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g=rza Morgen-Settage des Wiesbadener Tagblatts, ——■ !

Ile. 235. Kreitag. 8. Oktober. ,d»a.

tv. Fortsetzung.)

§. m. §. Grille !

Roman von Otto Elster.

(Nachdruck verboten.")

7.

In den prächtigen Rärrmen des deutschen Klubs winde eine große Ballfestlichkeit zn Ehren des Offizier» korps S. M. S. „Grille", die auf der Reede von Schanghai Anker geworfen, gefeiert. Der große Saal ttnb die Nabenräume strahlten im Glanz des elÄtrischen Lichtes, Pallnenarrailgements, aus denen die Büsten des Deuffchen Kaisers und anderer deutscher Fürsten hervorblickten, schmückten die Ecken und Nischen: Lor­beer- und Rhododendron-Bäume standen zu beiden Sei­ten der breiten Treppe, die in die Fasträume führte, und überall flatterten die deuffchen Fahnen, während sich auf der höchsten Zinne des Gebäudes das deutsche Reichs­banner in der lauen Brise blähte, die von der See her- übevwehte

Tie gesäurte deuffche Kolonie war erschienen, die deutschenSeeofiiziere zu begrüßen. Da sah man das kluge Gesicht .des Professors Ewald, des Vorstehers des deut­schen Hospitals; seine feine und doch nervige Geleihrten- hand strich behaglich den wallenden granblonden Voll- hart; hinter scharfer goldener Brille blickten zwei kluge Augen bobachtend und doch mit einem gewissen Humor in die Welt. Da unterhielt sich der evangelische Pfarrer freundschaftlich mit dem katholischen Geistlichen; da plauderten die jüngeren Ärzte mit den Lehrern der deutschen Schule und den Angestellten der großen Han­delshäuser. Da waren vor allem die deutschen Kauf­leute, würdige, weltmännische, kluge Männer, die Pioniere des Deutschtums im fernen Osten, und an ihrer Spitze der Generalkonsul Freiherr von Steinitz mit glattrasiertem, stillem Diplomatengesicht und ordens- bedeckter Brust.

Hier galt kein Rang und Stand, kein Name und Titel? Hier galt mir die Mannes-Tüchtigkeit, der ehr­liche Fleiß, das rasüose Streben, und alle irmschlang als einigendes Band das Deutschtum, die Liebe zum ge­meinsamen Vaterlande.

Im Kreise der Damen, die zum Teil in glänzenden Toiletten erschienen waren, hielt Frau von Steinitz Eercle und ließ sich die ihr rwch unbekannten Damen und Herren vorstellen. Auch .Käthe ward ihr vorgestellt und küßte ihr in tiefer Verbeugung die Hand.

„Das ist schön von Ihnen, mein liebes Fräulein", sagte Frau von Steinitz freundlich, „daß Sie Ihren Bruder hierher begleitet haben. Es mangelt -uns hier an jungen Damen, und unsere Offiziere werden sich freuen, eine solch reizende Tänzerin zu treffen"

Käthe zog sich errötend in den Kreis der Damen zurück. Nun eilte ein Diener durch den Saal und mel­dete dem Herrn Generalkonsul die Ankunft der Offiziere. Dieser, von dem Klubvorstaüde begleitet, begab sich zum

» rng des Saales, dessen Flügeltür sich öffnete und än Sander von S. M. S. „Grille" trat ein, ge­folgt von seinen Offizieren und einigen jugendlich schlan­ken Seekad eiten.

Welch prächtige straffe Gestalten! Welch männliche, Hvcttergcbräunte Gesichter! Welch keck und fröhlich

blitzende Augen! Das waren die Vertreter der deuffchen Seemacht, des bewaffneten Bruders des deutschen Han­dels, dem er überall hin folgte, über den er schlitzend und schirmend die Hand hielt an allen Punkten der Welt, wo sich der deutsche Handel festgesetzt Hatte! Da gab es keinen Gegensatz zwisck>en Zivil und Militär, der deuffche Handel, die deutsche Flotte, sie gehörten zusam- men, sie kämpften beide für des Vaterlandes Dtacht und Größe, der eure mit den Waffen des Friedens, des Fleißes, des rastlosen Strebens, der andere mit der Hand an dem Schwerte zum Schutz und Trutz für Deutschlands Ehre und Ruhm.

Die Vorstellungen nahmen eine geraume Zeit in Anspruch; endlich begann der Tanz, den Kapitän San­der mit Frau von Steinitz eröfsnete.

Käthe hatte sich in dem Hintergrund gehalten, sie war ja noch so fremd hier- — Da sah sie ihren Bruder mit einem jungen Marineoffizier eilig durch den Saal auf sich zukoiiuuen, und plötzlich begann ihr Herz in rascheren Schlägen zu pochen und heiße Glut slainmte in ihren Wangen empor.

Da standen die beiden Herren auch schon vor ihr und lachend sagte Fred:

„Da bring' ich dir einen alten Bekannten . .

„Horst — Herr von Haidsbrink . . .?!"

„Fräulein Käthe — welche Überraschung?!"

Und ihre Hände umschlossen sich so warn: und fest, als -wollten sie sich niemals wieder trennen. Fred ent­fernte sich mit einem leichten, schelmischen Lächeln und ließ die beiden allein.

»Ach, Fräulein Käthe . . . eine größere Freude konnte mir nicht begegnen", sprach Horst weiter und um­faßte Käthe mit einem innigen Blick. „Ich hatte ja keine Ahnung, daß ich Sie hier im fernen Osten treffe« würde! Als sich Ihr Bruder mir -vorstellte, fiel mir der Name auf — und da erfuhr ich dann, daß auch Sie Hier waren . . ."

„Hatten Sie denn keine Nachricht aus der Heimat?"

„Seit Monaten liaben wir keine Post erhallen, si« lagert für uns in Tsingtau — wir waren in der Siüdsee, weit, weit von hier, zur Bestrafung einiger wilden Stämme, die eine deutsche Mission überfallen hatten. Dann erhielten -wir Ordre, hierher zu fahren. Und niln ' tröffe ich Sie! Nein, diese Freacde!"

„Ich wußte nicht, daß Sie auf die „Grille" kom­mandiert waren . . ."

„Ich wurde für einen erkrankten Kameraden auf die „Grille" versetzt- Wer nichts mchr von mir — erzählen Sie mir von sich — oder wollen wir tanzen?"

«Wie Sie -wollen . . ."

„Nein, lassen Sie uns hier in diesen lauschigen Winkel setzen und plaudern. Ich habe Ihnen ja so viel zu sagen . . ."

Käthe lächelte über seinen jugendlichen Ungestüm; -aber tief in der Seele fühlte sie es, daß ein treues, ehr­liches Herz ihr entgegenschlug, und ein beglückendes, warmes Gefühl durchströmte sie.