Oktober, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

In Ostgalizicn, an der Jkwa und im wolhyni- schcu Festungsgcblet auch gestern keine besonderen Ereig- niffe. Am Korminbach und am unteren Styr führte der Feind eine Reihe heftiger Angriffe aus. Bei Huli- lowicz, Nowo-Sielki und Rafalowka wird noch gekämpft. An allen anderen Punkten war der Gegner schon gestern abend blutig abgcwiesen. Seine Verluste sind groß. Am Kormin räumte er in voller Auf­lösung unter Zurücklassung von Gewehren und Aus­rüstungsstücken das Gesichtsfeld. Auch die an der oberen Czara stehenden k. und k. Streitkräfte schlugen ernen stärkeren russischen Vorstoß ab.

Italienischer Rriegsschauplatz.

An der I s o n z o f r o n t entwickelten die Italiener wieder eine lebhafte Tätigkeit. Es kam auch gestern abend am Nordwestabsckmitt des Plateaus von D o- berdo bei Petcano zu heftigen Kämpfen. Starke ftalicnischc Infanterie griff neuerdings unsere dortigen Stellungen an, gelangte teilweise bis an unsere Hinder­nisse heran und wurde schließlich unter schweren Verlusten zurückgcjagt. Sonst im Küstengelände sowie im Tiroler Grenzgebiet Geschützkämpfe.

Südöstlicher Kriegs chauplatz.

Die am Avalagebiet geschlagenen serbischen Divisionen weichen beiderseits der nach Süden führen­den Straße zurück. Unsere Truppen befinden sich im Angriff auf die noch nördlich von Ralja stehenden feind­lichen Abteilungen. Auch an der Macva wurde der Gegner zum Rückzug gezwungen. Beiderseits der unteren M o r a w a gewannen die deutschen Divi­sionen abermals Raum.

Die Bulgaren haben die Höhen des M u s l, n- Pecin und des Badin-Zub besetzt. Weiter südlich dringen sie über Egripalanka vor.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. H ö s c r, Fcldmarsihalleutnant.

Oie Ereignisse auf dem Balfiatt.

Der deutsche Vorstotz bei pozarewac.

Die Zersprengung der serbischen Armee unvermeidlich.

Genf, 18. Okt. (Zens. Bln.) Die „Telegraphen-Uuion" meldet: Wie nach Berichten aus Paris der Vertreter des ,.Temps" seinem Blatt aus Risch drahtet, sieht man dort die militärische Lage als sehr gefährdet an. Man glaube, daß die Zersprengung der serbischen Armee bei Pozarevac unvermeidlich sei, da der deutsche Vor­st o ß an dieser Stelle mit ungeheurer Wucht und großen Truppenmassen ausgesührt wird. Man rechne schon heute da­mit, daß der ganze rechte Flügel der serbischen Armee nach der rumänischen Grenze hin abgedrängt wird. Auch sehe man mit großer Besorgnis dem Ausgang der bei Walandowa zwischen Bulgaren und Serben tobenden äußerst heftigen Schlacht, an der 40 000 Bulgaren mit zahlreichem Artillerie- material teilnehmen, entgegen. Die Stimmung sei sehr niedergeschlagen.

Die englisch-französischen StreitKräfle gehen zur serbischen Front.

W. T.-B. Athen, 18. Okt. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Hier eingelanfcnen Nachrichten zufolge haben die alliierte« Streitkräfte am Samstag Saloniki verlassen» um sich zur serbischen Front und an die serbisch-bulgarische Grenze zps begeben.

Französische Truppen in Mazedonien von den Vulgaren angegriffen.

Die Beschießung von Weladowo.

Br. Amsterdam, 18. Okt. (Erg. Droihtbericht. Zewf. Mir.) „Reuter" meldet aus Athen: Französische Trup­pen wurden bei der Eisenbahnbrücke zwischen Chndow» und Waladowv von den B i»l g a r c n angegriffen. Das Gefecht dauert an. Bulgarische Artillerie beschützt Waladowv, das kräftigen Widerstand leistet. (Die Eiisenbcchnibrücke führt über idas StrimritzwMßche», Äas bei Chrckowo ans sivbisch-masSdimrschsm Gebiet in iden Wardar fließt.) _

Saloniki wird nicht mehr als neutraler Hafen betrachtet.

Br. Rotterdam, 18. Okt. (Eig. Dvcchtbericht. Zeirs. Bln.) Am Montag war der deutsche Levantvdampfer ,,A r d e n a", der seit Kriegsausbrnch im Hafen von Saloniki lag, von einem griechischen Zerstörer begleitet, weil Saloniki nicht mehr als neutraler Hafen be­trachtet wird.

Line Unterredung mit dem bulgarischen Generalstabschef.

General Schostow über die Kriegslage.

Br. Sofia, 18. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der nach dem Balkan entsandte Sonderberichterstatter des „B. T." Dr. Lederer hatte im bulgarischen Hauptquartier eine Un­terredung mit dem bulgarischen Generalstabschef General Schostow. Wir entnehmen dem Bericht folgende Stellen: Auf die Frage Dr. Lederers, wie sich die Operationen gegen Ser­bien angelassen hätten, erklärte der General lachend: Ich

Iwsfe, man verlangt nicht, daß wir den Krieg gleich am ersten Tage gewonnen haben. Aber dieser Tag hat wenigstens die Sorge beseitigt, daß die Serben aus ihrem überraschenden An­griff wirkliche Vorteile erzielen können. Es ist den Serben zwar gelungen, sich durch diesen ohne jede Kriegserklärung erfolgten Überfall einiger unserer Kriegsstellungen zu bemäch­tigen, aber von allen Stellungen sind sie seit gestern wieder vertrieben worden, und unsere Truppen haben bereits über­all die Offensive ausgenommen. Sie sind bereits zwi­schen 4 bis 15 Kilometer weit in Feindesland vorgerückt. Ich hoffe, daß wir unsere Operationen planmäßig in einem nicht allzu laugen Zeitraum durchführen können, und wir haben vorläufig alle Hoffnung, daß Komplikationen, die den Krieg in die Lange ziehen können, vermieden werden, denn bisher scheint es, daß der Vierverband Rumänien nicht in den Krieg gegen uns hineinziehen kann. Man hat heute in Athen und Bukarest die Überzeugung gewonnen, daß wir nur unser nationales Ideal in Serbisch-Mazedonien verwirk­lichen wollen, daß wir niemand bedrohen und es ein ebenso ge­fährliches wie fruchtloses Unternehmen wäre, dem gerüsteten Bulgarien in den Rücken fallen zu wollen, denn die S t u n d e ist nicht fern, da die bulgarischen Truppen.sich mit ihren t rutschen und österreichisch-ungarischen Waffengenoffen big Hände reichen werden.

General vimitriew als Deserteur verfolgt.

Br. Sofia, 18. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zerrs. Mn.) Wie das hiesige offiziöse Blatt „Narad Prava" meldet, wer­den der frühere bulgarische General Nadko Dimitrieiv sowie die bulgarischen Reserveoffiziere, die in russische Dienste über­getreten sind, als Deserteure betrachtet und nach dem Kriegs­recht verfolgt werden. (General Dimitriew befehligte im ersten Balkankriege 1912/13 die 3. bulgarische Armee.)

aus dem serbischen Kronrat.

Die Selbstsucht der Italiener und Russen.

Ofenpest, 18. Okt. (Zens. Bln.) ,M Villag" meldet: Der serbische Kronrat soll beschlossen haben, angesichts der gegenwärtigen Kriegslage aus dem Balkan sich de» r t a lnZ^