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Dienstag, 5. Oktober 1915.

5lbend-Ausgabe.

Nr. 464. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Abgewiesener englischer Angriff bei Loos. — 4 Maschinengewehre bei Givenchq erobert. — verhinderter Angriff bei Souain. — Leicht ab­gewiesene russische Angriffe bei der kseeres- gruppe Hindenburg.

Der Tagesbericht vom 5. Oktober.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Oktober.

(Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Englische Handgranatenangrifse auf das Werk nördlich von Loos wurden wieder abgewiesen. Bei den vergeb­lichen Angriffen auf dieses Werk haben die Engländer außer den sonstigen sehr beträchtlichen Verlusten an Toten und Verwundeten über 80 Gefangene und zwei Minenwerfer in unserer Hand gelassen.

Das von den Franzosen an der Höhe nordwestlich G i v e n ch y besetzte Grabenstück ist gestern zurückerobert worden. Bier französische Maschinengewehre wurden dabei erbeutet.

In der Champagne lag starkes feindliches Artilleriefeuer auf der Stellung nordwestlich von Souain, wo auch An­griffsabsichten beim Feinde erkennbar waren. Unser Ar­tilleriefeuer verhinderte ein feindliches Borgehen.

Bei Bauquois kamen wir mit Minensprengungen dem Feinde zuvor. Zahlreiche feindliche Miuenstollen wurden abgequetscht.

Feindliche Flieger bewarfen den Ort B l a ch e - St. Baast, nordöstlich A r r a s, mit Bomben. Ein Einwohner wurde getötet, sonst entstand kein Schaden.

Gestttcher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalseldmarschalls von Hindenburg.

Nach ihren Niederlagen am 3. Oktober haben die Russen gestern die Angriffe gegen unsere Stellungen nur mit schwachen Abteilungen wiederholt. Sie wurden leicht abgewiesen.

Bei den anderen Heeresgruppen hat sich nichts ereignet.

Russische Patrouillen tragen wie einwandfrei fcstgestellt ist, zur Täuschung unserer Truppen deutsche Helme. Es ist selbstverständlich, daß solche russische Militärpersonen, welche in unsere Hände fallen, »ach dem Kriegsrecht be- hnndelt werden. Oberste Heeresleitung.

Das Ultimatum an Bulgarien und die Landung in Saloniki.

Der Pierverband, der mit seinen Vcrführungs- künsten auf dem Balkan kein Glück hatte, der sich bisher nicht nur in Bulgarien, sondern auch in Griechenland und Rumänien Körbe geholt hatte, greift jetzt zu schär­feren Mitteln, zu Noten und Drohungen. Die Ver­sprechungen, die man diesen drei Balkanstaaten so reich­lich gecnacht hatte, um sie zu Vasallendiensten zu be­wegen, standen nur auf dem Papier und wirkten schon deshalb nicht verlockend. Jetzt beschreibt man das Papier schon nicht mehr mit Versprechungen, sondern mit Drohungen. Wer ist das Ultimatum an Bulgarien, selbst die Drohung mit der Landung in Saloniki mehr wert als das Papier, aus dem sie geschrieben sind, wenn Griechenland dasselbe Rückgrat zeigte wie Bulgarien, wenn es seine Unabhängigkeit mit dem gleichen Stolze zu wahren entschlossen wäre?

Wenn man das russische Ultimatum an Bulgarien nicht von vornherein als Bluff auffassen wollte, müßte man erstaunt sein über die Naivität, mit der hier an ein unabhängiges Königreich ein Ansinnen gestellt wird, worin nicht etwa nur Neutralität gesondert, son­dern zwingende Vorschriften sür die auswärtige Politik des Landes geinacht werden. Wenn aber das Ulti­matum an Bulgariens Dankbarkeit appelliert, so wird Radoslawow, den man den bulgarischen Bismarck ge­nannt hat, mit dem wirklichen Bismarck sprechen: „Das Saldo der Dankbarkeit ist beglichen" — nämlich seit das Zarenreich Bulgarien im letzten Balkonkriege an die Serben verriet. Das russffche Ultimatum ist naiv, denn König Ferdinand wie der Ministerpräsi­dent, die sich jetzt aus das geeinigte Volk stiitzen dürfen, wußten, was sie taten, wenn sie als Ziel ihrer Politik die Wiedergewinnung Mazedoniens und die Herstellung einer Landverbindung mit Deutschland und der Donaumonarchie bezeichneten. Don diesem Ziel haben sie sich.durch Versprechungen nicht ab- bringen lassen, noch weniger lassen sie sich jetzt durch Drohungen eiuschüchtern..

Das Zarenreich, das hier zum letzten Mal den tragi­komisch anmutenden Versuch .macht, sich als S ch i e d s - richter des Balkans aufzuspiclen, hat cs freilich leicht zu drohen, denn es kann seinen Drohungen nicht die Tat folgen lassen, nmß dieses vielmehr den Ententc- genossen überlassen. Ganz abgesehen davon, daß Ruß­land sich heute selbst nicht mehr seiner -Haut wehren kann, wie will es gegen Bulgarien Krieg fuhren?

Und die Kriegserklärung muß doch anständiger­weise der Wlehnung des an Bulgarieii gestellten Ulti­matums folgen! Um gegen Bulgarien zu L a n d e vorzugehen, müßte das Zarenreich von Bessarabien aus durch Rumänien brechen, das aber soeben erst wieder sein entschiedenes Festhalten an der Neutralität betont hat. Oder will inan Bulgarien an der Küste des Schwarzen Meeres, bei B u r g a s und V a r n a an­greifen? Nun, es wird den Russen nicht unbekannt sein, daß die Küste dort mit einem M i n e n g ü r t e I befestigt ist, welcher leicht das Ende der Schwarzen- Meerflotte >herb eiführen könnte.

Die Russen werden also wohl oder übel — und man darf loohl hinzufügen gern — die militärische Ak­tion den Entente genossen überlassen, die ja auch be­reits am Werke sind. Eine Landung in Dedeagatsch kann von vornherein als ausgeschlossen gelten, da, ganz abgesehen von den bulgarischen Vorkehrungen, eine Aus­schiffung von Truppen in größerem Maßstabe angesichts der ungewöhnlich flachen Meeresküste unmöglich ist. So bleibt also als einziger Ausweg die Landung in Saloniki. Die Pariser Presse verkündete schon vorher, daß ein Protest Griechenlands, den nach den unten miigeteiltcn Drahtmeldungen Herr V e n i- z e l o s inzwischen denn auch schon ausgesprochen hat, „nur ein Blatt Papier" wäre, und es ergibt sich also wirklich, daß dasselbe England, welches behauptet, die­sen Krieg zu führen, weil Deutschland die belgische Neu­tralität zu einer Zeit verletzte, wo England und Frank­reich längst zum Durchbruch rüsteten, die griechische Neu­tralität verletzt und >damit seine' eigene Heuchelei ent­larvt. Wie wird sich Griechenland nunmehr verhalten; das ist die Frage der nächsten Tage. Steckt hinter dem Protest der wirkliche Wille zur Wahrung der Neutralität?

Es ist zweifellos, daß Griechenland mit Hilfe der starken Befestigungen von Karadurnu in der Lage wäre, eine Landung von Truppen zu ver­hindern, und es ist auch anzunehmen, daß König Konstantin den Willen hat, einen solchen Durch­bruch durch se:n Land nötigenfalls mit Waffengewalt abzuwehren. Ob ober sein Einfluß sich stärker erweisen wird als der des vierverbandsrenndlichen Venizelos, bleibt abzuwarlen. Aber man sollte meinen, daß auch dieser sich nicht der Erkenntnis verschließen kann, wie leichtfertig er bei dieser Gelegenheit den Italienern, die nicht ohne tieferen Grund mit von der Partie sind, Albanien in die Hände spielen würde. Griechenland «hat sich jetzt zu entscheide n, ob es das Schicksal der Trabanten des Dreiverbandes, Belgiens, Serbiens und Italien, teilen will, ohne damit noch eine Wend u n g in diesem Weltkriege herbeisüihren zu können. Denn wenn selbst die Engländer. Franzosen und Italiener, nachdem sie die Dard a n ellenaktio n als ge­scheitert erkannt haben, durch griechisches Gebiet brechen würden, so würden sie auf diesen: Wege nicht nur aus die tapfere Bulgarenarmee stoßen, nicht nur auf die T ü r k e n, die an den Dardanellen ge­zeigt hoben, daß sie ihren Mann stehen, sondern es sind noch ganz andere Hilfstruppen bereit und marschfertig für die Wacht in: Süd osten Europas. »

Landung französischer und englischer Truppen in Saloniki, venizelos „papierner Protest".

W. T.-B. Mailand, 5. Okt. (Nichtamtlich.) Mai­länder Blätter melden aus Athen: Der französische Gesandte übermittelte dem Ministerpräsidenten Venizelos folgenden Brief: Auf Befehl meiner Regie­rung beehre ich mich Ew. Exzellenz die Ausschif­fung einer ersten Abteilung französischer Trup­pen in Saloniki anzuzeigen und gleichzeitig zu erklären, daß Frankreich und England als Verbündete Serbiens diesem Truppen zu Hilfe schicken und auch die Verbindung mit Serbien aufrecht erhalten wollen- Beidc Mächte zählen auf Griechenland, das bis heute stets Ale Beweise seiner Freundschaft gab, damit es sich den getroffenen Maßnahmen nicht widersetze, die im Interesse Serbiens, mit dem cs ja auch verbündet ist, getroffen wurden.

Venizelos antwortete hierauf: In Beantwor­tung Ihres Brieses habe ich die Ehre Ew. Exzellenz zu erklären, daß die Königliche Regierung, die im euro­päischen Kriege neutral ist, die unternommenen Schritte nicht g n t h e i ß e n kann, die der griechischen Neutralität einen um so empfindlicheren Schlag ver­setzen würden. Die Königliche Regiernng hat deshalb die P f I i ch t, gegen den Durchmarsch fremder Truppen durch hellenisches Gebiet Einspruch zu erheben. Der Umstand, daß die Truvpcn allein zur Hilfe sür Serbien, den Bundesgenossen Griechenlands, bestimmt sind, än­dert in keiner Weise die juristische Lage der Regierung. Denn auch vom balkanischeu Gesichtspunkte «ms darf aus der Gefahr, die Serbien gegenwärtig be­

droht und die Entsendung internationaler Truppen ver­anlaßt, der Verwirklichung des eusus foederis kein dkachtcil für die griechische Neutralität erwachsen.

Griechenlands Protest gegen die Truppen­landung nur eine ttomödie?

Br. Amsterdam, 5. Okt. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Nach einer Havasmeldung aus Bern ist dort aus Athen die Nachricht eingelaufen, daß Venizelos seinen Protest gegen die beabsichtigte Landung der Truppen der Verbündeten in Saloniki in llb er einstimmmng mit den Verbün­deten abgefaßt habe. Er wolle damit einem Angriff Bul­gariens auf Kawalla Vorbeugen.

Griechenlands Bevölkerung wünscht kein Abenteuer wegen Serbien.

W.T.-B. Athen, 5. Okt. (Nichtamtlich.) Die allgemeine Mobilmachung Griechenlands wurde trotz der Artikel der Benizelospreffe, welche von Jubel und Begeisterung im Lande spricht, vo» der Bevölkerung gleichgültig ausgenommen, da sie nicht wünscht, daß Griechenland sich zur Verteidigung Serbiens in Abenteuer stürzt. Es wird versichert, daß Griechenland keine Verpflichtung gegenüber den Entente- gcnossen habe. Der König habe das Angebot Frankreichs, Griechenland einen Kredit von 100 Millionen Franken zu ge­währen, a b g e l c h »t.

Das Landungskorps nicht über ein Armeekorps stark?

Br. Genf, 5. Okt. (Eig. Dvcchtbericht- Zens. Mn.) Laut „Temps" und „Figaro" _ sollen die für Serbffch- Mazedonien bestimmten französischen und englischen Truppen nicht über ein Armeekorps betragen. Als L a n d u n g s st e l l e sollen ihnen in Saloniki die- lenigen Hallen eingeräumt werden, die nach dem ser­bisch-griechischen Vertrage für die Zwecke des serbischen Außenhandels bestimlmt sind.

General Hamilton von den Dardanellen- ftreitkrSften in Saloniki.

W. T.-B. Mailand, 4. Okt. (Nichtamtlich.) Der Sonder­berichterstatter des „Corriere della Sera" in Athen drahtet: General Hamilton, der Höchstkommcmdierende der eng­lisch-französischen Dardanellenstreitkräfte, ist am Donnerstag unerwartet in Saloniki eingetroffen. Hamilton erklärte, beauftragt zu sein, die Ausschiffung der Truppen vorzubereitcn, welche die Vierverbandsmächte nach Maze­donien schicken und die zusammen mit dem griechischen Heer gegen den bulgarischen Angriff auf Serbien operieren wür­den. Die Nachricht von dem unerwarteten Besuche Hamiltons verursachte in dem diplomatischen Kreisen Athens große Be­wegung. Die Lage .erscheint allen sehr ernst. Die amtliche „Patrie" schreibt dazu, wenn die Truppen des Vierverbandes wegen eines bulgarischen Angriffs auf Serbien gelandet wür­den, so würden die Vierverbarwsmächte als Verbündete Griechenlands betrachtet werden. Wenn sie jedoch nach Ser­bien gingen, um Serbien Hilfe gegen deutsche Truppen zu leisten, so wäre der Durchmarsch ein Neutralitäts­bruch und die griechische Regierung würde die nötigen Schritte tun. Der Berichterstatter des „Corrieve della Sera" fügt hinzu, daß Hamilton sich mit 60 Offizieren, vielen Pferden und einigen Automobilen in Saloniki ausschiffte.

Der Zeldzugsplan der verbündeten.

W. T.-B. Mailand, 5. Okt. (Nichtamtlich.) Der „Secolo" meldet aus Rom. der Viervecband rechne mit der Wirkung des russischen Ultimatums an Bulgarien nicht. Die Ü b e r - ernstimmung zwischen den Ententemächten sei vollständig. Während Rußland Bulgarien längs der Küste des Schwarzen Meeres angreife, würden englische und französische Truppen, die man in einem der bulgarischen Grenze nahegelegenen griechischen Hafen ausschiffe, sofort zu­sammen mit den griechischen Truppen angreifen. Ser­bien werde gleichzeitig gegen die bulgarische Grenze Vor­gehen. Italien stehe auch im neuen Balkankrieg auf seiten der Alliierten.

Die einzig richtige Antwort auf das ruffische Ultimatum an Bulgarien.

Die deutschen ttanonen an der Donau.

Berlin, 6. Okt. (Zeus: Bln.) Im „Berl. Lok.Mnz" wird ausgeführt: Je schneller der Angriff auf Serbien zu voller Wirksamkeit kommt, den der Kanonendonner bei Semendria schon am 20. September emgeleitet hat, desto tiefer wird sich in das Bewußtsein der bedrohten Balkanvölker das Bewußtsein einprägen, daß die ver­bündeten Zentralmächte sie vor einer großen Gefahr schützen. Daruin muß die Antwort auf das russische Ultimatum und ans die Landung französischer Truppen in Griechenland durch die deutschen und öster­lich: sch-ungarischen Kanonen an der Donau ge^ gehen werden.

„Wir stehen vor dem Nriege."

Eine Erklärung des bulgarischen Ministerpräsidenten.

Br Sofia, 5. Okt- (Eiq. Drahtbericht. Zens. Bin.) Ministerpräsident Radoslawow erklärte den Vertreter« der rcgierungssrculldlichen Parteien: „Wir stehen vor dem Kriege und müssen unsere imtwualcn Jntereffen