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^ 5 , 10S. verlagSHernsprecher N«. 2951.

Samstag, de« 5. Weirz.

RedaktionS-Fernsprecher N». 52.

1904.

ZSSSSS M_ 1

Morgen«ktusgabe.

1. Wkatt._

Die neutralen Mächte.

Wenn das Goethesche Wort:Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen!" schon vor einem Jahr­hundert seine Geltung hatte, darf man sich wundern, daß os heute m noch wei: verstärktem Maße gilt. Der Krieg in Ostasien macht sich in der Tat auch in Europa nur all- guschr fühlbar. In erster Reihe spüren seine Wirkungen Handel und Verkchr, und -der panische Schrecken, der schon zu Beginn des Krieges auf den europäischen Börsen cmsbrach, läßt ermessen, auf welche wirtschaftlichen Depressionen man sich bei einer langen Dauer des Krieges gefaßt machen körrnte. Bringt doch dieser Krieg schon an sich empfindliche Störungen des Großhandels mit sich, obwohl er sich zurzeit aus einem eng begrenzten Schauplatz abspielt. Auf welche Störungen aber müßten Handel und Verkehr sich gefaßt machen und welche scharfen Einwirkungen aus den Geldmarkt würde es aus- ii&en, wenn der Krieg durch irgend welche Verwicklungen, die sich nicht vovaussehen und nicht berechnen lassen, nicht mehr ans Rußland und Japan beschränkt bliebe, sondern aus andere Mächte Übergriffe.

Wer noch weit einschneidender als -die handels­politischen würden die weltpolitischen Folgen einer solchen Verwicklung und Ausdehnung des ostaisiati-schen Konfliktes sein. Mit der Möglichkeit einer derartigen Gefahr muß aber, trotzdem alle in Frage kommenden Mächte feierlich ihre Neutralität betont haben, schon -des- halb gerechnet werden, west sowohl Rußland wie Japan durch'ihre Bündnisse für den äußersten Notfall einen Rückhalt an anderen Mächten haben. Sobald aber der, wenn auch nicht wahrscheinliche, so doch mögliche Fall einträte, daß entweder England sich zugunsten Japans oder Frankreich zugunsten Rußlands in den Krieg ein- mischte, so wäre damit aller Voraussicht nach auch für die Gegenpartei der Bündnissall gegeben, und aus dem ostasiatischen Krieg würde der gefürchtete Weltknez entstehen.

Wir wollen das Gespenst des Weltkrieges keineswegs an die Wand malen, aber im Kriegsfall muß mit allen Eventualitäten gerechnet werden; denn -weiß mlan bei einem Kriege, wie auch bei dem jetzigen, oft nicht einmal genau, wie er angefangen hat, so weiß man noch- weniger, wie er enden wird. Tie hier und da geäußerte Besorg­nis, daß schon das Bündnis zwischen Japan und Korea den Anstoß zu einer Verwicklung der internatrona-len Lage gaben könnte, war freilich übertrieben undhat sich als unbegründet h-eraus-gestellt. Ernstere Besorgwsse aber müssen die in C h i n a hevvortretenden Bestrebungen erregM, welche dort zu einer Parteinahme für Japan drängen. Indessen wird man hoffen dürfen, daß ine klug berechnenden Staatsmänner in Pekmg sich mcht ohne zwingende Gründe in Unternehmungen emlassen werden, bei denen für China lvenig zu gewinnen, aber viel zu -verlieren ist. __

V'Wffitoa

Was England und Frankreich betrifft, so nimmt die englische Bevölkerung Ebenso offen und freilich noch um einige Töne wärmer Partei für Japan wie die fran­zösische Nation für Rußland. In England ent­springt diese Parteinahme mehr politischen Erwägungen, denn .nan weiß dort wohl, daß ein Sieg Rußlands über Japan die russische Nebenbuhlerschaft in Ostasten zu einer ungeheuren: Gefahr für England anwachsen lassen würde. Es mutz deshalb auch mit der Möglichkeit ge­rechnet werden, daß England im äußersten Notfall durch eine Intervention die völlige Niederwerfung Japans verhindern würde, selbst auf die Gefahr hin, daß es da­durch die englisch-russischen Beziehungen noch weiter ver° schlimmern würde. In Frankreich entspringt die Parteinahme für Rußland teils einer liebgewordenen Gewohnheit und teils der Sorge um die in russischen Anleihen festgelegt-en französischen Milliarden.

Indessen handelt es sich hier um Sorgen, die erst für ein spätwes Stadium des Krieges in Betracht kommen können. Für die privaten Kund­

gebungen in England zugunsten Japans und in Frankreich zugunsten- Rußlands aber können die beiden Mächte, die ihre Neutralität ausdrücklich erklärt haben, so wenig verantwortlich gemacht werden -wie die öster- reichische Regierung für die tschechischen KlmdgebungM zugunsten Rußlands. Solche Kundgebungen sind völkerrechtlich ohne Belang, und die P f l i ch t e n der Neutralität bestehen lediglich darin, daß -der neutrale Staat keine -der Kriegsparteien in der Füh­rring des Krieges direkt oder indirekt unterstützt. D. h daß der neutrale Staat sein Gebiet nicht zum Ausgangs­punkt für kriegerische Unternehmungen, auch nicht zur Ausrüstung und Bemannung von Kriegsschiffen machen lassen darf, -daß er innerhalb seines Gebietes keine Wer­bungen für -einen der Kriegführenden -gestattet und ihn nicht mit Waffen oder sonstigem Kriegsbedarf versehen darf. Dagegen hat der Staat nicht einzustehen für die Handlungen seiner Angehörigen zu­gunsten einer der Parteien. So braucht der Staat nicht zu verhindern, und er kann -dies nicht, daß seine Ange­

hörigen in d-en Dienst einer der Kriegsparteisn treten, doch darf er -dies Milrtärpersonm nicht gestatten, ohne si» aus -dem eigenen Dienst zu entlassen. Ebenso bedeutet, wie wir schon früher erwähnt haben, die Lieferung von Kriegskonterbande durch Angehörige eines _ Staates keine Verletzung der Neutralität. Als gestattet gilt endlich auch die Beteiligung an Kriegsanleihen mcht durch den neutralen Staat, aber durch die Angehörigen desselben wie denn auch im Jahre 1870 die französische Kriegsan- leihe in England zur Zeichnung aufgelegt wurde.

Der rulsisch-jnpanische Krieg.

Ein neuer Feind Rußlands?

Durch die Blätter gehen zur Zeit Gerüchte, als habe Japan -ein Tauchboot erworben, das der ru-ffrschen Flotte in Port Arthur den -Garaus machen soll. Das neue Tauchboot, von dem wir eine Abbildung bringen, ist von einem Engländer namens Burgoyne erfunden worden, der sich durch seine Schriften über Marinswesen -einen großen Namen gemacht hat. Das B-oot unterscheidet sich von anderen Unterseebooten oder Tauchbooten vornehmlich dadurch, daß es ein Panzerdeck besitzt, welches dem Boote einmal einen größeren Zu­sammenhalt und zweitens bessere Widerstandskraft gewährt. Diese vermehrte Widerstandskraft ist schon aus dem Grunde nötig, weil das Boot langsamer untertaucht, wie das sonst bei Unterseebooten der Fall ist. Denn da die Auf. triebskraft des Bootes, welches -beim Untertauchen mehr Wasser ausnehmen muß wie die Unter, seeboote, sehr groß ist, so kann das in die Wasserkankmern ein­dringende Wasser erst ganz all­mählich daS Untersinken bewirken. Das Boot trägt einen Panzerturm, der verstellbar ist und selbst wenn -daS Boot sich unter Wasser befindet, an die Oberfläche empor- geschraubt werden kann. Die Bewaffnung besteht aus drei Torpedos, welche durch Lancierrohre wie bei einem gewöhnlichen Torpedoboot abgeschossen werden können. Das eine dieser Rohre befindet sich -vorn am Bug, die anderen beiden an der Rückseite. Versagt der vorder? Torpedo oder verfehlt er sein Ziel, kann das Boot unter dem feindlichen Schiff hindurchfahren und dann die an- deren Leiden Torpedos abseuern oder zum gleichen Zweck umwenden. Sollte dem Boote unter Wasser ein Unglück passieren, so ist auch für diesen Fall Vorkehrung gctrojsen. In dem großen Panzerturm befindet sich ein aus allen -Seiten geschlossenes Book, das die Insassen besteigen können. Ein Drück auf einen Hebel veranlaßt das Auf­klappen des Turmes und das Boot steigt infolge seines Luftinhaltes -zur Oberfläche empor und läßt sich dort in ein doppeltes Ruderboot auseinanderklappen. Wenn Japan wirklich das Boot gekauft hat, so hat es damit allerdings einen großen Vorteil errungen, zumal sich

Feuilleton.

Ans Kunst und Leben.

* Heimatschutz. Ein von vielen angesehenen Namen aller gebildeten Stände Unterzeichneter Aufruf wendet sich an alle, die Sinn für die Schönheit der deutschen Heimat haben. Der Aufruf führt in der Hauptsache aus: Ans der einen Seite zerstört übertriebene -Fremüen-Jn- dnstrie mit ihrenErschließungen" und sonstigen Zu­rüstungen jegliche Ursprünglichkeit der angeblichver­schönerten" Landschaft; auf der anderen Seite sorgen ein vielfach eingebildetes Verkehrsbedürfnis und eine schab­lonenhafte Bauweise dafür, daß selbst in den kleinsten Städten und Dörfern reizvolle Denkmäler unserer Ver­gangenheit leichten Herzens hingeopfert werden, während öder Kasernen- undVillen"-Stil ihren Platz aussullt. Erfreulicher Weise wird der Wille, diese Erscheinungen zu bekämpfen, bereits in die Tat umgesetzt. Die Ver­einigungen für Denkmalschutz, -Volkskunst, -Volkskunde ufw. geben davon Zeugnis. Allein Mangel an Verständ­nis und Gleichgültigkeit setzen den Bestrebungen der ge- nannten 'Art und den Bemühungen einzelner d^sonen noch einen so starken Widerstand entgegen, daß wrrkllche Erfolge nur erreicht werden können durch ein plan­mäßiges Zusammenwirken aller dieser gleichgesinnten, aber vereinzelt streitenden Elemente. Die Notwendig­keit wird öffentlich zum erstenmal durch den dreser Tage erschienenen Aufruf zur Gründung ernes Bundes Heimatschutz ausgesprochen. Aus dem Programm, dessen Grundzüge der Aufruf entwickelt, kann hier nur hervorgehoben werden, daß der Bund zwar in erster Linie einen Zusammenschluß von Vereinigungen berbeikühren will, daß aber bei der augenblicklichen Lage

der Dinge der Beitritt einzelner Personen, auch aus kleineren und kleinsten Ortschaften, für die Erreichung der Ziele des Bundes unentbehrlich ist; die Erwerbung der Mitgliedschaft schließt eine grundsätzliche Verpflich­tung zu Beitragszahlungen nicht ein. Bis zu der Ende März d. I. stattfindenden Konstituierung des Bundes wird die Erledigung von Aufragen sowohl wie die Zu­sendung erbetener Aufrufe der vorläufigen -Geschäftsstelle des Bundes Heimatschutz (Robert illjielke, Charlotten­burg V, Rönnestraße 18) obliegen.

* Die Schönheitsfehler der Photographien. Jeder wird schon oft Photographien gesehen haben, auf denen sich an irgend einer Stelle ein häßlicher weißer Fleck be­fand, der den Eindruck des -Ganzen empfindlich störte. Diese Fleckenbildung, deren Vermeidung selbstverständ­lich jeden Photographen, er sei es von Beruf oder -aus Liebhaberei, aufs höchste interessieren muß, hat ihre be­sondere Entstehung, die erst durch sorgsame Versuche nachgewiesen und dann durch richtige Schlußfolgerungen auch beseitigt worden ist. Wie der Physiker Brown in der WochenschriftEnglish Mechanic" ausführt, wird diese Fleckenbildung veranlaßt durch verirrte Licht­strahlen, die durch die lichtempfindliche Schicht der photographischen Platte während der Ausnahme des Bil­des hindurchgehen, auch noch das Glas der Platte durch­dringen und von der Fläche des Glases widergespiegelt werden. Wenn solche Lichtstrahlen nicht zufällig genau senkrecht auf die Platte fallen, so wird ihre Spiegelung die lichtempfindliche Schicht der Platte an einer anderen Stelle treffen als an der, wo ihr Eintritt erfolgt war, und dadurch mutz der -zurttckgeworfene Strahl an dem betreffenden Punkt der Platte einen Fleck erzeugen, der auf dem Bilde selbst als überlichtet und daher weiß er- scheinen wird. Um diesen störenden Vorgang zu ver­hindern, ist es nur notwendig, die irrenden Lichtstrahlen

von der lichtempfindlichen Schicht der Platte äbzuhalten, und das kann auf doppeltem Wege erreicht »oerden. Zu- nächst könnte man den Überzug auf der Platte so dick machen, daß nur sehr wenig Licht hindurch bis in das! Glas dringen könnte. Dies Mittel würde aber recht kostspielig sein und auch nicht so wirksam als das andere, das in der Vernichtung der verirrten Strahlen vor ihrer Widerspiegelung besteht. Alles unerwünschte Licht wird bei dem photographischen Verfahren bekanntlich durch Anwendung geschwärzter Flächen oder auch eines roten Farbstoffes beseitigt. Wenn man das Glas der photo­graphischen Platten gleich in geeigneter Weise schwarz oder rot Herstellen könnte, so würde jene Frage bereits) gelöst sein, aber dagegen sind verschiedene berechtigte Ein» wände erhoben worden, und man hat daher lieber zu dem Ausweg gegriffen, die Glasplatte auf der Rückseite mit einem Stoff zu überziehen, der die gewünschte licht­tötende Wirkung ausübt. Wenn Licht von einem durch­sichtigen Medium in ein anderes tritt, z. B. wie in diesem Fall aus Glas in Luft, so wird eben ein Teil des Lichtes unverändert zurückgespiegelt, wenn die .rennende Fläche zwischen beiden Medien poliert ist, wie es beim Glas der photographischen Platte ebenso der Fall ist. Vorausge­setzt ist dabei, daß die Brechung der Lichtstrahlen in beiden Stoffen verschieden ist, und je größer der Unterschied sein wird, desto größer wird auch die Menge des zurück­gespiegelten Lickts sein. Wenn aber die Brechung in beiden Stoffen die gleiche ist, so findet keine Spiegelung statt. -Daraus ergibt sich das Mittel gegen den beschriebe­nen Ubelstand. Es muß nämlich die Lust von ihrer un­mittelbaren Berührung mit der photographischen Platte ausgeschlossen und d-urch einen Stoff ersetzt werden, den fast "dieselbe Lichtbrechung besitzt wie Glas. Ein Stoff dieser Art ist beispielsweise der aus diesem Grund auch bereits mehrfach, z. B. in der Mikroskopie, benutzte