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i Der Roman. (

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s. — ij« Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatis. ir-=si

Nr. 239.

Mittwoch, 13. Oktober.

l9io.

(18. Fortsetzung.)

§. M. S. Grille!

Roman von Otto Elster.

(Nachdruck verboten.)

In Haus und Hof herrschte jetzt tiefe Stille. Die Dienstboten sahen znsammengekauert in der Küche und wagten sich nicht aus dem Hause. Frau Schaffer war bei den geängstigten Frauen und Kindern, und Herr Schaffer ging auf der Veranda auf und nieder, auf den fernen Lärm horchend, der ab und zu unten im Dorfe stets wieder aufslackerte. Herr Krause hatte die Män­ner, die zur Verteidigung entschlossen waren, an dem

t alisadenzaun des Gehöftes verteilt; er selbst stand am ore, um die Bewegungen der Gegner zu beobachten. Das Feuer tot Dorfe war fast erloschen; wie ein glühe n- der Trümmerhaufen lag die Faktorei ida, aus dem zu­weilen kleine Jlämmchen aufzuckten. Die Empörer «hatten fich auf dem Marktplatz gelagert, wo sie eine Be­ratung abzuhalten schienen.

Angestrengt lauschte Krause in die Nacht hinaus. Seine Rechte umkrampfte fest das Repetiergeweihr und ingrimmig murmelte er zwischen den Zähnen: „Wenn ich nur ein Dutzend unserer braven Blaujacken hier hätte, dann «wollte ich die feige Bande da unten zum Teufel jagen - . ."

Käthe stützte «den Kopf in die Hand; sie war nicht mutlos und fürchtete sich nicht, dennoch durchzogen ernste und traurige Gedanken ihre Seele. Unwillkür­lich schweiften ihre Gedanken zur Heimat, nach dem deutschen Vaterlande, das jetzt so fern, so fern war. Sie sah ihre Mutter in «der trauten Stube, inmitten der alten Möbel, die sie einst mit in die Ehe gebracht, b«etm Scheine der Lampe mit einer Handarbeit beschäftigt, «oder «ein gutes Buch lesend, und tat Geiste sah sie Kurt, ihren Bruder-Leutnant, mit fröhlichem Gruß «eintreten, der Mutter, wie stets, ein kleines Veilchensträußchen überreichen und ihr die weiße, schon etwas alterswelke Hand küssen. Und dann kam Anna, die langjährige Dienerin, mit dem Abendessen herein, und Mutter und Sohn saßen fröhlich plaudernd bei einer Tasse Tee und Tattern Aufschnitt.

Wenn sie doch jetzt bei ihnen sitzen könnte! Küche seufzte leise auf. Den fttllen Frieden der Heimat hatte

g l nie so tief empfunden, als in dieser N«acht, wo wilder ufmihr sie umdrohte, wo sie einsam wachte am Lager des wunden Bruders. Sie hatte wohl gar ein wenig spöttisch gelächelt über die Enge ihrer Umgebung, aus der sie sich heimlich fortgeschnt, hinaus in die Wunder einer schönen, reichen, fremden Welt. Der Aufenthalt in Rodowitz hatte diese ihre Sehnsucht noch verstärkt. Dort war sie umgeben von allen «Gütern des Reichtums, das Leben wurde im großem Stil geführt, und heimlich regte sich in ihr der Wunsch, ein gleiches Loben führen zu können. Und dann trat ihr der Mann ncche, der ihr dieses reiche, schöne Lehen bieten konnte! Seinem Zauber war sie fast erlogen und heimlich hoffte sie, daß er kommen würde, um sie zu werben. Mer er hatte sie abreisen lassen und das entscheidende Wort war Nicht gesprochen. Im Gegenteil hatte ihr Frau von Haidebrink zu verstehen gegeben, daß er viel zu stolz und hochmütig sei, um sie, die Tochter aus einfach bürger­

lichen Verhältnissen, zu seiner Gattin zu machen. Das weckte in ihrem Herzen auch den Stolz, und wenn er jetzt käme, um sie zu werben, sie würde ihn voll Stolz zurückweisen. Schmeichelnd, süßbetörend nähte sich ihrem Herzen ja eine andere Liebe — sie brauchte «nur die Hand auszustrecken und Horst von Haidcbriuk lag zu ihren Füßen- Und diese Liebe war viel süßer, viel tiefer und ehrlicher, als die jenes anderen, so stolzen Mannes. Fast wäre sie bei ihrem letzten Zusammensein dieser schmeichlerischen Liebe erlegen — aber da tauchte das stolze Gesicht seiner Mutter vor ihr auf, «da hörte sie wieder deren hochmütige Worte, und sie schreckte zurück vor einer Liebe, die mit der Demütigung ihres eigenen Stolzes verbunden «war.

Sie richtete sich straff ompor. Noin, lieber von den Gefahren dieser fromderr, fernen Welt umgeben sein, als daheim in engen Verhältnissen «leben öder ein ferneres, reicheres Leben durch Demütigung ihres ganzen Wesens erkaufen.

Plötzlich schreckte sie auf — «draußen fielen einige Schüsse, denen lautes Geschrei folgte. Dann wiod«er lautlose Stille.

Sie trat an «das Fenster. Mer wie ein tiofschwarzer Mantel hing die Nacht vor dom Fenster, «das ans den hinteren Garten hinausging. Sie sah und hörte rrichts; nur ein leises, dumpfes Rainschen der Bäume, deren Kronen sich im Nachtwinde wiegten, «drang an ihr Ohr.

Ihr Herz pochte jetzt doch lebhafter m geheimer Furcht. Wie, wenn die toll erregte Menge die Mission überrumpelte und wie die wilde, voim Sturm gepeitschte Flut das Gehöft überschwemmte?! Sie hatte von der Grausamkeit der Enrpörer gehört; sie hatte gesehen, wie die Weiber und Kinder zitternd und angstvoll zu der Mission geflüchtet waren und sich zusammendräng­ten wie eine von Wölfen gehetzte Herde. Sie «hatte «die Männer gesehen, die aus tiefen Wunden bluteten — , ihr eigener Bruder lag schwer vevwrrndet da — was würde ihr Schicksal sein, wenn diese Horde grausamer Men­schen hier hereinbräche?

Sie schauderte leicht zusammen, sie vermochte es ttt dem einsamen, totenstillen Zimmer nicht mehr auszu­halten und trat auf die Veranda hinaus.

Vor der Station hatte sich inzwischen eine erregte Szene aufgesvielt. Als alles draußen sttll gebliehen war, trat Doktor Schifter zu Herrn Krause, der noch immer am Tore Wache hielt- ^ ri

„Ich glaube", sagte er leise, „daß wir «drese Nacht unbchelligt bleiben. Morgen früh können wir ober schon Hilfe erwarten."

„Trauen Sie den Halunken nicht zu sehr, Doktor,, knurrte der Faktoreileiter. „Diese Sttlle «gefällt mir j,m Gegenteil nicht im geringsten. Wer weiß, «was die Kerle tot Schilde führen. Wenn man nur sehen könnte, aber diese Dunkelheit ist ja undurchdringlich. . ."

„Doll ich einmal einige Leuchttaketen anbvennen? fragte S«chäf«fer. „Ich besitze noch einige-"