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bi» 12 Uhr mittags, für dir Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmittags. —

An^eigeu- Annahme ^scheinenden Ausgabe?wie für die Anzcigen-Aüfnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr

|i». 155* LerlagS^erusprecher No. 2858.

Für die Aufnahme später eingcreichter Anzeigen zur nächst- Währ übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Freilag, de« 1. April.

Redaktions-Fernsprecher No. 52.

1904.

An-eigen-Preisr

Die einspaltige Petitzcile für lokale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Peritzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

L». Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiSr durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post » Mk. so Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Morgen-Ausgabe.

_1. Matt.

VW"" Mege« des Karfreitags erscheint die nächste Ansgabe erst am Samstagnachmittag.

Kritik an der Armee.

lBo» unserem militärischen Mitarbeiter.»

Unter diesem Titel veröffentlicht in der „Straßb. Post" am 24. März 1904 «in jedenfalls hoher Offizier aus Berlin eine Abhandlung über die Berechtigung, die Armee zu kritisieren, eine Abhandlung, welche geradezu amüsant wirkt!

Nach seinen Auslassungen ist allein -der aktive hohe Vorgesetzte in der Lage, sachgemäß zu urteilen, für sämt­liche andere Menschen ist es unverzeihlicher Vorwitz, die bewaffnete Macht zu kritisieren! Früher, als man noch keine Nerven hatte, hieß es: „Gesunde Verhältnisse können das Räsonieren vertragen", jetzt scheint dies anders ge- worden zu sein!

Nicht unrecht kann man dem Verfasser geben, wenn er Leute, welche nie der Truppe ang-ehörten, oder solche, die nur ganz kurze Zeit dienten, für inkompetent erklärt. Daß der „hohe aktive Offizier" aber auch den inaktiven Militärs die Fähigkeit ab spricht, ein fachgemäßes Urteil zu fällen und dieses nur den in Uniform Einherschreiten­den zugesteht, zeigt nicht von allzugroßer Bescheidenheit!

Der weise Verfasser des Artikels behauptet, meist schrieben heute über die bewaffnete Macht Ossiziere a. D., die -es nicht weit gebracht hätten, sondern schon in -den untern Chargen verabschiedet wären! Unseren Ersah- rungen nach ist gerade das Gegenteil der Fall. In der großen Mehrzahl sind es nur höhere Offiziere, -die in bester Absicht Einrichtungen monieren, welche mehr oder weniger dringend der Änderung bedürfen. Da dieselben, so lange sie dienten, -mundtot waren, reden sie, nachdem dieser Zustand aufg-chött hat!

Nach dem Berliner Verfasser ist erst der Divisions­kommandeur oder kommandierende General in der Lage, ein richtiges Urteil zu fällen, und dürsm dieselb-en nicht, wie z. B. -General v. Meer-scheidt-Hüllessm, schon einige Jahre pensioniert sein, sondern müssen noch voll und ganz ihre Stellungen wahrnehmen!

Dann schreibt der Herr zum Schlüsse seiner Mhand- lung-en weiter: „Als berufene Kritiker bleiben also- nur die aktiven Offiziere übrig, und von diesen wird denn auch eine gründliche Kritik an allen Einrichtungen des Heeres geübt, dessen weitere Vervollkommnung dauernd angestrebt wird. Diese Kritiker sind die allein richtigen Ärzte; sie st«h-en -am Krankenbett ihres Patienten, dm sie mit aller Sorgfalt beobachten, und sie machm ihre Ver­ordnungen zu seiner Heilung, ohne daß sie die Leiden wie Heilmittel auf dem Marktplatz der Öffentlichkeit preis- gebm!"

Feuilleton.

Dar Nepulsin.

Don Professor vr. Eduard Eugel-Berlin.

Bon dem mir befreundeten zweiten Assistenten des chemischen Laboratoriums der bekanntlich von Rockefeller vor acht Jahren begründeten Universität in Springfield (Massachusetts), Herrn Roger Max Bluff, erhalte ich eine Mitteilung, die mir so bedeutungsvoll erscheint, daß ich mich verpflichtet fühle, sie zur Kenntnis weiterer Kreise zu bringen. Herr Mac Bluff, den ich seit vielen Jahren kenne, ist ein so ernster wissenschaftlicher Mann, übrigens auch europäischen Fachmännern durch seine hervorragen­den Leistungen besonders auf dem Gebiete der Elek­trolyse so vorteilhaft bekannt, daß ich, ohne selbst Fach­mann zu sein, es doch auf die Bedeutung seines Namens hin wage, seine erstaunliche -Entdeckung an dieser -Stelle mitzuteilen. Ich lasse einfach seinen Brief folgen, um mich nicht der Gefahr auszusetzen, durch irgend eine Zurechtstutzung vielleicht eine wissenschaftliche Unmöglich­keit unbewußt zu begehen. Der sachliche Inhalt des Schreibens des Herrn Roger Mac Bluff lautet:

„Ich stelle Ihnen anheim, lieber Freund, bei Ihren ausgedehnten Beziehungen zur deutschen Presse, wenn Sie es für gut befinden, von der nachstehenden Mittei­lung beliebigen Gebrauch zu machen, da mir bei der Stellung Deutschlands in der Wissenschaft der Welt be­greiflicher Weise daran liegt, mir das zeitliche Vorrecht meiner Entdeckung zu sichern. Ich glaube nämlich — nein, ich bin sicher, bei meinen elektrolytischen Arbeiten einer neuen, bisher völlig unbekannten Kraft aus die Spur gekommen zu sein, die ich eine Weltkraft nennen muß, denn sie hat unzweifelhaft außer und neben der Gravitation die Hauptrolle in der kos- mogonirchen Gestaltung gespielt, und wenn mich meine

Schön gesagt! Kritisiert wird genug in der Armee! Über jede Leutnantsanfgabe ergießt sich staffelweise ein Strom von mündlicher und schriftlicher Weisheit, daß dem Zuhörer angst und bange werden kann! Man verzapft des Guten so viel, daß am Ende des Rede- oder Tinten- g-usses der, den es angeht, meist den Anfang nicht mehr weiß. Ebenso- stießen G-oldkö-rnlein des höchsten Wissens stvomweise über die Lippen der Vorgesetzten, wenn vom Tornistersitz, Stieselttesterung, Haarschnitt und Bindensitz -die Rede ist!

All dieser aufgewandte Sprechanismus soll ja bessernd und klärend wirken, das verkennt niemand. Ob- er es -aber in der jetzt üblich gewordenen Fülle tut? Jork, Mo-ltke, Gäben und noch manch andere Führer redeten in ihrem ganzen Leben kaum so viel wie der No-rmalgeneral heutzutage in „einem" Manöver! Kritiken von 2—3 Stunden Dauer sind alltägliche Erscheinungen und- daß zum- Schluß, wenn die Schleusen der Beredsamkeit zuge­macht werden, nur wenige mit besonders gutem Gedächt­nis Begabte noch wissen, was alles besprochen wurde, ist Tatsache!

Diese Kritiken mit den angestrebten Besserungen und Belehrungen wird sicher kein Mensch dem aktiven hohen Vorgesetzten mißgönnen, im Gegenteil, mögen sie darin das Bewußtsein, recht viel Gutes zu wirken, finden..

Wo bleibt aber das Kritffieren über eminent wichtige Dinge, wie der mangelnde Offizierersatz, unfsldmäßige Uniform, traurige Avancementsverhältnisse der Front- offtziere uftv., von den im Dienst befindlichen hohen Herren, die nach des Verfassers Behauptung allein dazu berechtigt sind?

Wir nehmen alles hier Gesagte reumütig zurück, wenn -der Schreiber des „-Straßburger Post"-Artikels uns be- weist, daß er in seiner jedenfalls sehr sinflußreichm Stellung diese Fragen- bei den. maßgebenden Persönlich, keilen dienstlich angeschnitten hat, um dadurch dasselbe zu erstreben, was -die Inaktiven -mit ihrem „Nörgeln" wollen! R. W.

Politische Übersicht.

Deutschland, Frankreich nnd der Vatikan.

L. Berlin, 30. März.

An die Mlttelmeerfahrt des Kaisers knüpfen sich Ge- rüchte, die darum, weil sie vorsichtiger Weife gewisser­maßen in die Vergangenheit verlegt werden, noch nicht wahrer werden. Es wird beh-aupttt, der Kaiser habe die Absicht gehabt, an irgend einem Orte der Riviera mit -dom Präsidenten Loubet zusammenzutreffM. Aus der Sache sei aber nichts geworden, weil der Ausbruch des russisch- japanischen Krieges der Zusammenkunft einen promm- cietteren als den ihr ursprünglich znged-achten Charakter gegeben hätte. Darauf ist zu bemerken-, daß eine solche Zusammenkunft niemals erwogen worden ist. Man kann das -mit aller Sicherheit sagen, weil -es unmöglich gewesen wäre, auch nur die ersten geheimen Vorbereitungen zu einem solchen Zusammentreffen länger als 24 Stunden

Berechnungen und wohlbegründeten Hoffnungen nicht völlig täuschen, wird sie auch für das praktische Leben, wahrscheinlich schon in der allernächsten Zeit, eine un­vergleichliche Bedeutung gewinnen. Ich nenne diese neue Kraft ganz einfach die Repulsivkraft und den chemisch­elektrolytischen Stoff, an den sie gebunden und durch -den sie betätigt wird, das Repulsin. Sie sind Lateiner genug, um mich sofort zu verstehen. Es handelt sich um eine der Gravitation geradezu entgegengesetzte, sie nicht nur auf­hebende, sondern überbietende Kraft -der Abstoßung. Ganz unbekannt ist uns ja die Erscheinung der Repulsion nicht: Sie wissen aus allbekannten magnetisch-elektrischen Tat­sachen, daß durch bestimmte elektrische Ströme Ab­stoßungen im kleinen bewirkt werden. In meinem Falle aber handelt es sich um die Entdeckung einer chemischen Zusammensetzung, die unter dem elektrischen Strom eine ungeheure Repulsivkraft entwickelt, und zwar schon bei ganz geringer Masse. Meine Zusammensetzung besteht aus Radium und Carbid — Radium natürlich nur in ganz geringer Menge, unter ständiger Einwirkung elek­trostatischer Induktion. Ihre -deutschen Elektrotechniker werden mich ohne weiteres verstehen, wenn ich sie ein­fach an das „Coulombsche Gesetz" erinnere. Ich habe mich nicht auf bloß theoretische Untersuchungen beschränkt, sondern habe meine Berechnungen durch das Experiment, natürlich nur in kleinstem Matzstabe, bestätigt gefunden. Das Repulsin wirkt mit unwiderstehlicher Gewalt ab­stoßend gegen den Mittelpunkt -der Erde, und cs ist kein Zweifel erlaubt, daß es in gleicher Weise sich abstoßend, also antigravitierend, gegen den Mittelpunkt jedes an­deren Weltkörpers, also überhaupt gegen jede kosmische Masse verhalten muß.

Lassen Sie mich zunächst Ihnen die wichtigste physika­lische Erscheinung, ein neues physikalisches Gesetz, ent­wickeln, das sich an die Wirkungen des Repulsins knüpft. Während nämlich die Gravitation bekanntlich im geraden Verhältnis der Zeit wirkt, so daß ein zur Erde fallender '

geheim zu halten. Wir sind noch nicht so wert, daß di« Staiatsoberhäupter Deutschlands und Frankreichs Begeg­nungen mit Flottenpavaüen und sonstigem- Zubehör ver­anstalten. Von uns aus läge ja kein Hindernis vor, aber wenn etwa Herr Combes in eine Zusammenkunft -mit Kaiser Wilhelm gewilligt hätte, brauchte er um die zweck­mäßigste Att seiner 'beschleunigten Rückkehr ins privateste Privatleben nicht lveiter besorgt zu sein: die Sache -würde -sich über Stacht ganz von selber machen. Inzwischen haben die Herren Loubet und Combes andere Sorg-eu. Der Präsident wir-d -in Rom sein und den Papst nicht sehen; ein Schicksal, das die französische Politik gern abgew-endet hätte, wenn es nur gegangen wäre. Tenn so scharf auch der Gegensatz zu den klettkal-nationalistischen Parteien ist, so heftig auch die gegenwärtige französische Regierung mit kirchlichen Organisationen umspringt, so kann es -doch keine Frage sein, daß die Feinde des Ministeriums Combes gerade durch die unversöhnliche Haltung des Vatikans -gegenüber Herrn Loubet an Terrain -gewinnen werdend Es ist ein historisches Gesetz der französischen Entwickelung seit -der großen Revolution, daß der Kamps gegen den Klerikalismus niemals bis zu Ende geführt worden ist; So off er begann, so oft er mit denkbar schärfsten Waffen geführt wurde, immer kam ein Augenblick, wo der Rück­schlag erfolgte, und er mußte erfolgen, weil in der fran­zösischen Volksseele denn doch wohl ein unausrottbares Element der Hinneigung zur Papstkirche vorhanden ist! Wie sich die französische Regierung mit dem Nicht- empfange Loubets im Vatikan abfinden wird, ist natürlich ihre Sache. Im Vatikan selbst scheint man gegenwärtig ganz -besondere Hoffnungen -ans Deutschland- zu setzen und ollen Ernstes zu ermatten, daß eine Nunziatur in Berlin zugelassen werden wird. Auch von den Gerüchten, die sich -mit dieser Nuinziaturfrage beschäftigen, kann -man -dasselba sagen wie von den Eingangs erwähnten: sie werden darum, weil sie sich hartnäckig wiederholen, noch nicht wahrer. Immerhin kann man wohl zugeben, daß di« Frage selbst in irgendeiner Form zur Erörterung gelangt sein mag. Freiherr v. Hertling, der Vertrauensmann desReichs-kanzlers, scheint mit denRatgebern desPapstes so viel besprochen zu haben, -daß dieErwähnung auch deMun» ziatnrfrage nicht weiter wundevnehmen könnte. Schllver- lich würde die „Germania" ein langes -und breites über die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit einer solchen -diplomatischen Vertretung des Vatikans in Berlin von sich gegeben haben, wenn nicht wittlich etwas vorg-egcmgen wäre, was das Problem in den Vordergrund- drängen konnte. Indessen hat man fürs erste doch wohl keine Der» anlassung, diese ganze Frage -anders als akademisch zu erö-ttern. Bezeichnend jedenfalls für das Verhältnis zwischen -dem Vatikan und der Wilhelmstrahe bleibt es, daß der Papst eine auffallende Hinneigung zur intimeren Verständigung mit Berlin bekundet, nachdem -er Frankreich gegenüber gewissermaßen die Brücken abgebrochen Haft Der Vorgang ist aber noch nach einer anderen Seite hin beachtenswert. Der Kardinal-Staatssekretär steht in dein Rufe, aus seiner franzosenfrenndlichen Gesinnung heraus doch noch irgend ein Kompromiß in -der Empsangssrage

Körper in der zweiten Sekunde zweimal so schnell fällt, wie in der ersten, in der dritten Sekunde dreimal so schnell, in der vierten Sekunde viermal so schnell wie in der ersten, äußert sich die Wirkung der Repulsivkraft, wenigstens bei meinem Repulsin, mit dem Biquadrat der Zeit! Diese mathematische Erscheinung steht ganz einzig da und wird selbst für die Astronomen eine merkwürdige Enthüllung s-ein. Höchst erstaunlich ist es, daß der zu­rückgelegte Weg schon in -der ersten Sekunde beim Repul­sin größer.ist als bei der Gravitation, etwa 10 Meter — genau 10.347 Meter — gegenüber den etwa 15 Fuß Fall­raum bei der Gravitation. Dagegen erreicht die Repul­sivkraft bei meinem Repulsin schon in der zweiten Sekunde eine bei weitem größere Zahl, nämlich 10X2' — 160 Meter. Die Geschwindigkeit der dritten Sekunde beträgt schon 2V 2 Kilometer, und nach Verlauf einer Minute, also nach der 60. Sekunde, beträgt die Geschwindigkeit nahezu 130 000 Kilometer! Die Geschwindigkeit steigt aber nur bis zur 72. Sekunde und erreicht ihre größte Höhe mit etwa 270 000 Kilometer in der Sekunde!

In der praktischen Anwendung wird das Repulsin natürlich in erster Reihe zu Kraftleistungen auf der Erd« verwandt werden. Für mich handelt cs sich jetzt nur darum, meine Mischung in ihrer Kraft so weit ab-zu» schwächen, daß dieser Riese auch wirklich in den Dienst des täglichen Lebens gestellt werden kann, ohne durch seine ungeheuerliche Kraft zertrümmernd und vernich­tend -zu wirken. Ich glaube auch das Mittel dazu schon gefunden zu -haben, denn Dutzende von Versuchen haben ergeben, daß die Repulsivkraft im umgekehrten Verhält­nis zur Stärke des elektrischen Stromes steht, so daß ich cs nahezu unbeschränkt tr'metner Gewalt habe, aus dem Riesen Repulsin den nützlichen Erdcnzwerg zu machen, der sich, wenn es von ihm gefordert wird, selbst innerhalb der Grenzen einer Pferdekrast hält. Selbstverständlich wird das Repulsin für Kraftmaschinen jeder Art anwend­bar sein, also auch für Lokomotiven, Schiffsmaschincn