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Samstag, 9. Oktober 1915.

Morgen - Kusgave.

Nr. 471. » 63. Jahrgang.

Der Urieg.

Die serbischen versuche, dasvordringen der Verbündeten aufzuhalten, scheitern.

Erneute russische vorstöhe aus der gesamten ostgalizischen und roolhqnischen Front ohne Erfolg. — Zusammenbruch feindlicher Sturm­kolonnen an der bessarabischen Grenze. — weitere Raumgewinnung bei Kokil. — Die Dörfer Lisowo und Galuzia erobert.

4000 Gefangene.—Die vergeblichen italienischen Anstrengungen.

Wen, 8. Ott. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Oktober, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Der Feind griff gestern an der g a n z e u o st- galizischen und wolhynischen Front au. Seine unter großem Kraft- und Munitionsaufwand ge­führten Angriffe blieben ohne Erfolg. An der b e f s ara­bischen Grenze, auf de» Höhen nördlich des Dujestrs m:b an der Strypa brachen die russischen Sturm- kolonncn zusammen, che sie an unsere Hindernisse herankamen. Nordwestlich von T arnopol drangen die Russen an zwei Stellen in unsere Schützengräben ein, wurden aber durch herbcieilende deutsche und öster­reichisch-ungarische Unterstützung heute morgen wie­der zurückgeschlagen. Ein ähnliches Geschick hatte der feindliche Angriff auf das nordwestlich von Kremicnec liegende Dorf S a k a n o w, das gestern als Mittelpunkt erbitterter Kämpfe^ mehrmals den Besitzer wechselte, nun aber wieder fest in unserer Hand ist.

Ebenso warfen wir südwestlich von Olhka über­legene rusiische Kräfte im Nahkampf zurück, wobei sich das Infanterieregiment Nr. 89 und das Landwehr- Infanterieregiment Tetschcn Nr- 31 besonders hervor­tat. Sehr heftig wurde auch südlich von Olyfti gekämpft.

Nördlich und nordöstlicki von Kokil gewannen unsere Gegenangriffe neuerlich Raum. Wir entrissen dem Feinde die Dörfer Lisowo und Galuzia. Ins­gesamt wurden in den gestrigen und vorgestrigen Kämp­fen auf wolhhnischcm Boden etwa 4000 Russen gefangen­genommen. Ter Gegner erlitt sehr große Verluste.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gegen die Hochfläche von Vilgerenth setzten die Italiener gestern nachmittag an der ganzen Front mit starken Kräfte» zu einem neuen Angriff ein, der gleich allen anderen blutig abgewiesen wurde. Besonders heftig tobte der Kampf um einen unserer Stützpunkte nordöstlich des Maroniaberges. Hier stürmten drei feindliche Bataillone dicht gezwängt vor, drangen durch das zerstörte Hindernis ein, wurden aber durch Abteilungen des vberüsterrcichischen Landwehrregiments Nr. 14 mit dem Bajonett hinausgcworfen. Der ganze Angriff endete mit der Flucht der Italiener in ihre Aus­gangsstellungen. Im Nordteil des D o b e r d o - Ab­schnittes griff der Feind wieder vergeblich an. Bei Selz verjagten die Abteilungen des Infanterieregiments Nr. 87 die Italiener ans einem in ihrer Kampflinie ge­legenen Steinüruch, schlngen einen Gegenangriff ab und sprengten die feindlichen Stellungen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Der Übergang der österreichisch-ungarischen und deut­schen Streitkräfte über die untere Drina, Save und Donau wurde fortgesetzt. Die Versuche der Serbe«, unsere Unternehmungen z» stören oder zu vereiteln, scheiterten auf allen Punkten.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, < Feldmarschalleutnant.

Die Ereignisse auf dem ValKan.

Oie Offensive gegen Serbien.

Wir der Übergang über die Drina, Save und Donau erzwungen wurde.

Lr. Berlin, 8. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der Kriegsberichterstatter des „B. T." Adelt meldet ans dem österreichisch-ungarischen Kriegspressegnartier unter dem 8. Oktober: Während weitreichende Artillerie der Verbündeten die Uferbefestigungen der Serben systematisch zusammrnschoß und die serbischen Grenz- schutztrnppen Tag und Nacht beunruhigte, wurden auf ungarischen Bahucn Pontons und Brückenmaterial in großen Mengen hcrangeführt und möglichst unbemerkt an geeigneten Punkten zur Verwendung vorbereitet. Französische Flieger, die nach Ungarn erkunden kamen, wurden teils durch geschickt angelegte Maskierungen ge­täuscht, teils durch Abwehrgeschütze und Kampfflugzeuge verjagt- Ein erneutes Bombardement von

furchtbarer Heftigkeit trieb den serbischen Grenzschutz in Deckungen und legte Sperrfeuer zwischen ihn und die Angreifer. Darauf begannen an zahlreichen Stellen deutsche, österreichische und ungarische Pioniere unter dem Schutze der Infanterie die Übergangsvorbereitun- ge». In wenige:: Stunden wurden Drina, Save und Donau an mehreren Punkten überschritten. Die über- gangssturmkolonnc griff serbische Grenztruppen und Vorhuten an, oic sich vergebens in den zerstörte» Stel­lungen zu halten suchten.

Eine bulgarische Erklärung in Rthen.

Die Truppenlandungen nicht im Einklang mit der Neutralität.

W. T.-B. Oscnpest, 8. Oft. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Aus Sofia meldet das Blast „Villag": R a d o s l a w o w hat dem griechischen Gesandten Naum erklärt, die Vorgänge in Saloniki schienen nicht im Einklang mit den Erklärungen zu stehen, welche die griechische Regierung durch ihren Gesandten in Sofia abgegeben habe. Falls die griechische Regie- run ihre Haltung nicht ändere, würde das bulgarische Kabinett die griechcnfrcundlichc Haltung der bulgari­schen öffentlichen Meinung nicht für berechtigt halten und keine Verantwortung für den Stim­mungswechsel übernehmen können. Der bulgari­sche Gesandte in Athen Vasarow ist von Radoslawow angewiesen worden, ähnliche Erklärungen abzugeben.

Der bulgarische Gesandte noch in Nifch.

Br. Wien, 8. Olt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „Magyar OrSzag" meldet ans Sofia: Der bulgarische Gesandte in Risch erhielt bisher keinen Auftrag seiner Regierung, Risch zu verlassen. Er erklärte, daß er bis zum letzten Augenblick in Risch bleiben werde. Die dortigen Bier­verbandsgesandten verkehren nicht mehr mit ihm.

Oer englikcheGesandte bei König Konstantin?

W. T.-B. London, 8. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)

„Morning Post" erfährt aus Athen, daß der englische Gesandte Sir Francis Eliot gestern namcnS der Verbandsmächte eine lange und wichtige Unterredung mit König Konstantin geführt hat.

Eidesleistung des neuen griechischen Kabinetts

W. T.-B. London, 8. Olt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet aus Athen: Die neuen Minister haben: den E i d geleistet. — Es verlautet, daß die Venizelos- Partei die neue Regierung unterstützen werde, um weitere Verwicklungen zu vermeiden, da eine Kammerauflöfung in der Mobilmachung einen chaotischen Zustand herbeiführen werde.

Keine unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Bulgarien und Griechenland.

Br. Wien, 8. Oft (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „A Rap" veröffentlicht eine Unterredung seines Wiener Mit­arbeiters mit einen: in Balkandingen erfahrenen Diplomaten, der erklärte, Griechenland werde neutral bleiben. Die Gegensätze zwischen Bulgarien und Griechenland seien nicht unüberbrückbar. Wenn Bulgarien Mazedonien erhält, bekommt Griechenland vom Epirus und den Inseln das, was seine nationale Sehnsucht vollauf befriedigt.

Die englische Presse über die Berletznng der griechischen Neutralität.

W. T.-B. London, 8. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" wendet sich in einem Leitartikel dagegen, daß die französische Note an Griechenland ein ähnlicher Fall sei wie der deutsche Einmarsch in Belgien. Natürlich sei es augenblicklich unmöglich, vertrauliche Mitteilungen zwischen den Verbündeten und Griechenland zu veröffentlichen, es dürfe aber als sicher gelten, daß die Alliierten niemals eine Hand­lung auf griechischem Gebiet beabsichtigten, die Griechenland unwillkommen sei. — „Westminster Gazette" schreibt, es be­stehe gar keine Parallele zu der Landung in Saloniki und dem belgischen Fall. Das belgische Volk glaubte, seine Ehre und Unabhängigkeit sei durch den deuffchen Einmarsch bedroht. Es protestierte nicht nur, sondern kämpfte auf Tod und Leben. Die Regierung und das Parlament Griechenlands verzichten auf das Recht eines Protestes mit Waffengewalt.

Regelung des wirtschaftlichen Verkehrs aus Rumänien.

' W. T.-B. Bukarest, 8. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Präsidenten der landwirtschaftlichen Vereine haben gestern beschlossen, der Regierung eine Denkschrift über die wirt­schaftliche Lage des Landes zu überreichen. Die Denkschrift verlangt die Bildung einer besonderen Kommission zur Regelung des Verkaufs landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die allein das Recht hätte, Ausfuhrware abzugeben. Die Kom­mission soll aus Grotzlandwirten, Ausfuhrhändlern und den landwirtschaftlichen Syndikaten bestehen. Ferner werden Erleichterungen für die Aufbewahrung von an der Grenze angekommenen Waren, die sofortige Einstellung des Warentransports zur Grenze bis zur Ordnung der Verkäufe und die Verteilung der Darlehenskassenkredite ent­sprechend den Bedürfnissen einzelne? Provinzen verlangt, und wenn die Darlehnskassen nicht ausreichen, die Gründung einer besonderen Anstalt, welche die Lombardscheine über ein­gelagertes Getreide mit gesetzlich geregeltem Kurs ausgeben.

Der Krieg der Türkei.

Gefährdung der türkisch-amerikanischen Beziehungen?

W. T.-B. Rotterdam, 8. Oft. (Nichtamtlich. DrahtberichtH Der „Nieuwe Rotterdamschc Courant" meldet aus New Amckr) Nachrichten ans Washington sagen, daß der türkischen Regie­rung formell mitgcteilt wird, daß die Beziehungen zwischen: Amerika und der Türkei gefährdet seien, falls die Morde in Armenien nicht aufhören würden. Instruktionen in diesem Sinne wurden dem Botschafter der Bereinigten! Staaten in Konstantinopel übermittelt. In amtlichen Kreisen Washingtons wird dazu bemerkt, daß der Abbruch der diplo­matischen Beziehungen vorläufig nicht beabsichtigt sei.

Englands wie überhaupt des Biervcrbarüws Diplomaten! haben bisher so viel auf ihrem Gewissen, warum sollten sie, die Meister in der Verhetzung, nicht auch bei dieser neuesten Ankündigung ihre Hand im Spiele haben. Aber noch ein anderer Umstand mutz gleichzeitig Verdacht erregen, daß di« Drohung zu einem Zeitpunkt erfolgt, da niemand in der ganzen Welt von Morden in Armenien spricht, und daß aus­gerechnet wieder ein Land davon betroffen wird, das, wie die! Donaumonarchie — die ebenfalls nicht von amerikanischen! Liebenswürdigkeiten verschont blieb — mit Deutschland i m Bunde ist, während die Ententemächte, die rat« Herr Wilson einmal in sein Herz geschloffen zu haben scheint, bisher weder mit ernstem Tadel noch gar mit einer Drohung bedacht wurden.

Völkerrechtswidrige Beschießung eines türkischen > Lazaretts.

W. T.-B. Konstantinopel, 8. Okt. (Nichtamtlich. Draht­bericht. Verspätet eingetroffen.) Zu Beginn der gestrigen Kammersitzung wurde ein Telegramm des Gemeinderats von Adali a verlesen, indem die Beschießung des städti­schen Spitals durch zwei französische Kriegs- schiffe gemeldet und als unmenschlicher Akt gebrandmarkt wird. Der Kammerpräsident Hali! sprach sein lebhaftes Be­dauern aus, daß die französische Flagge, die einst zur Ver­teidigung der Freiheit diente, sich heute zu so niedrigen Hand­lungen hergebe.

Weitere „Heldentaten" der englisch-französischen Flotte.

W. T.-B. Konstantinopel, 8. Okt. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Aus türkischer Quelle wird über die neuerliche lächer­liche Unternehmung der englisch-ftanzösischen Flotte gegen nicht verteidigte Punkte der anatolischen Küste be­richtet. Vorgestern feuerte ein englischer Kreuzer gegen A : w a l i k einige Schüsse ab. Ein Geschoß traf das Haus des italienischen Konsuls und tötete seine aus sechs Personen bestehende Familie. Am gestrigen Tage erschien ein fr anzösisches Panzerschiff vor dem Hafen von Alaja, süd­östlich von Adalia, und gab 5 Schüffe gegen eine Fischer- b a r k ab. Die Fischer erreichten schwimmend die Küste. Eine vom Kreuzer ausgelaffene Tampffchaluppe erbeutete die Fischerbark und nahm sie ins Schlepptau.

Die Kämpfe an Ser Suvla-Bucht.

Br. Amsterdam, 8. Okt. Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Amtlich meldet Reuter: Der Kamps an der Suvla-Bucht war im verflossenen Monat für besondere Berichterstattung nicht belangreich genug. Fast in jeder Nacht fanden Schar­mützel von Patrouillen statt, Bomben- und Sturmangriffe. Alles hatte jedoch mir das Resultat, daß hier während dieser! Zeit das 4 Meilen lange Zentrum unserer Front an der Suvla-Bucht sich um 300 Meter ausdehnen konnte.

Die Lage im Westen.

Oie außerordentlich starken englischen Verluste an ver Westfront.

Br. Berlin, 8. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) DaS W. T.-B. berichtet unter dem 7. Oktober, die englische Berlnst- liste vom 6. Oktober enthalte die Namen von 96 Offizieren, die an der Westfront gefallen sind, und die „Times" meldete außerdem den Tod von 47 Offizieren, die in der amtlichen Liste nicht enthalten waren. — Daß diese Angaben keineswegs erschöpfen, sondern durch die nachfolgenden Berlustlisten noch Erweiterungen erfahren, ist selbstverständlich, da Berlustlisten bekanntlich immer nur das gerade zur Stunde vorhandene Material bringen können. Aber auch ohne diese Listen kann jedermann erkennen, daß die Verluste doch auch bei den Eng­ländern ganz ungeheuer gewesen sind; denn die zwischen dem 29. September nnd 5. Oktober erschienenen sechs Num­mern der „Times" enthalten allein die Privattobes­au zeigen von 208 Offizieren, die seit dem 25. Sep­tember, dem Anfang der großen Offensive an der Westfront, gefallen sind. Darunter befinden sich 4 Oberste und 9 Oberst­leutnants.

veleasses Sohn zu einem Jahr Festungshaft verurteilt.

W. T.-B. Magdeburg, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Dis „Maccheb. Ztg." meldet: Dec im Gefangenenlager in Halle internierte französische Löutnant D e l c a s s 4, ein Sohn deS französischen Ministers des Äußern, wurde wegen Gehor­samsverweigerung und Widersetzlichkeit zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Delcaffs hatte sich zu Be­schimpfungen Deutschlands hinreitzen lassen. Ein zweiten; franzöjrjcher Offizier ertzek Vfä hast. y