Einzelbild herunterladen
 

I,

ifsbatowr Ts

Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch di- Post S Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide AuSgabcu zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

20,000 Abonnenten.

Anzeigen-PreiS:

Di- einspaltige Petitzeile für lokale, Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 2o Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

Aazrigkn-Annahme s L SSLUKKSL.

N» 88. m. m. Samstag, den SST. Februar. ». n, 1904,

klbend-Kusgabe.

1. iäCatf.

ml!

Der rulsisch-japanische Krieg.

wb. Tokio, 26. Februar. (Reuter.) Der Vers u ch hes japanischen Admirals Togo, Port Arth ur zu blockieren, ist ohne Menschenverluste abgelausen. Die gesunkenen Schiffe hatten keinen großen Wert, sie Viren mit Steinen angefüllt, um den Hafen dauernd zu versperren. Sie wurden von vier Panzerschiffen, neun Kreuzern und zahlreichen Torpedobooten begleitet. Die mit Steinen beladenen Dampfer kamen am Mittwoch vor Port Arthur an. Das lebhafte Feuer der Russen brachte die Dampfer zum Sinken, bevor sie die festgesetzten Punkte erreichten, wo sie versenkt werden sollten. Die ganze Be- fcchung der vier Dampfer soll gerettet sein. Es wird ^ge­stritten, daß zwei Torpedobootszerstörer gesunken feien. Auf den Dampfern befanden sich je fünf Mann, zwei Steuerleute und drei Maschinisten.

. Petersburg, 27. Februar. Admiral Alexejew Mdet unterm 26. Februar aus Port Arthur : Am 25. beschossen 16 japanische aus der Richtung von Dalm Mimende Schiffe eine halbe Stunde lang die auf der Anßeureede liegenden SchiffeAskolp,Faikal" und Jpötf", sowie die Festung. Darauf kehrten die Kreuzer in den Hasen zurück. Der Feind ging nach kurzer Be­schießung der Batterien außer Schußweite,^ aber vier Kreuzer fuhren in die Taubenbucht und beschossen heftig das Ufer und eiu dort befindliches Torpedoboot, woraus ich Truppen von Port Arthur hinbeorderte. ©afc japanische Feuer dauerte 20 Minuten. Dann fuhren die japanischen Kreuzer ab, ohne einen Landungsversuch ge­macht zu haben. Tiesstussen hatten einenDevwlmdeten. Bei dem Nachtangriff am 25. Februar wurde ein japanisches Torpedoboot von der Festungs-Batterie in den Grund gchohrt. Nach amtlichen Meldungen vom 26. haben die Japaner um 1 Uhr morgens einen erneuten Angriff unter» Rammelt. Um Dschunken zu gleichen, kamen die japani­schen Torpedoboote unter Segel an, wurden aber vom Wetwisan" bemerkt. Gegen Tagesanbruch zogen die Torpedoboote ab. Um 11 Uhr vormittags, kann das japanische Geschwader wieder heran und eröffnet em Muer, welches von Port Arthur erwidert wurde. ^ Das­selbe dauerte ohne Resultat 40 Minuten. Es wird em Wdlmgs-Versuch der Japaner erwartet.

. London, 26. Februar.Daily Telegraph" meldet aus Tientsin vom 25. Februar: Ter ans der Reise von Shanghai nach Tschingwantao auf..der Höhe von Port Arthur von einem ans 8 Kriegsschiffen beitehenden Schwader am Donuerstagmorg-en angehaltene g.-anipfer »P r o v i d e n c e" lief am 25. in Tientsin ein. _ xic Wssagiere melden, das Geschwader sei anscheinmd rnmkt Moese». Es zeigte keine Spuren eines Kampfes. Em anderes Telegramm aus N i u t s ch w a n g meldet von

Stau Hadwig.

Eine Strandgeschichtc von Ella Lindncr. (Schluß.)

.Cm Jahr ist vergangen, feit^Frau Hadwrg emzoxi m Säulenh-aus am Tvbben. rrn ' rt,e -

< wumcmMU» um ävwwi. o ~ ' .

jgt glückliches ist es gewesen! Das kann Zerkau p, ^ Buchhalter, bezeugen. Uber die Seebadgeschrchte h frollich so seine besonderen Ansichten. Er glaubt nicht recht an. die Nervosität des Herrn, und «tjn , d°MÄs sei wohl eher mir dem Herzen nicht alle^ mOrw v°uug gewesen. Aber schließlich ist das emerlel und w: l°uu mit dem Resultat der Reise nur zufmeden 1«m

^cht bloß wegen der unerwarteten Gchalüausb ss ^ 1

7^ auch sonst. Solch eine junge hübsche Herrm - ^dwig hat sich nämlich sein -altes Jnnggeiellenh z * * erobert, daß er von ihr beinahe in demi-elben -wn in welchem er vonunseren lieben Heiligen 1P ^ - ^ An goldener Sonmwrtag ist es wie ehedem ww ^°>Me sank bereits, doch im Westen leuchtet noch glüh 2®** schmale Streif, der Hunnwl und Erde trnm ^v Jürkes Haus blühen die Gerannen,, em *

5 farbenfreudiger sich iricht denken laßt. Unter ow Masse duften traumschwer die Roicn. 9

xvr weißen Ballnstrade und wartÄ auf ^urke E^ , Herbarts Geburtstag. Sie hatte so gern smu Grad Knückt. aber wer kann ttnsseu ivo der Ung uKrän Mast! Ob wirklich im Schoße der Wellen, '«inwnmt? Eine Woche nach l» ^chreckenstag S Schiffer das gekenterte Boot m der Nahe t Urunc. So kann sie -denn sein Grab mcht Wm ^notf) Hut sie heute einen Kr-an-z besorgt 0 ^

K,'st damit zum Friedhof gefahren, und dort hat ß y^wen ans -den verlassensten aller Hügel g-leg s

den, der einst ihr Freund war. Es ist io uve.

einem Augenzeugen des japanischen Versuches, den Hafen von Port Arthur zu blockieren, daß die I a p a n e r sich ohne W e r l n st e z u r ückzoge n.

hd. Wladiwostok, 26. Februar. Das russische Geschwader hat den hiesigen H äsen verlasse n.. Es ist noch -unbekannt, nach welcher Rich-tung es. ge­dampft ist.

wb. Söul, 26. Februar. (Reuter.) Die korea- n i s ch e Regierung entschloß sich, Truppen zu ent­senden, die mit den J ap anern,gemeinsam Vorgehen sollen. Wiju wird dem Handel geöffnet.

. London, 26. Februar. Tie Blätter berichten, ein Missionar aus Kuantschung, der kürzlich ans Niutschwana zurückkehrte, berichtet, die Japaner seien vor der Society-Bar gelandet, von wo die russische Garnison geflüchtet sei.

wb. Port Arthur, 26. Februar. (Reuter.) Ter Nowy Krai" wird aus M u k d e n vom 22. Februar das Eintreffen des Admirals Alexejew gemeldet. Aus Tokio über Tschifu wird gemeldet: Ter

j a p an i sch e Gesandte in S ö u l ersuchte die Regierung, dem französischen Gesandten seine Pässe zu geben. Aus Tientsin wird gemeldet: Der Borerführer Tschu, der sich hier aushielt, ist v er- h a f t e t worden. Die Generale Dschien und Ma pro­testieren gegen die Neutralität Chinas. Die Generale Juanschikei und Tjeljan forderten, wie chinesische Blätter melden, die Regierung auf, mir Schutz- u n d Trutz- Bündnis mit Japan abznschließen.

. London, 26. Februar.Daily Chronicle" meldet ans S h a n g h a i : Japan hat ein V i z e k ö n i g t u m in Korea errichtet. Zum Residenten in Söul wurde Tolüzawa und zum Vizeresidenten Kato ernannt. Letz­terer hat sich bereits seit inohreren Wochen im kaiserlichm Palast in Söul aufgehalten.

wb. London, 27. Februar.Daily Telegraph" mel­det ausS ch a n g h a i, daß tnNagasa-ki lebhafteTätigkeit zur E i n s chifs -u n g von Truppen nach^ -der Unr- g-öbung von Dalntt herrsche. Seit denr 10. Februar gingen inehr als 40 Transportschiffe von Nagasaki ab.

wb. Petersburg, 27. Februar. Aus W l a d i w ostok meldet der Kvnimandant, 'daß am Morgen des 24. Februar südlich der Insel Rußky zehn feindliche Schiffe gesichtet wurden. Vom Statthalter ging ein gleich­lautendes Telegramm ein.

. London, 27. Februar.Daily Mail" meldet aus Söul, 2000 K o s a k e n seien in Korea e i n ge­drungen. Ans T s ch i f u meldet dassellie Blair, daß wiederuiu bedeutende japanische Truppen-Mteilungen in Tschenrulpho gelandet seien. Eine chinesische Dschunke, welche in Tschisn eingetroffen ist, berichtet, sie sei ans offener See in der Ikähe der japanischen Küste 11 japaui- scheir Schiffen begegnct,welche aus der Richtung von Port Arthur kamen. Zwei Schiffe befanden sich iin Schlepp­tau. Lord Selborne hielt gestern in Wo o d - bourne eine längere Rede, worin er den Eng­

ländern empfiehlt, im jetzigen Kriege die größte

Zurückhaltung zir bewahren, um jede Ausdehnung des Konfliktes zu vermeiden.

. Paris, 26. Februar. Ter Marineminister hat be. sohlen, die KriegsschiffeJeanne d'Ärc", Marseille",Esprit" undLeon Gambetta" sofort in Stand zu setzen. In Toulon traf Befehl em. einenTorPedojäger sofort auszurüsten, um nachJndocksina abzugehen. In der Kammer wird h-ente ein Kredit von 10 Brillionen Frank von der Regierung gefordert werden zur Instandsetzung des Hafens von Saigon als Flotten- Stützpunkt. In Rennes fanden r n s s e n f r e u n d- I i ch e K u n d g e b -u n g e n statt. Die Redaktionen der Blätter hatten russische Fahnen aufgesteckt. ^Es werden Lotterien und Sammlungen ^ für die. russischen Ver­wundeten veranstaltet. Die Subskription für verwundete russische Soldaten hat bereits die Summe von 304 497 Frank ergeben. Im Ministerrat kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Delcassch Andrä unö Pelletan, weil die Depesche des Marine- Attaches in Petersburg über die jüngsten Angrifse auf Port Arthur Delcassä nicht rechtzeitig mitgeteilt worden sei,

. Paris, 27. Februar. Einer Meldung desNew Dort Harald" zufolge nahm der Z -a r den V o r s ch l a g des Prinzen Alexander von Oldenburg an, ein Steppenreiter-Korps ans Burjäten und Kalmücken zu errichten. Der Prinz rüstet 1500 Reiter aus und spendet außerdem eine Million Rubel. Der Aufschub der Reise Kuropatkins wird damit motiviert, er wolle das Kommando erst übernehmen, wenn -er 400 000 Mann zu befehligen haben werde. Derzeit stehen nur 130 000 Alaun im Felde.

Eine Äußerung Kuropatkins.

Einer Petersburger Meldung desEch-o de Paris" zufolge hat General K u r o p a t k i n wörtlich gesagt: Der K r i e g ivird vielleicht achtzehn Monate dauern, aber es sind alle Vorkehrungen getroffen, damit kein aus- geschiffter Japaner in sein Land zurückkehren kann."

Kriegsanleihen.

DerDaily Expreß" meldet ans Tokio vom 25. d. M.: Japan hat gleichzeitig in London und New ?) o rk llnterhandlungen wegen einer Kriegs- a n I -e i h e eröfffr-et. Diese sollen in London von dem Schwiegersohn Marquis Jtos, Baron Suyematsu, dem früheren Minister des Innern, und in New Dork von dem früheren Fustizminister.Baron Kaneko geführt iverd-en, den derVizepräsident der japanischen Bank, Takahaschi, be­gleiten wird.

Portugiesische Kricgsöorbereitungcn.

Das Bündnis mit England legt Portugal , die drückende Verpflichtung auf, sich für die Möglichkeit eines europäischen Krieges vorzubereitsn. Er wird nicht nur in allen Teilen eins Ileubewaffnung des Heeres vorge­nommen, sondern es wird auch ein Armeekorps von 15 000 Mann mobilisiert und in Kriegsbereitschaft gesetzt.

sie gekommen sie hat es tun müssen. Jürke wird nicht

schelten darum, das weiß sie.

Auch Hadwi-gs treue Dienerin, die alte Ursula-, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Doch das. Glück ihres Lieblings, das hat sie noch schauen dürfen init den müden Augen, und so ging sie denn mit einem Lächeln der Be­friedigung aus den welken Lippen ans dieser Welt.

Hadwig wartet noch immer. Jürke bleibt lange aus, r:nd sie will schon unruhig werden, als er endlich kommr. Sie fliegt ihm entgegen, und die beiden Menschen be­grüßen sich, als seien sie ivochenlang getrennt gewesen und nicht nur vom Mittag bis zum Abend.

Jürle", sagt Hadwig, als sie dann ins Haus gehen, ich Hab' eine Überraschung für dich."

Sieh inal einer die kleine Frau! Sie hat auch eine Überraschung! Und ich denke allein der Glückliche zu sein."

Sie ist erstaunt.Du auch?"

Ich auch

Aber was denn? Doch nicht dasselbe? So rede endlich, Jürke!"

Bitte, nein" cntgegnete er lachend,die Damen haben wie immer den Vorrang."

Liebster!" bettelt sie.

Aha, so neugierig ist -man, Eva? Soll der arme Ehemann wieder einmal Ordre parieren? Das muß ich ja, seitdem ich mich so leichtsinnig unters Pantoffel-- regi-in-ent begab."

Tn und Ordre parieren!" Sie begleitet diese Worte mit einem komischen Seufzer.

Vielleicht nicht?" fragt er zurück.Ja, sieh mal, Schatz, daun hast du deinen Mann eben schlecht erzogen."

Gott, wenn -das an mir läge! Als ich den Mann in die Hände bekam, war schon nichts mchr an ihm zu bessern."

Ja, das stinunt. Geliebtes!" giebt er zir.Ist bei

dieser Krone der Schöpfung auch kaum anders möglich. Und Gott schaute sein Werk an, und siehe da, es war alles sehr gut! Das gilt natürlich in erster Linie vom Mann."

Sicher", spottet sie lustig.Ein Wunder nur, daß dieser vortreffliche Mann sich mit uns armseliigm Ge­schöpfen begnügt."

Das ist kein Wunder, sondern ein Zeichen edler Sinnesart", beleljrt er ernsthaft.

?lch so", sie zieht die Bvau-en hoch und bemüht sich, ein vollständig überzengt-es Gesicht zu machen.

Schatz, -du bist reizend!" Er kann nicht -anders, er Niuß sie in b-ic Arme nehmen und küssen.Mein ein­ziges! Mein liebstes!"

L-i-eber lieber Jürke!" Sie schaut aus strahlen­den Äugen zu ihm empor. Tann rückt sie großmütig mit ihrer Überraschung heraus. Anne hat geschrieben, einen langen Brief. Sie ist sehr, sehr glücklich, besonders seit im Professorhaus eiu blondes Bkägdlein c-ingewandert ist. ganz des Vaters Ebenbild, doch mit der Mutter klaren Augen. Und verständig guckt das Dirnliem schon in die Welt, und es soll Hadwig heißen. Ter Professor ist an­fangs mehr für der Miitter sstamen gewesen, aber wozu braucht er zwei Annen? Das ist Unsinn! Die eine macht ihm schon das Leben weidlich warm. Also Hadwig wird Frau Annes Tochter deshalb g-enamrt werden. Und wenn nun des Kindchens istaniensschivester selbst kommen möchte, um es aus der Dause zu h-ebeu es wäre ja wonnig! Don Bremen bis Berlin ist man doch so schnell da, und Jürke wird sicher seine Frau begleiten, und er ist sehr aber sehr herzlich eingeladen.

Sieh 'mal." lachte Jürke,wie liebenswürdig von Frau Anne! Aber sie kommt einen Posttag zu spät mit ihrer Einladung. Da," er sucht in allen Taschen, endlich find-et er, was er will,ein Brief vonr Professor, der mir