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J Der Roman, i

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Morgen-veilage der Wiesbadener Tagblatts, i- ■)

Nr. 238.

Dienstag, 12. (Vktober.

IVlö.

(12. Fortsetzung.)

S. m. S. Grille!

(Nachdruck verboten.!

Roman von Otl» Elster.

„Ich habe da einige brave, treue Burschen", sagte Krause, „die schen aufpassen werden. Aber hören Sie nur diese gelben Teufel, wie sie toben und schreien!"

„Ich fürchte", sagte Schösser traurig, ,daß da einige Agitatoren von jenseits der Berge ihr verhetzendes Spiel treiben — doch sehen Sie! Die Menge verläuft sich schon wieder. Durch meine Getreuen werden wir ja erfahren, was beschlossen ist"

In der Tat schien die Menge sich zu beruhigen und sich zu zerstreuen. Hierhin und dorthin huschten die Laternen, dann erloschen sie und tiefes Dunküi hüllte die Gassen des Städtchens ein.

„Wir wollen doch lieber gehen", sagte Krause. „Diese plötzliche Ruhe ist mir verdächtig . - . Ha!" rief er er­schreckt aus. „Was ist das? Sollten es die Teufel auf die Faktorei abgesehen haben?"

Alle sprangen erschreckt auf und starrten auf die dunkle Masse, die sich auf dein Platz vor der Faktorei zu­sammenballte. Aus allen Gassen strömten die Menschen herbei und plötzlich erhob sich ein wildes Getöse, Hunderte von Menschen, Männer, Weiber und Kinder, stürzten auf die Schuppen der Faktorei los, in denen sich die Waren befanden.

„Ah, wäre ich jetzt drunten, es sollte ihnen schlecht bekommen", knirschte Krause Mischen den Zähnen. „Meine Repetierbüchse würde die feigen Hunde schon in Schach halten!"

„Lassen Sie uns gehen . sagte Fred.

„Ja, ja! Wir müssen gehen ... ich begleite Sie", rief der Missionar. „Vielleicht, daß ein vernünftiges Wort die Menschen beruhigt "

„Ta ist alle Mühe vergebens", lachte Krause iw grimmig. „Die Knute lind die Mute müssen da sprechen . . ."

„Um Gotteswillen, keine Gewalttat, Herr Krause! ' Das könnte die schlimmsten Folgen nach sich ziehen!"

„Ha! Was ist das?! Sie l>aben einen Schuppen in Brand gesteckt — oh, diese feigen Halunken! — Kom­men Sie -— kommen Sie, Herr Schuhmacher!"

Er eilte fort, gefolgt von Fred und dem Missionar. Schreckensbleich standen die Frauen da. Krause hatte recht gesehen, aus einem der Warenschuppen quoll dicker Qualm heraus und plötzlich flog eine rote Feuerzunge zum dunklen Nachthiminel auf, während die Menge wie wahnsinnig schrie und tobte.

„Feuer! Feuer!" gellte jetzt der Ruf durch die Gassen und zu dem stillen deutschen Pfarrhaufe hinauf. Angstvoll drängten sich die Diener und Dienerinnen auf die Veranda.

,Zhr müßt dort unten helfen, das Feuer zu löschen", sagte die resolute Frau Schaffer, aber niemand zeigte Neigung, hilfreiche Hand zu leistein. und ein alter Chinese, der das Vieh des Pfarrhauses besorgte, sagte in feinem gebrochenen Deutsch: „Rix zu machen, Frau — Arbeiter sind zornig — von da drüben sind Menschen kommen — nix zu machen . .

Ein frischer Luftzug strich in dem Tal entlang unA fachte die Flammen immer mehr au, die in den Baum­wollen- und Seiden-Niederlagen der Faktorei stets neue Nahrung fanden. Die Schuppen waren außerdem alle von Holz und mit Schindeln oder auch nur mit Mais- stvoh gedeckt, die, von der Sonnenglut der letzten Wochen ausgedörrt, mit unglaublicher Schnelligkeit Feuer fin­gen- Jetzt flammte der zweite Schuppen auf. Der Wind trug die brennende Baumwolle weiter, Funken­regen stoben empor und fielen auf die Dächer der an­deren Schuppen, ja, der angrenzenden chinesischen Häuser und Hütten nieder, die sofort in Flammen standen, waren sie doch alle aus leicht brennbaren Stoffen er­richtet. Und jetzt sprang das Feuer auch auf das Haupt­gebäude der Faktorei -Wer, das mehr an dem Strom lag. Wie ein wildes Tier schlug das Feuer seine glühenden Tatzen in das Schindeldach, daß es prasselnd und ächzend barst und aufflammte. Bald war die Fak­torei ein einziges Flwmcnrmer, das sich blutigco: in dem breit dahinströmeNden Fluß widerspiegelte.

Und im Scheine der Flammen sah man die Menschen in wilden Sprüngen den Feuerherd umtanzen. Wenn ein neuer Schrippen von dem Feuer ergriffen wurde, gellte wildes Freudengeschrei zum Himmel und wie Rasende unitarrzten die Brandstifter die Flammen. Was küumrcrte es sie, daß auch ein Teil ihrer eigenen Hütten in Flammen aufging? Die waren rasch wieder errichtet- Aber das Haus des Weißen sollte vernichtet werden, dev hier als Zwinzherr ausgetreten war, der sie wie Sklaven behandelt hatte, sie, die freien Söhne des alten himm­lischen Reiches der Mitte!

„Nieder mit den weißen Teufeln!" jauchzte die rgsende Menge — da krachten mehrere Schüsse, und anfheulend flutete die Masse zurück, sich stauend in den engen Gassen, um dann wieder mit neuem Geschrei auf die Faktorei loszustürzen.

9 .

„Schließen Sie die Tore, Herr Schäffer — und dann alle Mann bewaffnet, daß wir es den gelben Schuften ordentlich geben können!"

Mit diesen Worten stürmte Herr Krause in die Mission hinein, gefolgt von emigen treugebliebenen chinesischen Dienern, die den verwundeten Fred mit sich schleppten. Als er sich den Ausrührern entgegenwarf, hatte ihn ein Messerstich in die Brust getroffen und nur der-Tapferkeit Krauses, vor dessen Repetiergcwchr die Brandstifter scheu zurückwichen, sowie der Hilfe der Müannschaft der „Libelle" hatte Fred es zu verdanken, den mörderischen Händen entronnen zu sein. Aber jetzt konnte er nicht weiter und kraftlos brach er auf der Veranda des Wohnhauses zusammen.

Sprachlos vor Schrecken stand Küthe da. Wer rasch raffte sie sich auf. Mit Hilfe der Diener brachte sie ihren Bruder in das Zimmer und ließ ihn auf ein Bett mederlegen. Als Krankenpflegerin war sie ja verttaut mit der Behandlung von Verwundungen: sie verband