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iTo. 3 . '*& Lreibeilage zum Wiesbadener Tagblatt. ^ 1904.

Kultur- und ortsgeschichtliche Kkhzen aus dem Kindchen.

Eigener Aufsatz fürAlt-Nassau" von Th. Schüler.

F-ast nichts mehr war bei den Einwohnern aufzutreiben, weil man ihnen in den letzten Jahren die unglaublichsten Leistungen zugemutet hatte. So beispielsweise war für das Ende Mai und Anfang Juni 1633 in der Herrschaft Epp­stein einquartierte, acht Fähnlein von je 56 Mann starke Korpfsche Reiterregiment: 2 Pfund Brot, 1 Pfund Fleisch und 1 Maß Wein pro Kopf und Tag, sowie 1 Malter Hafer für jedes Pferd in zehn Tagen verlangt worden. In 40 Tagen waren 66 Fuder Wein, 160 Zentner Fletsch, 413 Malter Korn für Brot, 1600 Malter Hafer, ungeheure Quantitäten Heu und Stroh und 1640 Reichstaler für die Offiziersbekösttgung nötig.

Daß die Bewohner der Orte infolge der ausgestandenen Entbehrungen und Drangsale von verheerenden Seuchen heimgesucht wurden, und daß die Lorsbachs bis Juli 1637 auf 8 Hausgesässe, 7 Witwen und 12 Kinder zusammenge- fchmolzen, kann nach dem Vorausgegaugenen nicht weiter befremden. Wie nachhaltig die Entvölkerung war, ist daraus zu erkennen, daß noch 1666 die ganze Einwohner­schaft aus dem Pfarrer Reinhard Broidenstein, dem Unter- schultheitzen Hartmann Koch, dem Schulmeister Hermann Dietrich und den Haushaltungen des Andreas Michel, Kaspar Becker, Hermann Müller, Hans Müller, Johann Heinrich Schmidt, Christoph Riebel, Matthäus Hieronymus, Ernst Blum, Jost Mertz, Adam Ruckelshaufeu, Hans Hein­rich Schneider, Hermann Habel, Michael Schönmann, der Gerhard Baums Kinder, der Margareta Kehrter und der Nikolaus Reinhards Witwe bestand. Außer dem Schul­meister hatten sie Me Haus und Hof, Hartmann Koch deren zwei, Andreas Michel sogar drei. 32 Gehöfte ivaren, zum Teil durch einen 1646 ausgebrochenen Brand verfallen und verschwunden, nur hier und da stand noch ein vereinzeltes Okonomiegebäuöe. Die fretgewordenen Plätze hatten die Überlebenden größtenteils in Gvasgärten umgewandelt. Sie bebauten mit den Ausmärkern 220 Morgen Ackerland, 84 Morgen Weingärten und 120 Morgen Wiesen. Den stärksten Besitz mit 40 Morgen Ackerland, 4 Morgen Wein­gärten und M /2 Morgen Wiesen nannte Andreas Michel sein eigen. Abermals 13 Jahre später, im Jahre 1669, zählte man 29 Familien, einschließlich der des Pfarrers Johann Daniel Stannarius und des Schulmeisters Hermann Dietrich, mit 108 Seelen.

An des Pfarrers Reinhard Breidcnstein Stelle, der, wie unter Igstadt hervorgehoben wurde, so wacker alle Kriegs­leiden mit seinen Psarrkindern teilte, war nach dem Kriege jener Stannarius getreten, der dann 1680 nach Arheiligen dirigiert und durch den Feldprediger Peter Pistor von Darmstadt ersetzt wurde. Bei der Versetzung Pistors nach Jugenheim im Jahre 1681 war zunächst der aus Dänemark gebürtige Lehrer an der Lateinschule zu Eppstein, Johann Errrst Näircke^ als Pfarrer in Aussicht genommen, daun

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aber der aus Dülken im heutigen Regierungsbezirk Düssel­dorf gebürtige Johann Christoph Krön als solcher ange- stellt worden. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts finden wir Joh. Georg Diefenbach an seinem Platz.

Oster noch als im Pfarramt trat im Lehramt ein Wechsel ein, weil, wie es 1701 heißt, der Lehrer mit der Jahresbesoldung kaum ein Vierteljahr anskommen konnte. Nach Abgang eines Georg Christoph Fritz war 1706 die Lchrerstelle wieder einmal vakant geworden. Der Bewer­ber um dieselbe waren es diesmal drei, nämlich Johannes Moder von Bessungen, Kaspar Eckhardt von Oberroßbach und Ferdinand Heinrich Maaß von Unterliederbach. Weß Geistes Kinder sie waren, mag der Leser selbst beurteilen. Moser wandte sich mit seiner Bewerbung direkt an den Landesvater und schrieb:Der Liebe Gott und Vatter im Himmel hat mier eine geraume Zeit her meinen sinn und gantzes Hertz zu Verrichtung eines Christi. Schuel-werks ge- lenket, auch, Ihm sey Einig Dank gesagt, mier soniel gal>en darzu mitt getheilet, daß Einer gemeine land-Schuel vor­stehen kann." Bon Eckhardt behauptet der Amtmann, daß er einen besseren Schuldienst verdiene als den Lors- bacher, weil er in die lateinische Schule gegangen sei, etliche Jahre auf dem Hof Liederbach die Jugend fleißig infornnert habe, eine ziemliche Handschrift schreibe, anbei still und sitt­sam sei und über diesem auf einen: Klavier spiele. Die Wahl fiel auf Maaß, weil dieser sich weder mit dem Obcr- liederbacher Pfarrer und seinem Adjunkten vertrage, noch in der Gemeinde Unterliederbach wegen schleMcr Arbeit gelitten sei. Sechs Jahre versah Maaß den Schuldienst zu Lorsbach, und als er 1712 zu ersetzen war, fand sich wegen der geringen Besoldung von 45 fl., der schlechtesten im ganzen Lttndchen, niemand. Zu den 45 fl. gab jeder der 25 Einwohner ein Sturmer Korn 6 Malter 1 Sturmer oder 12 sl. 15 alb., jeder Einwohner quartaliter ein Brot 100 Brote oder (32 auf ein Malter Korn gerechnet)

6 fl., die Kirchenkasse 2 sl., die Gemeinde mit der Mast­freiheit 1 fl., jedes der 24 zahlungsfähigen von 30 Schul­kindern 1 fl. Schulgeld und im Winter ein Schulscheit. End­lich wollte es -der Leineweber Johann Simon Blumenstiel von Eppstein versuchen, von dem die Darmstädter Prüfungs­kommission meinte: er habe einen ziemlichen Begriff von dem Katechismus und den nöttgen Fragstücken, er lese und buchstabiere wohl, er singe akkurat, er schreibe auch ziem­lich und es könnten sorttit von ihm bei einem christlichen Leben die Milchspeise der christlichen Lehre und die daraus fließenden Tugenden der Jugend wohl beigebracht werden. Da man mit seinen Leistungen in der Tat zufrieden war, erhielt er für das Jahr 1713 eine Bcsoldungszulage von 2 fl. aus der Lorsbacher Kirchenkasse, 2% Malter Korn aus der Nordenstadter und 2*4 Malter Korn aus der Jg- siadter Kirchenkafse. j-. Sein Amtsnachfolger war der