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Verlag Langgaffe 21

„Tagblalr-Haus".

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Sonntag, 3. Oktober 1913.

Morgen - Kusgabe.

Nr. 461. - 63. Iahrgang.

Der Urieg.

Mißglückte französische Angriffe in der Champagne.

Seit dem 24. September 10 932 Gefangene und 33 Maschinengewehre erbeutet. — Neue Uavalleriegefechte in tturland. — weitere Beute bei Smorgon. — Die russischen Gegenstöße östlich Wilna erlahmen. — Eine feindliche Stellung am Rormin erstürmt. — Llbermals 2400 Ge­fangene.—Gescheiterter russischer ourchbruchs- versuch westlich Sarnopol.

x

Der Tagesbericht vom 2. Oktober.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Okt. (Amtlich.)

westlicher Nriegsschauplatz.

Die Engländer suchten heute nacht das ihnen in de» Kämpfen der letzten Tagt wieder abgenommene Gelände nördlich von Loos im Gegenangriff zurück- zuerobcrn. Der Versuch scheiterte unter schweren blutigen Verlusten für den Feind.

Französische Angriffe südwestlich Angres, östlich Souchez, sowie nördlich Neuville wurden abge­schlagen. Die Anzahl der Gefangenen, die unsere Truppen in diesem englisch-französischen Angriffs­abschnitt bisher machten, ist auf 106 Offiziere und 3642 Mann gestiegen. Die Beute an Maschinen­gewehren beträgt 26.

In der Champagne griffen die Franzosen mit­tags östlich Auberive in breiter Front an. Der Angriff mißglückte. Nur an einer Stelle drang der Feind in unsere Stellung ein. Badische Leibgrena­diere gingen zum Angriff vor und nahmen 1 Offi­zier und 70 Mann gefangen. Der Rest des eingedrnn- genen Feindes fiel.

Französische Angriffe nördlich Le Mesnil und nordwestlich Ville-sur-Tourbe wurden abge­wiesen.

Bei der Abwehr der Angriffe während der letzten Tage zeichnete sich nordöstlich von Le Mesnil besonders das Reservcregiment Nr. 29 aus-

Die Gesamtzahl der Gefangenen und die Beute aus den Kämpfen nördlich von A r r a s und in der Cham­pagne erreichten gestern die Höhe von 211 Offizieren, 10721 Mann, 35 Maschinengewehren.

Der Bombenabwurf eines von Paris im Angriff auf Laon aufgestiegencn Flnggeschwaders hatte den Tod einer Frau und eines Kindes und die schwere Verletzung eines Bürgers der Stadt zum Erfolg. Unsere Abwehr­kanonen schossen ein Flugzeug südlich Lao» ab, dessen Jnsaflen gefangen genommen wurden. Ein anderes feindliches Flugzeug stürzte brennend über Sorsson ab.

GestNcher Riffeasfckauplatz,

Heeresgruppe des Generalfeldmarschall»

von kfindenburg.

Nördlich von Posta w v sind Kavalleriegefechte im Gange. Südlich des Naroczsces bei Spiagla und östlich von Wischncw wurde ein russischer Vorstoß abgewiesen. Bon stärkeren Angriffen nahm der Feind nach dem ver­lustreichen Frhlschlag des 30. September Abstand.

Unsere Truppen haben gestern bei Smorgon 3 Offiziere, 1100 Mann zu Gefangenen gemacht und 3 Maschinengewehre erbeutet.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern

Vor der Front der Heeresgruppe herrscht im allge­meinen Ruhe. Auch hier verzichtet der Gegner auf die Fortführung seiner Angriffe. Vor unseren Linien liegen viele Gefallene des Feindes.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Nichts Neues-

eeresgruppe des Generals von Linsingen.

Die feindliche Stellung bei Ezcrnysz (am Kar­in) wurde von unseren Truppen erstürmt. Der sind wurde nach Norden geworfen. Er ließ 1300 Ge- ngcne in unserer Hand.

An anderen Stellen der Front wurden weitere 1100 efangene gemacht.

Bei der Armee des Generals Grafen Bothmer itten die Russen in der Nacht vom 29. zum 30. Sep- mbcr einen Durchbruchsversnch westlich Tarno- >l unternommen. Der Versuch scheiterte völlig rter sehr erheblichen Verlusten für den Gegner. Bon rr einer Division sind bisher 1168 Russen bestattet, >0 bis 500 liegen noch vor der Front. Zahlreiche Ge- ehre wurden erbeutet.

Oberste Heercslritnug.

Bisher 3400 Gefangene am Rorminbach. — Die Italiener liefern sich abermals gegenseitig Gefechte. — Beschießung der serbischen Ufer­stellungen. — Montenegrinische Truppen in die Flucht gejagt.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 2. Okt- (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 2. Oktober, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

Die Kämpfe am Korminbach nehmen ihren Fortgang. Deutsche und österreichisch-ungarische Trup­pen warfen de» Feind aus dem in den letzten Tagen heiß umstrittenen Torf Czernysz. Tie Zahl der gestern mitgeteilte» Gefangenen erhöhte sich auf 5400. Unsere Reiterei hatte in gewohnter Weise zu Fuß fech­tend an den hier errungenen. Erfolgen ruhmreichen An­teil. Sonst verlies der Tag im Nordoften ohne beson­dere Ereignisse.

Italienischer Rriegsschanplatzs

An der Tiroler Front fanden gestern im allge­meinen nur Gcschützkämpfe statt. In der Gegend östlich der Sopra Cornelia (nördlich Roncegno) war in der Nacht auf den 1. Oktober lebhaftes G e- wehrfeuer hörbar. Von unserer Seite nahmen keine Truppen an diesem Gefechte teil. Im Cristallo- Gebiet wurde abends ein Angriff einer Alpini- abteilnng auf dem Sattel zwischen Rauchkofel und Schön- lcitenwand kurz abgcwiesen.

Ein gleiches Schicksal fanden an der Kärntner- Front wiederholte Angriffe gegen Stellungen auf den Malurch und westlich des Bombasch-GrabKns (nördlich Pontasel). Im Küstenland hat die Kampf­tätigkeit im Raume nördlich Tolmei» nachgelassen- Ein gestern abend eingesetzter Angriff der Italiener gegen den Tolmeiner Brückenkopf brach in unserem Feuer zu­sammen.

£ Südöstlicher Rriegsschauplatz.

An der S a v e f r o n t nächst der Kolnboramündung beschossen unsere Batterien, feindlicher Artillerie er­widernd, mit Erfolg die serbischen U f e r st e l l u n g e n. Bei Gorazdc jagten wir eine etwa 300 Mann starke montenegrinische Abteilung in die Flucht. — Östlich von T r c b i n j e unternahmen unsere Truppen, vom Feuer der Grenzsperren unterstützt, einen Strcif- zug auf montenegrinisches Gebiet; sie überfielen die feindlichen Posten und vernichteten einige Magazine.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f c r, Feldmarschalleutnant.

Belgier über Velgien.

Wir dürfen über die belgische Frage nicht sprechen, und mir wollen es auch nicht. Es hat keinen Sinn, oft Angedeutetes Mieder einmal in Andeutungen zu wie- derholen; aber selbst wenn nicht nur dies, sondern eine freie Aussprache statthast wäre, könnte niemand etwas Ersprießliches hiervon in eurem Zeitpunkte erwarten, in dern lder u ngehener st c Kampf toi Westen entbrannt ist und vielleicht große und endgültige Ent­scheidungen bringt- Wenn wir also das belgische Problem beiseite lassen müssen, insoweit es eine Einstellung vom deutschen Gesichtspunkte aus bedingt, so können wir ganz unbefangen und mit begreiflichem stärksten Interesse Kenntnis davon nehmen, wie sich diese Schick­salsfrage den Einwohnern Belgiens selber dar­stellt, vor allem den F l ä m e n. Für die Wallonen gibt es da wohl kaum eine Frage, ihr znm Wahnsinn aufgestachelter Haß geht aus unsere Vernichtung aus, jede Spur von Besonnenheit und Selbsteinkehr ist geschwunden. Was aber die Flamen betrifft, so wür­den wir nicht gut daran tun, vorzeitig in eine Entwicklung, die sich sichtbar vorbereitet, einzugveifen oder auch nur hineinzureden; lediglich beobachtend dürfen wir uns Verhalten, sind aber auch so schon über­raschend reichlich belohnt. Denn es sind nicht gerade alltägliche Dinge, die wir aus beul flämischen Gedanken­kreise zu hören bekommen. In der Zeitimg „T o e- kamst" hat der flämische Pfarrer Domela N i e u w e n- hüis Nyegard ein politisch-nationales Programm entwickelt, 'das die Einrichtung eines selbständigen König re ichs Flandern fordert, und zwar derart, daß Lüttich und das Maasta! deutsch werden sollen, während Flandern, wie gesagt, ein dem deut­schen befreundetes, aber durchaus unabhängiges Staats­wesen, ein freiwillig mit Deutschland sich verbün­dendes, gleichberechtigtes Ge r nia n cnv o I k werden muß. Es kann nicht unsere' Absicht sein, dieser Forderung kritisch und vom Boden unserer Interessen aus näher zu treten. Wir würden, wenn wir es doch täten, nur wieder in die Gefahr geraten, öin Problem

zu behandeln, dessen Erörterung gegenwärtig in der Lat nicht erwünscht sein kann. Aber merken wollen wir uns, wie ein F l ä m e das Heute und das Morgen seines Volkstums ansieht, und das jedenfalls ist und bleibt bedeutsam, daß solche Forderungen schon mitten rm Kriege ausgestellt werden können. So muß denn wohl dieser mutige Flame die Gewißheit haben, «Latz er nicht zu tauben Ohren spricht; es muß ein Widerhall da sein, eine Gemeinsamkeit des Wollens und StreLens, und Las ist denn allerdings für uns von äußerster Wich­tigkeit- Daß der Geister Pfarrer nun wirklich nicht ver- einsaint dasteht, das wird uns bewiesen durch einen Aussatz des flämischen Schriftstellers Fvederik van Ouverkerk in der Monatsschrift „Neue Rundschau" (Berlin, S. Fischer). Die Redaktion teflt mü, daß sie diesen Aufsatz „von vertrauenswürdigster Seite" emp­fangen hübe. Sie gibt ihn als Stinime eines Belgiers wieder, der aus germanischem Gemeingefühl und aus weitreichender geschichtlicher wie politischer Orientierung die Zukunft seines Landes anschaist. Der Verfasser beginnt mit der Anerkennung der natürlichen und aufrichtigen Teilnahme Deutschlands an der flämi­schen Bewegung. „Niemals", so schreibt er, ,chat Deutschland, seitdem ihm in den 60er Jahren des vori­gen Jahrhunderts sein historischer Beruf als germani­sche Vormacht ins Bewußtsein trat, seiner herzlichen Neigung zu der hochbegabten und geistig verwandten Nation untreu werden wollen. ... Es handelt sich nicht mehr um einen Sprachenkampf, sondern um die Forderung flandrischer Selbstregie- rung. Homerule für Flandern, sei es unter welcher staatsrechtlicher Form auch immer, das gilt als das einzige zweckmäßige Mittel zur Verwirklichung des flämischen Kulturprogramms — eine Entwicklung der Geister, die unter dem Eindruck der Kriegseveignisse sich überraschend schnell weiter vollzogen hat."

Das Hauptstück des wichtigen Aufsatzes 'gilt dem Nachweise, daß das unausgesetzte Streben der fran­zösischen Politik auf die Hinausschiebung der Grenze bis zur Schelde ging, während die britische Poli­tik Belgien immer nur als den Brückenkopf seiner Macht auf dem Festlande behandelt hat.. Damit wird uns ja nichts Neues gesagt, aber neu ist die Entschieden­heit, mit der dieser helgische Staatsangehörige die Poli­tik der heutigen belgischen Regierung veriuriteilt, die Forderung von Gebietserweiternngen für das wieder­hergestellte Königreich, eto festes militärisches und wirt­schaftliches Bündnis mit den Mächten 'des Bierverbcm- des, sodann Fallenlassen der Neutralität. .Der Verfasser verhöhnt dies Programm geradezu; an einer Stelle schreibt er: „Vollständig außerstande, seine krampfhaf­ten imperialistischen Eroberungen festzuhalten, sicht sich der kleine Gernegroß gezwungen, auch in miWärischer Hinsicht der Schildknappe Frankreichs zu werdem" Solche Gesinnungen also kann heute berests ein Flame hegen, und er kann sie ruhig aussprechen. Auf die For­derung dieses Schriftstellers, wonach Belgien in Zu­kunft ein, in einen flandrischen und einen wal­lonischen Teil auseinandevfallender Bundesstaat nach dem Borbilde der Schweiz werden soll, gehen wir hier ebensowenig wie aus das Programm des Gen- ter Pfarrers ein, es muß uns zunächst genügen zu er­fahren, wie es in denkenden flämischen .Köpfen aussicht. Nur ein Satz noch sei, ohne jeden Komlmentar (er hat , ohnehin Kraft genug in sich) hier wiedergegeben. Frederik van Ouverkerk schreibt: „Auch die 'heftigsten

Annexionsgegner (in Deutschland) Essen einräumen, daß Deutschland niemals in die Wiederher­ste llung der so g enannten Neutralität Bel­giens, so wie sie kurz vor dem Kriege war, einwWgen kann; Belgien darf nicht für England als der wohlbestellte Dungboden für alle seine fest­ländischen Intrigen erhalten bleiben. Dies wäre ein Ausgang, gegen den sich Deutschland bis zur Aufopferung seines letzten Mannes und letzten Groschens zur Wehr setzen müßte."

Kann es bei uns jemand geben, 'der a nider-s dächte? •

Die zurückgeworfenen Engländer.

Br. Berlin, 2. Okt. (Gig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Der Kriegsberichterstatter der „Deutschen Tagesztg." meldet aus Lille: Die Engländer greifen nach den verhängnisvollen Erfahrungen der ersten Angriffstage nicht mehr an. An den­jenigen Stellen, wo sie ihr Gasangriff in »nsere Linien ge­führt hatte, sind wir im Fortschreiten. Feldmarschrll French behauptete am 29. September, die Engländer hätten das ganze Gelände nördlich der Höhe 7V gewonnen. Sie hätten Fortschritte südlich von Loos gemacht und die Hohen- zollernredonte erobert. In Wahrheit haben wir das Gelände nördlich von Höhe 70 wieder ganz in der Hand. Die Bemühungen der Engländer, südlich von Loos vorwärts zn kommen, sind gescheitert. Bei der Rückeroberung der Hohenzollernredoute wurden 160 englische Gefangene gemacht.