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Freitag» 13. Oktober 1915.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 481. «- 63. Jahrgang.
weiter voran in Serbien!
Die eiserne Mauer im Westen. — verstärkte englisch-französische Angriffe wieder überall unter schwersten Verlusten zurückgeschlagen.— Eine weitere Stellung vor vünaburg genommen. — Die Russen über die Strypa zurückgeworfen.— weiterer Vormarsch südlich Belgrad Der sestungsartig ausgebaute Platz pozarevac vor dem Fall.— Roch einmal Ioffres Tagesbefehl
rer Tagesbericht vom 14. Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Qkt. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Während feindliche M o n i t o r e die K ü st e bei W e st e n d e und die feindliche Artillerie unsere Stellungen nördlich von Apern ohne Erfolg beschosien, setzten die Engländer fast auf der ganzen Front zwischen D p e r n und Loos hinter Rauch- und Gaswolken zum Angriff an, der gänzlich scheiterte. An mehreren Stellen schlugen die Rauchwolken in die feindlichen Graben zurück. Nur nordöstlich und östlich von V c r m e l l c s konnten die Engländer in unsere« vordersten Graben an kleinen Stellen Fuß fasten, aus denen sic größtenteils mit Handgranaten schon wieder vertrieben find.. Fünf Angriffe ohne Benutzung von Rauchwolken, aber mit starken Kräften gegen die Stellung westlich von Hurluch sind unter s ch w e r st e n Verlusten für den Feind abgeschlagen.
Südlich von Angres wurden dem Feinde im r^iegenangrisf 2 Maschinengewehre abgenommen. Bei der Säubernnq der kleinen Nester, die die Franzosen ans der Höhe Mich von Souchez noch besetzt hielten, bliebe« 400 Mann als Gefangene in unseren Händen.
In der Champagne setzten die Franzosen ihre Angriffe beiderseits von T a h « r e mit äußerster Erbitterung fort. F ü n f Angriffe südlich, zwei nördlich der Straße Tahnrc-Souain brachen unter schweren Verlusten für die Angreifer zusammen. Nächtliche Anariffsversnche erstickte unser Artilleriefeuer im Keime. Auf der C o m b r e s- Höhe wurde ein feindlicher Graben von 120 Meter Länge gesprengt.
In den B o a e s e n versuchten die Franzosen die ihnen am 12. Oktober am Schratzmännle abge- nommcne Stellung zurückzunebmen. An unserem H i n- dernis brach ihr Angriff nieder.
Gestlicher Krkeasschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarfchall»
von Bindenburg.
Westlich und südwestlich Jllnxt warfen wir den Gegner aus einer weiteren Stellung, machten 650 Gefangene und erbeuteten 3 Maschinengewehre. Russische Angriffe westlich und südwestlich Dünaburg wurden abgewiesen.
Beeresgruppe des Generalfeldmarschalls PrinzLeopold von Bayern und Heeresgruppe des Generals von Llnsingen.
Nichts Neues.
Deutsche Truppen der Armee des Generals Grafen B o t h m e r nahmen Hasworonka (südlich Burkanow) und warfen die Rüsten über die Strypa zurück.
Balkankriegsschauplatz.
Südlich von Belgrad sind unsere Truppen im weiteren Vorgehen. Die Werke der West-, Nord-, Ost- und Südostfront des festnngsartig ansgebautcn Ortes Pozarevac find genommen.
*
Die „Agence Havas", das amtliche Nachrichtenorgan der französischen Regierung, wagt zu behaupten, der im deutschen Tagesbericht vom 3. Oktober veröffentlichte Befehl des Generals Joffre fei deutscherseits erfunden. Demgegenüber wird festgestellt, daß mehrere Urabzüge des Befehls in deutsche« Händen sind und daß eine große Anzahl gefangener Offiziere wie Mannschaften ihre Kenntnis des Befehls, den sie übrigens verschiedentlich in Abschrift auch hei sich führten, unumwunden zugegeben habeu.
Oberste Heeresleitung.
Abgewiesener russischer Angriff bei Tarnopol.
— An ver italienischen Front keine Veränderung.
— Das Vordringen südöstlich Belgrad. — Autzerordentlich grohe Verluste der Serben, ver österreichisch, ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 14. Ott. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 14. Ottober, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Der Feind griff gestern unsere Stellungen westlich von T a r n o p o l an. Er stürmte drei Glieder tief, wobei er die Männer des ersten Gliedes nur mit Schutzschilden ausgerüstet hatte. Unsere Truppen schlugen ihn zurück. Er erlitt große Verluste.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das lebhafte Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen auf den Hochflächen von L a f ra u n und V i l g e r e u t h und gegen einzelne Stützpunkte der Dolomite »front hält an. Ein Alpinibataillon, das gegen eine Vorstellung südlich von Riva vorstieß, wurde durch unser Gcschützfeuer vertrieben. An der küst e nl an d isch e n Fkont haben wir im Gebiet von Javorock ein Stück italienischen Schützengrabens besetzt. Zwei italienische Angriffe auf den Mrzli-Vrh, die nach heftiger Feucrvorbereitung bis an unsere Hindernisse heran kamen, wurden abgeschlagen. An den anderen Teilen der I s o u z o- front wie gewöhnlich Geschützfener.
Serbischer Kriegsschauplatz.
Misere Truppen stürmten gestern aus der Gegend von Belgrad nach Süd osten vordringend die f e st u n g s a r t i g e n, stark verschanzten Stellungen auf dem E r i n o - B r d o, dem C u m a k und der S t a z a r a. Der Feind, der, wie Gefangene aussagcn, den Befehl hatte, sich bis aufdcnletztenMannzu halten, ging in regelloser Flucht gegen den Aval«-Berg und den Raum östlich davon zurück. Seine Verluste sind außerordentlich groß. Unsere schwere A r- t i l le r i e hatte wie immer bei ähnlichen Kriegshandlun- gcu auch an diesem Erfolge rühmenswerten Anteil. Gleich g ü n st i g schreiten die Angriffe unserer Verbündeten an der unteren M o r a w a fort. Wir entrissen dem Gegner die Verschanzungen an der West-, Nord- und Ostfront von Pozarevac.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Fcldmarschalleutnant.
weltgeschichtliche Entwicklung.
Als Halil-Pascha und Enver-Pascha in lder türkischen Kammer am 5. Ottober ihre idenkwüröi- -gen Reben hielten, war Belgrad noch nicht besetzt, aber für die Staatsmänner der Pforte war es berefts eine Gewißheit, daß unser Vormarsch sicher gelingen und alle Ziele, zu deren Erzwingung er unternommen wird, auch wirklich erreichen werde. Wir müssen es h o ch bewerten, daß diese beiden Männer die Bedeutung der Gemeinbürgschaft zwischen der Türkei und den Mittelmächten in ihrer ganzen Tiefe ersaßt und dafür einen Ausdruck gesunden haben, dem wir historische Wucht und Größe zusprechen können. Es ist etwas Außerordentliches, daß Halil- Pascha das polittsche Kriegsziel der Pforte in so schönem Einklang mit den Auffassungen und den Willensrich- tungen der deutschen Politik mit Namen benannte. Er sprach davon, daß es für ewige Zeiten eine g e - schlossene Staatengruppe von der Nordsee bis zum Indischen Ozean gegen englischen Egoismus, russische Eroberungsgelüste, französische Revanchegier und italienischen Verrat geschaffen werden soll oder vielmehr schon geschaffen worden ist. Das Wort „ewig" war im Zusammenhang der Rede zweifellos sorgfältig überlegt, es sollte ein Programm aussprechen, und es werden so die Grundzüge einer gemeinsamen, auf Dauerhaftigkeit berechneten Politik der Mittelmächte, der Pforte und auch Bulgariens in einem klassisch zu nennenden Satze gezogen. Damit aber die Welt genau wisse, um was es sich handelt, sprach der Kammerpräsident noch ausdrücklich von den Zwischen den Mittelmächten und der Pforte vereinbarten „Verpflichtungen für eine lange Zukunft". Wenn wir in diesen großen Zetten ein Stück Weltgeschichte erleiben, so macht es geraide der gewaltige Umfang dieses Erlebens und die schier erdrückende Nähe der Ereignisse begreiflich, wenn nicht überall und sofort die ganze Fülle und Inhaltsschwere diafer neuen Entwicklung verstanden wird. Wir werden uns erst einen gewissen Zwischenraum schaffen müssen, um den auf uns ettKücmenden Vorgängen gerecht werden zu können.
Soviel jedoch kommt uns schon heute zum Bewußtsein, daß viele Überlieferungen hinfällig geworden, viele Ansätze zu neuem und frischem Wachstum keimkräftig geworden sindl Das ist der entscheidende Sinn -des Weltkrieges für uns, daß wir die Arme frei bekommen, um uns aus der kontinentalen Umschnürung herauszureißen und die Linie unseres Gedeihens in jeder politischen, nationalen, wirtschaftlichen und kulturellen Betätigung auf dem Wege nach Südosten zu suchen, wo uns b ereitwilligst Helfer und Freunde erwarten, damit zu gemein- samen Nutzen und Segen deutsche Kraft im Verein mit den gleichwertigen Kräften des Donaureichs über dürstende Gefilde ausströme. Unsere Feinlde fühlen mit sicherem Instinkt sehr wohl, welche großen Ereignisse sich vovbereiteu. Die Stunde naht, wo Rußland wird erfahren müssen, daß sein Traum, Konstanttnopel einmal zu beherrschen, durch den Bund der Mittelmächte mit der kräftig erstarkenden Pforte für immer ausgeträumt sein wird. Dieselbe Stunde wird auch E ngla nd tdarüber belchren, daß die Gruud-- lage seiner Weltmacht, die Beherrschung Ägyptens, unter den Hammerschlägen unserer politischen und militärischen Stärke wird zusammenbrechen müssen. Wenn die türkischen Staatsmänner nicht so fest davon überzeugt wären, 'daß die gemeinsotmen, auf breitem, gesicherten, bis ins einzelne gut vorbereitetM.. Boden beruhenden Aufgaben gelingen werden, dann hätten sie nicht so gesprochen, wie es geschähen ist. Ruhmredigkeit ist nicht türkische Art, sondern die Psyche dieses Volkes wurzelt in Bescheildercheit, Sachlichkeit, schlichtem Datsachenfinn. Konnte also Enver- Pascha am 5. Ottober erklären, der Vorstoß nach Ägypten werde „von Erfolg gekrönt sein", so wird er ausgezeichnete Gründe für diese Vorhersage g«habt haben. Wir brauchen da unten gar nicht mit Überraschungen zu arbeiten, mancherlei kann ruhig ausgesprochen wer-- den, einmal weil die Feinde ja doch unschwer überblick«, worauf unsere und unserer Freunde Pläne hinaus- wollen, und sodann, wett sie an dem lSchicksal, das ihnen bevorsteht, nichts ändern können, auch wenn es ihnen rechtzeitig angekündigt wird. Bis dahin ist es in aller Geschichte noch nicht geschehen, daß beut- s ch e Heere vereint mit den Truppen des Donanreichs als Verbündete der Pforte den Weg nach Konstanttnopel suchten. Jetzt sollen die Riegel gesprengt werden, die uns von den Gebieten einer künftigen großen Entwicklung noch absperren, und das ist mehr als ein mttitärisches Unternehmen, das ist Weltgeschichte. Jetzt erst drängt der Krieg ferner Höhe zu, entschleiert seine wahre und höchste Bedeutung und tut dies unter Umständen, die für uns und unsere Mitstreiter die Bürgschaften des Erfolges in sich bergen: daher die würgende Angst in den Hauptstädten des Vierverbandes vor einer unentrinnbaren Katastrophe; 'daher die p-oki- tischen Krisen in Paris und London, wo für furchtbare Fehler Sündenböcke gesucht werden; daher die russische Wut, die wie ein wildes Tier im Käsig vast und soeben ihre Ohnmacht beweist, indem sie an Rumänien leere Drohungen richtet. Denn woher sollte 'das zarische Heer kommen, das den Durchbruch! , durch die Dobrudscha erzwingen könnte? Unteren- Feinden geht es schlecht, uns und unseren Freuenden gut. Die Feinde selber bezeugen es uns.
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Die Erkenntnis der Gefahr der deutfche» Valkanoffensive in England.
W. T.-B. Manchester, 14. Olt. (Nichtamtlich.) Der „Manchester Guardian" schreibt in einem Leitartikel: In gewissem Sinne hat der wirklich britische Krieg erst jetzt begonnen. Bisher brachten wir gewaltige Opfer für Europa, Frankreich, Belgien und Rußland. Aber sobald Bulgarien von den Mittelmächten gewonnen und die MSglich- keit, Berlin mit Bagdad zu verbinden, erSffnet wurde, war unsere gesamte Stellung in Asien angefochten. Jetzt kämpfen wir zum erstenmal (?) nicht für das abstrwkt« Prinzip der Gerechtigkeit oder die flüchtige Fatamorgana vom Gleichgewicht der Mächte, sondern für eines der älteste« britischen Interessen. Die Engländer müflen von diesem Gesichtspunkt die Frage der militärischen Unternehmungen im nahen Osten beurteilen. — Der „Gkobe" schreibt: Wenn Deutschland im nahen Osten erfolgreich ist, wird seine endgültige Besiegung so gut wie nnmöglich sein.
W.T.-B. London, 14. Olt. (Nichtamtlich. Drahübericht.)
Der Schriftsteller Seton Watson sagte in einiom Borttag: Wenn Serbien untergeht, wäre die Türkei gerettet nutz die Dardanellen verloren. Die Nachricht würde wie ei« Blitzlicht den ganzen Orient durchfliegen. Unser Ansehen in Ägypten wäre z-u Ende urü> unsere Stellung in Mesapotmien bedroht. Jeder Basar Indiens würde von dieser Nachricht widechallen und Persien in Waffen stehe».
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