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„Tagbiatt-Hans" Nr. 6650-53.

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Zreitag, 15. Oktober 1915.

Der Krieg.

ver offizielle Nriegsbeginn zwischen Bulgarien und Serbien.

Die Serben die Erösfner des Krieges.

W.T.-B. Berlin, 14. Oft. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die bulgarische Gesandtschaft erhielt die offi­zielle Mitteilung, das; die bulgarische Regierung infolge Überfalles durch serbische Truppen bei Küstendil, Trn und Bjelogradschik vom 14. Oktober 8 Uhr früh an im Kriegszustand mit Serbien sich befindet.

Ein Aufruf bulgarischer Frauen.

W.T.-B. Sofia, 15. Oft. (Nichtamtlich.) Der Ver­band bulgarischer Fraueg^erläßt einen Aufruf, in dem sämtliche bulgarischen Krauen aufgefvrdert werden, zu dem gemeinsamen Werke beizutragen, sei es durch Er­setzung der ein&erufetten Landwirte in den Dörfern zur Ver­richtung der landwirtschaftlichen Arbeiten, sei es durch Für­sorge für die Familien mittelloser Reservisten, sei es schließ - lich durch Betätigung als barmherzige Schwestern zur besse­ren Pflege der Verwundeten.

90 000 Mazedonier bereits ins bulgarische Heer eingetreten.

Sofia, 15. Oft. (Jens. Mn.) Die Zahl der Mazedonier, die sich freiwillig zum Eintritt in das bulgarische Heer gemeldet hat, beläuft sich, so heißt es, auf 90 000 Mann. Man hatte im g ü n st i g st e n Falle mit 39 900 gerechnet.

Die serbischen Bawdenausschreituugen vor Kriegs- Ausbruch!

Br. Bukarest, 15. Oft. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Blätter melden aus Sofia, daß der bulgarische Angriff gegen Serbien- nur erfolgte, um dem unerträglichen Zu st and ein Ende zu machen, der durch das Austauchen serbischer Banden in den bulgarischen Grenzgebieten ge­schaffen worden war. Serbien betrachtete sich vom Tage des Abbruches der diplomatischen Beziehungen zwischen Bulgarien und dem Vierverband als im Kriegszustand befindlich. Täg­lich überschritten serbische Banden nichtunisormierter Leute unter Führung von Offizieren die bulgarische Grenze, er­mordeten die Grenzposten, überfielen und brandschatzten die fiiedliche Bevölkerung. Die Serben verübten dabei namen­lose G r e u e l t a t e n. Den männlichen Bewohnern wur­den die Augen ausgestochen und Ähnliches. Bulgarische Vor­stellungen bei den serbischen Grenzkommandos begegneten höhnischen Abweisungen.

Zur Beschießung eines serbischen Eisenbahnzuges bei Negotin.

Br. Ofrnpest, 15. Oft. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Bukarester „Jndependance Roumaine" erhielt aus ver­schiedenen Tonauhäfen übereinstimmende Nachrichten, wonach die Feindseligkeiten zwischen Bulgarien und Serbien schon begannen. Am Dienstag früh 4 Uhr beschossen die Bulgaren in Negotin heftig einen serbischen Eisenbahnzug, der russi­sches Kriegsmaterial ausPrahowa nach Zajecarbrachte.

Farbige Hilfstruppen für Serbien.

W. T.-B. London, 15. Oft. (Nichtamtlich.) «Daily Mail" meldet aus Saloniki: Das erste französisch - afri- konische Infanterie - Regiment geht am 15. Oft. mit der Bahn nach S e r b i e n ab.

Geringe Hoffnungen in England auf die Serben.

W.T.-B. London, 15. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die «Daily News" sagt in einem Leitartikel: Es ist kaum zu hoffen, daß die serbische Armee die feindlichen Armeen lange aufhalten kann. Die Armee in Saloniki kann sich schwerlich so weit von ihrer Basis entfernen. Die an­geblich geplante Landung in Dedeagatfch wurde nicht ausgefirhrt. Die Hoffnung beruht daher auf dem von Viviani angedeuteten russischen Angriff.

Griechenlands Absage an Serbien.

Oer en8U8 föderis trifft nicht zu. — gegenwärtige Konflikt kein Valkankrieg nur eine Episode des Weltkrieges.

W.T.-B. Lyon, 15. Oft. (Nichtamtlich.) „Lyon Rcpp- blicain" meldet aus Athen: Die griechische Regierung hat gestern der serbischen Regierung ihre Antwort, betreffend die Mitwirkung Griechenlands an dem Konflikt, der durch das Eingreifen Bulgariens geschaffen worden ist, gegeben. Die griechische Regierung ist der Ansicht, daß in dem gegenwärtigen Falle der durch den Bündnisvertrag vorge­sehene casus foederis nicht erfüllt werde. Der griechisch­serbische Vertrag, der rein vulkanischer Natur sei, sehe nicht den Fall vor, daß ein mit zwei Großmächten verbündetes Bulgarien gemeinsam mit diesen Serbien angreift. Der gegenwärtige Konflikt sei kein Balkankrieg, sondern eine Episode des allgemeinen Weltkrieges. Griechenland, welches mit Serbien vrrbündetbleibe, glaube, daß seine bewaffnete wachsame Neutralität den Interessen beider Länder diene, Griechenland, indem es seine Lebensrnteresse« wahre und gestatte, nStigenfalls diejenigen Interessen zu schütze«, die Griechenland und Serbien gemeinsam seien.

klbend-Ausgabe.

Griechenland verhält sich auch auf eine zweite serbische Note ablehnend.

Br. Rotterdam, 15. Oft. (Eig. Dvahtbericht. Zews. Bln.) Die griechische Regierung hat erneut die Aufforderung Serbiens, auf Grund des griechisch- serbijchcn Vertrages von 1913 den Serben Hilfe zu leisten, ablehnend beantwortet.

Griechenland beordert einen griechischen Dampfer mit 2000 Reservisten nach New Hork zurück.

W.T.-B. London, 15. Oft. (Nichtamtlich.) „Daily Chronicle" meldet aus New York: Der griechische Dampfer „Basilafs Constantinos", der mit 2999 Reservisten abfuhr, hat Befehl erhalten, sofort nach New Dorf zurückzukehren und weitere Befehle aus Athen abzuwarten. Der Grund ist nicht bekannt.

Die Verletzung der griechische'» Neutralität wird fortgesetzt.

Br. Petersburg, 15. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) „Rjetsch" erfährt aus diplomatischen Kreise«, daß die Alliierten beschlossen haben, ungeachtet des Protestes der griechischen Regierung die Truppenlandungen fortzusetzen. Sie glauben kaum, daß Griechenland sich mit Gewalt widersetzen wird, da die Alliierten andernfalls durch den Druck einer Blockade Griechenland zur Aufgabe der Neutralität zwingen könnten.

Rumänien lehntjeden russischen Durchmarsch ab.

W. T.-B. Wien, 15. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Südslawische Korrespondenz" berichtet aus Bukarest: Einer Meldung des Blattes „Dreptatea" zufolge, betraute die russische Regierung ihren Vertreter in Bukarest mit der Ausgabe, die rumänische Regierung zu befragen, wie sie sich zu einem Verlangen nach Bewilligung des Durch­marsches russischer Truppen durch die Dobrudscha stellen würde. Der Ministerpräsident Bratianu äußerte den festen Entschluß, die Neutralität Rumäniens gegen jedermann nachdrücklichst zu verteidigen.

Herrn Greqs Auskunft.

Die mißglückten Bemühungen der Vierverbanbs- diptomatie aus dem Balkan, die bereits so viel Staub auswivbeltsn, die in den Hauptlwgern der Verbündeten, in England und Frankreich, die «heftigste Presseföhde und ungeschminktesten Angriffe ans die Regierungen hevaufbsschworen und schon einen Minister zum Sturze brachten, während es auch im englischen Kabinette be­denklich kriselt, bilden noch immer das ergiebigste Thema der Stunde. Die Öffentlichkeit und die großen Vvlks- ilnassen, die in einem Kriege daheim und aus dem Schlachffelde immer die Hauptleidtragenden sind, ver­langen in solchen Stunden naturgemäß vollste Auf­klärung über das Wie und Warum der Mißerfolge und so hat sich auch Sir Edward Grey, den wir gestern schon den zweiten Brandstifter dieses unseligen Krieges nannten, wenn auch schweren Herzens dazu verstehen müssen, Rechenschaft über das von ihm ^verwaltete Amt >der auswärtigen Angelegenheiten zu geben, insbesondere wie der ihrn zur Bersü-gung stehende ,Apparat am Balkan gearbeitet hat.

Nichts wird deshalb für ihn selbst wie für das eng­lische Volk niederdrückender gewesen sein, als daß er gestern im Unterhaus bekennen mußte, der schöne Plan, Griechen, Rmnänen und Bulgaren an die Seite des Mewerbandes zu ziehen, um für /die Interessen -der Londoner City ihre Haut zu Markte zu tragen, sei ins Wasser gefallen. Erst galt -das Liebeswerben der Türkei. Sic sollte wenigstens neutral bleiben und dafür gab der chemalige Dreiverband die Zusicherung, daß das Land nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollte: als ob ein solches Verhalten gegenüber einem neutralen Staate nicht selbstverständlich wäre.

Als dann aber die Türkei sich nicht einfangen ließ, Weil sie Wohl wußte, von Wannen der englische Wiüd wehte, setzten die Diplomaten der Entente ihre Trümpfe auf 'die übrigen BaWanstaaten. Bulgarien, der wchvmächtigste Staat, >war das Ziel ihresStrcbens. und ihm wurden besonders hohe Versprechungen gemacht. Man hatte Bulgarien Thrazien und Mazedonien ver­sprochen, wenn es in ben Krieg ziehe. Gewiß, Bulgarien !hat auch m den Waffen gegriffen; aber nicht an der lSeite des Dierverbandes, sondern^im Verein mit den Zentralmächten wird es jetzt gewinnen, was ihm durch hohle Versprechungen und. Phrasen nie und nimmer hätte gegeben werden können. Herr Radoslawow, der energische und kluge Berater König Ferdinands, hat den Vierverband ja bereits schon vor Wochen in arge Verlegenheit gesetzt, als er genauere Auskunft darüber erbat,' wie >dieser eigentlich die zukünftige Beute und den balkanischen Besitz zu verteilen gedenke, ida es ihm er- , scheine, als ob der Vierverband aus der Haut des emen,

Nr. 482. ♦ 65. Jahrgang.

die Riemen für dein anderen schneiden wolle, und als ob der Vierverband dem anderen ebenfalls verspreche, was er bereits dem ersten zugssagt habe. So muß Herr Grey denn notgedrungen eingestöhen, daß Bulgariens Teilnahme am Kriege den größten Einfluß aus die Lage ausübe. Denn die Zentralmächte, deren Endsieg vollends heute nach dem Eindringen in Serbien nie­mand .mehr anzweifelt, hätten Bulgarien mehr zu ver­sprechen vermocht als der Vierverband.

Wenn weiter Sir Edward Grey von der Gemein­samkeit der Interessen Griechenlands uüd Serbiens ge­sprochen 'hat, so wird diese Ansicht jedenfalls nicht von Griechenland geteilt, das .eben jetzt erst auf eine Note um Hilfe der serbischen ^Regierung erklären ließ, baß ber casus foederis nicht zutreffe, daß der griechisch-serbische Vertrag keine Möglichkeit einer Verbindung Bulgariens mutt europäischen Großmächten Vorsatz und dorischen konnte und daß der gegenwärtige Konflikt nicht ein Balkankrieg, um den es sich in dem griechisch-serbischen Vertrag handelt, sei, sondern nwr eine Episode des! gegenwärtigen Weltkrieges. Herr Grey wird inzwischen wähl auch erfahren haben, daß Griechenland auch aufs eine zweite Note ablehnend geantwortet hat. Wider­spricht sich außerdem Englands Minister des Auswär­tigen nicht in seinen Ausführungen, wenn er der Iden­tität der Interessen Griechenlands und lSerbie ns M N eigenen Verteidigung seiner Schliche und Wege gerade das Argument entgegensetzt, das von Griechenband aus­gestellt wird und das er in die Worte kleidet, daß der Streit immer derselbe sei, aus welchem Kriegsschauplatz auch die Kämpfe statffänden.

Überall blickt die Enttäuschung und Bitterms über das Mißlingen der Ränke und Pläne am Balkan hin­durch und auf eine weitere Enttäuschung soll wohl auch das englische Publikum vorbereitet werden, wenn Sir Grey etwas triumphierend verkündete, daß dieMtzi- wivkung russischer Truppen in Serbien erfolgen soll«, sobald sie verfügbar seien. Denn Herr Grey i«d die anderen werden längst wissen, daß von den Rsrsfen keine Unterstützung zu erwarten ist, weil sie <s5e Hände voll für sich selbst zu tun, aber auch keine Hflsstruppen zur Verfügung haben. Alles in allem also sind Greys Erklärungen nur Versuche, die Mißerfolge des Vier- verbandes in möglichst mildem Lichte erscheinen zu lassen, ohne daß er das Eingeständnis der Schwäche ganz verleugnen könnte. Trotz aller Widersprüche, die sich in seinen Worten früden, in einem Pumkte wird man ihm unbedingt recht geben müffen, wenn er näm­lich davon spricht, daß England und er als der vercmb wörtliche Leiter der auswärttgen Angelageuherten sich aufrichtig bemüht hat, daß dieser Krieg sich gehörig und recht ausbreite. Denn wir kennen Sir Edward Grey/ der als zweiter Brandstifter neben dem soeben gestürz­ten ersten Brandstifter DelcaM parabiert und wir wissen, wie es sein Verdienst ist, idaß der Krieg selbst bis: ins Innerste Afrikas und Wer die Ozeane in West und Ost getragen wurde. Wir erkennen daraus über auch, welch" Hoffnungen England auf diese Ausbreitung des Krieges setzte, bei dem es selbst nur verhÄtnisMähig geringe Kräfte zu opfern bereit war, während die übrige Welt sich hinschlachtete. Englands Dovherrscha-st, über den Evdenball wäre begrüridet gewesen. So zer- flattern diese Hoffnungen und es bleibt nichts als die. Erkenntnis, daß man sich gründlich verrechnet !hat und die Enttäuschung um so vollkommener geworden fit.

Dir. A. H.

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Greqs resignierte Erklärung fifcet W« Balkan- läge.

W.T.-B. Lsndon, 15. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Unterhaus gab Grey eine Erklärung über di« diplo­matische Seite der Balkanlage ab und sagte: Beim Ausbruch des Krieges wünschten wir, daß er sich r echt aus- breite. Wir hoben zusammen mit unseren Alliierten der Türkei die Versicherung gegeben, daß, weirn sie neutral b lecke, das türkische Territorium nicht in Mitleidenschaft gezogen würde. Als sich die Türkei dann am .Kriege beteiligte, rich­teten die Alliierten ihre vereinigten Bemühungen daraus^ eine Übereinstimmung zwischen den Balkanstaate,1 zu erzielen. Unglücklicher weise war die Stimmung aus dem Baaan nicht für Vereinigung, sondern für scharffte Zwiespaltung. Es war klar, daß nur ein entschiedenes Übergewicht und Vorteile aus dem Schlachtfelde es den Alli ierte r ermöglichen würde, eine einheitliche Politik am Balkan dmcch- zusetzen. Außer bezüglich Thrazien boten die ZentrakmächkS Bulgarien für die Neutralität mehr, als die Allnerten mmger» weise anbieten konnten. Die Versprechungen, die Bulgaren veranlaßt haben, den Krieg zu erklären, sirch van den Zentral- mächten auf Kosten der Nachbaren Bulgariens gemacht wor­den, ohne den entsprechenden Vorteil für letztere. Wir standen die ganze Zeit in freundschaftlichen Beziehungen zu Rumänien, das den Balkanbund begünstigte. .

Grey pries sodann die Geschicklichkeit und Tapferkeit der Serben, mit der diese sich gegen die Lsterre ichffch -ungari- schen Armeen warfen und sie aus dem Lande vertrieben» als