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Verlag Langgasse 21

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Dienstag, 12. Oktober 1913.

Morgen-Kusgade.

Nr. 475. * 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Zortschreiten der Offensive in Serbien

Im Westen vier feindliche Flugzeuge zum klb- sturz gebracht. ~ Abgeschlagene russische Angriffe bei Dünaburg, widsy und östlich varanowiczi. — Kavalleriekämpfe bei der Armee Linsingen. — Ein Erfolg der Armee Graf votljmer nordwestlich Earnopol. — lSSb Mann serbische Gefangene der deutschen Truppen.

Der Tagesbericht vom 11. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 11. -Okt.

(Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

In der Gegend Souchez-Neuveville und in »er Champagne, nordöstlich von Le Mesnil wurden feindliche Handgranatenangrisfe abgewiesev.

Unsere Ka m p f f l i e g e r erledigten gestern vier feindliche Flugzeuge.

Ein englisches Flugzeug stürzte östlich von Pope­rin g h e ab. Nordwestlich von Lille zwang Leutnant Jmmclmann einen englischen Kampfdoppeldecker in 4000 Meter Höhe nieder. Dieser Offizier hat damit innerhalb kurzer Zeit vier feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht.

Ferner wurde in der Champagne bei Somme-Ph und auf den Maashöhen, westlich von Hattonchatel, je ein französischer Kampfdoppeldecker im Luftkampf adge- schossen.

Wir büßten ein Beobachtungsflugzeug, süd­lich des Priestcrwaldes. ein.

Gestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschall« von ksindenburg.

Vor Dünaburg und nordöstlich von Widsh sind russische Angriffe abgeschlagen.

Ein feindliches Flugzeug wurde westlich von S m o r g o n heruntergeschossen.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschall»

Prinz Leopold von Bayern.

Östlich von Varanowiczi wurde ein schwacher, feindlicher Vorstoß leicht znrückgewiesen. Heeresgruppe des Generals von Linffngen.

In den Kavalleriekämpfen in der Gegend von K u ch o ck a - W o l a ist 0er Gegner hinter die Abschnitte der Bezimi unaja und W i e s i o l u ch a geworfen. Bei Jezicrcy sind die Gefechte noch nicht abgeschlossen. Nördlich von Bielskaja-Wola ist der Feind ver­trieben.

Die Armee des Generals Grafen Bothmer wies erneut starke feindliche Angriffe ab. Deutsche Trup­pen »ahmen die Höhe südlich H l a d k i (am Sereth), 15 Kilometer nordwestlich von Tarnopol, und schlugen aus dem Dorf Hladki eingesetzte russische Vorstöße zurück, valkanbriegsschauplatz.

An der Drina entwickelten sich weitere Kampfe. Auf der Front zwischen Sabac und Graiste ist der Donau­übergang vollendet. Südlich von Belgrad sind die Höhen zwischen S a r k o w o und M i r i j e w o erobert. Weiter östlich ist der Angriff im Gange. Die Anathema -Stellung in dem Donaubogen von Ram wurde erstürmt. Weiter unterhalb von O r s o w a finden stellenweise Artilleriekämpfe statt.

Die deutschen Truppen machten bisher 14 Offi­ziere, 1542 Mann zu Gefangene und erbeuteten 17 Geschütze, darunter zwei schwere, sowie fünf Maschinengewehre.

Oberste Heeresleitung.

•

Neue russische Mißerfolge an der Strypa. — ver Feind am unteren Stqr gegen Nordosten zurückgeworfen. — Serbische Verschanzungen hinter Belgrad erstürmt. — Vormarsch der deutschen Divisionen im Raume von Semendria.

Die Kriegsbeute ln Belgrad.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 11. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 11. Oktober, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die russische Angriffstätigkeit hat gestern an unserer ganzen Nordostfront wesentlich nachge­lassen. Der Feind unternahm gegen unsere Linien an der S t r y p a einige Vorstöße, die für ihn wie an den Vortagen mit einem vollenMißersolg endeten. Im Raume zwischen Z e l e z n i c a und dem unteren Styr wurde der Feind gegen Nordosteu zurückge- w o r s e n.

Italienischer Kriegsschauplatz^

An der Süd Westfront fanden gestern gleichfalls keine größeren Kämpfe statt. Ein Angriff der Italiener gegen den M r z l i - V r h wurde schon durch unser Artilleriefeuer abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

In der Macva-Ebene und bei Obrenovac keine besonderen Ereignisse. Die über Belgrad vorgehcnde» österreichisch-ungarischen und _ deutschen Streitkräfte warfen die Serben aus ihren s ü d ö st l i ch und südwestlich der Stadt angelegten Verschanzun­gen, wobei unsere Truppen den Grünen Berg und den Belky-Bracar erstürmten.

Im Raume von Semendria und Pozarevac gewannen die Divisionen unserer Verbündeten abermals beträchtlich an Raum.

Bei der Einnahme von Belgrad fielen den k. und k. Truppen 9 Schifssgeschütze, 26 Feldgeschütz­rohre, 1 Scheinwerfer, zahlreiche Gewehre, viel Muni­tion und anderes Kriegsmaterial in die Hand. Zehn serbische Offiziere und über 600 Mann wurden als Gefangene eingebracht. Die blutigen Ver­luste des Gegners waren sehr groß. Die Donau­flottille hob eine Anzahl von Fluß- und russi­schen See minen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Oie neue Valkanlage.

o Berlin, 10. Oktober.

Die aus Bukarest vorliegenden Nachrichten be­festigen nicht nur die Erwartung, daß Rumänien seine Politik der Neutralität innchalten wirb, sondern sie sind wegen ihrer Bestimmtheit geeignet, diese Zu­versicht zur Gewißheit zu erheben. Take Jonescu und Filipescu sind in gemessener und sehr deutlicher Weise davon in Kenntnis gesetzt woriden, daß Bratianu «ine etwaige Fortsetzung ihres gegen uns und Öster­reich-Ungarn gerichteten Treibens in Zukunft aufs schärfste zurüchveisen würde. Diese Hetzer und Auf­wiegler sind also darüber belehrt, daß die Regierung nicht gesonnen ist, sich von der Linie abdrängen zu lassen, auf der allein die Wohlfahrt des Landes gesucht werden kann. Marghiloman hat sich mit seiner ganzen Partei ohne Vorbehalt auf den Boden der von Bratianu befolgten Neutralitätspolitik gestellt. Die Wirkung des Drucks, den unsere Politik wie unsere stnvlitäri- schen Maßnahmen als ein wohlgesügter und -einheit­licher Organismus auf die Balkanhalbinsel ausüben, macht sich überall bemerkbar. Es kommt Klarheit in die Verhältnisse, und man wird bald die Gelegenheit haben, das noch in weiteren Vorgängen als -den un­mittelbaren Ereignissen auf dem Balkan bestätigt zu finden. Der Wierverband hat schon jetzt in diesen Gebieten die schwer st e seiner politischen wie auch militärischen Niederlagen erlitten, die erstere durch den Zusammenbruch der auf Rumänien, und nian kann Wohl schon Herste hinzufügen, auch Griechenland gesetzten Hoffnungen, die zweite durch den notgedrungenen Rückzug von den Darda­nellen. Nunmchr liegt es so, daß eine Operation großen Stiles, die allein doch ein Gegengewicht gegen die von den Mittelmächten eingesetzten, durch Bulgarien und die Pforte wirksam unterstützten Macht- mittÄ bedeuten könnte, nur von England und Frankreich unternommen werden kann; Rußland scheidet aus, weil es durch einige örtliche Hindernisse zu seinem sehr begreiflichen Bedauern außerstande gesetzt ist, seine Truppen aus Wolhynien und Bess-arobien nach Bulgarien zu werfen. König Konstantin wird sein Heer auch nicht marschieren lassen, Italien aiber dürste die Teilnahme an einem Balkanfcldzuge heute für noch bedenklicher als zuvor halten. Man hat gewiß mancherlei Anlaß, die merkwürdige akademische Krieg­führung unseres -ehemaligen Bundesgenossen ironisch zu behandeln, angefangen von den Witterungsberichten Cadornas bis zu dem paviernen Kriege gegen die Pforte, in welchem noch kein Schuß gefallen ist. und bis zu den vermeintlich vorbereiteten Landungen von Truppen an der albanischen Küste oder auch in Saloniki. Jedoch über dem Spott sollten wir nicht vergessen, -daß die Italiener vielleicht noch andere Gründe als die ihrer militärischen Schwäche haben, eine so hart- n ä ck i g e Z u r ü ck h a l t u n g zu üben. Schwach mögen sie sein, aber l e i st u n g s u n f ä h i g sind sie -gewiß nicht. Ein Heer ist da, das Geld gibt England, die Aussicht auf räuberischen Gewinn lockt, also warum bleibt Italien untätig? Warum vor allem hat es sich bis heute gehütet, uns Deutschen unmitelbar in den Weg zu treten? Wir dürfen nicht daran zweifeln, daß Josfres Besuch an der Alpenfront der Absicht galt, mindestens «in paar hunderttausend Uchnn italienischer Truppen

nach den Woge-sen zu ziehen, und den Engländern wird es ebenso bitterernst mit der Forderung gewesen sein, daß wahrere italienische Armeekorps entweder in Klein­asien oder an den Davdanellen landen oder jetzt in Saloniki oder auch in Valona ausgels-chifft werden sollen. Wer Italien will nicht, es will weder das eine noch das andere, vielleicht will es sich die Tür in eine Zu­kunft hinein offenhalten, in der es sich wieder von der Umschlingung durch seine heutigen Verbündeten befreien könnte. Es ist das tragikomische Miß­geschick der Italiener, daß sie in diesem Weltkrieg um einen Tag zu spät kommen. In den Krieg traten sie ein, als die Russen von den Karpathen zurückgehen inußten; ihre Hoffnung, daß Rumänien mitgehen werde, wurde zuschanden: ihre Erwartung, daß Griechenland eingreisen werde, kam ebenso znm Scheitern; Ser­bien aber scheint alles aufzubieten, um sich der gefähr­lichen italienischen Hilfe zu entziehen. Die Serben sind nach unverdächtigen Zeugnissen in g-egneri- schen Blättern förmlich entsetzt über den Gedanken, daß italienische Truppen in Albanien er­scheinen könnten, wie denn keineswegs bie einsichtslosen Männer in Nisch biesen ganzen Krieg, in den sie jetzt zürn zweiten Male in wahrscheinlich -entscheidender Weise hineingerissen werden, mit sehr gemischten -Gefühlen be­trachten mögen. Der Gedanke, daß sie, da sie schlechter­dings nichts mehr zu gewinnen, aber alles zu ver­lieren haben werden, nach einem Ausweg suchen, liegt so nahe, daß rna-n sich nicht wundern darf, wenn er immer wieder und in wechselnden Formen laut wird, manchmal gewiß in phantastischen und unglaub­würdigen Formen (wozu das Gerade von -einem Separatfrieden mit dem Donaureiche gehört), je­doch aber so, daß hinter solchen Gerüchten zuM min­desten Erwägungen einer rettenden Möglich­keit stehen. Das Verhalten Italiens zu der nun­mehrigen Entwicklung -der Lage auf dem .Balkan ist darum so wichtig, weil es weitergchende Schlüsse er­laubt. Offenbar macht sich die Wirksamkeit Giokittis erneut bemerkbar. Ein Leitartikel seines Blattes ,/©tarnt»" beklagt es, daß man seit Monaten beim Wolke eine Balkanlage vortäusche, die überhaupt nicht bestehe; man sehe sich jetzt einer trüben Wirklich­keit gegenüber. -Das Blatt bemerkt dazu, es h-abe diese Feststellung mit Beweisen aus italienischen Regievungs- quellen versehen wollen, doch habe die Zensur das nicht gestattet. Auch oh n e diese Beweise gelesen zu haben, glauben wir Herrn Giolitti gern, daß sogar Ne offi­ziösen Blätter der Herren Salandra und Sonnino -die Wahrheit durchblicken lassen, die Besinnung scheint zw rückzukehren, aber auch sie kommt, wie vorher der über-» eilte Entschluß zum Abenteuer des Krieges, um einen Tag z u s p ä t. ^

Bulgarien vor ftern Losicklagen?

Kennzeichnendes aus der Presse der verschiedenen Lager.

W. T.-B. Sofia, 11. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die offiziöse „Narodni Prava" schreibt: Die Ereignisse nehmen einen anderen Verlauf, als ihn die b u I g a r i s ch 4 Regierung gewünscht hat, welche das National!, lätsproblem des Balkans auf dem Wege fried­licher Vereinbarungen regeln wollte. Die Schuld liegt nicht an Bulgarien, sondern bei denen, die hartnäckig für dis Aufrechterhaltung der Unterdrückung auf dem Balkan waren und bei denjenigen, die sich in den Parlamenten die Verteidiger des Nationalitätenprinzips nennen und ans dem Balkan die ausgesprochensten Feinde dieses Prinzips ver. leidigen. Sie liegt bei denen, die ein U l t i m a t u m au Bulgarien richteten und es aufforderten, seine unab­hängige Politik aufzugeben.

Das Sozialistenblatt „Narod" schreibt: In dem Augen­blick, in dem man bei uns neue englisch-russische Vor­schläge zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten ans dem Balkan erwartet Hut, Vorschläge, auf die man die Hoff­nung zur Aufrechterhaltung des Friedens setzte, unter­nahm die Diplomatie des Vierverbands einen Schritt, der die­ser Erwartung vollkommen entgegen war. Der Horizont ist verdüstert. Man mutz annehmen, daß Ruß­land, welches von.gewissen bulgarischen Politikern Zusicherun­gen erhalten hat. daß Bulgarien nicht fähig sein würde, seine Truppen mobil zu muchen, aus einen Bürgerkrieg bei uns rechnet, und daß es versucht, ihn durch Druck und Drohungen hervorzurnfen. Auf diese Weise wäre Bulgarien Rußlands Gnade ansgeliefert gewesen. Es ist ü b e r s l ü s s i g, daran zu erinnern, daß trotz der allgemeinen Achtung, die das ganze russische Volk bei unZ genießt, niemand in Bulga­rien zu finden sein wird, der die Ausländer bei der -Erledigung unserer Familienangelegenheiten wünscht.

Schließlich äußert sich das rnffen fr eund lich e Blatt „Praporotz" folgendermaßen: Die Vierverkxmdmächte hätten nicht drohende Schritte unternehmen sollen, sondern dring­liche und ernsthafte Vorschläge zur Befriedigung der gerechten bulgarischen Ansprüche machen sollen, deren Berechtigung von eben denselben Mächten anerkannt worden ist. Die demokratische Partei machte in. diesem