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»8tags^?ü?dw M?rg-n-Ausgd>ü»g iwr^nachmitt-gs^ Berliner Schriftleitnug des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelftr. 66, Fernspr.: Amt Uhland 450 u. 451. Tagen'und Plätzen wird keine Gewähr ubemommen.
Sonntag» 10. Oktober 1915.
Morgen - Kusgave.
Nr. 473. * 63. Jahrgang.
Belgrad gestürmt!
weitere feindliche Ziellungen vor vünaburg in vier Kilometer Breite erobert.
Deutsche Fortschritte bei Loos. — Eroberung einer vielumstrittenen Höhe in Zranzösisch- Lothringen. — Die GrteKomorq unvprykead- niki, südwestlich von pinsk, im Sturm genommen. - Di« Russen bei Ezartosysk hinter den Styc zurückgeworfen. — General von Gallwitzerzwingt den vonauübergang abwärts Semendria.
Der Tagesbericht vom 9. Oktober.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Qkt. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Nordöstlich von V e r m e l I e s schlug ein starker englischer Angriff unter großen Verlusten fehl.
Bei einem örtlichen deutschen Angriff wurden südwestlich des Dorfes Loos kleine Fortschritte erzielt.
In der Champagne griffe» die Franzosen nach stundenlanger Artillerievorbereitung die Stellung östlich des N a v a r i n - G r h ö f t e s an, gelangten stellenweise bis in unsere Gräben, wurden aber durch Gegenangriff wieder hinausgeworfen und ließen, bei erheblichen blutigen Einbußen, 1 Offizier und 100 Man» als Gefangene in unserer Hand.
In F r a n z ö s i s ch - L o t h r i n g e n verloren die Franzosen die vielumstrittene Höhe südlich Lcintrep.
1 Offizier und 70 Mann, 1 Maschinengewehr und i Minenwerfcr blieben bei uns.
westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindsnburg.
Bor D ü n a b u r g bis Garbnnowka (südlich von Jüuxt) wurden die feindlichen Stellungen beiderseits des Ortes in 4 Kilometer Breite crftürmt. 5 Offiziere, 1356 Mann sind gefangen genommen, zwei Maschinengewehre erbeutet. In einem Gefecht bei Nefcdi (südlich des Wisznew-Sees) wurden 139 Gefangene eingcbracht.
Von einer Wiederholung größerer Angriffe nahm der Feind Abstand..,-
yeeresgruppe des Generalfeldmarschalls
Prinz Leopold von Bayern,
Nördlich von K o r e l i t s ch i sowie bei Labusy und Saluszje sind russische Vorstöße leicht abgewiesen.
Heeresgruppe des Generals von Linstngen.
Südwestlich von P i n s k sind die Orte Komory und Prpkladnili im Sturm genommen. Bei Wolka- Bercznianska und südwestlich von K u ch o ck a - W o l a sind Kavalleriegesechte im Gange. Nördlich und nordwestlich von C z a r t o s y s k ist der Feind hinter den Styr zu rü ck g e w o rfeit. Seine Angriffe nördlich der Bahn Kowel-Rowno scheiterten.
Valkankriegsschauplatz.
Zwei Armeen einer unter dem Generalfeldmarschall v. Mackensen ncugebildeten Heeresgruppe haben mit ihren Hauptteilen die Save und Donau überschritten- Nachdem die deutschen Truppen der Armee des k. und k. Generals der Infanterie v. K o e v e ß sich der Zigeunerinsel und der Höhe südwestlich von Belgrad bemächtigt hatten, gelang es der Armee auch den größ- ten Teil der Stadt Belgrad in die Hand der Verbündeten zu bringen. österreichische Truppen stürmten die Zitadelle und den N o r d - teil Belgrads, deutsche Truppen den neuen Konak.
Die Truppen sind in weiterem Vordringen durch den Südtcil der Stadt.
Die Armee des Generals der Artillerie v. G a l l w i tz erzwang den Donau-Übergang an vielen Stellen an der Strecke abwärts Semendria und drängt den Feind nach Süden überall vor sich her.
Oberste Heeresleitung.
Oer Waffenerfolg in Serbien.
Die vor zwei Wochen angekündigte neue Offensive gegen Serbien, bei der diesmal in verstärktem Maße deutsche Truppen zur Verwendung kommen, ist nach der vorbereitenden Beschießung der serbischen Stellungen an der Donau schneller in Fluß gekommen, als mancher erwartet hatte. Seit drei Tagen erst horten wir, daß die Übergänge über dieDonau, Save und Drave an verschiedenen Stellen erzwungen wurden, und nun bringen die Berichte aus dem deutschen Hauptquartier und des österreichischen Generalstabes bereits die erfreuliche Kunde, daß Belgrad, die Hauptstadt des Serben- reichcs, stürmender Hand genommen wurde.
Allzu großen Widerstand werden die Festungswerke ja nicht mehr geleistet haben, denn, schon während der Belagerung im vorigen Jahre durch die österreichisch-ungarischen Truppen waven die auf hohem Bergesgipfel thronenden, aber alten Vorwerke bedenklich mitgenommen worden. Belgrad war auch — so meldete damals der österreichische Generalmajor v. Frank — von den Truppen am 1. Dezember besetzt worden. Leider dauerte die Freude über das dem greisen Kaiser Franz Joseph aus Anlaß der 66. Wiederkehr des Tages seiner Thronbesteigung zugedachte Festgeschenk nicht lange, denn schon wenige Tage später wurde wieder die Räumung der Stadt, aus taktischen Gründen, wie es hieß, angezeigt. Seitdem war der Feldzug gegen Serbien immer mehr verebbt und in den letzten sieben bis acht Monaten ganz zum Stillstand gekommen, bis er vor einigen Tagen wieder zum Ausleben gelangte. Man braucht die Tüchtigkeit des serbischen Soldaten nicht herabzuwürdigen, denn in den Balkankriegen hat er seinen Mann so gut wie Bulgaren und Griechen gestellt. Und mögen wir die serbische Politik als die frevelnde Anstifterin des Weltkrieges auch hassen und verwünschen, nuch in" diesem lodernden Feuermeer hat der serbische Soldat bis zum letzten Blutstropfen gekämpft.
Aber sein Widerstand und seine Stärke müssen gebrochen werden, und mit Bewunderung können wir auch aus diese Aufgabe blicken, die unsere Heeresleitung mit Österreich- Ungarn zusammen übernommen hat. Mögen auch die englischen und französischen Landungsheere in Saloniki in Be
reitschaft stehen, um den Serben zu Hilfe zu eilen, diese Hilfe kommt wohl zu spät. Die deutschen Waffen haben die ersten und bereits recht bedeutungsvollen Schläge geführt, und wer dazu in der Lage ist, hat schon einen Vorteil aus seiner Seite. Vielleicht wird es auch Bulgarien nun viel leichter, die Erfüllung seiner Forderungen zu erreichen, möglicherweise wird es gar nicht notwendig sein, vor der Hand auch nur einen Schwertstreich zu führen. Um gewissen Verträgen auszuweichen, kann das bulgarische Heer daraus warten, bis sich wirklich Franzosen und Engländer seinen Grenzen oder Häfen nähern; dann wird der Kampf aber nicht gegen Serbien, sondern gegen jene gehen, dann kommen aber auch diese gewissen Verträge, unter wem und !vie sie auch bestehen
mögen, nicht in 1 Betracht; denn dergleichen Aktionen werden sicherlich in keinem Vertrage, sei es nun zwischen Griechenland und Serbien oder zwischen Griechenland und Rumänien, bestehen. Das deutsche Vordringen aus dem Balkan werkt mehr als alle diplomatischen Lügen und Ränke, mehr als alle Versprechungen und 'Einichüchteimugsv ersuche der Vieroerbandsmächte, und um der Engländer und Franzosen willen allein oder derem listereichem Augenverdrehen willen werden Rumänier und Griechen ihre Haut nicht zu Markte tragen, nachdem sie bereits gesehen, wie kläglich das Dardanellenabenteuer göscheitert ist und wie die Truppenlandung den Alliierten vor allem auch einen hoffnungsvollen Ausweg aus der Bloßstellung schaffen soll.
Wenn wir die letzten Erfolge der deutschen und österreichisch-ungarischen Waffen auf dem neuen Balkankriegsschauplatze betrachten und uns freuen, daß aus dem Konak der serbischen Hauptstadt bereits die deutsche, österreichische uud ungarische Flaggen wehen, so wollen wir doch noch einer wetteren, im deutschen Hauptquartiersberichte erwähnten Bemerkung gedenken. Mehrere Tage hatten wir nichts vom Generalfekdmarschall v. Mackensen gehört, wir ahnten nur, wo er sein konnte, weil sein Name so urplötzlich als Heeres- gruppensührer aus dem deutschen Tagesbericht verschwunden !var, aber Genaues wußten wir nicht. Nun erfahren wir's aus einmal, wo er weilt, und ihm zur Seite hat sich General v. Gallwitz gestellt, der bisher unter Hindenburg kämpfte. Wie beide, der eine aus den Schlachtfeldern Galiziens und
