Einzelbild herunterladen
 

58 . Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 5» Pfg. monatlich, durch dir Post S Mk. 50 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

20,000 Abonnenten.

Anzeigen-Preis:

Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

Po 96.

Verlags-Fernsprecher N». 2958.

Frrilagz drn 26. Februar.

Redaktions-Fernsprecher No. SS.

1964.

Kbend-Ausgabe.

Deutscher Reichstag.

Etats der Reichseisenbahnverwaltung und des Reichsjustizamts.

Heimstättengesetz.

Berlin, 25. Februar.

Am Vunöcsratstische: Staatssekretär Posadowsky und die Minister Budde und I)r. Nieberding.

Die dritte Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend Schutz von Erfindungen, Mustern und Warenzeichen aus Ausstellungen, wird debattelos erledigt. Der Gesetzent­wurf wird unverändert angenommen.

ES folgt Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für Verwaltung der Eisenbahnen bei den einmaligen Ausgaben des Ordiuariums, deren Titel nach dem Nestrat Bebels debattelos angenommen werden.

Bei dem Extraordinarium beantragen Schlumbergcr und Genossen, die von der Kommission abgesetzten Titel, betreffend die AnträgeRangierbahnhof bei Arenburg" und den viergleisigen Ausbau der Strecke Straßburg- Bcndenheim, die Erweiterung des Bahnhofes Colmar und den Bau einer zweigleisigen Bahn Metz-Bigy- Anzelingen, wiederherzustellen.

Nachdem Titel 1 des Extraordinariums angenommen, wird bei Titel 2, nachdem Bebel als Referent die Ab­lehnung des Antrages Schlumbcrger anempfohlen und Minister Budde für Annahme desselben eingetreten, der Antrag Schlumberger abgelehnt und Titel 2 gemäß den llommisfionsbeschlüssen angenommen. Ebenso werden die übrigen Titel des Extraordinariums bewilligt und der Rest des Etats debattelos erledigt.

Es folgt zweite Beratung des Etats der Reichs- Justizverwaltung.

Auf Antrag Gröber wird bei den TitelnStaats­sekretär" über die FragenHeimstätten",Automobile", Bauhandwerker",Politische Gefangene",Reichsgesctz- liche Regelung des Fremdenverkehrs", die zum Teil m Resolutionen niedergelegt sind, einzeln und getrennt debattiert werden, nachdem Präsident Ballestrem im Interesse der schnelleren Erledigung der Geschäfte sich damit einverstanden erklärt hat.

Abg. v. Riepcnhauseu (kons.) begründet seine Reso­lution, dem Reichstage in der nächsten Session einen Heimstättengesetzentwurf für das Deutsche Reich vorzu- Icgen. Für die Arbeiter sei in den letzten Fahren viel geschehen, er bedauere dies keineswegs, aber andere Stände litten auch. Die Zunahme des Kleingrundbesitzes entspreche keineswegs der Zunahme der Bevölkerung. Durch die Einführung von Heimstätten würden die kleinen Besitzer zufriedener gemacht, als sie es durch den Nentengutsbesitz geworden seien. Ein Reichsheimstätten­gesetz würde wirken bis in die letzte Hütte hinein.

Staatssekretär v. Nieberding legt Verwahrung da­gegen ein, daß aus dem langen Zögern der Regierungen, aus die durch den Antrag angedeutete Materie einzn- geüen, der Schluß gezogen werde, daß sie dagegen seien. Die verbündeten Regierungen seien von der wirtschaft­

lichen Bedeutung der kleinen Grundbesitzer vollständig durchdrungen, sie würden aber niemals einen Weg gehen, der nach ihrer Überzeugung keinen Erfolg hätte. Die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Zentralvcrerne Deutschlands stände dem gegenüber, wie bei einer frühe­ren Gelegenheit, und zeigte sich der Gesetzgebung der von dem Antragsteller gewünschten Art feindlich. Auch der deutsche Landwirtschaftsrat riet entschieden von einer Fntervention der Gesetzgebung ab. In dieser Hinsicht sei ja auch viel geschehen mit der Bildung von Renten- gütern und dem Anwerberechte. Uber die Frage, wie man praktisch der Entschuldung des Kleingrundbesitzes näher treten könne, schwebten Verhandlungen. Das beste wäre, den Antrag beim Etat im preußischen Abgeord­netenhaus zu stellen. Wenn der Antrag angenommen würde, würden die verbündeten Regierungen diesem Beschluß ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden.

Abg. Gothein (freis. Ber.) führt aus, für die An­siedelung der kleinen Grundbesitzer seien auch seine Freunde, das sei aber viel eher durchParzellterung großer Güter und Domänen erreichbar. Dem aber würden die Freunde des Antragstellers-widersprechen.

Abg. Pohl (freis. Volksp.) spricht sich gegen den Ge­setzentwurf aus, durch den der Bauer noch mehr unfrei würbe.

Abg. Bachem (Zentr.» tritt für den Antrag cm, man müsse den Grundbesitz konsolidieren und ihn nicht durch Teilung unter viele Erben versinken lassen. Man müsse ihn aber auch sichern gegen Aufsaugung durch den Groß­grundbesitz.

Abg. Stadthagen HSoz.) führt aus, der Entwurf stelle technisch ein Unikum von Quacksalberei dar. Seine Freunde würden alles zu verhindern suchen, was die Freizügigkeit der Bauern beschränkte oder ihn an die Scholle binde.

Abg. Gamp (Reichsp.) tritt für den Entwurf ein, der zunächst bezwecke, Bauernstätten zu errichten.

Abg. Wülsf Hw irisch. Ver.st schließt sich den Ausfüh­rungen Bachems und Gamps an.

Abg. Stadthage» (Soz.j wendet sich gegen die Aus­führungen Gamps und Wolsfs, denen er vorwirft, das Gegenteil von Wahrheit gesagt zu haben. Als Redner die Gesetzgebung Preußens als rückständig und arbeiter­feindlich bezeichnet, ruft ihn Präsident Vallestrem zur Ordnung.

Abg. Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim (nat.-lrb.) wird mit der Mehrzahl seiner Freunde für den Antrag stimmen.

Nach einigen kurzen Bemerkungen Ricpenhausens wird die Diskussion geschloffen. Es folgen persönliche Bemerkungen. Die Resolution wird darauf angenommen.

Die Weitcrberatung des Justizetats wird auf Frei­tag 1 Uhr vertagt. Schluß 6 V 2 Uhr.

hd. BerN«, 25. Februar. Die Wahlprüfungs­konimission des Reichstages stellte heute den schriftlichen Bericht über die Gültigkeitserklärung der Wahl des Abgeordneten Mattsen (nat.-lib.) fest und erklärte die Wahl des Abgeordneten Freiherrn W 0 lff Metternich für gültig.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Der Justizminister rechtfertigt Allerlei.

Berlin, 25. Februar.

Die Abgeordneten berieten den Justizetat bei Titel Ministergehalt" weiter.

Abg. Malkewitz fkons.» kam auf die RerchstagSwahl in Köslin zurück und erklärte, der Staatsariwalt habe richtig gehandelt, wenn er die Erhebung der Klage ab. lehnte, weil in der Frage des Flugblattes, ob es wahr sei, ' daß die Freisinnige Bereinigung der sozialdemo­kratischen Parteitaffe zwecks Wahlhülfe Gelder gezahlt habe oder zahlen wolle, ein Vorwurf des stimmcnkauss, den Barth daraufhin erhoben habe, nicht zu erblicken ser.

Justizmlnister Dr. Schönstedt bemerkt, Barth habe die Beschwerdefrist an Oberlandesgencht versäumt und er habe cs sich also selber zuzuschretben, wenn die Erhebung der Klage jetzt nicht mehr rat öffentlichen In. tcreffe erfolgen könne. ^ , .

Abg. Peltasoh« (freis. Ver.» wendet sich dagegen, daß gerade Malkomitz, Barths Gegenkandidat, hier spreche. Er hält die Abweisung der Klage durch de» Minister für bedenklich. t

Abg. Cassel (freis. Volksp.» erklärt sich m manchen Beziehungen für einen Gegner BarthS, trotzdem muffe er sagen, daß man einem solchen Chrenmanne wie Barth nicht versteckt gemeine Manöver vorroerfen solle. Cassel bespricht in seiner weiteren Rode den Kwtlecka- Prozeß und verlangt, daß die Autorität der Vorsitzenden bei Prozessen auch auf die Staatsanwälte ausgedehnt wird, damit solche Vermessenheiten, wie Staatsanwalt Müller sie sich dabei erlaubt habe, künftig vermieden werden. (Notiz: Müller hatte im Prozeß gesagt:Wenn die Geschworenen weitere Beweise für die Schuld der Gräfin verlangten, sprächen sie damit den Schwur­gerichten ihr Todesurteil."»

Der Justizminister entgegnet: Staatsanwalt Müller sei einer der tüchtigsten jüngeren Beamten, dem von seinen Vorgesetzten das beste Zeugnis ausgestellt sei. Die Nervosität, die nach mehrwöchigen Verhandlungen und am Schluffe eines dreistündigen Plaidoyers erklär- lich sei, sei für feine in keiner Weise zu billigenden Äuße­rungen über die Schwurgerichte verantwortlich zu machen. Allerdings waren die Äußerungen nicht so scharf, wie sie in den Zeitungsberichten dargestellt wür­den. Staatsanwalt Müller sei fernerhin größte Vor- sicht anempfohlcn, so daß solche Äußerungen zukünftig wohl ausgeschlossen sein dürsten. Er bezweifle aber, ob es angebracht war, den jungen Mann durch Zitieren vor das Parlament sozusagen zu einer europäischen Be­rühmtheit zu machen.

Abg. Mizcrski (Pole» beschwert sich, daß richterliche Beamte aufgefordert seien, ihre in polnischen Volks­banken liegenden Gelder zurückzuziehen.

Der Jrrstizm mister entgegnet: Die Verfügung über die Zurückziehung der Gelder sei auf Grund einer Be­schwerde des Staatsministeriums an alle Refforts er­gangen, da die Volksbanken ihre Mittel in den Dienst

Stau Haöwig.

Eine Strandgeschichtc von Ella Lindner.

(19. Fortsetzung.)

Hat hat hier schon jemand Kaffee getrunksn? ffagt sie den Kellner, der ihr das Frühstuck serviert.

Jawohl, gnädige Frau. Herr Heckart ^ und Herr Allmers. Sie sind zur Robbenjagd gefahren.

Der Ganymed erlaubt sich noch die Bemerkung, B dies heute wahrscheinlich ein nutzloses. UvternShmen »ein dürfte, aber Hadwig hört ihn nicht. Die Angst, die wahn­sinnige, die sie gequält hat während der ganzen N ch. hackt sie von neuem wächst wachst und, wird . riesengroß! Und mit gespenstischen Fmgern krallt sie sich fest in der Seele des jungen Weibes und würgt- und würgt aber Hadwig schüttelt sie ab, die Geisterhand . Ahne recht zu wissen, was sie tut, stürzt sie ff

Kaffee hinunter Ihr ist kalt vor Grausen. Die Zahne Wagen ihr aneinander, und sie bebt an^llen Glie m . Trotzdem läuft sie hinaus, so tme sie ist, rat leichten

m *-°ch fr* !i«

! vorwärts bis zu den Dünen des Herwitstrande» J da liegt es vor ihr, das Meer, ba§ weite, laieriwgtdjc.

grauenhafter Schönheit! Haushoch fldgn.

Keißlichgrün sind sie mit mächtigen Sch«mkammem Darüber hängen schwere, blauschwarze Wolken, und iM Asten tauchen zuckende Blitze den Hiwme m Flamunn- §ut. und dumpfgrollender Donner W Sturm hat die Flut höher getrieben, «Kt"!

Jürgen sind zerstört, auch der, Hohentwiü. Die Bat stagge liegt zerfetzt an den Dunen, und traurrg ragt

Lckrochene Fahnenmast in die Lüfte, ' rfiliät

und breit nicht zu sehen, auch von der Sandbank erbtm UM schmr keine Spur mchr. Dunkle WogMe-berttrigi W schäumend darüber hin. Hadwig klettert hinunter.

övmr sie üexnnQ'Q sich drüben kaum <wf o B

halten, so wütend umtost sie der Sturm. Nun geht sie dicht am Wasser hin. Drohend erheben sich ihr zur Seite die Wogen und stürzen donnernd vorüber. Weiße, schillernde Schauniflockm fliegen vom Wasser her und bleiben an Hadwigs Kleidersaum hängen. Von den Dünen her weht der Sturm ihr ganze Sandwvlken in die Augen. Sie vermag kaum noch zu sehen, dennoch strebt sie mutig vorwärts, der Stelle zu, wo die kleine, schwarze Landungsbrücke der Segelboote aus der Flut schaut. Etwas Dunkles bewegt sich dort hin und her schon keimt eine leise Hoffnung m ihrem Herzen freudig auf da bemerkt sie beim Näherkommen, daß es die Schiffer sind, die sich mit einem am Boden liegenden Gegenstand zu schiaffen machen. So schnell als nur möglich hastet sie darauf zu. Die Männer grüßen und treten schweigend zurück, und da leuchtet ihr Jürges Antlitz geisterhaft bleich entgegen-

Ertrunken" murmelt einer, sie aber greift mit beiden Händen in die Luft und bricht dann lautlos zu­sammen.

Drei Wochen später. Durch weit geöffnete Fenster strömt die kräftige Seeluft ungehindert in ein Kranken­zimmer. Schwester Marie sitzt dort und liest in einem frommen Buch. Draußen pfeifen lustig die Stare. Hadwig liegt ganz still ohne sich zu rühren und schaut mit großen, sinnenden Augen um sich. Wie war das doch? Zum ersiennml ist sie mit völlig klarem Be­wußtsein erwacht. Nun kann sie sich mit ihren Gedanken so schnell nicht zurechtfinden. Das ist ihr Zimmer und das dort ist Schwester Marie die kennt sie genau aber wie kommt sie hierher? Sie sieht die 'Medizin- flaschcn auf dom Nachttischchen stehen. Fa ist sie denn trank? Langsain fährt sie sich mit der schmal und durch- sichttg gewordenen Hand über dre Stirn. Wie war das doch? Annes Hochzeitstag Jurte und die Wette mit einem Male erinnert sie sich und der Morgen steht wieder vor ihrer Seele, der entsetzliche Morgen, an dem

sie zu spät kam. Und da kann sie nicht anders sie muß

seinen Namen rufen, als wollte sie ihn damit wieder erweckenJürke! Jürke!" Dann verwirren sich die Gedanken von neuem sie sieht seltsame Dinge und nachher träumt sie. Heckart ist da und hat ihr einen Strauß Geranien gebracht. Ta kommt auch Jürke, und sie kämpfen, aber Jürke bleibt Sieger, und dann hat ec die roten Geranien, und er schenkt sie ihr Brennende

Liebe und dann und dann-

Sie hebt die traumschweren Lider, aber niemand ist bei ihr. Nur die Geranien, die liegen wirklich auf der weißen Bettdecke, wirklich! Zaghaft greift sie danach sie fürchtet, es könne noch immer ein Traum sein. Doch die Blumen verschwinden nicht, und da irrt ein müdes Lächeln um ihre Lippen. Schwester Marie ist aufmerk­sam geworden. Wie sie jedoch an das Lager der Patientin tritt, liegt diese schon wieder regungslos mit geschlossenen Augen. Aber der Pflegerin entgeht weder das leise Beben der gefaltetenHände, welche dieMnmen ans Herz drücken, noch die klaren Tropfen, die sich unter dm lange« Wimpern hervor über die Wangen stehlen, und Schwester Marie fühlt, daß nun weder sie noch der Doktor helfen können. Sie lächelt flüchtig und verläßt geräuschlos das Zimmer. Nach wmigm Minuten kehrt sie zurück. Gnädige Frau?"

Hadwig sieht langsam auf.

Es ist jemand draußm, der Sie gern scheu möchte Wer?"

Einer, der sehr um Ihr Leben gezittert hat, gnädige Frau, ein Totgeglaubter"

Schwester?!" In banger Frage hängen ihre Blicke an den Zügen der Pflegerin. Sie will sich aufrichten, aber Schwester Marie duldet das nicht.

Sie müssen mir versprechen, ruhig zu sein, gnädige Frau, sonst darf ich ihn nicht einlassm."

Hadwig sinkt in die Kissen nieder und atmet schwer.

,J.st es 0 sagen Sic mir die Wahrheit ist es Jürke Allmers?"