Wiesbadener Tagblatt.
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„Tagblatt-HanS" Nr. SSL»-SS.
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Samstag, 16. Oktober 1913.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 484. . 63. Jahrgang.
Der Urieg.
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Der allgemeine Vormarsch Bulgariens hatg begonnen.
Br. Wien, 16. Oft. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.)
Me die „Südslawische Korrespondenz" von matzgebender Seite aus Sofia erfährt, hat gestern früh der allgemeine Bormarsch der Bulgaren gegen die serbische Grenze begonnen.
Der siegreiche Vormarsch der vulgaren.
Saitschar. Risch und Pirot die nächsten Ziele.
Br. Sofia, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Der bulgarische Angriff ist in siegreichem Fortschreiten. Nachdem die serbischen Vorposten zarückgedrängt und das Gebiet unmittelbar an der Grenze überall vom Feind gesäubert worden ist, hat jetzt bulgarische Infanterie, unterstützt von schwerer Artillerie, ihren Angriff gegen die starke serbische Bergstellung des Seni Nicola gerichtet. Die serbischen Stellungen bei Kadibogaz sind bereits von den Bulgaren besetzt. Auch die H ö h e 6 2 1 mutzte von den Serben geräumt werden. Der Angriff auf den Eisenbahnknotenpunkt Knajevac steht zu erwarten. Auch der Angriff gegen die serbischen Stellungen im f oberen Timoktal macht gute Fortschritte. Veliki Jswor mutzte in brennendem Zustand von den Serben aufgegeben werden. Die Serben ziehen sich auf der Straße nach Saitschar zurück und werden offenbar versuchen, ihre Stellungen vor dieser Stadt östlich des Timok- siuffes und die Brückenköpfe über den Timok zu halten. Nach den hier vorliegenden Meldungen hat der bulgarische Angriff an drei Stellen gleichzeitig eingesetzt. Seine nächsten Ziele scheinen Saitschar, Nisch und Pirot zu sein; ein Teil der serbischen Kolonnen, durch deren Überfall auf den bulgarischen Grenzposten die bulgarische Offensive endgültig entfesselt wurde, konnte gefangen genommen werden. Der Nest flüchtete in die Gebirgsgegend nach Serbien zurück. Die Gefangenen sollen sich in mitleiderregendem Zustand befinden. Bewaffnete bulgarische Flutzdampfer sind donauaufwärts gefahren und versenkten mehrere serbische Transport d a m p f e r, die mit rumänischer Munition befrachtet waren. Eine Verbindung zwischen Serbien und Rumänien auf dem Schiffahrtsweg dürfte bereits jetzt nicht mehr möglich sein. Der Enthusiasmus in Sofia ist beispiellos. Man glaubt, daß in einigen Wochen die Verbindung zwischen den deutschen und den bulgarischen Heeren herge- stellt sein wird.
Die Eisenbahn im Timoktal bereits unterbrochen.
Sofia, 15. Okt. (Zeni. Bin.) Die bulgarischen Truppen, die gestern die serbischen Übergriffe abgewehrt hatten, überschritten heute die serbische Grenze scheinbar ruf der ganzen Linie. Das Timoktal mit der wichtigen Eisenbahn von Nisch zirr Donau ist schon nicht Mehr für die Serben benutzbar, wodurch der Verkehr Rußlands mit Frankreich unterbunden ist and lediglich über Schweden gehen muß. Von Nisch cheint Befehl gegeben zu sein, äußersten Widerstand zu leisten.
vis von drei Seiten bedrohte serbische Krmee.
Br. Rotterdam, 16. Okt. (Eig. Drahtzbericht. Zeus. Mn.) Nach den letzten Telegrammen, die aus der Londoner serbischen Gesandtschaft aus Nisch tingingen, nimmt der dreiseitige feindliche Druck nach allen Seiten zu. Der Feind wählte die verletzbarste Stelle. Obwohl die Serben seit dem i. Oktober Tag und Nacht wütenden Angriffen ausge- etzt sind, halten sie noch immer den Feind auf, dessen tzachtaugriffc sich nur Schritt für Schritt Vordringen Annen. Die Buhnen seien vom Feinde noch nicht erreicht.
Serbische Ueberläufer.
W. T.-B. Sofia, 16. Okt. (Nichtamtlich.) Nach Meldungen aus Strumitza haben sich dort geistern 9 50 serbische Überläufer mit ihren Gewehren den Grenzbechörden ergeben.
Die vergeblichen Kämpfe der Serben.
Br. Ofenpest, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Sofioter Berichterstatter des „Az Est" meldet: Die Ost- grenze Serbiens ist beinahe ganz unverteidigt. Nur kleine Truppen halten die Grenzwache. Deutsche Flugzeuge, die dieses Gebiet durchslogen, wurden kaum beschossen, als ob die Serben die Vergeblichkeit ihres Widerstandes einsähen. Bei den bulaarischen Grenztruppen melden sich von Tag zu Tag immer mebr Überläufer.
Große Proviantvorräte in den besetzten Gebieten Serbiens.
Sr. Ofenpest, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Unsere vor-
dringenden Truppen finden in den besetzten Ortschaften grotze Vorräte, woraus zu ersehen ist, datz es in Serbien in diesem Jahre eine außerordentlich gute Ernte gab. Die Serken kämpfen verzweifelt, ohne Sieges- hoffnung, bloß um die Waffeuehre.
Aufgabe von Nisch als Regierungssitz!
Berlin, 16. Okt. (Zens. Mn.) Der „Secolo" meldet aus Bukarest vom 13. Oktober: Die serbische Regierung verlegte ihren Sitze nach Mitrowitzap sie gab also Nisch auf.
Ein dringender Hilferuf aus Serbien.
Genf, 16. Okt. (Zens. Mn.) Französische Blätter veröffentlichen eine offizielle Melidnng aus Nisch, in der Frankreich und England ermahnt wenden, doch unter öom Vorwand der Regelung der Modalitäten des Ein-
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greifens keine Zeit mehr zu verlieren. Diesmal könnte ein Fehler eine Katastrophe herbeiMren. Wenn Serbien länger den eigenen Kräften überlassen und niedergerungen werde, würde es des zehnfachen Kräfteaufwondes bedürfen, die begangenen Fehler wieder gutMinachen.
Befestigung von Warna und Burgas.
Stockholm, 16 Okt. (Zenl. Bln.) Die „Birshewija Wjedo- mosti" erfährt aus zuverlässiger Quelle in Sebastopol, datz die bulgarischen Schwarze-Meer-Häfen Warna und Burgas cisrigst und eiligst befestigt werden. Die Einfahrt in den Häfen fti allen Schiffen verboten. Den Einwohnern wurde streng untersagt, abends Licht zu haben.
Eine zuversichtliche Äußerung des bulgarischen Ministers des Außer».
Br. Ofcnpest, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie aus Sofia berichtet wird, äußerte der bulgarische Minister des Äußern Popow einem Journalisten gegenüber: Wir haben alle die Hoffnung, daß Griechenland nichts unternehmen wird, so lange die Zentralmächte siegen. Griechenland könnte uns nur gefährlich werden, wenn die Kraft der Zentralmächte nachlietze. Rumänien bleibt ebenfalls neutral, da es gar kein Interesse hat, sich in den Krieg einzu- mischsu. Rumänien kann abwarten, bis das Ergebnis des Kampfes sichtbarer wird. Die Türkei ist unser aufrichtigster Nachbar. Wir sind stolz aus unsere Armee; sie wird ihr Ziel erreichen, das sie sich gesteckt hat.
Kundgebungen in Wien für Bulgarien.
W. T.-B. Wien, 16. Okt., (Nichtamtlich.) Gestern abend fand vor der bulgarischen Gesandtschaft eine imposante Kundgebung anläßlich des Eintritts Bulgariens in den Krieg statt, wo der Schriftsteller Mandel an den am offenen Fenster erschienenen Gesandten eine Ansprache richtete. Der Redner Motz mit begeisterten Hochrufen aus den Zaren der Bulgaren, das bulgarische Heer und Volk. Brausende Rufe: „Hoch Ferdinand! Hoch Bulgarien!" folgten dieser Ansprache. Der Gesandte Toschew erwiderte mit einem
Dank und einem Hoch auf Kaiser Franz Joseph und die
Armee. Nach der Kundgebung vor der bulgarischen ®e|«n»t= schuft zog die Menge vor die türkische Botschaft und daraus zur deutschen Botschaft. Von dort bewegte sich der Zug zum Kriegsministerium, wo nach einer Kundgebung Hochrufe auf Kaiser Franz Joseph und die österreichisch-ungarische Armee ausgebracht wurden, woraus sich der Zug auflöste.
wachsende vierverbandsfeindliche Strömung in Griechenland.
Gunaris wieder der kommende Mann?
Br. Athen, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die allgemeine Stimmung der Bevölkerung ist mehr als je auf rin striktes Festhalten der Neutralität gerichtet. Die Opposition gegen Zaimis wächst täglich. Die Mehrzahl der Blätter verurteilt des Ministerpräsidenten Schwäche gegenüber den Drohungen des Bierverbandev und verlangt dringend den energischen Protest if|« die Fortdauer der Vergewaltigung der Re». ' tralität Griechenlands gegen die Ententetruppen in Saloniki. Mehrere Minister, unter ihnen Dragumis und der allseits beliebte Theowkis, bestehen auf einem Wechsel in der Besetzung des Postens des Ministerpräsidenten. DaS Minister- Präsidium soll durch Gunaris übernommen werden. ZaimiS solle entweder das Ministerium des Innern übernehmen oder gänzlich aus der Regierung ausscheiden. Wie im gleiche« Maße das Ansehen dcS ehemaligen Ministerpräsidenten Venizelos abnimmt, wächst der Freundeskreis um Gunaris.
Griechenland willens» den griechisch-serbische» vertrag zu bündigen?
Serbien beabsichtigt den Vertrag zu veröffentlichen. Berlin, 16. Okt. (Zens. Mn.) Der „Voss. Ztg." wird aus Sofia gemeldet, nach an maßgentzer Stelle eingegangenen Nachrichten aus Athen sei Grieche»« land entschlossen, seine Neutralität rwter alle« Umständen zu wahren. Die griechische Regier«»« beabsichtige den Bündnisvertrag mit Serbien zu kündigen. — Ter „Nouvelliste de Lyon" meldet aus Athen: Da Griechenland nicht am Kriege teilnehme« will, soll Serbien beabsichtigen, den Bündnisvertrag mit Griechenland zu veröffentlichen.
Erörterung des casus foederis in der griechischen Presse.
W. T.-B. Athen, 16. Okt. (Nichtamtlich.) Die gesamte Presse erörtert lebhaft den casus foederis. Die regierungsfreundlichen Blätter erachten ihn einmütig als nicht gegeben.— Der „Messagger d'Athenes" schreibt, datz in dem griechisch-serbischen Vertrag von dem Eingreifen seitens einer dritten Macht die Rede ist, was jetzt nicht der Fall sei. Auch Hobe Serbien jetzt im Verein mit der Entente die Beziehungen zu Bulgarien abgebrochen. Die bewaffnete Neutralität wabre gegenwärtig am besten die griechischen Interessen. Die Venizelistenblätter vertreten die gegenteilige Ansicht, jedoch ohne großen Nachdruck, französische Besorgnisse über die Kbschwenlmng Griechenlands.
Die Gefahr des Losbrechens des heiligen Kriegs.
Br. Genf, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Der „Parisien" und das „Journal" stellen erbittert fest, daß Griechenland vom Vierverband abschwenke. Sie schreiben, es sei nicht die erste und letzte Enttäuschung. „Figaro" warnt vor allzu großem Optimismus bezüglich Rumäniens. In einem höchst bedeutsamen Leitartikel des „Temps" heißt es: die mittelbare Gefahr eines feindlichen Sieges auf dem Balkan sei das Losbrechen des heiligenKriegs in den Kolonien Bisher seien überall große Vorbereitungen gemacht worden und die Muselmanen erwarten nur das Signal -hres siegreichen Padischahs, um zur Erhebung zu schreiten. Frankreich könnte also seine Kolonien in Afrika verlieren. Deshalb werde die Expedition nach dem Balkan mit größter Kraft ausgebaut. Das Schicksal Frankreichs entscheide sich vielleicht in der Champagne oder in Mazedonien.
Griechenland bleibt unter allen Umständen neutral.
Kündigung des Bündnisvertrags mit Serbien?
Br. Sofia, 16. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Laut an maßgebender Stelle eingegangenen Nachrichten aus Athen ist Griechenland entschlossen, seine Neutralität unter allen Umständen zu wahren. Die griechische Regierung beabsichtige, den Bündnisvertrag mit Serbien zu kündigen. Ein zweite Telegramm aus Sofia meldet, die Regierungen Griechenlands und Rumäniens haben in Sofia mitteilen lassen, datz sie ihr« neutrale Haltung beibehalten werden, so lange sich Bulgarien darauf beschränkt, seine berechtigten Interessen Serbien gegenüber zu wahren. Eine Denkschrift der bulgarischen Regierung, in der die Willkürakte der Vulgaren dargelegt werden und nachgewiesen wird, datz die Serben der provozierende Teil seien, ist nach Athen und Bukarest abgegangen.
Das Durcheinander in Saloniki.
Konstantinopel, 16. Okt. (Frkft. Ztg.) In S alouiksi scheint ein ziemliches Durcheinander zu herrschen: Order,
Konterorder, Desorder. Die abtransportierten Entente» truppen kehrten wieder zurück» rmWem tze meH»
