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Verlag Langgasse 21

„Tagbiatt-HauS".

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„Tagblatt-Hans" Nr. 6850-53.

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Mittwoch, 6 . Oktober 1915.

Morgen - Kusgabe.

Nr. 463. - 63. Jahrgang.

Der Nrieg.

Oer österreichisch.ungarische Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 5. Oft. (Nichtamtlich.) Amtlich »erlautct vom 5. Oktober, mittags:

Russischer ttriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Italienischer ttriegsschauplatz«

Die Lage an der Südwestfront ist unverändert.

Auf den Hochflächen von Vilgereuth und Lafraun hat der Feind seine Angriffe nicht erneuert.

Südöstlicher ttriegsschauplatz.

Unsere Truppen unternahmen von der Drina- 8 r e n z e aus Streiszüge auf serbisches Gebiet. Es wur­den Gefangene eingebracht. Sonst keine besondere Er- rignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Der ttrieg im Grient.

Vas russische Ultimatum an Bulgarien überreicht.

W. T.-B. Petersburg, 5. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) Nach einer Meldung der Petersburger Telcgraphen- Ageiltur ist das russische Ultimatum an Bulgarien dem Ministerpräsidenten RadoSlawow gestern, Montag, den 4. Oktober, um 4 Uhr nachinittags, überreicht worden.

Allgemein wurde wohl angenommen, daß das feinem Inhalt nach bereits am Montag bekannte Ultimatum Rußlands an Bulgarien schon vor dieser Zeit der bulgarischen Regierung m überreicht worden fei. Statt dessen

erfahren wir nunmehr, daß die Übermittlung erst am Montag erfolgte, also zu einer Zeit, da es inhaltlich schon längst in aller Welt veröffentlicht worden war.

Dieses Verfahren ist in der Tat so außergewöhnlich, daß man unwillkürlich nach den Gründen fragt, die dafür Ver­anlassung geben konnten. Und forscht man, so kann man immer und immer wieder nur zu der Vermutung gelangen, daß die. russische Regierung den Inhalt ihres Ultimatums deshalb vor der Zeit bekannt werden ließ, um dessen Wir­kung auf Bulgarien im besonderen und auf die anderen Balkanmächte sowie die beiden Zentralmächte im allgemeinen erst kennen zu lernen. Wie diese ausgefallen, welche Be­urteilung dem Ultimatuni namentlich auch in der deutschen Presse widerfahren ist, dürfte der Regierung des Zaren in­zwischen nicht verborgen geblieben sein. Bulgariens Minister­präsident hat selbst bekannt, daß sein Land vor dem Kriege stehe, daß Bulgarien alles das, was ihm vor zwei Jahren ge- rwmmen wurde, seinen Gegnern mit bewaffneter Hand wieder entreißen und sich für jede Beleidigung volle Genugtuung verschaffen werde. Danach kann man auch bereits ermessen, welcher Art die Antwort sein wird, die Bulgarien zu geben gesonnen ist. Selbst wenn eS überhaupt nicht antworten würde, so wäre auch das eine Antwort. Wenn aber die Sprache der Diplomaten zu Ende ist, dann müssen die Kaiwnen sprechen.

Rücktritt des griechischen Kabinetts.

8. Berlin. 5. Oki. (Eigene Meldung. Zens. Bln.) Dem „Hamburger Fremdenblatt" zufolge meldet „Avilag" aus Athen: Im gestrigen Ministerrat sagte der Ministerpräsident Lenizelos aus: Griechenland würde nicht genug Kräfte haben, um einer eventuellen Landung von Truppen des Bier- Verbands entsprechend Widerstand leisten zu können. Am besten wäre es daher, wenn es dem natürlichen Zwang gehorche und den Bierverbandsmächten nachgebe. Die Regierung solle in einer Protestnote erklären, daß die Landung von Truppen des Bierverbands eine ungesetzliche Ver­letzung der Neutralität von Griechenland sei, im übri­gen nach diesem Protest den Durchmarsch der betreffenden Truppen durch griechisches Gebiet dulden. Der Minister­rat teilte diese Bedenken des Ministerpräsidenten. Nachdem aber die Krone in dieser Frage einen völlig anderen Standpunkt einnimmt, beschloß der Ministerrat seine Demission des Gesamtkabinetts. Benizelos er­schien nach der Konferenz beim König, um die Demission des Kabinetts zu überreichen. Der König hat sich die Entscheidung Vorbehalten und die Staatsmänner GunariS, Theotokis und Rallis zu sich gebeten. Man meint, daß im Falle Rallis mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut werden soll, der gegenwärtige Generalstabschef DnSnaris auf seinem Posten bleiben wird.

Besetzung von Eisenbahnen durch Griechenland.

W. T.-B. Amsterdam, 5. Oft. (Nichtamtlich. Draht­bericht. Ein hiesiges Matt meldet aus London: Die griechische Regierung hat die Bahnlinie Saloniki- Mona st i r bis Kenali und die Linie Saloniki- II e s k ü b bis G h e v g e I i besetzt, da die griechische» Behörden diese Linie» unter eigene Aufsicht haben wollen.

Griechischer Ministerrat nach der Landung

französiWer und englischer Truppen.

Das Verhalten der Regierung soll von dem Gang, der Ereignisse abhängig sein.

Br. Lugano, 5. Oft. (Gig. Drahtbericht. Jens. Bln.) ..Corriere della Sera" meldet aus Athen: Nach der offiziellen Mitteilung der Landung der verbündeten Truppen in Saloniki versammelte sich der M i n i st e r r a t zur Erwägung der Lage nach allen Richtungen. Es wurde beschlossen, das Verhal­ten Griechenlands nach dem Fortschreiten der Ereig­nisse zu regeln. Die ministeriellen Blätter betonen aufs leb­hafteste, daß Griechenland nicht der Verbündete der Entente sei. Sein einziger Gegner sei Bulgarien. Die Behörden und die Regierung werden gegen die Truppen­landungen protestieren und sie als eine Verletzung der Neu­tralität erklären. Der Protest hat seine richttge Begründung, da Griechenland bisher niemand den Krieg erklärt hat und auch von niemand angegriffen wurde, noch hat Venizelos bis­her einen Bundesvertrag mit der Entente bekanntgegeben. Der Protest dient aber dazu, Zeit zu gewinnen, damit die Verbün­deten an der Seite der griechischen Truppen den etwaigen An­griff der Bulgaren abweisen können.

Die französischen Landungstransporte.

W.T.-B. Mailand, 5. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Secolo" meldet aus Saloniki vom 3. Oktober, abends, daß bisher sechzehn größere französische Truppentransporte vor der Brücke von Karaburun verankert sind, die aber noch nicht in den Hasen einliefen. Es wird behauptet, daß starke französische Abteilungen zum Schutze der Eisenbahnlinie Gewgeli-Veles gegen bul­garische Angriffe bestimmt sind, rat dadurch die Eisenbahn­verbindungen zwischen Saloniki nnd Serbien zu sichern. — „Jdea Nationale" behauptet, daß das erste Landungskorps in Saloniki 30 000 Mann stark sei.

Die französischen Häfen gesperrt.

Basel, 5. Oft. (Zens. Bln.) Nach Genfer Blättermeldun­gen sind die französischen Häfen seit Mittwoch ge - sperrt. Die ffanzösische Regierung mietete alle Dampfer der Meffageries-Maritimes-Linie, wie man vermutet, für Truppentransporte nach Saloniki.

Russische Vorbereitungen im Schwarzen Meer.

Rotterdam, 5. Oft. (Zens. Bln.) Die „Morning Post" meldet aus Petersburg: Nach den letzten Berichten herrscht in den Häfen von Odessa und Sebastopol lebhafte Tätig­keit. Man bereitet Unternehmungen im Schwarzen Meer vor, da man augenscheinlich mit den künftigen Ereig­nissen in Bulgarien rechnet. Die Rüstungen werden außer­ordentlich beschleunigt, um in den allernächsten Tagen ein Ge­schwader auslaufen zu lassen.

Auch russische Truppensendungen beabsichtigt?

W. T.-B. Mailand, 5. Oft. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach dem „Secolo" sollen die Russen Truppensendungen nach Prahowo an der Donau zur Unterstützung Serbiens vorbe­reiten.

Die Türkei nnd Bulgarien-

Rotterdam, 5. Okt. (Zens. Bln.) Die „Times" meldet aus Saloniki, daß die türkische Presse der Mobilmachung Bul­gariens z u j u b e l e und es als sicher betrachte, daß Bulgarien seine Entschließungen in die T a t umsetzen werde, um die Un- gerechtigkeiten des Bukarester Vertrags zu beseitigen. Die Jungtürken hielten in Konstanttnopel eine Versammlung ab, in der sie ihre Freude über die Mobilmachung Bulgariens zum Ausdruck brachten. Enver-Pascha erklärte, das Zusam­menwirken der Bulgaren mit den Türken schaffe die Sicher­heit der deutschen Übermacht vom Baltischen M e e r bis zum PerfifchenGolf.

ttriegsstimmung in Sofia.

Bulgarien wird abschlägig antworten?

L. Sofia, 5. Oft- (Eig. Dvcchtbericht. Zens. Bin.) Die Nachricht vom Ultimatum Russlands hat durch dessen herausfordernden Ton die grösste Erbitte­rung ausgelöst. Im Königspalast finden ununter­brochen Beratungen statt, zu denen alle leitenden Staatsmänner und hohe» Offiziere herangezogen wer­den. In Sofia herrscht erhitzte Stimmung, wie sie vor dem Ausbruch eines Krieges zu sein pflegt. Wie die Trlegrapheu-Union erfährt, wird Bulgarien auf das Ultimatum eine abschlägige Antwort erteilen. Die diplomatischen Vertreter Italiens, Frankreichs, Serbiens und Montenegros haben ihre Pässe verlangt, die ihnen auch zugestellt wurden nnd sind bereits abgereist. Nur der englische Gesandte verblieb auf seinem Posten.

Serbiens Hoffnung auf Rutzland.

350 060 Mann werden erwartet.

Budapest, 5. Oft. (Zens. Bln.) Die Hoffnungen de; serbischen Militärkreise auf die Hilfe Rußlands sind sehr hoch gespannt. Man spricht von einer russischen Hilfsarmec von 350 000 Mann, die im Hafen von Varna landen soll. Nach dem „Adeverul" sind diese An­gaben mit großer Vorsicht aufzunehmen; denn das Blatt will auö sehr zuverlässiger Seite erfahren haben, daß sich die Stärke des Hilfskorps nur auf 30 000 Mann belaufen

wird. In Rutzland werden allerdings seit einigen Tagen Vorbereitungen für eine Expedition getroffen. Im ' Hafen von Odessa liegt eine große Zahl Transportschiffe be­reit, deren Bestimmungsort aber vorläufig unbekannt ist.

Die Flucht der Serben aus den Grenzgebieten.

Wien, 5. Okt. Das „Deutsche Volksblatt" meldet indi­rekt aus Nisch: Hier herrscht täglich steigende Erregung. Alle Bahnzüge nach P r i s ch t i n a sind überfüllt. Die Wohlhaben­den verlassen immer zahlreicher Nisch und das Grenzgebiet. Die serbischen Banken haben ausnahmslos den Verkehr mit bulgarischen Bankhäusern eingestellt und weigern sich, bulga­rische Schecks und Kreditbriefe anzunehmen und zu honorie­ren. Von den bulgarischen Konsuln in Serbien weilt nur noch der Konsularvertreter in Nisch auf seinem Posten.

Sperrung der bulgarischen vonauhäfen.

Genf, 6. Okt. (Zens. Bln.) Nach einer Bukarester Mel­dung schloß Bulgarien alle Donauhäfen. Die rumä­nischen Schiffe dürfen nicht mehr in den rumänischen Hafen, sondern müssen in den österreichisch-ungarischen Häfen anlegen.

»

Erfolgreiche Tätigkeit deutscher Unterseeboote im Schwarzen INeere.

Mn Lob in der russischen Presse.

L. Stockholm, 5. Okt. (Eig. Droh (bericht- >Zsns. Bln.)

Russische Blätter melden, daß deutsche Untersee­boote an der Spitze der Krim-Halbinsel im Schwarzen Meere südlich von Sewastopol, ungefähr auf der Höhe des Kap Chcrsones, gesehen wurden. Ein Unterseeboot tauschte mehrere Schüsse mit einer Küstenbatterie aus, brachte ei» Geschütz zum Schweigen und verschwand dann wieder in südöstlicher Richtung. „Nowoje Wremja" empfängt eine ganze Reihe drahtloser Mel­dungen aus K ü st e n o r t e n an der Krim, die über­einstimmend über den Angriff eines deutschen Untersee­bootes berichten. Das Unterseeboot zerstörte daruach einen Leuchtturm, mehrere Straudbatterien und versenkte eine große Zahl von Handels­schiffen. Der Marinemitarbeiter des Blattes bewun­dert den unglaublichen Mut und die ungewöhnliche Aus­dauer, welche die Äöannfchaft des Tauchbootes an den Tag gelegt hat. Der Artikel schließt mit den Worten, dass der Äktionsradius der deutschen Tauchboote tatsäch­lich unbegrenzt geworden zu sein scheint.

Gründung einer deutsch-türkischen Vereinigung

W. T.-B. Konstanttnopel, 5. Oft. (Nichtamtlich.) Unter Vorsitz des Kriegsministers Enver-Pascha wurde heute die deutsch-türkische Vereinigung gegründet, die der hier anwesende Leiter der deutsch-türkischen Bereinigung in Berlin, Dr. Fäckh, vorbereitet hat. Feldmarschall v. d. Goltz und Marschall Liman v. Sanders sandten aus dem Felde Be- grützungstelegramme. Bei dem der Gründung folgenden Festmahle hielten der Fürst zu Hohenlohe, Enver-Pascha, der Kammerpräsident Halil-Bei, der Minister Talaat-Bei und Dr. Jäckh Ansprachen. Dr. Jäckh behandelte dabei die kulturelle Annäherung beider Völker und die Auf­gaben der türkisch-deutschen Bereinigung. An den deuffchen Kaiser und den Sultan wurden Telegramme gerichtet, in denen die Gründung der Vereinigung cmgezeigt wurde.

Türkische Gegenmaßnahmen gegen die französische Internierung türkischer Familien.

Br. Konstantinopel, 5. Oft. (Eig. Drahtbericht- Zens. Bin.) Die türkische Regierung hat die Verbringung von vor­läufig 10 ffanzösischeu Familien in Konzentrationslager an­geordnet als Vergeltung gegen die Internierung mehrerer in Frankreich lebender türkischer Familien.

vie russisch-englische Vorherrschaft in Persien zu Ende.

Der englische Konsul in Jspahan und englische Schutz­truppen getötet.

L. Berlin, 5. Oft. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Ereignisse in Persien entwickeln sich schnell. Der Zusammenschluss der mohammedanischen Welt vollzieht sich, und Konstantinopel findet neue bedeutende Hilfskräfte, die ihm bald gegen seine Feinde grosse Hilfe leisten werden. Mit der russisch-englischen Vor­herrschaft in Teheran ist es vorbei. Es hat schon ein etwas asiatisch anmutender Abbruch der diploma­tischen Beziehungen stattgefunden. Perser, die unter den Einfällen roher Kosakenhorden vielfach zu leiden hatten, machen die britischen Verbündeten des Zaren mit verantwortlich, und haben ein Gemetzel unter den Agenten Großbritanniens angerichtet. Der englische Konsul in Jspahan, der einstigen Haupt- Krieges getötet, ferner wurden sämtliche englische .Krieges ge ölet, ferner wurden sämtliche englische Schutztruppen des dortigen englischen Konsulats von persischen Kämpfern für die heiligen Krieg « m g e- bracht. Tic Wege nach Indien werden sür Albion unterbunden.