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{Der Roman, §

Morgen.veilage der Wiesbadener Tagblatls. i» ' -i

Nr. 236.

Samstag, y. Oktober.

(10. Fortsetzung.)

S. rn. S. ©rille!

Roman von Otto Elster.

(Nachdruck verboten.)

„8Tdj, so muß ich auch Wohl gnädiges Fräulein sagen?'' fragte er traurig.

„Nein, nein — Horst — wir wollen doch gute Freunde bleiben!" Und sie schob ihre Hand unter seinen Arni und zog ihn mit fort zu der festlich geschmückten Tafel.

Das war ein fröhliches Stimmengewirr, das erst ernstem, feierlichem schweigen Platz machte, als sich der Generalkonsul erhob, um das Hoch auf Seine Majestät den deutschen Kaiser ausznbringen. Stehend hörten alle die Worte an und weihevoll klang dann das Lied durch den festlichen Raum:

Hell Dir im Siegerkranz l Herrscher des Baterlands,

H'.il Kaiser Dir . . .

Eine Pause feierlicher Stille — jeder empfand die Weihe dieses Augenblicks, wo die Gedanken zum alten Waterlande wunderten und man des Fürsten gedachte, unter dessen weisheitsvoller Negierung der deutsche Handel emporgcblüht, geschützt durch die deutsche Flotte, die er geschaffen.

Der Präsident des Klubs gedachte in herzlichen Wor­ten des deutschen Pateclandes, Kapitän Sander toastete auf dos Wachsen, Blühen und Gedeihen der deutschen Kolonie in Schanghai, und Professor Ewald brachte in sinnigen Worten ein Hoch aus die deutschen Frauen aus.

Die perlenden Sektgläser klangen irühlich anein­ander, und mancher geheime Händedruck, manch heim­licher Blick wurde da gewechselt.

„Werden Sie nun längere Zeit hierbleiben?" fragte Käthe im Laufe des Gesprächs.

„Wir sollen zwischen hier und Tsingtau kreuzen", entgegnete Horst. „Aber wir werden stets nach Schanghai zurückkehren, und so werde ich Sie noch öfter sehen, Fräulein Käthe. Sie erlauben mir doch, daß ich Sie und Ihren Bruder in Ihrer Villa besuche?"

„Aber >das ist doch selbstverständlich, Horst."

„Vielleicht bleiben wir auch längere Zeit hier statio­niert", fuhr Horst fort. „Es tollen im Innern Chinas Unruhen ausgebrochen sein, die möglicherweise ihre Wellen her nach der Küste zu ausbreiten. Die alten Mandschu sind mit der neumodischen Regierung des Präsidenten Uuanschikai gar nicht einverstanden, und «möglich ist es schon, daß sich dieser oder jener alte Mandschu-Geneval empört. Da heißt es dann auspassen, daß unseren deutschen Handelsniederlassungen und den Missionen nichts passiert."

„Hoffentlich konrmt es nicht zu Blutvergießen, Horst. Hier ist ja alles ruhig und selbst in der Chinesenstadt rlihrt sich nichts."

„Ja, aber bei diesen hinterlistigen, gelben Burschen kann man nicht wissen, was sie im Schilde führen. Doch heute wollen wir uns darüber keine Sorge machen! Die schöne, glückliche Gegenwart wollen wir genießen und auf eine schöne, glü-Kiche Zukunft anstoßen!"

Dis Champagnergläser klangen fröhlich zusammen.

,Missen Sie Käthe", fuhr Horst nach einer Weil« ernster fort, „daß ich Ihnen viä, sehr viel abzubitten habe?"

,Mir? — Was hätten Sie mir Böses getan?"

„Oh, erinnern Sie sich noch unserer letzten Fahrt in den Wald — kurz vor meiner Abreise?"

„Ja . . erwiderte Käthe «unter leichtem Erröten. ,/Sie sprachen da recht törichte Worte, Horst . - ."

„Die ich aber gewiß nicht bereue. Ach, Käthe, da­mals war ich sehr schlecht, sehr ungerecht gegen Sie! Sie wollten meine Worte nicht hören, und als der Neu­hofer dazukam . . ."

„OH, bitte, sprechen Sie nicht davon!"

„Ich «hatte wohl bemerkt, wie Herr von Neithardt Sie mit leidenschaftlichen Augen verfolgte — ich sah auch, wie Sie mit ihm tanzten —• ach, Käthe, ich glaubte, Sie liebten ihn . . ."

„Oh, Horst — wie können Sie denken . . ."

„Ja, deshalb war ich die letzten Tage so häßlich gegen Sie. Können Sie mir das verzeihen?"

„Ich «denke gar nicht mehr daran, Horst. Uird wissen «sie denn nicht . - ."

„Ja, ich weiß . Neithardt hat sich in merkwürdiger Weise benommen. Seit Wera mir das geschrieben, bin ich erst wieder leicht und froh geworden. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, Sie vielleicht bei meiner Rückkehr als die Frau eines anderen Mannes begrüßen zu müssen."

,-Sie dürfen solche Worte nicht sprechen, Horst", sagte Küche ernst und traurig.

„Weshalb nicht? Sie wissen doch, daß ich Sie lieb habe. . ."

„Horst, Horst! Um des Hi«mmels Willen, sprech«e«n Sie nicht so, wenn Ihnen an unserer Freundschaft etwas liegt. Ich darf solche Worte von Ihnen nicht hören, und doch wünsche ich von Herzen, Sie als Freund zu behalten."

„Sie sind wunderlich, Käthe. Wieso könnten meine Worte Sie verletzen?"

,/Sie verletzen mich nicht, sie machen mich nur trau­rig, weil. . -"

„Nun, weil? — Vollenden Sie, Käthe! Weil Sie mich nicht lieb haben können?"

„Quälen Sie mich doch nicht so, Horst. Sie sagten ia selbst, wir wollten die schöne, glückliche Gegenwart genießen, weshalb uns mit traurigen Gedanken «diesen Genuß verkümmern? Erzählen Sie mir lieber von Ihren Abenteuern auf den Südsee-Jnsoln."

„Sie haben recht —- verzeihen Sie mir! Wir wol­len uns die kurzen Stunden unseres Zusammenseins nicht durch Zukunstssorgen trüben. Jetzt bin ich glück­lich, daß ich an Ihrer Seite weilen darf.— die Zukunft wollen wir den gütigen Göttern anheimstellen. Das ist ja auch Seemannsbrauch I"

Seine Stimme, die an ernster Männlichkeit gewon­nen hatte, drang ihr tief ins Herz. Seine Augen blick­ten so lieb und treu — oh. wie ganz anders war ec,