Verlag Langgaffe 21
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vienstag, 5. Oktober 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 463. * 63. Jahrgang.
Der Krieg.
vorgehende italienische Infanterie bei Lafraun zum Rückzug gezwungen. — Geplänkel mit serbischen Truppen an der unteren vrina.
Oer österreichisch »ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 4. Ott. (Nichtamtlich.) Amtlich »erlautet vom 4. Oktober:
Russischer Rriegsschauplatz.
Der gestrige Tag verlief ohne besondere Ereigniffe. Die Lage blieb unverändert.
Italienischer Rriegsschauplatz«
An der Tiroler Front entfalteten die Italiener eine lebhaftere Tätigkeit, die auf den Hochflächen von Lilgereuth und Lafraun zu größeren und andauernden Kämpfen führte. Im Tonal e-Ge bi et vurde ein »ach heftigem Artilleriefeuer gestern abend kingesctzter Angriff des Feindes auf die Albiolospitze dlutig a b g c w i e s e n. Auf der Hochfläche von Bilge- keuth standen unsere Stellungen auf dem Plout (nördlich der Maremabcrgc) seit frühem Morgen unter dem Schnellfeuer schwerer und mittlerer Geschütze. Vormittags gingen von der bereitgestelltrn feindlichen Infanterie schwache Abteilungen zu einem vergeblichen Angriff vor. Abends erneuerte der Gegner diesen An- iff mit starken, hauptsächlich aus Bersaglicri und pinitruppen zusammengesetzten Kräften und kam nahe an unsere Hindernisse heran. In der Nacht gelang es ihm, einen feldmäßigen Stützpunkt zu nehmen. Unsere Truppen warfen ihn jedoch nach hartnäckigem, bis in die Morgenstunden währenden Kampfe hinaus. So blieben alle Stellungen in unserem Besitz. Auf der Hochfläche von Lafraun zwang unser Geschützfeuer die vorgehende Infanterie zu vertu st reichem Rückzug. Auch im Raume von Buchen st ein wurde das Vorgehen schwacher Abteilungen leicht vereitelt. An den übrigen Fronten keine wesentlichen Ereignisie.
Südöstlicher Rriegsschauplatz.
An der unteren D r i n a lebhafteres Geplänkel. Sonst keine Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
«
Tin Stettiner vampfer durch ein feindliches Unterseeboot beschoffen.
Ein neuer Flaggenbetrug.
W.T.-B. Saßnitz, 4. Okt- (Nichtamtlich. Dmht- hericht.) Der Stettiner Dampfer „S v i o n i a" der Rederei Kunstmann ist gestern kurz nach 5 Uhr nachmittags bei Arcona durch ein feindliches Unterseeboot mit Geschützen beschossen worden. Das Schiss wurde bei Stubbcnkammer auf Strand gesetzt. 10 Mann der Besatzung wurde» i» Kolliger Ort gelandet. Der Rest der Besatzung mit dem Kapitän und Steuermann ist nach Saßnitz unterwegs. Die Leute erzählen, daß das 17-Boot zunächst die d e u t s ch e F l a g g e führte, dann die englische Flagge setzte und auf 400 bis »00 Meter ohne vorherige Warnung den Dampfer beschoß. Daraufhin sei die Besatzung in die Boote gegangen.
Russische Zranktireurbanden bei pinsk an der Arbeit.
Rotterdam, 4. Okt. (Zens. Mn.) Die „Morning Post" in London enthält einen Bericht ihres Petersburger Berichterstatters, aus dem hervorgeht, daß die Russen einen regelrech- -tcn Franktireurkrieg in den sumpfigen Gegenden bei Pinsk organisiert haben. In verschiedenen Distrikten sind bereits Guerillabanden, die aus der örtlichen Bauernschaft sich zusammensetzen und deren Heimstätten von den auf dem Rückzug befindlichen russischen Truppen verbrannt worden sind, unter der Führung von ausgewählten wagemutigen Kosaken an der Arbeit und tun den Deutschen ernsthaften Schaden. In dem Sumpfland von Pinsk müssen die deutschen Streitkräfte besonders unter ihnen gelitten haben. Allein die einheimische Bauernschaft, und selbst von dieser nicht alle, kennt genau die 'Kniffe und Tricks dieses Sumpflandes, dessen Beschaffenheit auch noch mit dem Eintreten der Regenzeiten sich ändert.
Zur bevorstehenden österreichischen Kriegsanleihe.
W. T.-B. Wien, 3. Okt. (Nichtamtlich.) In der gestrigen Sitzung des Generalrats der Österreichischen Bank wurde beschlossen, die Begünstigungen, die den ersten beiden Kriegsanleihen eingeräumt worden sind, auch sür die dritte Kriegsanleihe zu getvähreu, jedoch mit der Erweiterung, daß die Begünstigung eines ermäßigten Zinsfußes bis zum Ende des Jahres 1917 Geltung haben wird.
Oie Lage im Westen.
3um Erlahmen der französischen Offensive.
Die wichtige Höhe 199 bei Massiges wieder gestürmt.
L. Berlin, 4. Okt. (Eig. Dvahtbericht. Zens. Bln.) Der Berichterstatter des „B. T." Bernhard Kellermann berichtet unter dem 3- Oktober aus dem Großen Hauptquartier: Nach 7 Tagen schweren Ringens ist die Lage an der Westfront günstig. In Flandern sind alle Vorstöße der Engländer zusammengebrochen. Wir haben stellenweise unserseits die Offensive ergriffen, wichtige Punkte der feindlichen Stellungen östlich Dpcrn erobert. Der Feind hat sich verblutet. Felder feindlicher Leichen breiten sich vor un
seren Grüben aus. Nur im Abschnitt zwischen Reims und den Argonnen konnte der Gegner Fortschritte machen. Er hat sie teuer bezahlt. Zwischen Auberpille und nördlich Le Mesnil mußten wir z u- rückgchen. Vorbereitete Stellungen und rechtzeitig herangrführte Reserven haben einen zweiten Wall gebildet, an dem alle Angriffe des Feindes blutig z u- s a m m e n b r a ch e n. An der östlichen Flanke gelang es uns, durch Gegenstöße Vorteile zu erringen. Die wichtige Höhe 199, nördlich Mastiges, haben wir w i c d e r g e st ür m t. An den übrigen Teilen des Frontabschnittes nur starkes Artillericfeucr. Die beherrschende Höhe 140 zwischen Givenchv und Vimy, die die Franzosen vorgeben genommen zu haben, ist fest in unserer Hand.
Die neuen französischen Gcschützflugzeugr.
W. T.-B. Paris, 4. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer Meldung des „Temps" sind die seit einigen Tagen in den französischen Generalstabsberichten erwähnten Geschützflugzeuge Zweidecker, die außer dem üblichen Maschinengewehr kleine Hotchkißkano- ii c n auf der oberen Tragfläche tragen. Die ersten Versuche mit dem Geschützflugzeug unternahmen die Hauptleute Remy und Faure im Januar, die infolge falschen Manövers abstürzten und getötet wurden.
ver französische Luftschiffangriff auf die neutrale Stadt Luxemburg.
Br. Luxemburg, 4. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die bereits gemeldeten französischen Bombenwürfe auf die Stadt Luxemburg kamen um so überraschender, als man in weitesten Kreisen angenommen hatte, daß die französischen Flieger sich prinzipiell eines Angriffes aus das Großherzog- tum enthalten würden. Die Bomben sielen alle mitten in die Stadt, in der Nähe des großherzoglichen Palais und der Dominikanerkirche, nieder.
vre 61. Kriegswoche.
In der langen und an gewaltigen Ereignissen so überaus reichen Zeitdauer dieses großen Krieges bildet die zurückliegende Kriegswochc einen w i ch t i g e n Merkstein. Sie brachte vor allem die so lange erwartete Offensive unserer westlichen Feinde, das Ende eines neuen erfolgreichen Abschnitts aus bem östlichen Kriegstheatiw und endlich die Mobilmachung eines zweiten Balkanstaates, nämlich diejenige Griechenlands. Die politischen und militärischen Vorgänge aus der eigentlichen Brutstätte des großen Völkerkrieges sind in ihrem Endziele dem Auge der außerhalb der inneren Vorgänge stehenden Welt zunächst noch gänzlich verborgen. Mit dem geladenen Gewehr bei Fuß will jeder dieser Balkanstaaten die alten Rechte verteidigen und neuen Ansprüchen einen festen Rückhalt verleihen. Die dort herrschenden Meinungsver- schiodenheiten werden sich schließlich nicht mähr allein
auf diplomatischem Gebiete erledigen lassen. Das russische Ultimatum an Bulgarien scheint jetzt die Dinge auf dem Balkan in Fluß bringen zu sollen. Inzwischen ist die bulgarische Mobilisierung vollendet und man erwartet mit Spannung den Beginn der Offensive der Zentralmächte gegen Serbien. Gleichzeitig scheint auch schon die angedrohte Landung englisch-französischer Truppen in griechischen Häsen bevorzustchen; nach einigen Meldungen sogar schon z. T. im Gange zu sein, also die „große Hilfsaktion" der Entente sür Serbien. Unsere Gegner haben eben das aus der bitteren Not geborene Interesse, ein Irenes Schwert in die Wagschale der Entscheidung zu Wersen. Ihre fortgesetzten
Mißerfolge drängen sie darauf hin. In wenigen Wochen setzt an den Dardanellen die Zeit ununterbrochener Negenströme ein. Das aus Felsen und Lehm gebildete Kampffeld ist dann eine schlüpfrige Bahn, mehr zu Rückwärts- als zu Vorwärtsbewegungen geeignet. Das an natürlichen Hilfsquellen für den Angreifer arme Land setzt ihm dann neue unübersteigbare Hindernisse entgegen in der Zufuhr an Lebensmitteln und Munition, in der Beschaffung von Trinkwasser, woran es besonders mangelt. Die Aussichten des Vierverbandes haben sich in der letzten Kriegswoche nicht gebessert. Das Dardanellenunternehmen stockt immer mehr. Die nach der letzten Landung teuer erkauften Stellungen bei Anaforta konnten nicht weiter vorwärts verlegt werden. Iw Gegenteil machten die türkischen Verteidiger kleinere erfolgreiche Vorstöße und ließen den Feind nicht zur Ruhe kommen- In dem Blätterwalde des Vier-Verbandes wird nicht mehr von neuen Unternehmungen an diesem Wunden Punkte geflüstert, der festgefahrene Wagen der ersten kühnen Angriffe findet keine neue hilfsbereite Fanst, die geneigt wäre, in die Speichen des tiefeingesunkenen Rades zu greifen. Im Gegenteil es ficht beinahe so aus, als solle die Hilfsaktion für Serbien den Feinden einen nicht unwillkommenen Anlaß bieten, sich Ms der verlorenen Dar- danellenaktion mit einem Schein von Anstand — „mit Rücksicht auf die wichtigere Aufgabe des Schutzes Serbien" — herauszuzichen.
Auch an der italienischen Front war es in der verflossenen Woche still und ohne große Vorkommnisse. Die vereinzelten Teilangriffe gegen den Brückenkopf, von Tolmein, gegen die Tiroler Südlrvnt und die Paß-: engen im Kärntner-Gchiet brachten die Italiener in keiner Weife ihrem Ziele näher. Die bisherigen Mß-: erfolge, der im Hochgebirge bald einsetzende Schnee und Eis, die Empfindlichkeit des Süditvlicners gegen die Härte der Witterung dürften neue große Offensivstöße Cadornas nicht wahrscheinlich machen. Weit eher ist damit zu rechnen, daß die Soldner Englands an anderen kritischen Punkten erscheinen werden. Nach den neuestes: Meldungen soll dies der Sues-Kanal sein und nicht die asiatische Türkei, wo die vermeintlichen Interessen Griechenlands und Italiens gegeneinander streben. Diese lange Zeit des Zauderns kam unseren österreichischen und türkischen Bundesgenossen sehr zu statten. Die italienische Heeresleitung kennt die schweren Gefahren, welche solchen überseeischen Unternehmungen drohen aus dem Schicksal ihrer Bundesgenossen und den ernsten Schwierigkeiten des eigenen tripolitanischen Feldzuges, welche noch nicht vergessen sein dürften. Italien 'hat alle Ursache darüber zu wachen, >daß der lunge, aus das allerschwerste bedrohte Kolonialbesitz nicht .ganz wieder verloren gebt. Die Kriegserklärung gegen die Türkei hat ohnehin keine große Begeisterung in der Bevölkerung unseres abtrünnigen Bundesgenossen gefunden. Die bisherigen Mißerfolge gegen den ö&ex?.
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