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*» Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. - Bezugs-PreiS: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgaffe 27.

30 , 04)0 Abonnenten.

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Die einspaltige Pctitzcile für lokale Anzeige» 15 Pfg.. für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 'Pfg., für auswärts 1 Mk.

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su.r die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittaas, für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmittags. Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zur nächst» er'chcmenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird leine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Io. 196. BerlagS^erusprecher No. 295,. Mittwoch, den 27. April. Redaktions-Fernsprecher Ro. 52. 1904.

Abend-Ausgabe.

1. Matt.

Meltpolrüsche Wandlungen.

Die internationale Politik ist ein flüssiges Element, so hat Fürst Bismarck in seinenGedanken und Er­innerungen" gesagt. Dies Wort ist jetzt aktueller denn je, und die jüngsten Vorgänge auf dem Markte der iiüernationalen Politik bilden eine treffende Illustration zu dem Bismarckschen Ausspruch. Auf den unbefangenen Beobachter must es fast den Eindruck machen, als ob die hohe DiplomatieVerwechselt, verwechselt das Bäume­lein!" spielt. England und Frankreich, die alten »Malen, deren tiefgehender Zwist bei der Faschoda- Affäre fast zu offenem Ausbruch gekommen wäre, Jict&eu sich durch ein festmngrenztes Abkommeit über die wich­tigsten kolonialen Streitfragen geeinigt. Frankreich und Italien, die sich lange Jahre hindurch politisch und wirt­schaftlich bekämpft hatten, haben nicht nur Frieden, son­dern Freundschaft mit einander geschlossen, und König Viktor Emanuel und Präsident Loubet haben in ihren ms dem am Montag im Quirinal abgchaltenen Festmahl gewechselten Trinksprüchen einander bescheinigt, Äast Frankreich und Italien mit einander verwandt und be­freundet seien.

Schon diese Wandlungen zeigen, daß die Politik wirk­lich ein flüssiges Element ist, Wer wenn , man gewissen Stimmen glauben darf, ist die Ära der Überraschungen damit noch nicht erschöpft. Tauchen doch in England wie in Rußland Kombinationen auf, wonach im Anschluß an die französisch-englische Verständigung bereits eine rus­sisch-englische Verständigung im Werke sein soll. Und die Politiker, welche das Gras wachsen hören, wollen auch be­reits erkundet haben, worin diese angeblich bevorstehende russisch-englische Verständigung ihren ersten praktischen Ausdruck finden soll; nämlich darin, daß, England die Liebenswürdigkeit haben werde, den Vermittler im rus­sisch-japanischen Kriege zn spielen, wodurch es sich in gleicher Weise dm Dank Rußlands wie Japans verdienen wolle. Im Anschluß an diese englisch-russische, franzö­sisch-englische und französisch-italienische Verständigung ziehen dann die Phantasie-Politiker ihre wetteren Folge­rungen, indem die einen von der völligm Isolierung Deutschlands sprechen, während die anderen als letzte Folge dieser internationalen Verschiebungen Deutschland und Rußland Arm in Arm das Jahrhundert in die Schranken fordern sehm.

Die internationale Rechnung, die hier ausgemacht wird, hat aber ein großes Loch und sie beruht auf einer Überschätzung der jüngstm Vorgänge auf dem Gebiete der Weltpolitik. Schon das sr a u z ö s i s ch - e n g -

l i s ch e Kolonialabkommen ist in seiner Trag­weite Werschätzt worden, denn 'wenn es, wie manche Poli­tiker meinen, zu einem engen Zusammengehen der beiden Staaten führen sollte, so hätte das mtweder die Spreu- gung des Zweibundes oder aber die vorher erwähnte Verständigung zwischen Rußland und England zur Voraussetzung. Keine dieser Voraussetzungen aber wird in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Frankreich hat gezeigt, daß es trotz aller FreundschastMindgebungen gegenüber Italien wie England nicht daran denkt, aus dem Zweibundverhältnis auszuscheiden. Und die fran­zösische Politik ist in der Tat zurzeit so auf den Zweibund zugeschnitten, daß eine Loslösung aus diesem Bündnis nicht kurzer Hand zu ermöglichen wäre.

Nicht minder unwahrscheinlich aber ist der Gedanke einer Verständigung zwischen Rußland und England. In China, in Persien, in Afghani­stan, in Tibet und endlich auch auf dem Balkan stehen fick) Rußland und England in leidenschaftlicher und tiefgehen­der Rivalität gegenüber. Diese politischen und wirtschaft­lichen Interessengegensätze, die weit tiefer liegen als die französisch-englischen Differenzen, lassen sich nicht kurzer Hand durch ein diplomatisches Abkommen beseitigen, es sei denn, daß einer der beiden Teile aus seine hochsliegen­den Pläne verzichte. Dazu ist man aber weder an der Themse noch an der Newa geneigt und das Vorgehen Englands in Tibet hat soeben erst gezeigt, daß der Plan einer englisch-russischen Annäherung in das Gebiet der vierten Dimension gehört. Damit zerfällt auch der Plan einer englischen Vermittelung im russisch­japanischen Kriege in sich, so weit es sich hier­bei um eine Maßnahme zugunsten Rußlands handelt; denn es gibt für Englands politische Pläne keinen größe­ren Vorteil als eine Schwächung Rußlands in Asim. Es mag sein, daß England später seine freundschaftlichen Dienste anzWieten geneigt sein wird, wenn sich das Blatt zuungunsten Japans wendet. Zurzeit Wer kanu von einer Vermittelnngsaktion schon deshalb nicht die Rede sein, weil Rußland jetzt, wo es sich im Nachteil befindet, durch die Annahmereiner solchen Vevmittelung sein mili­tärisches Prestige unwiderbringlich verlieren würde.

Mit all diesen Kombinationen entfallen auch jene anderen, welche einmal den Austritt Italiens aus dem Dreibund und zweitens die Isolierung Deutschlands oder seinen Anschluß an Rußland ankünden. Die italienischen Politiker sind bei aller Freundschaft für Frankreich nüch­tern genug, um zu wissen, daß Italien bei einen! fran­zösisch-italienischen Bündnis nur die zweite Geige spielen würde. Wie dem aber auch sei, Deutschland ist ein mili­tärisch wie wirtschaftlich so starker Faktor, daß es weder eine Isolierung zu fürchten noch um Bündnisse besorgt zu sein braucht. Und deshalb wird Deutschland nach wie vor eine Politik seiner eigenen Interessen treiben und sich weder von Rußland noch von sonst jemand das Leitseil um den Hals werfen lassen.

Politische Mersrcht.

Italien und Frankreich.

L. Berlin, 26 . April.

Es ist bezeichnend für die in Rom herrschende Stim­mung, daß einige dortige Blätter mit dem Wärmegrad der Trinksprüche, die zwischen dem König und Herrn Loubet gewechselt wurden, noch nicht einmal zufrieden sind. Sie hätten, so- liest man in diesen Blättern, eine größere Herzlichkeit erwartet. Nun ist es wirklich kaum möglich, sich eine Sprache von Staatsoberhäuptern vorzu­stellen, die stärker, als es in diesen Trucksvrüchen ge­schehen ist, die gegenseitigen Gesinnungen unendlicher Herzlichkeit auszudrücken vermöchte. Die Bekundung einer leisen Enttäuschung in einigen römischen Blättern bedeutet also nicht, daß -der Austausch von Freuudlich- teiten nur von mäßiger Wärme gewesen sei, sondern daß cs in Italien Strömungen gibt, die geradezu aus ein Bündnis mit der Republik, selbst auf Kosten der Llbkehr vom Dreibunde, hinarbciten. So ist e3 denn nur ein magerer Trost, wenn man hier in der Umgebung des Reichskanzlers findet, daß die liebenswürdigen Worte des Königs darum mit Genugtuung vernommen werden können, weil in ihnen nichts enthalten sei, was sich gegen die mit den» Dreibundvertrage übernommenen Verpflich­tungen wende. Das wäre ja noch schöner, wenn die An­näherung Italiens an Frankreich-, die wir ohne Zweifel vor uns haben, gleichbedeutend sein sollte mit einer Ver­letzung der Vertrags- und Bündnispflichten, in denen Italien zu uns steht. Selbstverständlich kann das Ver­hältnis zwischen dem Deutschen Reich und Italien durch die Annäherung zwischen dam Quirinal und dem Elysee nicht berührt worden sein. Wer man nimmt doch mit sehr gemischten oder, richtiger gesagt, mit ziemlich ungemisch­ten Gefühlen wahr, daß durch den Besuch des Präsidenten Loubet in Rom ein neues Moment in die Gesamtheit der europäischen Mächtegruppierungen gekommen ist. Vor allem kann nicht daran vorübergegangen werden, daß dis italienische Volksseele geradezu stürmisch nach Frankreich hinneigt. Tie klugen Italiener werden nicht so töricht sein, es mit uns verderben zu wollen, denn sie hätten nichts davon. Aber sie machen sich als die geübten Real­politiker^ die sie von jeher gewesen sind, nichts daraus.! gleichzeitig mit Frankreich engere Beziehungen cmzu- knüpfen, und dies Doppelverhältnis wird unseren In­teressen nur so lange nicht abträglich sein, bis sich eine Komplikation ergibt, die Italien nötigen könnte, entweder dort oder bei uns definitiv Stellung zu nehmen. Leider klingt aus den römischen Festtagen noch ein anderer Miß- klang herüber. Es ist zweifellos eine böswillige Erfin­dung frangosenfreundlicher römischer Blätter, daß das Fernbleiben des italienischen Königspaares von der Ent- hüllung des Denkmals für Victor Hugo erst aus die Vor­stellung des deutschen Botschafters hin erfolgt sei, der be-

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Roman von Balduin Groller.

(16. Fortsetzung.)

»Wie war sie denn? Das interessiert mich."

L .»Jedenfalls war die gnädige Frau nur die gairz zu­fällige und unschuldige Ursache. Sie wollte, um sich vor Zugluft zu schützen, eine Boa oder ein Spitzentuch um- Mhmen ich weiß es nicht mehr, was es war. _ Ein Mger Mann, der in der Gesellschaft war, und ich liefen, M den Wunsch zu erfüllen. Bei dieser Gelegenheit haben toii uns in der Hast erst gegenseitig angerempelt und dann siuch noch angeftegelt, und darauf haben wir uns ge- Magen. Sie sehen also, daß die Person Ihrer verehrten Frau Gemahlin sehr wenig damit zu tun hat."

.»Und doch haben böse Zungen daraus_ eine große Märe gemacht. Sie seien der begünstigte Liebhaber ge­wesen"

»Wer immer das sagt, Herr Generaldirektor, hat eine htstvürdige Lüge ausgesprochen!"

»Sie wissen, wie die Welt urteilt!"

»Sie mag urteilen, wie sie will, eine infame Luge lucht man sich nicht gefallen zu lassen. Ich würde wohl mschen. daß mir ein solcher Lügner gegenüber-gestellt rde Dann wollte ich die Legende schon rasch aus der schassen!"

»Wie könnten Sie das, Herr Doktor?"

»Ich meine, daß sich das schr einfach besorgen lassen >ßte."

as ist nicht meine Meinung. Ein Zweikampf be- ichts, und die bloße Versicherung?! Man e glauben und auch nicht!"

-an muß aber doch nicht jeder Infamie wehrlos b-erstchen!" , .., . ,

W wollen Sie machen? Erinnern Sie sich noch des der Lady Mordaunt? Ihr Gemahl, hatte sie mit flrinzen, -dom Erben eines -großen Reiches, rm Ler­

dacht und schleppte diesen vor Gericht, damit er beschwöre, daß er keine unerlaubten Beziehungen zu seiner Frau unterhalten habe. Ter Prinz leistete den Schwur. Glau­ben Sie nun, daß die Welt sich dabei beruhigt -hätte? Keine Spur! Nun brachte man das Paradoxon auf: als Ehrenmann habe er einen Meineid schwärm müssen ! Das Gerede war also durchaus nicht aus der Welt ge­schafft."

Ter Fall ist nicht uninteressant, Herr General­direktor, Wer daraus folgt noch nicht die Berechtigung, jeden anständigen Menschm im Verdachte der Lüge zu halten, toenn er eine Versicherung abgibt, und ich sage Ihnen auf Ehre und Gewissen, daß auch nicht der Schatten einer Begründung für jene niederträchtige Ausstreuung vorhanden ist!"

Das weiß ich selbst am besten", erwiderte Schwabe mit ruhigem Lächeln,aber wie erbringen wir den Be­weis, Herr Doktor?"

Ein Beweis liegt in der Tatsache, daß ich hier im Hause bin. Ich weiß nicht, ob ich Feinde habe, aber ich glaube wohl, daß es keinen Menschen gibt, der mich einer so niedrigen, ehrlosen Schurkerei für fähig hielte, die dazu gehörte, sich in ein Haus einzuschleichen, sich Wohl­taten erwvisen zu lassen, lediglich um seinen Wohltäter zu betrügen. Nein. Herr Generaldirektor, hätte ich mir etwas vorzuwerfen gehabt, ich stünde nicht hier!"

Sie haben recht, Herr Doktor. Ihre Anwesenheit ist ein Beweis, und es ist gut. wenn Sie bleiben, es ist sogar das beste Mittel. Daß ich auf das Geschwätz nichts ge­geben habe, das können Sie sich doch denken, und was die Verleumder betrifft, so ist es am besten, ihnen zu zeigen, daß sie an einm nicht heran können."

XII.

Friedrich fühlte sich förmlich erleichtert, als ec jenes vertrauliche Gespräch mit Schwabe hinter sich hatte. Es war ihm recht, daß auch das einmal zur Sprache gekom- men war. Run gab es doch keine Heimlichkeit mchr, außer jener einen -großen, an welcher er schwer genug trug.

Wie doch immer das Franmelement hineinspielte in sein Dasein und wie wenig Segen es ihm doch gebracht hatte. Dem geringfügigen Zwischenfall, der seinen Zwist mit Evwein Studt herbeig-esührt hatte, hatte er -selbst nie­mals irgend eine Bedeutung beigemessen und dann ward er doch wieder an ihn gemahnt, als Frau Käthe nicht übel Lust zeigte, einen Roman mit ihm nicht sowohl fortzu- setzm, als eigMtlich zu beginnen. Es war ihm nicht un­lieb, daß es mit Schwabe zu einer Auseinandersetzung gekommen war. Das hatte ihn von einem Druck befreit. Er sehnte sich gar nicht nach weiteren Romanen. Er hatte ja schon seine Rolle in einem solchen, und er empfand es nur allzuldeutlich, daß es keine sehr achtbare war. Er fühlte sich entehrt, seitdem er seinen Namen verkauft hatte, aber er hätte- sich mit der Zeit darei-ugesunden. wenn ihm nicht wieder etwas in die Quere gekommen wäre wie­der das Frauenelement! Er hatte geglaubt, sich vor- kriechen, sich unauffindbar machen zu können, Wer er war jung, und es war das eigene Herz, das ihn aufstöberte und erschreckte.

Es waren erst einige Wochen seit seiner bedeutsamen Unterredung mit Schwabe vergangen, und er hatte wieder sein Erlebnis. Eine Idylle im großen Geschäftshaus! Wie komisch sich doch manchmal die Dinge im- Leben machen! Er saß an seinem großen Schreibtisch, stützte die Stirne in die Hand, sah gelegentlich durch das Fenster ins Blaue hinaus, ins. Weite, ins Unbestimimte: cs war gar kein Sehen, es war ein Träumen, ein Erinnern, ein Nach- gemetzen eines glücklichen Augenblicks.

Noch keine fünf Minuten waren vergangen, daß seltsam, wie doch der Zufall manchmal mit rascher §mnd entscheidet, was sonst nach langer, unfruchtbarer Er- Wägung vielleicht niemals oder erst sehr spät zur Ent­scheidung gebracht worden tväre! Um elf Uhr fünsund- bierzig hatte er sich nach- dem Bureau des Generaldirektors begeben, um, wie sich das gewöhnlich mehrmals im Tag ergab, etwas Geschäftliches mit ihm zu besprechen. Er hatte nur einige Schritte über den monumental ausgestat- tetcn Korridor zu machen und befand sich dann im'Vox-