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i »-—4 » j Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts. !«'.

nr. 241

Freitag, 13. Oktober.

«hj».

llv. Fortsetzung.)

§. M. S. Grille!

Roman von Ott» Elster.

lNachdruck verboten.)

Er fuhr mit seinem Boot wieder cm Land, und S. M. S. „Grille" lag wieder so ruhig da. wie vorhin. Nur die Mannschaften hatten jetzt einen ausgiebigen Staff der Unterhaltung. Am liebsten wäre jeder von ihnen mitgefahren, um den verdammten gelben Schuf­ten" ordentlich die ,^acke auszuKapfen".

Inzwischen fuhr die Barkasse unter Volldampf den breiten Strom hinauf. Horst hatte dem Maschinisten Befehl gagoben, so schnell wie möglich zu fahren und die Kohlen nicht zu sparen. Er tvar von einer nervösen Ungeduld ergriffen; er stand am Bug der Barkasse und schaute mit brennenden Augen in die Ferne, »»ährend seine Wangen eine fohle Blässe bödeckte. Wenn sie zu spät kämen! Wenn Käthe unter dm rohen Fäusten der Empörer ihr Leben gelassen — wenn — er schauderte bei dom Gedanken an diese Möglichkeit, so «daß der jugendliche Seekadett, der ihm beigegehen war, besorgt fragte: ,-Soll ich Herrn Leutnant den Mantel Halen? Herr Leutnant frieren ..."

Horst machte eine abwehrende Bewegung, so daß sich der Soekadett bescheiden zurückzog. Horfft begab sich zur Maschine.

,. s ist Volldampf, Herr Leutnant", sagte der Maschinist. „Mehr kann die Maschine nicht leisten."

In rasender Erle fuhren die Kolbenstangen hin und her, und drehte sich die Schraube, die das Wasser zu schneeigem Schaum zerpeitschte. Hochauf spritzten die Wellen am Bug, und die Maschine stöhnte und keuchte wie ein edles Roß, das durch Sporen und Peitsche Zur äußerstem Kvaftleistung angetriäben wird. Aus dem Schlot stieg mit heftigen Atemftößon dicker Qualm em­por und folgte als lange silwarze Fcchne dom tme rasend dahinschießenden kleinen Dampfer. Auweilen schoß die Lohe züngelnd ans dem Schlot oder prasselnd und knisternd stob ein Funkenregen hervor.

Die Kapitäne, die Matrosen auf dm großen Damp­fern, an denen die Barkasse vorüb erschoß, schauten er­staunt auf«das kleine, schnaubende, feuerspeiende Unge­tüm, und die Segel- uhd Ruderboote entfernten sich schleunigst aus seiner Nähe, um nicht in, die Gefahr zu kommen, überrannt zu werden. Denn rücksichtslos ver­folgte die Barkasse ihren Weg; warnend erklang oft die Stimme ihrer Dampfpfeife; im Winde flatterte die deutsche Kriegsmarine-Flagge, so daß alle Boote dem kleinen Dampfer Platz machten und niemand es wagte, seinem rasenden Lauf entgegenzutreten.

Je weiter man kam. desto freier wurde die Bahn, desto rascher schoß die Barkasse dahin. Aber Horst war diese rasende Fahrt immer noch nicht schnell genug. Der Maschinist zuckte die Achseln, er durste der Maschine nicht mchr zumuten.

„Es geht nicht, Herr Leutnant . .

„Es muß gehen", mtgegnete Horst finster. „Leben und Tod von unseren deutschen Freunden steht auf dem Spiele."

„Ich werde mein Möglichstes tun, Herr Leutnant.."

Horst begab sich wieder nach dem Bug der Barkasse und lveß dm Blick in die Ferne schweifen, als wnne er dm Nckel der Ferne, das Dunkel des Abends, der sich niedersmkte, durchdringen.

Er sich za nur immer ein entsetzliches Bild vor Augen: Käthe in den Händen der rohen Menge! — und er hätte ausschreien mögen vor innerer Qual.

Vorwärts! Vorwärts! — das war sein einziger Gedanke.

Strahlend erhob sich die Sonne des kommenden Tages über die Gipfel der Berge und zerstreute wie mit einem Zariberschlage die Schatten der Nacht. Sie ent- hMte zugleich aber auch die Schrecken der letzten Nacht, die wcchnwitzige Herstörungswut der Empörer und die Gefahr, in der dre Bewohner der Mission schwebten. Das vor wenigen Stunden noch so friedliche Dorf, dessen Bevölkerung sich zum großen Teil schon^zum Christen­tum bekannt hatte, war eine wüste Stätte der Zer­störung. Nicht nur die Faktorei und ihre nächste Um­gebung waren ein Raub der Flammen ante der Zer­störungswut der Rebellen geworden, sondern das ganze Dorf war ein wilder Trümmerhaufen, inte, was das schrecklichste war, in den Gassen lag hier und da die Leiche eines ermordeten Mannes öder einer Frau, die der Wut der Wahnwitzigen zum Opfer gefallen waren» weil sie sich der Empörung nicht anschließon wollten oder nur, weil sie dem Christentum anhrngen.

Auch vor der Mission selbst sah es wüst aus. Die Felder und Gärten, die am Abhänge des Berges ange­le^ waren, Sraren zerstampft und verwüstet. Nicht weit van dem Tore sah man die Leiche des langen Ghinesen, den das Geschoß Krauses erreicht hatte. Mit verglasten Augen starrte der Tote, dessen Gesicht zu einer gräßlichen Fratze verzerrt war, zum Himmel auf. Weiterhin, sah man noch zwei Tote liegen. Weg- geworfene Waffen aber 'deuteten auf die eilige Flucht, durch die sich die Empörer den todbringenden Schüssen zu entziehen versrichten.

Aber «das Schrecklichste war diese, tobende Menge, die sich aus dem freien Platz in der Mitte des Dorfes rpn-

t ertricb und sich durch Zuzug von allen Seiten von stunde zu Stunde vergrößerte. Einige Männer in wildphantastischer Gewaateung streiften durch die Menge und suchten sie durch Ansprachen zu immer heftigerer Raserei anzufeuern. Jauchzend und tobend schtvangen dann die wilden Burschen ihre Waffen, und es war ein Glück, «daß ihnen keine Feuerwaffen zur Verfügung standen, sondern nur Speere, lange Messer, alte Säbel und fchwere, keulenartige Knüttck. So konnten sie wenigstens nicht aus der Ferne die in der Mission Ein- geschlossenen beschießen und nahe heranzukommen wag­ten sie nicht aus Furcht vor den Gewehren jener. Die teige Natur, «der Untergrund ihres Charakters, machte sich wieder geltend und ließ auf Krauses Antlitz ein verächtliches Lächeln hervortretein.