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Donnerstag. 7. Oktober 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 467. <- 63. Jahrgang.

vie deutsche Regierung erhebt in Athen Protest.

Mitzlungene französische Sturmangriffe mit schweren Verlusten. vie deutschen und feind­lichen Verluste an Flugzeugen im September. vergebliche russische Angriffe am vrqswjatq- see und bei ttrewo.

Der Tagesbericht vom 6. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. LN. (Amtlich.)

westlicher Nriegsschauplatz.

Au der Höhe nordöstlich Neuville wurde ein französischer Handgranatenangriff abgewiefen.

In der Champagne versuchten die Franzosen auch gestern auf der bisherigen Angrissssront die Offen­sive wieder auszunehmen. Mit starkem Artilleriefeuer, das sich nachmittags zu größter Heftigkeit steigerte, flkubte der Feind unsere Stellung für den allgemein beabsichtigten Angriff sturmreif machen zu können, wah­rend er auf der ganzen Front seine Sturmtruppen be­reit stellte. Unter unserem auf der feindlichen Aus­gangsstellung liegenden Artilleriefeuer gelang es den Franzosen nur an einigen Stellen ihre Truppen znm Sturm vorzubringen, und wo sie stürmten, wurden sie wieder unter schweren Verlusten zurück­geworfen. So brach der an der Straße Somme- P v - S o u a i n mehrfach wiederholte Sturmanlanf gänzlich zusammen. Auch nördlich wie nordöstlich der Beausejour-Farm und nordwestlich bei Ville- sur-Tourbe war der Angriff völlig erfolglos.

In dem englischen Bericht vom 1. Oktober 1915 totrb behauptet, daß die Engländer im Luftkampf die Ober­hand über unsere Flieger gewonnen hätten. Hierüber gibt folgende Zusammenstellung den besten Aufschluß:

Im Monat September sind an deutschen Flugzeugen verloren gegangen: Im Luftkampf 3, vermißt 2, durch Abschuß von der Erde aus 2. Im ganzen 7 Flugzeuge.

Im gleichen Zeitraum verloren unsere Gegner: Im Luftkampf: Engländer 4, Franzosen 11, durch Abschuß von der Erde ans: Engländer 1, Franzosen 4, durch Landung in und hinter unseren Linien: Engländer 3, Franzosen 7. Im ganzen 3v Fl«gzeuge.

Gestkicher Nriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Ter Feind hat gestern zwischen Dryswjaty- See und Krewo erneut zu größeren Angriffen angesetzt. Sie sind abgeschlagen oder rm Feuer kusammengebrochrn. Anfangserfolge erzielte der Feind bei Kosjanh und hart südlich des Wlsz- n y e w - S e e s. Durch Gegenangriffe wurde die Lage für uns unter schweren Verlusten für den Fernd wiedcrhergestM.

vieHeeresgruppen der Generalfeldmarschalle Prinz Leopold vonvaqern und von Machensen

Tic Lage ist unverändert.

Heeresgruppe des Generals von Linsingen»

In der Gegend westlich von Czartorysk haben sich Kämpfe entwickelt.

Oberste Heeresleitung.

»

per Sfterreichifch. ungarisch« Tagesbericht.

W. T.-B. Wie», 6. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich verlmrtrt vom 6. Oktober, mittags:

Russischer Uriegsschauplatz.

Keine Änderung.

Italienischer Kriegsschauplatz-

Auf der Hochfläche von Bilgereuth wurde um Mitternacht ein starker italienischer Angriff, der stellen­weise nahe au unsere Hindernisse herankam, restlos ab- gewiesen.

Südöstlicher Uriegsschauplatz»

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallentnant.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Die bulgarische Antwort überreicht.

W. T.-B. Sofia, ö. Okt. (Nichtamtlich. Agence Bulgare.) Die b «l g a r i s ch e A n t w o r t auf das tznglisch-französisch-rustische Ultimatum ist gestern nach­mittag überreicht worden. Am Morgen ist seitens der bulgarische» Regierung den V c r t r e t e r n d e s Vst c r- perbandes dir Antwort ans ihre Vorschläge vom 14. September mitgeteilt worden.

Ein bulgarischer Einspruch tu Petersburg und Paris.

Die Zurückhaltung bulgarischer Militärpflichtiger.

Br. Oseupest, 6. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Az Est" läßt sich aus Sofia drahten, daß die bulgarische Regierung ihren Gesandten in Petersburg sowie ihren Geschäftsträger in Paris anwieS, bei der ruffischen bezw. der französischen Regierung wegen der Zuxückhaltung der Einberufenen der bulgarischen Staatsangehörigen E i n - spruch zu erheben und freie Abreise der bulgarischen Unter­tanen zu verlangen.

lischen und französischen Truppen auf griechisches Gebiet gleichfalls bestimmt. Die griechische Regierung hat gegen die Verletzung ihrer territorialen Hoheit durch England und Frankreich Protest erhoben.

Die Kaiserliche Regierung hat in Athen gegen die Zulassung der Landung protestiert,

die mit der von Griechenland bei Beginn des Krieges verkün­deten Neutralität in Widerspruch stehen würde. Eine Antwort auf die deutschen Vorstellungen liegt noch nicht vor. Eröffnet sich jetzt ein neues Kapitel in der militärischen Geschichte dieses Krieges, so bilden die jüngsten Demarchen

Bulgarien verhindert die Abreise der Franzosen.

Rotterdam, 6. Okt. (Zens. Bln.) DieTimes" meldet aus Athen, datz nach Meldungen aus gut informierter Quelle Bulgarien die Abreise der französischen Untertanen ver­hindert. Der gesamte Grenzverkehr sei geschlossen wor­den Bulgarien treffe große militärische Vorbereitungen an der Küste des Schwarzen Meeres.

Die Geschichte der Heuchelei".

W. T.-B. Berlin, 6. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Am Montagnachmittag haben die Vertreter der Entente in Sofia an die bulgarische Regierung die Forderung gerichtet, binnen 24 Stunden die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland und Österreich-Ungarn abzubrechen und sämtliche angeblich in Bulgarien anwesenden deutschen Offiziere aus der bulgarischen Armee zu entlasten. Die bulgarische Regie­rung hat, wenn ihr Jnbalt auch noch nicht näher bekannt ist, unterdeffen die gebührende Antwort auf diese Zumutung zu finden gewußt. Gleichzeitig mit dieser diplomatischen Demarche in Sofia notifizierten unsere Gegner der griechi­schen Regierung die beabsichtigte Ausschiffung fran­zösischer und englischer Truppen in Saloniki, angeblich zur Unterstützung Serbiens. England ritz sich durch diesen Schritt die selbstheuchlerische Maske von dem Gesicht, mit der es seit Beginn des Kriegs die Verletzung der Neutrali­tät ausgenutzt hat, um in der ganzen Welt in der würde­losesten Weise gegen Deutschland Stimmung zu machen. Die Verletzung der griechischen Neutralität durch Frankreich und England ist ein B ö l k e r r e ch t s b r u ch lediglich zur Wahrung egoistischer Interessen. Weder hätte die Existenz Englands und Frankreichs auf dem Spiel gestanden, wenn die Landung unterblieben wäre, noch hätte die Entente Gründe für die Annahme, datz die Verletzung der griechischen Neutra­lität durch ihre Gegner geplant war. Auch ist die Hilfe­leistung an Serbien nur ein Vorwand. Der wahre Grund ist, Serbien in dem Widerstand gegen Deutschland und Österreich-Ungarn zu ermutigen, damit es sich ebenso wie Belgien auf den Altar der Interessen der Entente weiter ver­blutet. Deutschland soll der Weg nach Konftantinopel mit Hilfe Serbiens verlegt werden, nachdem der Versuch, den Bundesge­nosten des Deutschen Reichs und Österreich-Ungarn an den Dardanellen niederzuzwingen, dank des heldenmütigen Wider­stands der türkischen Armer kläglich gescheitert ist. Dieses militärische Fiasko vor der öffentlichen Meinung der eigenen Länder zu verschleiern, ist die Überführung der eng-

der Entente in Soffa und Athen das Schluß Work zu einem Kapitel in der diplomatischen Geschichte der Entente, das die Nachwelt einmal mit dem Motto versehen wird:Die Geschichte der Heuchelei". *

Mit erfreulicher Klarheit spricht hier eine offenbar amtlich redende Stelle, aus, welcher Unterschied zwtfchen Her Verletzung der Neutralität Belgiens durch Deutsch­land und der Verletzung der griechischen Neutralität durch die Entente besteht und wie das Spiel, das 'Eng­land treibt, nur Heuchelei und Falschheit sei. Aber die. Maske wird dem Heuchler heruntergerifsen und die Falschheit, die England als angeblicher Beschützer den kleinen Staaten gegenüber an den Tag legt, gehörig ebrandtmarkt. Gegen Griechenland aber, das, ent­gegen seinem Versprechen zu Beginn des Krieges, seine Neutralität durch fremde Truppenlandungen verkenn läßt, wird in aller Form von der Kaiserlichen deutschen: Regierung Protest erhoben, um dem Land rrrs Ge­dächtnis zu rufen, welche Aufgabe es als ueutrrllerr Staat zu erfüllen hat. Herr Venizelos' Protest gegen, die Truppenlandungen mag dem vielgewandteri rmd listenreichen Kretenser möglicherweise nur dazu gedient haben, udi sich vor den Augen der Welt und der Opposi­tion im eigenen Lande zu decken, mit dem deutschen. Einspruch wird's dieses Bewenden nicht haben, deutschen Eiewendungen, wenn sie erfolglos bleiben werden, fol­gen gewöhnlich Taten! . . .

vie Eruppenausschiffung hat begonnen.

W. T.-B. Paris, 6. Okt. (Nichtamtlich. Drahiberichth Eine von der Agcnce HavaS verbreitete Note meldet, daß die Landung von Truppen in Saloniki gestern begonnen habe. Die Note sagt ferner, die verbündeten Regierungen hätten zuerst mit der griechischen Regierung verhandelt, die als noch neutrale Regierung Protest erhoben habe. Gleich­zeitig bereiteten die französischen Offiziere in aller Freiheit die Truppenlandung vor. Die französischen und englischen Offiziere fanden sowohl bei den Zivilbehörden wie bei de» 'Militärbehörden in Saloniki den herzlichsten Empfang untz konnten sofort nach der Ankunft die Arbeiten in aller Freiheit beginnen, denn die öffentliche Meinung begriff die Notwendigkeit der Unterstützung, welche die BierverbandS- mächte in diesen schwierigen Berhältniffen den serbischen Freunden bringen, mit welchen Griechenland übrigens durch' den Bündnisvertrag verbündet ist.