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Verlag Langgasse 21

„Tagblatt-Haus".

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Donnerstag» 14. Oktober 1915.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 480. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Urieg gegen England.

tz Ein neuer erfolgreicher Luftangriff auf

London.

Starke Sprengwirkungen und große Brände.

W.T.-B. Berlin, 14. Oft. (Amtlich.) Unsere e j ; Marinclustschisfc haben in der Nacht vom 13. * | bis 14. Oktober die Stadt London und wichtige Anlagen in ihrer Umgebung sowie die Bat- i | terien von Ipswich angegriffen. Im einzelnen wurden die City von London in mehreren Angriffen, l die London-Docks, das Wasserwerk Hampton ; : bei London und W o o l w i ch ausgiebig mit Brand- und

Sprengbomben belegt. An allen Stellen wurden j starke Sprengwirkungen und große ' i Brände beobachtet. Trotz heftiger. Gegenwirkung, die zum Teil schon an der Küste einsetzte, sind allcLuft- ' 1 schiffe unbeschädigt zurückgckchrt.

. 1 [ Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Bei diesem neuesten Angriff auf London, dem siebenten auf die englische Hauptstadt und dem 21. Angriff auf England ° I | überhaupt, liegt Wohl nach dem Bericht unserer Marineleitung ] | zu urteilen die Vermutung nahe, daß er der erfolg- . reichste in der Reihe der bisherigen Vorstöße gegen das Herz Englands gewesen sein wird. Wenn die englische Presse auch so viel wie möglich totzuschweigen sich bemühen sollte, so werden 'schon andere Umstände dafür sorgen, daß der Schaden in seinem ganzen Umfang sehr bald bekannt wird.

Unsere v-voote an der Rrbeit.

W. T.-B. London, 13. Okt. (Nichtamtlich.) Das Fischer­fahrzeug „B ultu re" aus Grimsby ist in der Nordsee ver- I senkt worden. Man glaubt, daß die Besatzung von 10 Mann ertrunken ist; drei Leichen sind bereits gefunden worden.

Ein neuer engliicher Wortbruch.

Ter holländische Dampfer mit dem österreichisch- ungarischen Botschafter Dumba ausgebracht.

Br. Rotterdam, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Nach dem „Daily Telegraph" ist der Postdampser ,/Rotterdam" der Hollaritd-Amerika-Lmie. der seither von den Engländern in D o w n s festgehalten worden ' ist, als aufgebracht erklärt. An Bord des Dampfers befand sich der österreichisch-ringarische Bot­schafter in Washington Dr. Dumba, dem auf Antrag der Vereinigten Staaten von der englischen Re- . gi e rung freies Geleit bewilligt worden ist. Ein weiterer Beitrag für die englische Auffassung von Arrstand und guter Sitte. Es war vorauszusehein, daß die englische Regierung Drittel und Wege finden würde, ihre Zusage freien Geleites zu brechen, vor dem Sturze auch Sir Edward Greys?

Br. Wien, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Wie aus Ro t t e r d a m hiesigen Blättern gemeldet wird, stehe der Rücktritt Sir Edward Greys unmit­telbar bevor. Er empfängt bereits keine Be­suche mehr.

England beansprucht nach wie vor das Recht der Durchsuchung der neutralen post.

» IV. T.-B. London, 14. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Un-terhcmse lenkte ein Mitglied des Hauses die Aufmerk­samkeit auf die M i ß st i m m u n g, die durch die Verzöge­rung der Postsendungen, die über das Gebiet der Kriegführenden verschickt werden, in einigen neu­tralen Ländern entstanden ist. Grey antwortete, die Frage habe den Gegenstand sorgfältiger Erwägungen gebildet, so­wohl zur Zeit der südafrikanischen Kriege wie heute sei die Regierung der Ansicht, daß der Kriegszustand die An­wendung des Artikels 4 Abs. 1 der allgemeinen P o st - konvention zwischen den Kriegführenden selbst ausschalte. Das Abkommen sei einer der Verträge, die nur in Frre- denszeiten Geltung hätten. Die Regierung erachte es für unmöglich, die Vertragsbestimmungen so auszulegen, daß sie den kriegführenden Staaten eine Verpflichtung aufer­legten, als Kanal für Nachrichten zu dienen. Sie halte sich für verpflichtet, von den Rechten Gebrauch zu machen, die Postsendungen zwischen den neutralen Staaten, die über England gehen, zu durchsuchen. Es werde die größte Sorgfalt darauf verwendet, eine unnötige Verzögerung oder Benachteiligung der rechtmäßigen Interessen der Neutralen zu vermeiden.

Die Rnleihebill im englischen Unterhause.

Scharfe Kritiken aus dem Hause.

IV. T.-B. London, 14. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Bei der Vorlegung der Anleihebill im Unterhause sagte Mac Kenna, die Anleihe sei ein gutes Geschäft. (!) Der Zinsfuß betrage 6 Prog-, nicht wie behauptet wurde 7 Proz.

England und Frankreich erhielten je gleich viel. Mac Kenn« rühmte die Arbeit der Kommission, die mit großen Schwie­rigkeiten, namentlich mit einem beträchtlichen Wider- st and der D eu tsch fr e und e zu kämpfen hatte. — Ein Abgeordneter sagte, die Kommission habe ihre Aufgabe s o schlecht wie nur möglich erfüllt. Die Oprozentige Anleihe schädige den englischen Kredit. Der Schatzkanzler brauche bald eine neue Anleihe. Das Publikum fordere dann einen noch höheren Zinsfuß. Die Anleihe hätte zu einem viel niedrigeren Zinsfuß ohne eine ungeheure Kommission erzielt werden können. — Verschiedene Reimer kritisierten ebenfalls die Bedingungen der Anleihe. Henry Da (ziel sagte, die Anleihe werde den Wechselkurs nicht fesffetzen. Sie sei ein Tropfen im Ozean. — Mac Kenna gab zu, daß 6 Prozent sür eine englisch-französische Anleihe ein ver­blüffend hoher Zinsftiß sei. Aber die Regierung sei genötigt gewesen, die Bedingungen ber Amerikaner anzu­nehmen. Die Regierung habe zuerst versucht, 200, dann 160, dann 140 Millionen Pfund zu erhalten, bekam aber nur 100 Millionen Pfund. Man habe den Gedanken aufgeben müssen, eine englische Kriegsanleihe in Amerika aufzulegen, da man weniger oder nichts erhalten hätte. — Taylor (KB.) kritisierte die „Dummheit" der Regierung, die die unnötige Einfuhr der amerikanischen Güter nicht verhindert habe. Eine verbündete Regierung, für deren Käufe im Ausland England das Geld liefere, habe schneller fertiges Tuch aus Amerika bekommen als die Erlaubnis der englischen Regierung zum Ankauf von Waren in Lanöashire. In der letzten Woche seien 6 Millionen Yards Tuch in den Vereinigten Staaten be­stellt worden, die ebenso gut und schnell in Lanccishire hätten gekauft werden können. Die besseren Kammgarnfabriken in Huddersfield seien unbeschäftigt, während die Aufträge nach Amerika gingen. — Die Bill ist dann, wie schon berichtet wurde, in allen drei Lesungen angenommen worden.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Oie Kämpfe bei Semendria.

Br. Christiania, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „Aftonposten" melden aus Paris: Die Kämpfe bei Semen- dria find ungewöhnlich blutig gewesen. Große ser­bische Truppenmassen marschieren gegen den Punkt, an dem die scrbisch-rumänisch-bulgarischen Grenzen zusammenstoßen, um zu verhindern, daß Bulgarien den T i m o k besetzt und sich dann mit den Deuffchen vereinigt. Hierdurch soll die Ge­fahr einer Umzingelung der serbischen Streitkräfte ver­hindert werden.

Die österreichisch-ungarische Offensive gegen Montenegro.

W. T.-B. Paris, 14. Okt. (Nichtamtlich.) Der „Temps" veröffentlicht einen montenegrinischen Kriegs­bericht vom 4. Oktober aus Ccttinje, der besagt: Die österreichisch-ungarischen Truppen nahmen überall die Offensive auf der ganzen montenegri­nischen Front auf. Sie bemühen sich, die Drina gleichzeitig an d r e i S t e l l e n zu überschreiten und greifen heftig die in Bosnien operierenden monte- ncarnischen Truppen an. Gleichzeitig griffen die Öster­reicher G r a h o w a an, wurden aber nach lebhaftem Kampfe mit schweren Verlusten znrückgeschlagen.

vep zweite bulgarische Angriff.

W.T.-B. Paris, 14. Okt. (Nichtamtlich.) Der „Temps" meldet aus Athen: Nach einem in der serbischen Gesandt­schaft in Athen eingelaufenen Telegramm ist der in der Rich­tung Knjaszewac eingeleitete bulgarische Angriff bei I ari­tz o j h e z begonnen worden.

Eine „Temvs"-Mcldung aus Risch besagt, daß der zweite bulgarische Angriff bei Weliki Jswor, im Gebiete von Z a j e c a r, stattfand. (Zajecar liegt, wie ein Blick auf die in der gestrigen Abend-Ausgabe veröffentlichte Karte ergibt, nördlich Knjaszevac und westlich der bulgari­schen Festung Widin. Es ist ein wichtiger Eisenbahnknoten­punkt an der Timoklinie. Schriftl.)

Oie bulgarische Offensive.

Ein neutrales Urteil.

Zürich, 13. Oft. (Zens. Bln.) Ter militärische Mit­arbeiter der „Züricher Post" bemerkt in, einer Be­sprechung der nunmehr cingelciteten bulgarischen Offen­sive gegen Serbien, der bulgarische Vorstoß gegen Ser­bien richtet sich unmittelbar gegen Risch, das Zentrum des serbischen Widerstandes. Wenn auch das Terrain durchweg sehr gebirgig ist und der Verteidigung eine Reihe günstiger natürlicher Stellungen bietet, so ist dabei doch ungünsftg für Ser­bien, daß es eine sehr lange Grenze zu verteidi­gen hat, die cs Zwingt, um einer Umgehung im äußersten Süden bei Küstcndil vorzubeugcn, zur Ver­teilung des Grenzschutzes auf eine lange Linie. Die Truppen müssen Zu einem großen Teil der ersten Linie entnommen werden, denn weit mehr als im Norden muß gegenüber den Bulgaren die serbische Front gehalten werden. Damit wird die Aufgabe der verbündeten Armeen, die ohnehin schon in bedeutender Überzahl sind, noch wesentlich erleichtert, und die serbische Heeres- leitüng muß heute ihr einziges Ziel darin suchen, die

Armee so rasch wie möglich dem konzentrischen Angriff von drei Seiten zu entziehen. Das Ein­greifen Bulgariens hat der ganzen Situation ein anderes Ansehen gegeben. Keine Armeeführnng hatte je eine schwierigere Ausgabe vor sich als die, vor der heute der serbische General st ab steht. Einer Armee von allerhöchstens einer halben Million, die auf eine ein­zige voll leistungsfähige Verpslegungslinie angewiesen ist, stehen kampfbereite Armeen von etwa doppelter Überzahl mit weit überlegener Artillerie in konzentrischem Anmarsch gegenüber. Dazu ist der eine Gegner nur knapp 60 Kilometer im Rücken der Haupt st ad t, deren Fall zu einer Katastrophe führen muß. Hilfe von außen ist zwar zugcsichert. Man kann aber schon mit ziemlicher Sicherheit behaup­ten, daß Serbien sich bei der ganzen Aktion auf die eigene Kraft verlassen muß. Die Zentralmächte haben dirrch die glückliche Einleitung des Balkanfeld­zuges sich den endgültigen Erfolg des Unternehmens s ch v n n a h e z u g e s i ch e r t. 'J

Ein ksandschreiben König Konstantins an den Bulgarenkrönig.

Wien, 14. Okt. (Zens. Bln.) Nach einer Sofioter Meldung empfing König Ferdinand von Bul­garien den früheren griechischen Minister Sophuis, der einen eigenhändigen Brief des Königs Konstantin an den bulgarischen König überbrachte. Die Audienz habe längere Zeit gedauert. ✓

In Italien glaubt man an einen griechisch- , bulgarischen Geheimvertrag:

Br. Lugano, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der römische Berichterstatter des „Corriere bella Sera" meldet, man glaube in Rom an einen Geheimvertrag zwischen Griechenland und Bulgarien, in welchem die beiden Staaten sich gegenseitige Neutralität verbürgt hätten. Der Vierverband habe von Griechenland, das immer ein Doppelspiel getrieben habe, nichts Gu t es zu erwarten. /

Eine italienische Verbalnote in Petersburg.

Abflauen der italienischen Ententeliebe und der Kriegslust?

Br. Berlin, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der Berichterstatter der „Boss. Ztg" meldet aus Stockholm vom 13. d. M.: Soeben erst wird bekannt, daß der italienische Bot­schafter in Petersburg am vorigen Samstag dem russischen Außenministerium eine Verbalnote übergeben hat. Der Bot­schafter wurde von dem Generalsekretär Baron Schilling empfangen, mit dem er eine ein ständige Unter­redung hatte. Über den Inhalt der Verbalnote und der Un­terredung kursieren die abenteuerlichsten Gerüchte. In einge- weihten Kreisen wird angenommen, Gegenstand der Note sei Venizelos' Abschied und die Stellung Griechenlands zum Weltkrieg gewesen. Die i t a l i e n i s ch e R e g i e r u n g beklagte sich angeblich über die Erfolglosigkeit der Bemühungen des russischen Gesandten in Athen, dem es nicht gelungen sei, die griechische Regierung zu akti­vem Vorgehen zu bewegen. Andererseits hätte Ssasonow noch Mitte September dem italienischen Botschafter in Peters­burg erklärt, Bulgarien würde schlimmstenfalls Neutralität beobachten. Die gegenwärtige Stellungnahme Griechenlands und Bulgariens schwäche ganz bedenklich die A u s s i ch t e n der Dardanellenaktion, deren Hoffnung seinerzeit für das Eintreten Italiens mit ausschlag­gebend gewesen sei. Ob die italienische Verbalnote sich in den genauen Grenzen des oben Angegebenen bewegt, läßt sich aus naheliegenden Gründen nicht mit Sicherheit behaupten. Mein Gewährsmann erklärt jedoch, daß die vom Botschafter dem russischen Ministerium des Äußern übergebene Verbal­note entschieden als eine Ab f l a u u n g der i t a l i e n i s ch e-n E n t e n t e l i e b e und der K r i e g s l u st angesehen wird.

Griechenland lehnt eine Hilfe für Serbien ab.

Br. Amsterdam, 14. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) „Telegraph" meldet auS Athen, daß die griechische Regierung ans das Ersuchen Serbiens um Hilfe und zum Zusammenarbeiten gemäß des Vertrages von 1913 ab­lehnend antwortete.

Oie Vierverbandsgesandten beim griechischen Hofe abgeblitzt.

Br. Ofcrrpest, 14. Ott. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) „El Ert" meldet ans Athen: Die Gesandten des Vierverüandes haben um eine Audienz bei König Konstantin nachgcsucht. Ministerpräsident Zaimis sagte ihnen jedoch, unter den gegebenen Verhältnissen würde der König lieber sehen, wenn die Gesand­ten von ihrem Wunsche Abstand nähmen. Infolge­dessen erschienen die Gesandten nicht beim König. Wachsendes Unbehagen in Griechenland gegen die Eindringlings.

W. T.-B. Wien, 14. Oft. (Nichtamtlich.) Die „Süd­slawische Korrespondenz" meldet aus Saloniki: J-n

vollem Gegensatz zu den Mitteilungen der Vcrbands- prcsse ist die Tatsache sestzustellcn, daß die Anwesenheit der Verbandstruppen in Saloniki sowohl in der Be­völkerung als auch im griechischen Heer ein wachsendes Unbehagen hervorruft. In KrrAr»