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Samstag, 16. Oktober 1915.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 483. - 63. Jahrgang.
Die vulgaren überschreiten die serbische Grenze.
Die Engländer bei vermelles wieder aus unseren Stellungen geworfen. — 300 Gefangene in der Champagne. — Ungewöhnlich schwere Verluste der Russen bei vünaburg.—Luftschiff- beschiehung des Bahnhofs von Minsk. — weitere Zuriickdrängung der Serben südlich Belgrad und Semendria. — pozarevac in unserer Hand.
Der Tagesbericht vom 15. Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. Okt. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Nordöstlich uud östlich von Vermelles sind die Engländer aus unseren Stellungen wieder hin- ausgeworfen. Nur am Wrstrande der sogenannten Kiesgrube konnten sic sich in einem kleinen Grabenstück noch halten.
In der Champagne hoben sächsische Truppen östlich von Auberive ein Franzosennest aus. das sich in unserer Stellung seit den großen Angriffen noch gehalten hatte. Wir machten 5 Offiziere und 300 Man» zu Gefangenen und erber,tetcn mehrere Maschinengewehre.
I» der Nacht vom 13. zum 14. Oktober wuichen die für die im Gange befindlichen Operationen militärisch wichtige« Bahnhöfe Chalons, Vitry-le-Fran- q o t § von einem unserer Luftschiffe mit Bomben belegt.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von Hindenburg.
Südöstlich und südlich von Dünaburg griffen die Russen gestern wieder erneut an. Südlich der Chausiee Dünaburg-Nowo Alexaudrowsk wurden sie unter ungewöhnlich schweren Verlusten zurückgeschlagen. Ebenso brachen zwei Angriffe nordöstlich W e s s e l o w o zusammen. Bei einem dritten Vorstoß gelang es den Russen, hier in Bataillonsbreite in unsere Stellung einzudringcn. Gegenangriff ist im Gange.
Eines unserer Luftschiffe belegte den Bahnhof Minsk, auf dem zurzeit große Trnppeneinladungen statffinden, ausgiebig mit Bomben. Es wurden fünf schwere Explosionen und ein großer Brand beobachtet.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern und Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Nichts Neues.
Balkankriegrschauplatz.
Bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen nahmen die Operationen ihren planmäßigen Verlauf.
Südlich von Belgrad und Semendria sind die Serben weiter zurückgedrängt. Es wurden 450 Gefangene gemacht und 3 Geschütze, darunter 1 schweres, erobert. Die Werke auf der Südfront von P o z a r e v a r sind heute nacht gestürmt. Tie befestigte Stadt fiel damit in unsere Hand.
Die bulgarische Armee begann den Angriff über die s e r b i s ch e O st g r e n z e. Sie nahm die Paßhöhen zwischen Belogradcik und Knjazevac in Besitz.
Oberste Heeresleitung.
•
Kn der italienischen Front gescheiterte Kngriffs- versuche des Feindes. — Die Serben über den Voliciea-Bach geworfen.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 15. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 15. Oktober, nüttags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer ttriegsschauplatz. ,
An der Tiroler Front hält das starke feindliche Artilleriefeuer an. Jnfanterieangriffsversuche der Gegner nur auf der Hochfläche von Vilgereuth, wo mehrere italienische Kompagnien um Mitternacht gegen unsere Stellungen vorstießen, jedoch nach kurzem
E euerkamps zum Zurückgehen gezwungen wurden.
bcnso scheiterte ein nochmaliger Annäherungsversuch in den Morgenstunde«.
An der Kärntner Grenze und im Küstcnlande ist die allgemeine Lage unverändert. Einzelne Ab- dieser Front stehen unter dauerndem feindlichen
Artilleriefcuer. Eine am Plateau-Rande nächst P e t e a n o vorgehende italienische Abteilung wurde durch Gegenangriff geworfen uud erlitt große Ver- l u st e.
Serbischer Kriegsschauplatz.
Die über den Erino Brdo vorgehenden k. und k. Truppen warfen den Feind über den bei V i«c a in die Donau mündenden D o l i c i c a - Bach zurück.
Die berderseits der unteren Morawa vordringenden deutschen Streitkräfte nahmen Pozarevac im Kampfe.
Die bulgarische erste Armee hat den Angriff über die serbische Ostgrenze begonnen und die Paßhöhen zwischen Belogradcek und Knjazevac in Besitz genommen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Die heutige Lage.
(Bon unserer Berliner Schriftleitung.)
Die im Sande verlaufende große Offensive im Westen. — Der planmäßige Fortgang in Serbien.
I-. Berlin, 15. Okt. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Auch von dem gestrigen Tage wird uns von der Westfront ein merkliches Nachlassen der gegnerischen Tätig- keit berichtet. Was die englischen Truppen ansamm- lungen und Borstöße betrifft, so darf man nach dem Verlauf der gesamten Aktion, so wie sie sich heute überschauen läßt, von einem glänzenden Fiasko der Offensive Frenchs spreche«. Die gesamten englischen Angriffe sind unter schwersten Verlusten zusammcngebrochen. Bei T a h u r e sind seit dem Zusammenbruch der französischen Borstöße keine neuen Versuche, vorwärts zu kommen, unternommen worden. Recht bemerkenswert erscheint uns, daß zwischen den französischen und englischen Angriffen kein rechter Zusammenhang mehr zu bestehen scheint. Auch dies dürfte darauf hindeuten, daß die Offensive an der Westfront von dem großzügigen Charakter, den sie zu Anfang trng, bedeutend verloren hat und den Eindruck verstärkt, daß das gesamte Unternehmen des Feindes, von dem er sich so gewaltige Ergebniffe versprach, im Sande verlaufen wird. Immerhin müsien wir abwartrn, ob nicht vielleicht ein letztes Aufflackern des neuen Offensivgeistes kommen wird. Doch können wir zweifellos weiteren nutzlosen Angriffen des Feindes mit Ruhe entgegensetzen.
Die Russen greifen immer noch an mit dem gleichen negativen Ergebnis des Maffenopfers.
In Serbien schreitet unser Aufmarsch planmäßig fort. _
Die Ereignisse auf dem Balkan.
Oer Kampf auf dem Balkan die entscheidende Phase des Weltkriegs.
Ein türkisches Urteil.
Ln. Konstantinopel, 15. Okt. (Eig. Drahibericht. Zens. Bln.) Der Beginn der Operationen an der bulgarisch- scrbischenGrenze erregt hier große Beftiedigung. Man lcgreift, daß der dritte Balkankrieg den Weltkrieg in eine entscheidende Phase bringt und sein Ende beschleunigt. Die Bulgaren werden von den heißesten Wünschen der Türken in diesem Kampf begleitet. Man ist hier ter Überzeugung, daß dieser neue Krieg für den Vierverband auch dann verloren ist, wenn dieser alle Truppen von den Dardanellen zurückziehen sollte. Die Presse weist aus die an Panik grenzende Verwirrung hin, die in den Kreisen des Vierverbands herrscht, dessen Zeitungen die widersprechendsten Mittel anraten, um der drohenden Katastrophe rorzubeugen.
Die Entscheidung über die Dardanellen fällt auf dem serbischen Kriegsschauplatz.
Einschränkung der Angrifsstätigkeit an den Dardanellen.
Br. Konstantinopcl, 15. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln. Verspätet eingetroffen.) Seitdem sich das militärische Interesse der Verbündeten auf die Unterstützung Serbiens konzentriert, ist es an den Dardanellen stiller geworden. Die Tätigkeit der Verbündeten erschöpft sich fast ganz in kurzen Beschießungen der türkischen Stellungen durch ihre Artillerie. Dies ist um so ausfälliger, als von militärischer Seite erzählt wird, daß seit einiger Zeit mancherlei Anzeichen erkennen ließen, daß die Verbündeten zu einer letzten großen entscheidenden Offensive ausholten. Die Wandlung der Dinge auf dem Balkan zwinge sie, diese aufzuschieben. Doch wäre es voreilig, zu behaupten, daß sie ganz aufgegeben ist. Die Entscheidung darüber fällt auf dem serbischen Kriegstheater. Bemerkenswert ist, daß auch die feindlichen Monitore, aus welche die Engländer so große Hoffnungen, gesetzt hatten, ihre allerdings wenig lohnende Tätigkeit eingestellt haben. Vermutlich, um eine vorzeitige Abnutzung der beiden 85,6-Zentimeter-Geschützen, mit denen sie bestückt sind, zu vermeiden.
Große Verstimmung in Serbien über die verfehlte Lntentepolittk.
Br. Sofia, 15. Okt. (Eig. Drahibericht. Zens. Bln.) Über den letzten serbischen Kronrat in Kragujewac berichtet
die hier erscheinende offiziöse „Kambana": Der bisherige Gesandte in Sofia gab seiner Unzufriedenheit über das Borgehen der Ententevertreter Ausdruck. Besonders schwierig sei die Lage Serbiens, so sagte er, nach der Intervention Italiens geworden. Einen diplomatischen Sieg dagegen hätten König Ferdinand und R a d o s l a w o w errungen. Der Wohwode General Putnik, der Chef des Generalstabs, führte aus, daß Serbien nicht imstande sei, gleichzeitig nach Nordweften und Süden zu kämpfen. Wenn es auch nur an einer Stelle eine Niederlage erleiden würde, so könnte diese für das serbische Heer verhängnisvoll werden. Der Ministerpräsident P a s i t s ch betonte die Pflicht des Vierverbands, den Einmarsch der bulgarischen Armee in Mazedonien aufzuhalten. Aus Griechenland und Rumänien könne man nur zählen, wenn die Entente siege. Die Politik der Entente hat in Serbien große Verstimmung hervorgerufen.
Ein serbischer Hilferuf.
Lugano, 14. Okt. (Zen-s. Mn.) Aus Saloniki sie- richvet -der Vertreter des „Corriere della Sem" über eine Unterredung, -die er mit einem serbischen Offizier hatte und die -deutlich den hohen E r n st der Lage, in der Seibien sich befindet, erkennen läßt. Der serbische Offizier sei zwar voller Vertrauen in die Widerstandskraft der sevbijchen Armee, er habe oder beige fügt, daß -der Vierverband so rasch als möglich Hilfe bringen müsse. Er ^wunderte sich darüber, daß die Truppen des Vierverbandes, welche sich berefts in Saloniki befänden und Serbien hätte Hilfe bringen können, immer noch dort zurückgehallen würden. Eine solche Hilfe würde namentlich gegenüber Bulgarien zum Schutze der Brücken bei St r um i tz a erwünscht, welche in dem letze ten Ballankriege von den Bulgaren zuerst angagvissen und zerstört worden seien. Dort liege die größte Gefahr vor, daß die serbischen Kräfte von Saloniki crb-ge- schnitten würden. Infolge des doppelten Angriffes müsse Serbien heute sein Heer -am sein-ander« reißen. Ein Eingreifen der Verbündeten sollte idaher an -dieser Stelle sofort erfolgen. Statt tdesfen aber hätten sich in Saloniki Dinge ereignet, die man ernfach nicht verstehen könne. Die gelandeten Truppen des Vierverbandes hätten nämlich bereits Befehl erhalten gehabt, die von der serbischen Regierung bereitgehaltenen Eisenbahnwagen zu besteigen. Darauf sei aber wieder Gegenbefehl glommen, und die Truppen hätten den Zug wieder verlassen müssen. Nun sei es aber höchste Zeit, Soldaten von Saloniki albzusenden. Lin russisches Blatt über die für den vieroer-- band hoffnungslose Balkanlage.
Br. Stockholm, 15. Okt. (Eig. Drahibericht. Zens. Bln.) Die russische Zeitung „Djen" schreibt: Niemand glaubt mehr cm Griechenlands Mithilfe. Serbiens Lage verschlimmert sich täglich. Jetzt versteht man erst, warum Bulgarien mir auf der Rückgabe von Serbisch- -Mazedonien bestand uud Griechisch- Mazedonien nicht verlangte. Im! Zusammenhang mit der neuen griechischen Umgruppierung kann von einer weiteren englisch - französische« Truppenlandung in Saloniki keine Rede sein. Diesel Landung konnte nur im Einverständnis mit Griechenland Bedeutung erlangen. Wie sich die Ereignisse auf dem Balkan gestaltet haben, so fährt das Blatt fort, wissen wir nicht. Radoslawow und König Ferdinand haben jedenfalls schon gewonnen. England und Frankreich können keinen Entsatz bringen, ohne die griechische Neutralität zu verletzen, was bei der veränderten- Stellungnahme Griechenlands dieses in die Arme Deutschlands treiben würde. /
Der Vierverband zu kräftigem Vorgehen f gegen Bulgarien entschlossen.
100 000 Mann sollen bereits in Saloniki gelandet sein.
V/. T.-B. London, 15. Okt. (Nichtamtlich.) Der römische Korrespondent des Reuterscheu Bureaus ist ermächtigt zu erklären, daß die Regierungen des Werverbandes Anstalten für ein kräftiges Vorgehen mit großen Stvettkrästen gegen Bulgarien getroffen haben. 100 000 Mann sollen in Saloniki bereits gelandet sein.
Wenn die Truppen des Vierverbandes samt ihren in Aussicht gestellten farbigen Hilfskräften Bulgarien crngrerfen, werden sie jedenfalls auch auf die genügende Anzahl bulgarischer, deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen stoßen.
Lin italienisches Zeugnis über die einheitliche Stimmung in Bulgarien.
Br. Lugano, 15. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Eine Bukavester Depesche des „Corriere della Sera" bestätigt zu allgemeiner Überraschung, was bisher von der italienischen Presse krampfhaft geleugnet wurde, daß nämlich ganz Bulgarien wie ein Mann die verhaßte deutsche Livree" angelegt habe, überall zeigten sich deutsche Offiziere, in Uniform, die vom Volke mit Jubel begrüßt wurden. Kein einziger von allen Oppositionsführern wage auch nur den geringsten Protest zu erheben. Sie seien samt und sonders un s i ch t b a r geworden. Der Berichterstatter fügt hinzu, nur der französische Gesandte machte dem König Ferdinand einen Abschiedsbesuch, um sich vom Zaren wie ein Schuljunge behandeln zu lassen. Der enMche und.
