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Montag. 11. Oktober 1915. Kbend - Ausgabe. Nr. 474. . 63. Jahrgang.

Die 62. Uriegswoche.

Die Worte unseres Reichskanzlers: ,-Sitarke

deutsche Heere stechen zu neuen Schlägen bereit!" kündigten uns bereits im August die große Offensive cm, welche in der vergangenen Woche gegen Serbien eingesetzt hat. Hiermit ift ein neuer großer Abschnitt in diesem Weltkriege gekommen. Wochen und Monate hatte ^das kleine Serbien vollaus Zeit, die schweren Wunden zu heilen, welche ihm die vorjährige Offensive unserer Verbündeten geschlagen hatte. Mfin geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß diese lange Ruhepause von unseren Feinden auf das gründ­lichste ausgenützt worden ist. Nicht ist es aber Ser­bien allein, sondern der ganze Balkan, auf welchen sich voller Spannung die Blicke der Welt richten. Das eng­lisch-französische Unternehmen an den Dardanellen darf als endgültig gescheitert angesehen wer­den. Hierbei vermochten unsere Feinde gegen die Deutschland verbündete Türkei ebensowenig Erfolge zu erzielen, wie mit den häufigen Versuchen einer Landung an der kleinasiatischen Küste in der Gegend um Smyrna. Mose lange Kette unaufhörlicher Fehlschläge spielte sich vor den Augen des abwartenden Balkans ab. Es ist daher sehr begreiflich, daß die Mächte des Vierveribandes ein anderes Feld der Tätigkeit suchen, ein Geibiet, welches noch nicht durchfurcht ist von dem vergeblich ge­flossenen Blut Tausender Engländer. Franzosen und Australier. Ein anderer Weg soll nun eingüschlagen werden, um Rußland im Osten, Frankreich im Westen Entlastung zu verschaffen. Die Offensive auf diesen bei­den Kriegsschauplätzen wurde zum Stehen gebracht dank der geschickten Anlage.unserer Verteidigungsstellen, der weisen Vorsorge der deutschen Heeresleitung und dem tapferen Ausharren der Grvbenbesatzungen. Auch hier waren alle blutigen Anstrengungen vergebens, die unsere Feinde unter schonungsloser Preisgabe des Menschenmaterials machten. So entschloß sich der Vierverband zu einer dritten Offensive aus dem Balkan. Das Erscheinen französischer und englischer Landungstruppen in Saloniki war darauf berechnet, die zaudernden Balkanstaaten mit sich fortzureißen. Rußland, Frankreich und England täuschten sich >äber bitter, wenn sie hofften, dies schnell erreichen zu können. Keiner der drei fiir Waffenhilfe in Frage kommenden Staaten hat sich offen bereit erklärt, das verfahrene Unternehmen gegen die Türkei mit ihrem Blute in neuen Fluß zu bringen. Das mannhafte Bulgarien be­kannte sich offen für die Mächte des zentralen Europas. Alle Drohungen, Bitten und Versprechungen verhallten unerhört. Somit begann der neue kriegerische Schritt unserer Feinde mit einem starken Mißerfolg. Auch Griechenland wahrt einstweilen seine Neutralität. Der Protest dieses Staates gegen den Neutralitätsbruch der englffchffvanzösischen Landung fand freilich bisher keiner! Nachdruck durch Waissengewalt. Aber offenbar will das Land keinen Krieg und anscheinend Hot auch diesmal der energische und weitschaueNde König seinem Lande wieder den Frieden und die Zukunft — und die findet es auf seiten der siegreichen Zentral- mächte und picht seines Konkurrenten Italien i— ge­rettet. Unsere großen Erfolge gegen Frankreich und Rußland sprechen ja auch zu eindringliche Worte, als daß diese unerhört im Winde verfliegen sollten. Grie­chenlands Lage ist zweifellos eine schwierige. Ebenso wie Italien besitzt es lange und offene Küsten, die schutzlos daliegen. Aus diesen Schwierigkeiten kann das Land der Hellenen nur durch einen schnellen Si e ge szng deutscher und österreichischer Truppen be­freit werden. Auf dem besten Wege hierzu sind wir. Die Vorbereitungen für den Flußübergang über die Donau, Save und den Grenzfluß zwischen Bosnien und Serbien, der Drina, wurden dem Gegner so glän­zend verschleiert, daß am 7. Oktober in breiter Front starke deutsche und verbündete Truppen auf der serbischen Seite dieser .Wasserscheiden stehen. Belgrad ist fest in unserer Hand. Die deutsch-österreichiche Offen­sive brachte also einen guten Anfangserfolg. Von Norden und Westen wird das kleine Serbien kräftig angepackt. Dieser siegreiche 'Kanonendonner wird nicht ohne Eindruck auf Rumänien und Griechenland bleiben. Unser türkischer Bundesgenosse steht nach seiner langen und erfolgreichen Gegenwehr auf Gallipoli stär­ker und selbstbewußter da als sonst. Die Türkei hat die Vollwertigkeit und Tapferkeit ihres Heeres auf das glänzendste >dargelegt. Die friedliche Einigunng mit Bulgarien hat beiden den einen Arm freigemacht zu anderen Schlägen. Bulgarien selbst dränat auf die Be­freiung der von Serbien geknechteten Brüder in Maoe- donisn. Sein Heer ist mobil und eine scharfe Waffe, gewillt, .das sich zurückzuerobern. worum im Bukarestcr Frieden Bulgarien schmählich betrogen ist. Das beste Heer der Balkanftaaten steht bereit, den Waffenbrüdern der Zentraünächte durch Serbien die Hand zp reichen.

Gestützt auf unsere eigene Kraft werden wir auch auf dein Balkan das Kriegsglück an unsere siegreichen Fahnen zu heften wissen. Militärisch und politisch geht unser einmal beschrittener Weg in sicheren Bähnen vor­wärts. Mit dem glänzenden Waftenerfolg ' von Belgrad begann der dritte Balkankrieg, diesmal^ em Krieg auch deutscher Truppen. Der einmal angeisetzte Keil wird uns den Korridor öffnen, der die Zentral­mächte mit den: türkischen und bulgarischen Bundes­genossen vereinigen soll. Trotz aller der vielen gewalti­gen Stürme im Westen und Osten sicherte sich >die ^deui- sche Heeresleitung die Freiheit des Handelns. Die Hoffnung des Vierverbandes. die ganze deutsche Kraft in Rußland und Frankreich festlegen zu können, ist zu­schanden geworden. Tie deutsche Heeresleitung kannte die Standhaftigkeit der Verteidigungsstellungen im Osten und Westen. Ilnbeirrt verfolgte sie weiter ihr Ziel auf dem Balkan. Diese ruhige Sicherheit und weise Voraussicht sind der größten Bewunderung würdig. Den gleichen Anteil an dem Siege auf dem Balkan haben aber auch unsere braven Truppen m Frankreich und Rußland. Der Angriff auf die Festung Dünaburg schreitet von Westen und Süden erfolgreich vorloärts. Alle russischen Durchbruchsver- suche, die einen Angriff der deutschen Sturmtruppen m der rechten Flanke bezwecken, scheiterten immer von neuem. Die deutsche Verteidigung der Seenengen zeigt sich ebeiffo standhaft in der Abwehr wie noch die Wochen vorher ihr Offcnsivgeist keine Hindernisse kannte. Seit dem 7. Oktober unternahmen die Russen auch keine neuen Angriffe in größerem Umfang. Sie müssen durch die M a s s e n a n st ü r m e schwer gelitten haben. Auch an der o stg a l iz i sche n Front scheinen sie eine Zerreißung der deutsch-österreichischen Linie nicht mehr sür möglich zu halten. Nur an einem Tage unternahmen sie bei Tarnopol einen kraftvolleren Stoß, ohne auch hier durchbrechen zu können.

Auf der W e st f r o n t zeigt es sich immer deutlicher, daß der Angreifer Ruhepausen eiutreten lassen muß. Die Auffüllung der stark gelichteten Rechen, dre Heranschaffung neuer Sturmmittel machen >dies not­wendig. Das Spiel wiederholt sich immer in der gleichen Weise. Der Einsatz des Feindes wird immer kost­spieliger, das Ziel bleibt d a s s e 16 e, die Gewinn­chancen verringern sich täglich. In den Zwi­schenräumen, welche während der feindlichen Ar­tillerievorbereitung und dem Antreten _ der Sturm­kolonnen liegen, geht der deutsche Verteidiger zum An­griff über. Allmählich wird die an die Franzosen ver­lorene Beute stückweise ihnen wieder entrissen. ^ Beson­ders lang war die Atenrpause, welche die Engländer brauchten. Nach fast zehn Tagen unternahmen die englischen Truppen eine neue vergebliche Offensive süd­lich des Kanals von La Bassäe bei Vevmelles.

An der italienischen Front unternahmen un­sere Feinde einige stärkere erfolglose Anstürme gegen die Südtiroler Front. Sonst war es auch hier ebenso still wie in den verflossene,- Wochen. Die tapfere Wacht rn Frankreich, Rußland, Südtirol, Kärnten und am Jsonzo ist und bleibt der s i che re Sch i ld, unter dessen Schutz ein starkes Heer ans dem Balkan sich die V e r- b i n d u n g erkämpff zwischen Nordsee und beim Mittelmeer. Die schönen Erfolge unsererII-Bvote in der Nähe der griechischen Küste zeugen für unsere Stärke im Mittelmeer au ch zu Was ser. dl.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Die Einnahme von Belgrad.

An zwei Tagen und zwei Nächten furchtbare Nahkämpfe.

Berlin, 11. Okt. (Jens. Bln.) Über die Einnahme von Belgrad meldet der Kriegsberichterstatter Lennhoff der „B. Z." aus dem k. k. Kriegspressequartier: Sehr schwer war der Kampf um Belgrad. Hier hatten die Serben starke Kräfte zum Widerstand eingesetzt. Dennoch gelang es den Truppen, die im heftigsten Feuer der neu angelegten Befestigungen über die Save geworfen wurden, in den Nord­teil der Stadt einzudringen und sich dort festzubeißen, bis Verstärkungen nvchkamen. Sie wurden wütend angegriffen, und um die Straßen des Nordteils von Belgrad waren an zwei Tagen und Nächten andauernd furchtbare Nahkämpfe. In ihrem Verlauf wurden die serbischen Truppen immer mehr zurückgedrängt, bis sie schließlich die Stadt ganz auf- geben mußten. Die Verbündeten nahmen sofort von ihr Besitz, und auf der Zitadelle gingen die österreichisch- ungarische und die deutsche Fahne hoch.

Stürmische Begeisterung in Sofia.

Sofia, 11. Okt. (Zens. Bln.) Als das Ereignis der Ein­nahme von Belgrad nachts bekannt wurde, löste dieses stürmische Kundgebungen für die Mittelmächte aus.

weiterer Rückzug der Serben.

Ernste Besorgnisse in Paris.

Sr. Kopenhagen, 11. Okt. lEig. Drahtbericht. Zens. Bin.) „Berlingske Trdende" erfahrt aus Pari s, daß man dort mit

einem weiteren Rückzug der Serben rechnet. Die Haüptverteidigungsstellung der Serben liege erst in den Bergen. Die Serben seien artilleristisch zu un­terlegen, um die Donauftont halten zu können. In Paris sei jetzt alle Aufmerksamkeit nur noch auf den neuen Kriegsschauplatz gerichtet und in den weitesten Krei­sen der französischen Bevölkerung sei man sich klar über den Ernst des Augenblicks.

Montenegrinischer Widerstand am Lowcen.

Br. Kopenhagen, 11. Okt. lEig. Drahtbericht. Zens. Bln.)' „Central News" erfahren aus Rom, daß die Monte­negriner einen österreichisch-ungarischen Angriff auf den Lowcen befürchten, der die Cattarobucht beherrscht. Die Montenegriner Hütten neue schwere Kanonen eingebaut und sich auf eine verzweifelte Verteidigung einge­richtet.

Oie valkanlage in deutscher Beleuchtung.

Rumäniens und Griechenlands Haltung unbedenklich.

I*. Berlin, 11. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Zur Balkanlage ist wiederum zu sagen, daß trotz des fortbe- stehenden Mangels direkter Nachrichten unser Vertrauen auch ferner gerechtfertigt ist, daß Bulgarien im rechten Moment mit aller Kraft und erfolgreich seinem Plane nachgehen und seine Ziele zu erreichen suchen wird. Was Rumänien an- bctrifft, so ist unser Vertrauen nicht minder fest begründet, daß es bei seiner neutralen Haltung verbleiben wird, da keine neuen Gründe eingetreten sind, die es daraus verscheuchen könnten. Dasselbe gilt für Griechenland, wo der Vier­verband mit allen möglichen falschen Nachrichten versucht, seine geängstigte oder verärgerte Stimmung zu verschweigen. Es ist selbstverständlich kein Wort wahr, wie schon im Anschluß an die Havasmeldung dementiert wurde, daß Deutschland mit Bulgarien einen von Österreich und der Türkei gebilligten Vertrag abgeschlossen hätte, worin Bulgarien große Ver­sprechungen insbesondere aus Kosten Griechenlands gemacht worden feien.

Nein Zweifel mehr an der Neutralität Griechenlands und Rumäniens.

Eine albanische Erhebung gegen Serbien und Montenegro.

Sr. Wien, 11. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Hiesige diplomatische Kreise werten die Erstürmung Belgrads außerordentlich hoch. Nach den vorliegenden Meldungen ift das Ereignis in B u k a r c st und Athen mit respektvollem Ernst ausgenommen worden. Man sagt in Wien, daß von heute an an der Neutralität Griechenlands und Rumäniens nicht mehr zu zweifeln sei.

Starke Albanierkräfte marschieren auf Tirana und haben vor dieser Stadt serbische und italienische Truppen zum Rückzug gezwungen. Man nimmt an, daß eine Albanier- erhcbung im ganzen Norden gegen Serbien und Montenegro bcvorsteht. Gerüchtweise verlautet, daß sich bereits starke Banden gegen S k u t a r i wenden.

Eine strikte Neutralilätserklärung Zaimis gegenüber dem Vierverband.

Nichtanerkennung der Ankündigung durch den Bierverband.

Sr-. Wien, 11. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Zoimis erklärte gestern den Ententediplomaten, daß Griechen­land seine Neutralität strengstens einhalten werde. Die Diplomaten überreichten darauf eine Kollektivnote» in der hervorgehoben wird, daß die Entente die Reutrali- tätsankündigung nicht anerkenne und worin neuerdings erklärt wird, daß die Truppenlandungen im Interesse Griechenlands vorgenommen wurden, sowie daß das griechisch-serbische Bündnis dies bedingte. Gleichzeitig wer­den Griechenland Entschädigungsgarantien zuge- kichert.

Lin weiterer Beitrag zur Nichtachtung der griechischen Neutralität.

Eine drahtlose Station der Engländer in Saloniki.

Athen, 11. Okt. (Zens. Mn.) Dreißig englische Mechaniker, die mit General Hamilton an gekommen waren, haben im Hafengebäude eine Station für drahtlose Telegraph ie errichtet, was großes Auffehen erregt. Der General ivill nächstens nach Risch reisen.

Line Zusammenkunft ttönig Ferdinands mit Marschall Liman von Sanders.

Ein Handschreiben des Königs an den türkischen Sultan.

Sr. Kopenhagen, 11. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Einem Pariser Telegramm zufolge hat der König von Bulgarien dem Sultan ein langes Handschrei­ben gesandt. In den nächsten Tagen wird König Ferdinand mit Marsch all Liman von Sanders-Pascha eine Zusammenkunft haben.

Bulgarien kein Werkzeug fremder Pläne.

Einigkeit im ganzen Lande.

W. T.-B. Sofia, 11. Okt. (Nichtamtlich.) Das offiziöse, „Echo de Bulgare" stellt fest, daß der vom Vierverband her- beigeführte Bruch von der öffentlichen Meinung in Bul­garien mit sichtlicher Erleichterung ausgenommen worden sei. Die Ungewißheit, welche die Gemüter bedrückt habe, und die letzten Schwankungen seien wie mit einem