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Der Roman

6^...=äi Morgen-Veilage des Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 230.

Samstag 2. Oktober.

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(4. Fortsetzung.)

Copyright 1915 by Carl Duacker, Berlin'.

Als Käthe durch den Saal ging, kam Horst Haide- brink auf sie zu. „Den nächsten Walzer müssen Sie mir

J chenken, Fräulein Käthe", sagte er in seiner lebhaften, iebenswürdigen Weise.

„Ick, nwchte nicht mehr tanzen — verzeihen Sie Mir . . ." Lat Käthe. Erstaunt sah der junge Offizier sie an.

„Sie sehen blaß aus", sagte er mitleidig. „Ihnen ist gewiß nicht gut — Sie haben zu viel getanzt — da trete ich gern zurück, obgleich ich es sehr bedaure — Sie tanzen prächtig, man hat Sie allgemein bewundert, als Sie mit Herrn von Neithardt tanzten . . ."

Ein zweifelndes Lächeln kräuselte Käthes Lippen- „Bewundert ist wohl fmum das richtige Wort", sagte sie. „Ja doch — "

„Ich bitte, Herr von Haidckbrink — lassen wir das. Ich sehe dort drüben Ihre Frau Mama — ich möchte m ihr. . . ."

„Also ich bekomme keinen Tanz?"

„Glauben Sie mir, es ist besser so", entgegnete sie- „Und sei'n Sie mir deshalb nicht böse."

Sie nickte ihm freundlich zu und entfernte sich. Er sah ihr nach, unschlüssig, ob er ihr folgen sollte. Da trat Wera auf ihn zu.

„Horst", sagte sie eifrig. „Ruth Gravenhorst ist noch nicht zur Quadrille engagiert, du mußt sie auff-ovdern."

Er soulfzte auf. Fräulein von Gravenhorst war reichlich zehn Jahre älter als er; sie machte den Eindruck einer geknickten Lilie — doch was half es? Er mußte als Sohn des Hauses in den sauren Apfel beißen und Ruth Gravenhorst zur Quadrille führen.

.Last du gesehen, wie der Nenhöfer mit Käthe tanzte?" flüsterte Wera ihrem Brüder zu, als sie ge- Meinsam durch den Saal schritten- ,^Ja — freilich. . ."

„Ist es nicht unerhört von ihm?"

„Wieso?" fragte er erstaunt.

„Mt keiner anderen Dame im Saale tanzt er —

g usgerechnet nur mit Käthe — das gibt böses Blut —> h möchte Käthe warnen . .

„Ich würde das an deiner Stelle lassen, Wem. Käthe könnte eine solche Warnung leicht als Beleidigung ans» fassen."

„Meinst du?"

„Ohne Frage. Weshalb soll der Neuhöfer nicht mit jhr tanzen?"

„Du kennst doch seinen Hochmut . . . seinen Stolz . . ."

„Vor der Schönheit kapituliert jeder Stolz, Schwesterchen", lachte Horst.

„Aber Käthe tut mir leid . . ."

§. M. S. Grille!

') Roman von Otto Elster.

(Nachdruck verboten.)

i ."wird vom «Amerika» orm verlanat. Würden 'pradjs. die in den Ver»

*) Die Formel „Copyright by kkchen Urheberrecht genau in dieser

die Worte nit^ kn der englik«ven _. ,

tcn Staaten von Amerika die offizielle Staatssprache ist, en. ko würde uns der amerikanische Urheberschutz verfemt

E ven und daraus uns und dem Autor ein großer Wirtschaft- r Schaden erwachsen.

„Ja, La hast du recht. Auch ich würde sie bedauern, wenn sie den Neuhöfer heiratete- Aber damn ist ja nicht zu denken! Dazu ist deine FreuvLin selbst viel zu stolz."

„Ich weiß doch nicht — wenn sie ihn nun gern hätte . .

„Das ist unmöglich."

Wera zuckte die Achseln. Da setzte die Musik zuv Quadrille ein, und inan mußte sich trennen.

Auch Käthe wurde von mehreren Herren ausgefor- dert, sie wies alle ab, sie wollte nicht mehr tanzen.

„Darf ich an Ihrer Seite Platz nehmen, gnädige Fmu?" wandte sie sich bittend an Fmu von Haide-- brink.

Als sie vorhin mit Horst geplaudert, hatte sie wohl den ernsten, besorgten Blick seiner Mctter bemerkt. Wie eine heimliche Warnung lag es in diesem Blick, zugleich aber auch wie eine geheime Furcht. Und dieser Blick hatte Käthe in ihrem Beschluß, nicht mehr zu tanzen, noch mehr bestärkt.

„Sie tanzen nicht?" fragte jetzt die Baronin-

„Ich bitte mir zu erlauben, an Ihrer Seite zu bleiben, gnädige Frau", entgegnete Käthe.

„Sie sind ermüdet — Sie haben mit Herrn von Neithardt etwas zu viel getanzt . . ."

„Ach, liebe gnädige Frau — jei’n Sie mir nicht böse. . . ."

Ihre Stimme zitterte und brach fast in den cm- steigenden Tränen. Begütigend legte Frau von Haida« brink ihre Hand auf die gefalteten Hände Käthes.

„Nicht so, liebes Kind", sprach sie leise. ,^ch weih ja, daß es nicht Ihre Schuld war- Aber sei'n Sie ein anderes Mat vorsichtiger. Ich meine es gut mit Ihnen <— Herr von Neithardt ist kein Tänzer für Sie — er hat mit keiner anderen Dame getanzt, das mußte notürl« lich auffällen . .

Beschämt und doch in ihrem Stolz verletzt, senkte Käthe den Kopf.

„Ich werde es mir merken, gnädige Frau", sagte sie mit Tränen kämpfend.

„Sie dürfen die anderen Herren nicht zurückweisen", fuhr die Baronin fort. „Das macht die Sache nur noch auffälliger. Sehen Sie, da kommt «wieder ein Herr/

-Ein junger Infanterie-Offizier trat näher. „Kann ich die lEhre haben, gnädiges Fräulein . - ."

Käthe erhob sich. Ihre Lippen kräuselte ein heim«' kiches, stolzes, verächtliches Lächeln. Sie reichte dem jungen Offizier die Hand. Mit «diesem durfte sie tanzen,

das «war ungefährlich!-—

4.

Den schattigen Waldweg entlang rollte langsam del hochrädrige Plrschwagen. Der tiefe Saud des Wege­imachte ein rasches Fähren unmöglich: so sehr die zwei flotten Jucker auch in den Zügeln knirschten und die seinen Köpfe schüttelten, sie -mußten sich schon der lang' sameren Elangart anbeguemen, Käthe hielt Zügel und -Peitsche, sah aufmerksam nach den nickenden