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Mittwoch, 13. Oktober 1915.
Abend-Ausgabe.
Nr. 478. * 63. Jahrgang.
Bulgarien schlägt los!
Der Zeldzug gegen Serbien.
W. T.-B. Risch, IS. Ott. (Meldung der Agence Havas.) Die Bulgaren haben uns auf -er Front von Kujazewac angegriffen.
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Zwei Monate über zwei Jahre ist's her, daß nach Len beiden Balkankrieg-en der Friede zu Bukarest geschlossen Wunde. ■ Dieser Friede brachte Bul-garten um die Früchte monatelangen blutigen Ringens auf Len Schlachtfeldern in Thrazien, am Timok, auf dem
- Schaaffelde und bei Köprülü. Mer damals fchon schwur Bulgarien, daß es -die Schmach des zweiten Balkan- krieges rächen und namentlich Mazedonien, auf Las fein ganzes Streben gegangen war, zu gelegener Zeit sich holen werde. Nun zerreißt Ler erste Kanonendonner von Knjazewac Len Vertrag von Bukarest, Ler auch in -den Augen des übrigen Europa niemals viel mehr als ein Fetzen Papier war. Bulgarien ist in den Kampf eingetreten mit Serbien, das chm gutwillig Mazedonien nicht -abtreten wollte und in seinem zum Größenwahn gewachsenen Hochmut aus die Hilfe jener Mächte baute, die sich als seine Beschützer und Helfer aufspielten. Serbien hätte diesen neuen chm drohenden Verlust viel billiger haben können,
.wenn es beizeiten zur Vernunft .gekommen wäre und Einsicht an Stelle schroffen Widerstandes hätte walten lassen. Denn es ist eine alte Erfahrung, was der Gegner mit Gewalt entreißen muß, er mit weit höheren i Zinsen nehmen wird.
Weder die französisch-englische Offensive im Westen i noch die russische Offensive im Osten haben den deutschen s und österreichisch-ungarischen Einmarsch in Serbien au-s- | zuhalten vermocht. Jetzt wird es diesem möglich sein,
- mit Hilfe des neuen Bundesgenossen sich über Serbien hinweg mit Bulgarien und der Türkei die Hände zu reichen. Deutet doch der bulgarffche Vormarsch auf die im Kreise Timok, unweit des historisch -gewordenen Timokflusses und der serbisch-bulgarischen Grenze, gelegene etwa 6100 Einwohner .zählende -serbische Stadt
^-Knjazewac darauf Hin, daß die ferbischen Leere in leine von Südost und von Nordwest wirkende Presse l genommen werden sollen, ihre sie ausei-nandersprengien [ Muß. Denn vom N o r d o st e n her werden die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen die Serben -immer mehr den Bulgaren in die Hände treiben. So von j teer Front und im Rücken ang-e-grissen, würde den Serben, wenn sie nicht völliger Vernichtung aNheimfallen iwollen, nichts anderes übrig bleiben als ihre Truppen- ' körper auseinanderzureißen und möglicherweise in die l Berge flüchten zu lassen. Wer auch dort werden sie
- nicht vor den Nachstellungen sicher sein. Sind idoch gerade die Bulgaren durch die Balk-ankriege im Gcbirgs- krieg erprobt und werden -darauf brennen, dam alten
'Widersacher heimzuzahlen, was er in jahrelanger Bedrückung gegen die Mazedonier gesündigt hat. Knjazewac, das alte Guvgusowatz, mit seinem als Gefängnis für politische Verbrecher berüchtigten Turm, ist übrigens -dieselbe Stadt, die schon einmal in -einem Kriege eine Rolle gespielt hat, als si-e nä-mlich 1876 von den Türken eingenommen und fast vollständig zerstört wurde.
Wie sich Griechenland und Rumänien angesichts dieser nunmehr -vollständig geklärten Lage verhalten werden, steht zwar noch nicht ganz sicher, -aber aus mancherlei andeutenden Nachrichten der letzten Zeit könnte inan doch entnehmen, daß beide Staaten ihre bisherige Neutralität -auch weiterhin bewahren -werden, denn ihnen sind nicht nur Bulgariens Msichten offenbar geworden, sie werden -wahrscheinlich auch von Bulgarien über dessen neuestenSchritt unterrichtet worden sein. Höchstens -dürste Rumänien jetzt im Interesse der Ausrechterhaltung seiner _ Neutralität die Mobilisierung anordnen. Aus jeden Fall aber -dürfen wir gespannt sein, wie sich nun die Kriegseveigmsse in Serbien weiter entwickeln werden; auch insofern, ob Rußland seinen angekündigten Durchmarsch durch die rumänische Do- brudscha wahrmachen und Rumänien sich diese Neutralitätsverletzung gefallen lassen wird. Die nächsten Tage werden sicherlich nicht weniger von Ereignissen vielsagender Bedeutung erfüllt sein, als es die vergangenen Tage waren. Indem wir den neuen Bundesgenossen an unserer Seite begrüßen, wünschen wir ihm den besten Erfolg. Dieser Erfolg aber kann nicht ausbleiben, wenn sich die altberühmte Tapferkeit des Brvlgarenheeres aufs neue bewögt, woran zu zweifeln wir keinen Anlaß W>en. Dr. A. H.
Oer Aufmarsch der bulgarischen Armeen.
Die Serben nach ihrer Niederlage bei Semendria von den Bulgaren im Rücken bedroht. Anscheinend eintreffende Vermutungen französischer Zeitschriften.
Berlin, 12. Okt. (Zeus. Bln.) Im Hinblick -auf den Angriff der bulgarischen Truppen -auf die serbische Front, von Knjazewac sind Ausführungen .über den Aufmarsch der Bulgaren -von Interesse, die wir in der französischen Wochenschrift „Opini-on" finden: „Die von
gierung des Königs Ferdinand. keineswegs in Erwägung gezogen wurde. Wie die Dinge h-eute liegen, scheinen dre Bulgaren mit einer blitzartigen Offensive nach der Richtung von Risch zu rechnen, um die durch die deutsch-österreichischen Armeen bei Semendria und beim Zusammenfluß d-er Mo r awa und der Donau angegriffenen serbischen Truppen im Rücken zu nehmen. (Das sicht nach der heutigen -Meldung von dem erstem bulgarischen Angriff aus Knjazewac zu allerdings so aus. SchrifÜ.),
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den Bulgarm getroffenen militärischen Verfügungen umfassen die 1. und 6. DivMon in der nordwestlichen Front, die 7. und 10. Division in der südwestlichen Front. Die 1. Division befindet sich zu Vid in, -einenr kleinen -befestigten Platz an der Donau, in >geringer Entfernung des Timok, der der seM-schen Grenze entlang läuft. Die 6. Division deckt -gegen Tsaribrod die zentrale Senkung des Balkans, durch welche -di-e -große -Effeubahn- strecke BelgradMisch-Sosia-Konstantiuopel läuft, eine für das Eindringen der deutsch-österreichischen Armeen natürliche Strecke an dem Tage, an -dem sie die serbische Armee besiegt haben -werden. Die 7. Division ist aus -dem Hochtal der Strouma bei Ko estendil ausgestellt, von wo aus -sie die Eisenb-ahnstrecke istisch-Uesküb- Salouiki, die die .Versorgung -der Serben -mit Lchensmiteln und Munition sichert, bedroht. Die 10. Division endlich, die in dem Dal der Maritza gegen Philippopel aufgestellt ist, beherrscht die Richtung gegen die Höhengegend des Rhodope, um NeuMriechenlanD zn überw-achen. Diese vier Divisionen stellen die Deckung dar, hinter welcher die anderen sechs Divisionen der ersten Linie der bulgarischen Armee -gemäß dean Plan des Generalissimus konzentriert werden können. Aber die Lage dieser Deckung zeigt schon heute, -daß die vorbereitete Handlung nur gegen Serbien gerichtet ist, und daß die griechische Gaffchr durch die Re-
-Gleichzeitig könnte die Division bei Koe-stendil -als, Stützpunkt sür irgendwelche hamdstreicherffchen Unternehmungen, die als Ziel hätten, die Eisenbahn-, strecke N i s ch - U e s k ü b - S a l o n i k i zu unterbrechen, ein Unternehmen, das vor mehreren Monaten schon durch organisierte mazedonische Banden versucht wurde, dienen."
Die -gleiche Meinung Mer das Vorgehen der Bulgaren äußert auch die „Guerre Sociale" in einem Rückblick über die letzten Balkanereignisse. Das Blatt schreibt u. -a.: Der Hauptstoß der Bulgaren wird sich zweifelsohne gegen Ni sch, der gegenwärtigen Hauptstadt Serbiens, oder -aber .gegen den Teil -des. seMschen Gebietes, der an die Donau und Rumänien grenzt, richten. Es ist in der Tat eine Stelle, wo die BMKen sich rasch mit den d e u t s ch - ö st e r r e i ch i-> scheu Armeen, die im Süden -von Ungarn unter dem Oberbefehl Mackensens zus-ammengezogen wurden, vereinigen können.
Bulgariens Nriegserfflärung.
Köln. 13. Okt. iZens. Bin.) Die „5röln. 3tfl." meldet ans Zürich: Die „Renen Zürcher Rachr." wollen auS bester Quelle erfahren haben, daß Montagmittag 1 Uhr Bulgarien Serbien die Kriegserkläruu« stellt habe.
zugc-
