Verlag Langgaffe 21
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Freitag, 8. Oktober 191S.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 469. » 63. Jahrgang.
Ae Aina, Cm und Jomii an nichmen Stellen überschritten.
Sechs franzöfische Massenangriffe in der Champagne znsammengebrochen. Bor Dünaburg in die feindlichen Stellungen eingedrungen.
Gescheiterte vurchbruchsoersuche bei veausejour — In deutsche Linien etngedrungene feindliche Divisionsteile wieder zurückgeworfen. — Das weitere französische Vordringen bei Tahure verhindert. — Russische Vurchbruchsversuche bei Smorgon vollständig gescheitert. — Gin russisches Torpedoboot durch deutsche Landbatterien schwer beschädigt
Der Tagesbericht vom 7. Oktober.
W. T.-B. GroßeSHauptquartier, 7. Olt. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Die französische Offensive in der Champagne nimmt ihren Fortgang. Nach stärkerem, nach und nach bis zu äußerster Heftigkeit gesteigertem Artilleriefeuer setzte gestern mit Tagesgrauen der Angriff wieder ein. Nordwestlich Svuain brachen unter schwerste» Verlusten und Einbuße von 2 Offizieren und 180 Mann an Gefangenen sechsMassenan griffe der Franzosen zusammen. Westlich der Straße S o m m e - P y - S o u a i n in Richtung Sl. Marie konnten Teil? von zwei neu eingrtroffenen Divisionen an einer Stelle über unsere vordersten Linien Vordringen. Durch sofort einsetzenden Gegenangriff wurde der Feind tvicder hinansgewvrfen. 12 Offiziere, 20 Unteroffiziere, 550 Mann blieben a!8 Gefangene in unserer Hand. Zwei Maschinengewehre wurden erbeutet. Östlich der genannten Straße konnte der Feind bei seinen Angriffen keine nennenswerten Erfolge erzielen. Gegen ein kleines Grabenstück östlich des N a v a r i n - G e h ö f t s, in dem er sich halten konnte, ist der Gegenangriff im Gange.
Nur bei und nördlich T a h u r e gelang cs dem Feind nach hin- und herwogendem Gefecht, etwa 8 00 Meter Raum zu gewinnen. Der Angriff kam durch unseren Gegenangriff zum Stehen.
Die Versuche des Feindes, die Stellung nördlich und nordöstlich des Beauscjour-GehöftS zu durchbrechen, scheiterten gänzlich. Wo der Feind bis in unsere Gräben vorstoßen konnte, wurde er niedergemacht oder gefangen genommen. Die Stellung ist restlos in unserem Besitz. 3 Offiziere, 300 Mann wurden als Gefangene abgeführt, drei Maschinengewehre dem Feind abgenommen.
Einem heftigen, aber erfolglosen Angriff in den Morgenstunden gegen die Briquetiari-Stellung nordwestlich von Bille-sur-Tourbe folgten im Laufe des TageS nur schwächere Vorstöße, die abgewiesen oder durch Artillerie- feurr im Keim erstickt wurden. Nördlich von Arras fanden mir bedeutungslose Handgranatenkämpfe statt.
Im Aisnetal, bei Sapignael, mißglückte ein schwächlicher ftanzösischer überfall auf einen vorspringenden Grabenteil.
westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von kjindenburg.
Vor Dünaburg drangen unsere Truppen in 5 Kilometer Breite in die feindliche Stellung ein.
Südlich des D r y s w j a t Y-S e e s ist der Feind weiter zurückgedrängt; eine attackierende russische Kavalleriebrigade wurde zusammengeschossen. Zwischen dem B a g i n s k o j e-S e e und der Gegend von Smorgon wiederholten die Rüsten ihre verlustreichen Durchbruchsver- suchc, die ohne Ausnahme, zum Teil nach Nahkampf, g c - scheitert sind. Es sind 11 Offiziere, 13 0 0 M a n n zu Gefangenen gemacht.
Bei Rag gasen (an der Rigaer-Bucht) wurde ein russisches Torpedoboot durch unsere Landbatterien schwerbeschädigt.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.
Nichts Neues.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
In den Kämpfen bei C z a r t o r y s k ist der Feind auS den Waldungen westlich dieses Ortes geworfen.
Balkankriegsschauplatz.
Deutsche und österreichisch - ungarische Truppen haben die D r i n a, die Save und die Donau an mehreren Stellen überschritten und auf dem östlichen Drina- und südlichen Save- und Donauufer festen Fuß gefaßt. Oberste Heeresleitung.
Der Uebergang der Deutschen und Gesterreicher zwischen Drinamündung und Eisernem Tor.
Russische Angriffe an der beffarabischen Grenze und in Wolhynien abgewiesen. — Zurückge- schlagene starke feindliche Kräfte bei vubno und an der putilowka. — vas Dorf Ruliko- wice am Styr erobert. — 1000 Gefangene.
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Amtlich verlaute» vom 7. Oktober, mittags:
Russischer Uriegsschauplatz.
An der beffarabischen Grenze und bei Krzemieniec in Wolhynien wurden mehrere russische Angriffe abgcwiescn. Sonst herrschte an der ostgalizi- schen Front und an der Jkwa Ruhe. Nördlich von R u b u o und an der Putilowka setzte der Feind au zahlreichen Punkten unter großem Munitionsaufwand starke Kräfte zum Angriff an. Er wurde überall unter schweren Verlusten zurückgcschlagen. Stellenweise kam es zu einem erbitterten Handgemenge, so bei O l y k a, wo den Russen die Linzer Division in gewohnter Kaltblütigkeit entgegentrat. Wir nahmen etwa 800 Mann und mehrere Offiziere gefangen. Nordöstlich von Kolli beiderseits der von Sarny nach Kowel führenden Bahn ist der Feind an einzelnen Stellen auf das W e st u f e r d e s S t Y r vorgcgangen. Ein von österreichisch-ungarischen und deutschen Kräften geführter Gegenangriff schreitet erfolgreich fort. Österreichisch-ungarische Bataillone cntriffen den Russen das zäh verteidigte Dorf Kulikowice am Styr, wobei 200 Gefangene ringebracht wurden. Deutsche Truppen vertrieben den Gegner aus feinen Stellungen bei Czartorysk.
Bei den k. u. k. Streitkräften an der oberen Szvzara nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz
Die Gefechtstätigkeit an der Südwestfront beschränkte sich gestern auf die gewöhnlichen Gefchützkämpfc. Nur gegen den Nordteil der Hochfläche von D o b e r d o bei Pvtteano versuchte» Abteilungen eines italienischen Mobil- n'.iliz-Regimeilts anzugrcifen. Dieses Unternehmen scheiterte vollständig. Unsere Truppen jagten den Feind in der Nacht bis über seine Borpostenstellung zurück.
Südöstlicher Kriegsschauplatz
Österreichisch-ungarische und deutsche Streitkräfte erzwangen sich gestern zwischen der Mündung der Drina und demoberenEisernenToran zahlreichen Punkten den Übergang über die Save- und Donaulinie. Die serbischen Vortruppen wurden zurückgcworfen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö s e r, Feldmarschallcntnant.
Die Ereignisse auf dem valkan.
vor der Kriegserklärung des Vierverbandes an Bulgarien.
Die völlige Ablehnung des russischen Ultimatums.
Nr. Kopenhagen, 7. Okt. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Wie aus Petersburg verlautet, bedeutet die in sehr höflicher Form abgefaßte bulgarische Antwort auf das rustische Ultimatum dem Inhalt nach eine völlige Ablehnung. Bulgarien bestreitet zunächst die von Rußland anfgestrllteq Behauptungen, wonach deutsche Offiziere sich in der bulgarischen Armee oder gar im Generalstab befänden. Weiterhin drückt die bulgarische Regierung ihr Erstaunen über die schroffe Stellungnahme Rußlands aus, die Bulgarien als provokatorisch empfinden müsse. Bulgarien bedauert, falls Rußland die Antwort als ungenügend empfinde und die Beziehungen zwischen beiden Ländern infolgedeffen gemäß der russischen Drohung abgebrochen werden sollten, sieht sich aber außerstande» seinerseits an dieser Tatsache etwas zu ändern. Die russische Presse glaubt, daß die Kriegserklärung des Bicrverbandes an Bulgarien unvermeidlich ist.
Ruch ver italienische, belgische und serbische Gesandte fordern ihre paffe.
W. T.-B. Sofia, 7. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Meldung der bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Nachdem gestern abend die Vertreter Rußlands, Englands und Frankreichs ihre Pässe gefordert haben, schloß
sich der italienische Gesandte, der keine Note überreicht hat, der Forderung seiner Kollegen an und ebenso der belgische Gesandte. Heute früh ließ sich auch der serbische Gesandte die Pässe aushändigen.
3ur Landung in Saloniki.
Ruhigere, dem Vierverband günstig- Auffassung in Athen?
W. T.-B. Paris, 6. Olt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Infolge des Belagerungszustandes in Saloniki unterliegen die Depeschen über die Truppenbewegungen der Zensur. Die Nachrichten über die Landung französischer Truppen widersprechen sich. Die öffentliche Meinung in Athen scheint, nachdem der erste Augenblick vorüber ist, viel ruhiger zu sein. In politischen Kreisen wird die Lage hoffnungsvoll betrachtet. Man erkennt an, daß die Truppen der Verbündeten nicht als Feinde der Griechen kommen, sondern diesen helfen sollen, Bulgarien im Zaume zu halten. Gegebenenfalls werden sie sich an der Verteidigung Serbiens und Griechenlands gegen den bulgarischen Angriff beteiligen.
Oie feindliche Truppenlandung in Saloniki vorläufig eingestellt.
Sr. Ehiaffo, 7. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der
„Corriere della Sera" meldet ans Athen vom 6. Oktobers mittags: Die gestern begonnenen Truppenlandungen des
Bicrverbandes in Saloniki sind bis zur Klärung der Lage eingestellt worden.
Essad-Paschas Justiz in Albanien.
W. T.-B. Genf, 7. Oft. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Progres de Lyon" aus Durazzo hat Essad- Pascha 30 dortige Einwohner hinrichten lassen, die beschuldigt und angeblich überführt wareu, als Agenten Österreich-Ungarns einen Versuch zur Anstiftung von Unruhen gemacht zu haben.
Italien und der valkankrieg.
Bis vor wenigen Lagen überboten sich die italienischen Regierungsorgane in Warnungen, die an die Adresse des Königs Ferdinand gerichtet waren. Mitunter tat man so, als ob man in Rom nur das Baste für die Zukunft des Bulgarenherrschers im Auge hätte. Jetzt aber, wo dieser allen Betel)rungen sich unMgäng- lich zeigt, bekommt man es mit der Angst zu tun, daß nicht sowohl die Zukunft Bulgariens als weit eher das Schicksal Italiens mit Lem Kriege auf dem Balkan entschieden würde. Die Verlegenheit der offiziösen Blätter leuchtet aus allen Spalten hervor. Ter „Corriere della Sera", der noch bis zum 2. Oktober den Untergang Bulgariens als todsicher voraussagte, warnt bereits am 4. Oktober vor Illusionen, indem er in eineiin von der Not der Zeit diRierten Artikel wörtlich schreibt: „Es ist klar, daß die Verbands- machte sich nicht einen Augenblick in Illusionen einwiegen lassen dürfen." Italiens größtes Hetzblatt sieht allenthalben Gespenster. Ihm schlottern vor Angst die Knie. Es müßte schnell und gründliche Arbeit von dem Verbände gegenüber den Anstrengungen Bulgariens und seiner Verbündeten geleistet werden. „Es scheint, rnan will nur 150 000 Mann nach Mazedonien schickem. Aber 150 000 Mann genügen nicht. Hier spielt traut eine Partie, die entscheidend für den Ausgang des europäischen Krieges sein kann. Bloßen Widerstand leisten, um Zeit zu gewinnen, das wäre gar zu wenig. Siegen muß man, und zwar so schnell als möglich. Wenn erst die Feinde eine Verbindung schaffen können, die von Berlin nach Konstantinopel reicht, .dann wird sich der Krieg unter unendlich schwierigen Bedingungen entwickeln und die Verbündeten würben sich gegenseitig um Waffeti, Munition, Truppen und Reservemannschaften angchen müssen. Rumänien wäre von uns abgesperrt. Der Kreis, den es nach und nach um die Mittelmächte hätte spannen helfen können, wäre für immer durchbrochen. Um diesen deutschen Plan zunichte zu machen, darf kein Mittel gespart werden. Man muß es vor allem vermeiden, bas System der Verzettelung der Kräfte anztiwem- den, von dem der Verband während des Krieges wiederholte Proben gegeben hat. Die Geschichte mit der Tür- k e i sollte uns eine Lehre sein. Auch damals gab man sich hinsichtlich der Neutralität der Türkei bis zum letzten Augenblick Illusionen hin, als dann die Binde vcm den Augen fiel, verlor man kostbare Zeit mit Weiterung
