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*»• Jahrgang.

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p0. 125. Verlags-Fernfprecher 92p. 2851.

Dienstag, den 15. Marz.

RedaktionS-Fernfprecher No. 82 .

1804.

Morgen - klusgabe.

__ 1. Wlatt.

Die militärische Kritik.

Der Verfasser des bidgenramten Buches: „Sine ira et studio" ist aus seiner Anonymität herausgetvetm. M „Frhr. v. Guhlen" hatte er unterzeichnet und Karl d. iWartenberg heißt er. Er ist Oberstleutnant a. D. und lebt Bei Dresden. Er sagt das olles selbst in einem Auf­satz, den er -der „Zukunft" übergeben hat. Er sagt in diesem Aufsatz Dinge, die gerade recht kommen, die bestens geeignet sind, eine Folie zu den Etatsdebatten im Reichstage abzugeben. Der frühere Oberstleutnant p. Wartenberg ist offenbar ein Mann von sehr eigen- ürfigcm Wesen. Er bringt es fertig, beinahe jeder Partei Nngmehmes und Unangenehmes zugleich zu sagen, doch macht er sich nichts daraus. Er gibt sich selbst, und dieses Selbst paßt eben nicht in einen Parteirahmen. So mag. man fick) wundern, daß ein so scharfer und unbefangener Beurteiler .militärischer Mitzstände ein Gegner der zwei­jährigen Dienstzest ist, aber wenn gelegentlich Wider­spruch gegen seirre Ansichten nötig sein mag, so verringert sich.darum nicht der Wert seiner Kritik, der vor allem in der Geschlossenheit und dem Ernste einer offenbar starken itrfb durchaus ehrlichen Persönlichkeit liegt. Es wird mithin von Interesse sein, einiges Es der — man möchte sagen: Selbstkritik wiederzugeben, mit der sich der Ver­fasser in der „Zukunft" über seine Schrift .„Sine ira et studio" äußert.

Obersllentnant v. Wartenberg kann seine Entrüstung darüber nicht meistern, wie am festen Gefüge des Heeres

S eit wird, und zwar gerüttelt von hohen militärischen n. Er bedauert es, daß so viele verabschiedete Offiziere es unterlassen, durch ihr sachkundiges Urteil die Unfehlbarkeit zu erschüttern, die bis heute die Heeres­verwaltung rm Reichstage unangefochten fiir sich bean­sprucht. Wollten diese früheren Mstitärs sprechen, so würden sich die Vertreter der Heeresverwaltung wohl Men, im Plenum und in -der Budgetkommission künftig abermals zu bch-andelu, daß die Armee der von allen un­abhängigen militärischen Sachverständigen schroff ver­urteilten gewaltigen Kavallerieattacken, die seit 16 Jahren m jedem Kaisermcmöver wiederkehren, zu ihrer Aus- bistmng für den Krieg dringend bedürfe, oder daß Garde­litzen an einzelne Linienregimenter nur verliehen wer­den, um die Uniform des deutschen Heeres -einheitlich zu gestalten.

Der Verfasser urteilt überaus scharf über das Institut des Reserveoffiziers, das entnervend auf die politische Er­ziehung und Gesinnung des Bürgertums wirke. Jeder wehrfähige, nur leidlich gebildete Deutsche müsse mit allen

Misteln danach trachten, Reserveoffizier zu werden, wenn er nicht über die Ilchsel angesehen werden wolle, wenn er im Staate vorwärts kommen wolle. Erreicht er aber dies Ziel, so ist es mit seiner politischen Unabhängigkeit aus. Er sagt ja zu allem, was die Regierung verlangt, besten­falls schweigt er. Hat er endlich seine Beziehungen zur ArmR gelöst und so eigentlich die politische Unabh-ängig- keit wiedererlangt, so ist inzwischen sein Sohn heran­gewachsen, der auch Reserveoffizier werden muß, und ein Opposition machender Vater darf ihm den Weg nicht sperren. Karl v. Wartenberg zieht die unbemsttelten Offiziere den bemittelten vor, die jetzt die Mehrheit im Offizierkorps bilden. Er hat nie etwas davon bemerkt, daß der bemittelte Offizier durch seine -wirtschaftliche! Un­abhängigkeit das wünschenswerte Rückgrat nach oben hin mitbekommen. habe. Wohl aber hat er oft gesehen, daß die bemittelteu Offiziere von Hren Vorgesetzten besser be­handelt wurden. „Wer vielleicht", so meint .der Ver­fasser, „werden die wohlhabenden künfstg ein stärkeres Rückgrat zeigen. Sie sind dazu mittelbar vom Kriegs- Minister anfgefordert worden, der in der Bndgetkom- mission sagte, den bemittelten Offizieren könne man nicht so leicht Vorschriften machen wie den -unbemittelten. Diese Offenbarung dürfte in den Annalen des preußischen Kriegs-Ministeriums wohl einzig in ihrer Art sein."

Der Verfasser erzählt in seiner merkwürdigen Studie in der „Zukunft", wie er dazu gekommen sei, sein Buch zu schreiben. Er saß mit einem hochangesehenen Parla­mentarier, dem Führer einer sehr einflußreichen Partei des Reichstags, und mit mehreren, zum Teil noch aktiven, zum Teil erst vor kurzem verabschiedeten Offizieren zu­sammen am Mistagstisch, Es war um die Zeit, wo im Reichstage gerade der Militäretat auf der Tagesordnung stand. Natürlich war das Gespräch bald bei militärischen Fragen angelangt. Und sofort stellte sich heraus, daß der Herr Reichstagsabgeordnete von« hellen, lichten Tage keine Ahnung haste, obwohl er ein Mann von außer­gewöhnlich scharfem Verstände ist. „Unmöglich!" rief er immer wieder, wenn der Oberstleutnant und feine Kame­raden ihm Tatsachen erzählten. Und als er nicht mehr ein noch aus wußte, rang er die Hände und rief Wer die ganze Tafel hinüber: „Ja, warum sagt man uns Denn nicht, daß die Dinge so liegen?"

Politische Uverficht.

Fürstcrzbischof Dr. Kohn.

Über den Stand der Angelegenheit des Fürsterz­bischofs Dr. Kohn geht der „Tä-gl. Rundsch." aus Rom folgende, aus durchaus verläßlichen Quellen geschöpfte Darstellung zu: Man hatte im Vatikan fest mehreren Jahren volle Klarheit über die Übelstände der Verw-al-

tnng der Diözese, Olmütz und war zur Erkenntnis ge­langt, daß eine. Änderung au der Spitze dieser Verwal­tung erforderlich wäre. Infolge seines eigentümlichen und schroffen Charakters ist Fürsterzbischvf Dr. Kohn mit allen leitenden Körperschaften seiner Diözese, mit dem Domkapitel, der Geistlichkeit, mit den Staatsbe­hörden und auch mit einem Teile der Bevölkerung in Gegensatz, ja geradezu in Zwist geraten. Bezüglich des gegen ihn beim Vatikan angestrengten Prozesses wegen Verletzung des Beichtgeheimnisses ist festzustellen, daß diese Beschuldigung als unbegründet anerkannt worden ist. Dieser Prozeß bildete jedoch bloß eine unbedeutende Episode der Angdegenheit, und sein Ansgang vermag an der Beurteilung der gesamten Lage in der Diözese Olmütz nicht das geringste zu ändern. In den hohen kirchlichen Kreisen Roms herrscht'die Überzeugung, daß die Wiederherstellung des Friedens und der Einigkett in der genannten Diözese nur unter der Voraussetzung, daß der jetzige Fürsterzbischof durch eine andere PersöMchkeit ab-gdöst wird, erreicht werden könne. Bedauerlicherweise will sich Dr. Kohn zu einem freiwilligen Rücktritt nicht verstehen. Da nun andererseits die Bedingungen für eine kanonische Absetzung nicht gegeben sind, so kann die Angelegenheit vorläufig keinen Älbschluß finden. Man hofft jedoch, der Fürstergbischo-f werde sich schließlich von der Einsicht dnrchdrin-gen lassen, 'daß sein Verbleiben an -der Spitze der Olmützer Diözese eine Quelle sehr ernster Schwierigkeiten bildet, und die Notwendigkeit erkennen, im Interesse -des Friedens ein Opfer zu bringen. Unter allen Umständen steht es fest, daß zwischen dem Heiligen Stuhl und der österreichischen Regierung in dieser Frage keinerlei Meinungsverschiedenhest besteht und -daß man im Vatikan gewillt ist, auch weiterhin in vollem Einklänge mit der Regierung vorzngehen.

Der russisch-japanische Krieg.

Ankunft von Kricgsinvalidcn in Japan.

Am 9. März traf bas japanische Hospital schiff „Hakuai M-arn" mit den ersten Verwundeten aus Tsche- mulpho in Moji ein. Das Schiff beherbergte in fried­licher Eintracht 84 japanische Invalide und 28 russische Kriegsgefangene, von denen 8 schwer und 15 leicht ver­wundet waren. Am 10. März ging es nach seinem Bestimmungsort, dem Hospital in Matsujama, Wetter.

Russische llbcrhebung.

Der Mitarbeiter des „Echo de Paris" schreibt seinem Blatte aus Petersburg, der Adjutant des Generals Kuropatkin habe erklärt: Um den Japanern eine Lektion zu erteilen, werden wir nach ihrer Zerschmetterung in Korea und der Mandschurei eine Promenade durch ihre Insel unternehmen. Wenn ich Mitreden darf, werden wir den Friedensvertrag nur in Tokio unterzeichnen.

Feuilleton.

Ae förtfdjritte der UMerziehung in Wan.

In einer Rede über den ,/Einfluß der Geisteskraft aifi die Geschichte", die Ende vorigen Jahres großes Auf­seyen erregte, sagte der berühmte Gelehrte Norman Lockyer nach einem Vergleich zwischen der Universitäts- bildung in England einerseits und in Deutschland und Amerika andererseits: „Noch wunderbarer als diese Beispiele ist die intellektuelle Anstrengung, die Japan gemacht hat, nicht etwa nach einem Krieg, sondern zur Vorbereitung eines solchen." Diese Worte wurden vor Ausbruch des Krieges gesprochen, verdienen aber jetzt in die Beachtung zurückgerufcn zu werden, denn die Er­eignisse der letzten Wochen haben deutlichere Begriffe davon gegeben, daß sich in Japan in wenig mehr als 80 Jahren ohne Blutvergießen eine Revolution vollzogen hat, durch die sich ein orientalisches Volk von keineswegs erfreulicher Originalität in eine mächtige Nation, aus­gerüstet mit europäischer Bildungsart und im Besitz aller Mittel der modernen Zivilisation, verwandelt hat. Es ist -wohl lohnend, einmal die Geschichte der japanischen Vokkserziehung während der letzten Jahrzehnte zu be­trachten. Die moderne japanische Geschichte hebt mit dem Jahr 1868 an. sy 2 Jahrhunderte lang war nach dem Urteil eines hervorragenden Kenners japanischer Ver­hältnisse Confucius der Lehrer und geistige Herrscher in Japan gewesen, und die buddhistischen Priester waren die Träger seines Regiments. Ter Wechsel begann mit der Ankunft englischsprechender Amerikaner 1853 und dem Eingreifen der Engländer selbst 1858, in welchem Jahr« der englisch-japanische Vertrag geschlossen wurde. Nach weiteren 10 Jahren, 1868, wurde dann eine provi­sorische Unterrichtsbehörde in Kioto geschaffen, 1871 der Mombusch-o, das Staatsamt für Volkserziehung unter dem Vorsitz eines Ministers. Im folgenden Jahre wurde das erste Unterrichtsgefetz gegeben, bei dessen Veröffent­lichung der Kaffer folgende Mitteilung ergehen ließ: „Alle Kenntnis, die zur Ausbildung von Beamten, Land­wirten, Mechanikern, Handwerkern, Ärzten usw. für ihre Berufe notwendig ist, wird durch Lernen erworben. Es

wird daher beabsichtigt, die Erziehung derart im Volke zu verbreiten, daß es kein Dorf mit einer gänzlich un­wissenden Familie und keine Familie mit -einem ohne Unterricht aufgowachsenen Mitglied geben darf." Im Jahre 1898, also 26 Jahre nach diesem Erlaß, wurden von 7 925 966 schulpflichtigen Kindern 4 026 418 in Schulen erzogen, die nach europäischem Muster eingerichtet waren, und wenn nur die Knaben in Betracht gezogen werden, so betrug die Zahl der in europäischer Art unterrichteten Schulkinder sogar über 82 v. H. In demselben Jahr, in dem jener Erlaß des Mikado erging, wurde die be­kannte „Weltgesandtschaft" ausgeschickt, die aus 49 her vorragenden Japanern bestand, darunter dem Prinzen Jwakura und dem Marquis Jto. Die Gesandtschaft war besonders dazu bestimmt, Beobachtungen über das Uuter- richtswesen in Europa und Amerika zu sammeln. Die Aussendung japanischer Studenten tu fremde Länder zum Studium moderner Verfahren und Ideen ist seitdem von den japanischen Unterrichtsbehörden häufig veranlaßt worden, obgleich diese Maßnahme in den letzten Jahren -wesentlich eingeschränkt worden ist, da mittlerweile ge­nügend gebildete Japaner zur Bekleidung von Stellen als Universitätslehrer und ähnlicher Posten zur Ver­fügung stehen. 1873 studierten 250 Japaner im Aus­lände auf Kosten der Regierung, 1895 nur noch 11. In etwa gleichem Verhältnis ist die Zahl der ausländischer. Lehrer an den japanischen Staatsinstituten gesunken, obgleich sie insgesamt gestiegen ist, wenn alle öffentlichen und privaten Erziehungsanstalten in die Berechnung eingeschloffen werden. Die Erfolge Japans auf dem Ge­biete der Hochschulerziehung und des technischen Unter­richts können nur durch Betrachtung der Schritte ver­standen werden, die behufs der Sicherung eines befrie­digenden Systems für den Schulunterricht ergriffen wur­den. Japan scheint sich vollkommen davon überzeugt zn haben, daß bedeutende Fortschritte in den höheren geistigen Leistungen nur erwartet werden können, wenn sie durch eine genügende Elementarbildung vorbereitet werden. Die japanischen Elementarschulen zerfallen in zwei Grade, gewöhnliche und höhere. 1901 bestanden 26 857 solcher Schulen mit fast 100 000 Lehrern und über 4% Millionen Zöglingen. Für ihre Unterhaltung gibt der Staat 35 Millionen Mark jährlich aus. Fast 6000

dieser Schulen gewähren einen besonderen ergänzenden Unterricht von mehr vorgeschrittenem Inhalt, worin den Knaben die Grundbegriffe der Wissenschaft, soweit sie für die landwirtschaftliche Praxis und die -Industrie in Betracht kommen, beigebracht werden, während Mädchen genauere Belehrung in Haushalt und Handarbeit er­halten. Nach einem Erlaß der japanischen Regierung vom August 1900 ist der Unterricht in allen öffentlichen Elementarschulen durchaus frei. Außerdem hat noch das Volk die Schulen freigebig unterstützt. Im Jahre 1896 hatten die freiwilligen Spenden fiir die öffentlichen Schulen bereits die Höhe von über 3 Millionen Mark erreicht. Ferner erhielten die Schulen in einem einzigen Jahr 16 Millionen Hektar Land, 14 000 Bücher und fast 16 000 Stück Apparate.

Der Übergang von den öffentlichen Elementarschulen zu Universitäten wird durch zwei Klassen von Schulen vermittelt, die gewöhnlichen Mittelschulen und die hohen Schulen. Wie in einigen europäischen Ländern werden diese Schulen für das japanische Voll dadurch noch an­ziehender gemacht, daß ihre Zöglinge eine gewisse Bevor­zugung beim Militärdienst erhalten. Der Besuch einer gewöhnlichen Mittelschule befreit von 2 bis 3 Jahren des Militärdienstes, und der einer hohen Schule gibt den Studenten das Recht, nicht vor dem 21. Jahr ins Heer eintreten und dann nur ein Jahr als Freiwillige dienen zu dürfen. Auch der Übergang aus der niederen in eine höhere Schule ist möglichst erleichtert. Wer eine Mittel­schule durchgemacht hat, kann ohne Prüfung zu einer Hochschule zugelasscu werden, und wer von dieser ein Abgangszeugnis erhalten hat, kann wieder ohne Prüfung eine Universität beziehen und wird außerdem als voll qualifiziert für ein öffentliches Amt betrachtet. 1901 gab es in Japan 220 Mittelschulen und 8 Hochschulen; die ersteren hatten 3866 Lehrer und fast 80 000 Schüler, die letzteren 292 Lehrer und 3461 Studenten. Von der Ge­samtzahl der Schüler, die eine Mittelschule durchlaufen hatten, ginge» */, aus hohe Schulen über, V„ in die Armee und zum Lehrfach. Von den Studenten der hohen Schulen widmeten sich 65 der Nechtskunde, 127 der Technik, 1469 der Medizin und 2580 allgemeinen Fächern, die zum Universitätsb-esuch vorbereiten. Obgleich der Grund für eine technische Ausbildung schon in den