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Verlag: Langgasse 27.

Abonnenten.

SS. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. SO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Anzeigen-Preisr

Die einspaltige Petitzeile für lokale Auzeigeu 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

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Für die Aufnahme^ später eingereichtcr Anzeigen zur nächst-

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N«. 61.

Berlags-Fernfprecher N«. 2958.

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Klorgen-Ausgabe.

|ic Stellung der Arbeiter tu England zu Chmberlains MmlW?

Lemington, Newcastle on Tyne. Über diefiscal question" oder Mr. Chamberlain- Zollvorlage läßt sich viel schreiben und sprechen. Mein- Lnsichteir als Ackeiter und mein zehnjähriger Aufenthali m «Ätgland unter englischen Arbeittrn versetzt mich in die Lage, einige Mitteilungen macheir zu können. Mr. Chamberlain hat in seiner letzten Liverpooler Rede be­hauptet, daß die Ausländer die englische Industrie be- wubt hätten. Bis jetzt ist es aber noch nicht bewiesen, daß die englische Industrie durch den Freihandel gelitten hat. Andere Nationen sind in den letzten 30 Jahren natürlich auch vorwärts gekommen und haben einen zrüßeren Anteil am Welthandel als früher; aber die vtglische Fabrikatton, Warenausfuhr und Schiffahrt und der ganze englische Volkswohlstand haben doch im allge- Minen ganz erstaunlich zugenomnieir. Wo in Wirklich­keit ein Industriezweig eingegangen ist, liegt das nicht m der freien Einfuhr der betreffenden Waren, sondern «ran, daß der Unternehmer nicht das nötige Interesse für sein Geschäft an den Tag gelegt hat. Ich glatibe Wmpten zu- können, daß es viele Unternehmer hier in mgland gibt, die mehr von einem Rennpferde verstehen als von ihrem eigenen Geschäft.

Trotz des Aufschwungs öer .englischen Industrie will min Chamberlam den englischenJndustriekapitalisten eine Wmst erweisen und eine Vergütung zuwenden, die vor- -ugstveise aus der Tasche des Arbeiters genommen werden oll Es soll ein Einfuhrzoll von 10% auf die aus- mMschen Waren erhoben werden: Korn, Rindfleisch,

e«r, alles was vom Ausland kommt, soll verzollt Wer bezahlt nun den Zoll, wenn die Vorlage zur Ausfuhrrmg käme? Meine Antwort ist die: das ^Ze Volk bezahlt den Zoll selbst. Ich will versuchen, diele Ansicht der Arbeiter kurz zu begründen. Die Jn- »ustme in Deutschland, sowie in Amerika ist nicht gestern m vorgestern entstanden: sie hat sich in den letzten 30 Mren zu der gegenwärtigen Höhe emporgearbeitet.

es verstanden, alle neuesten Wissenschaften und mhmschm Erfindungen anszunutzen. In den größeren Giften in Deutschland arbeitet man mit der größten

8emL?» e -T "aAstehenLe Brief rührt von einem schlichten deutschen ^r her, welcher seit mehr als 10 Jahren in englischen N^rgw^en beschäftigt ist und schon in früheren Jahren Ä£to Srte e 1&Cr en6lif4e Arbeiter - Verhältnisse ge-

Feuilleton.

Nach dem Lüden.

Berlin, 1. Februar 1904.

Ij f* Diesem häßlichen Winter, öer eigentlich gar kein ^tmer rst, sondern ein ewiger November, grau, neblig, "aMlt, nimmt MeFlucht nach dem Süden" unheimliche Dimensionen an. Jeder,der's kau» ' tkub ach, vielleicht auch so mancher, der's nicht ii«d s. nach dem Lande, wo die Zitronen blühen smd V? Sorßeer hochsteht, und Italien und die Riviera m,: überflutet vom Strom der Flüchtlinge, die hier «ns'* " H£m Himmel und goldener Sonne die Wtnters- «ibill vergessen wollen.

die Toiletten zeigen! Denn das ist auch ein u. "?ötveck" in jenen sonnigen Gefilden, wo man ja »cnmch nichts anderes zu tun hat als das, und wo jlgjjPttfmaüße Umkleiden am Tage die wichtigste Be­tz,,.^" Schaufenstern der Modegeschäfte sieht man . « nvlicklich allerhand seltsame Gebilde, die, wenn man toit Ar betrachtet, vielleicht eine entfernte Ahnlichkeii

»lit Ski-L uicutriuix eine entfernte ngtutajtett

aufweisen. Es könnten aber eben so gut 8lum^ Fruchtkörbe sein, von grobem Stroh mit

snen oder Früchten gefüllt, mit grellfarbigen Bänd­el ivw °^ er Fsor reich garniert. Aber damit kein Zw.'i- das ist ihnen ein Schild angeheftet, darauf prangt

yj tne WortRiviera", und wenn auch ein zweifel- Mlger Spötter behauptet, cs seien wirklich Blumen-

L ^vuuet veyaupiei, es seren wirklich Btt best?» ^ochtkörbe von der Riviera, wir wissen's doch - ~~i es sind die Hüte, die an der Riviera getragen

»erden

sollen.

ie dlber die wirklich vornehme Dame trägt

kleao» i *° ^lbst in Monte Carlo nicht, wo doch alle

ch-j ."ö ber Welt sich ein Rendezvous gegeben zu haben >e r/rtr ® ic .. 1 £, erläj3t das neidlos einer anderen Klasse, trägt auch mit Vorliebe den mit wallenden »»«federn reichgarnierten Hut auS gezogenem

5er ln Schwarz zu jeder^Tvilette,' in °Weiß "zur ljx Gesellschaftstoilette paßt. Denn den Hut setzt Modedame den ganzen Tag kaum ab. Sie trägt ihn zum eleganten Dejeuner um 12 Uhr früh, wie im

Samstag, den 6 Februar.

Redaktions-Fernsprecher No. 52. 1804.

Sparsamkeit. Die Arbeiter in den Industriegegenden sind im allgemeinen besser geschult und an regelrechten Arbeitsgang gewöhnt. Der deutsche Staat hat die In­dustrie durch Verbesserung des technischen Unterrichts, durch eine einheitliche Gesetzgebung uitb andere innere Reformen gefördert und den großen Werken alle mög­lichen Erleichterungen zu teil werden lassen durch Fracht­ermäßigung, Bau von Kanälen u. a. m.

Mr. Chamberlain denkt nun durch Verzollen der ausländischen Waren in einer kürzten Zeit wieDerzuge- winnen, was einzelne Industrien verloren haben. Ver­schiedene englische Großindustrielle glauben aber daran nicht. 9tatürlich> hat Chamberlain einen großen Anhang, aber welche Leute sind- das? Große Landlords, die ganze Provinzen ihr eigen nennen, Besitzer von verschiedenen Fabriten, Geschäftsreisende und sonst Leute mit viel Geld, die eben nicht danach fragen, wer bezahü: ob der englische Arbeiter und Bürger oder der Ausländer, wemt es nur nicht von ihnen selbst bezahlt wird.

Das Wichtigste vor allem ist der Lebensmiittelzoll. Der meiste Weizen und die größte Muidvieheinftihr kommt, wie bekannt, von Amerika. Nun will nmn hier dem Bolke^ beweisen, daß der Amerikaner den Zollausschlag aus diese Waren bezahlen würde. Ich glaube aber ganz sicher, daß Amerika sowie Deutschland Mittel und Wege ftnden werden, sich schadlos zu halten; und wer würde zu leiden haben? Das englische Volk.

Welchen Nutzen hat nun England durch den Frei­handel gehabt? Der Freihandel hat den englischen Ar­beitern gebracht, was keine ausländischen Arbeiter be­sitzen, d. h. den höchsten Lohn, die kürzeste Arbeitszest und die billigsten und besten Lebensmittel, welche keine andere Nation aufweisen kann. Sie sind die kauf- krästigste Arbeiterschaft von ganz Europa. Me englische Arbeiterklasse ist nun auch der Ansicht, daß der einzu­führende Zoll nicht das Wohl der Arbeiter, sondern nur den Nutzen _ einiger Kapitalisten bezweckt. Sollte das Parlament in diesem Frühjah,re aufgelöst werden, dann wird Mr. Chamberlain finden, daß die Arbeirer berett- stehM, den Kampf gegen seinen Zolltarif auszunehmen, denn sie haben einseh.en gelernt, daß nur sie es sind, die die Zeche bezahlen sollen. Infolgedessen stellen sich die Arheiter hier immer mehr und mehr auf eigene Füße; denn sie haben erfahren, daß sie von den Konsewatchen und Liberalen wenig mehr erwarten können. Me FAflung zwischen Liberalen und Arbeitern verschwindet immer mehr und die Arbeiter sind bestrebt, eine selbständige Partei zu bilden. Man hat in vielen Wahlkreisen Arbeiterkaudidaten in Vorschlag gebracht und hofft bei der nächsten Wahl in vielen Bezirken einen Sieg davon- zntragen. e . d.

Das DurWnittMrWgen eines ErgänjUllgs- lieuerMltiiigen in unferni DeMe u. unserer Stadl.

Die Art und Weise der Veranlagung der Er- gänzungsstcuer hat es ermöglicht, unter anderem auch festzustellen, welcher Betrag an Vermögen durchschnitt­lich auf eine zur Ergänzmtgssteuer herangezogene Per­son entfällt. Im Preußischen Gesamtstaate waren das in dem ersten Jahre und in der letzten Periode der Er- gänzungssteuerveranlagnng, und zwar:

1895/96: 1902/04:

Städte. 78 728,17, M. 77 127,77 M.

Land. 40 446,11 412 58,84

Überhaupt . . . 55 468,22 58 310,87

so daß in der Zeit von der ersten (1895/96) bis zur letzten (1902/04) Ergänzungssteuerveranlagung mithin durchweg eine Vorwärtsbewegung vorhanden war. Wirft man einen gleichen Blick auf die betreffenden Verhältnisse unseres Regierungsbezirks, so erhält man folgendes Er- gebnis:

1895/96: 1902/64:

Städte .... 128 524,79 M. 142 807,04 M.

Land .... 28 128,44 .'31388,17

Überhaupt . . . 88 628,39 101 872,08

Unsere Ziffern für die Städte und unser Betrag für Stadt und Land zusammengenommen überragen die staatlichen Ziffern also ganz wesentlich, während das Ergebnis für das platte Land in unserem Regierungs­bezirk hinter demjenigen für den Gesamtstaat znrück- bleibt, eine Tatsache, die in den gerade nach dieser Rich­tung eigenartigen Verhältnissen unseres Wiesbadener Regierungsbezirks wohl ihre genügende Erläuterung findet. Die beiden Regierungsbezirke unserer Provinz Hessen-Nassau bieten, für Städte und Land zusammen­genommen, folgende Ziffern, und zwar:

1902/04

Kassel. 45 082,98 M.

Wiesbaden . . . 101 872,08 so daß wir, wie in jeder anderen steuerlichen Hinsicht, so auch hier, ganz wiesentttch vor unserem Schwesterbe. zirke stehen. Von den übrigen 86 preußischen Regie- rungsbezirken geht uns in Meser Beziehung nur ein einziger vor, nämlich der Stadtkreis Berlin, der in Meser Beziehung mit zu den Regierungsbezirken rechnet. Nach uns folgt der Regierungsbezirk Köln, und zwar mit 77 519,43 M., also mit schon wesentlich geringerer Ziffer.

Und was schließlich unsere Stadt Wiesbaden anbelangt, so entfiel in der Ergänzungssteuer-Veran- lagungsperiode 1902/04 auf einen Ergänzungssteuer­pflichtigen ein durchschnittlich veranlagtes Vermögen von 149 117,34 M.

ein Betrag, mit welchem unsere Stadt unter den zurzeit

luxuriösen Restaurant, wo man sich mit seinen Freunden

trifft, um 12 Uhr des Nachts.

Bei allen Kasino- und Gartenfestlichkeiten spielt der Hut eine besondere Rolle, er ist die Krönung der Toilette, er kann zwar eine einfache Toilette nicht durch seine Hypereleganz heben, dafür aber den Effekt der kostbar­sten und ausgeklügeltsten völlig vernichten.

S'g. 1 Fig. 3.

Zu weißen Toiletten, Me für festliche Veranlassungen in diesem Jahr das Beliebteste sittd, trügt man mit Vor­liebe sehr bunte Hüte, die durch raffinierte Farbenzu- sammenstellungen einen pikanten Kontrast ergeben. Ein weißer Chiffonhut mit einer überfülle der beliebten far­bigen flachen Kokarden, Me in Fahlrosa, PasteWlau, Blaßgrün, Hellviolett und Zartgelb künstlerisch angeord­net sind, ist von geradezu entzückender Wirkung. Schade, daß wir dies Kunstwerk unseren Leserinnen nicht in Farbig vorführen können. We Riviera-Toiletten können '

selbstverständlich auch bei uns als Gesellschastskleider ge­tragen werden, Me Promenade-Toiletten müssen nur in etwas kräftigeren Farben gewählt werden. Da ist ein entzückendes Promenadenkleid in hellchampagnerfarbenem Sammet, dem Liebling öer Wintersaison. Wenn man es in tabakbrauner oder tiefmyrtengrüner Farbe wählt, ist es völlig promenadengerecht. Dies Kleid (Fig. 1) hat den sehr neuen Doppelrock, dessen oberer Rock 20 Zenttmeter kürzer als der untere, ln etwa acht tiefe, unten ausgerundete Zacken geschnitten ist. Die Schütze gehen vorn bis über Knichöhe, hinten nicht ganz so hoch. Die Zacken sind mit runder, schmaler Rüsche aus aus­gefasertem Taffet eingefaßt, eine Garnitur, die vor etwa 25 Jahren auch einmal hochmodern war, wie der ganze Doppelrock. Der untere Rock ist durch einen schrägge­schnittenen flachen Volant aus gleichsarbigsm Tuch, ge­deckt, der mit runden, talergroßen Tupfen aus aufgeleg­tem festgekurbeltem Sammet in hellerer Nuance gemustert ist. Die Taille hat zunächst einen bis zum Gürtel reichen­den Einsatz samt hohem Stehkragen aus hellnuancierter Seide, die ganz bunt gestickt ist, man wählt dazu gern die prächtigen chinesischen oder auch Me türkischen Sticke- reien. Eine lose Taille aus Tuch mit Sammetauflagen in Blusenform läßt den Einsatz völlig frei, ein runbge- schnittcner Sammetteil läuft über Me Schultern und vorn an den Seiten herab in den Gürtel, mit Taffettüschen eingefaßt und mit Passementeriegrelots scheinbar gehal­ten. Ein schmaler grüner oder brauner Sammetgürtel durch eine Rosette in der Hinteren Mitte geschlossen, ver- vollständigt die hochelegante und doch sehr dezente Toilette. Die Ärmel sind bis zum Ellbogen ziemlich eng und erweitern sich dann in drei übereinanderfallende Volants . Ein in der Farbe paffender weicher Velvethut, graziös gebogen und aufgeschlagen und mit schattierten Straußfedcrn garniert, gibt dem Ganzen Vollendung.

Wenn wir eine Gesellschafts- oder Kasinotoilette (Fig. 2) in ihrer ganzen unendlich komplizierten Aus­führung schildern sollen, so versagt die Feder fast. Wie soll man auch dies Gemisch von Seide, Chiffon, Sttcke- reien, Sammet und Spitzen schildern. Doch versuchen wir's. Die Toilette ist aus maisgelbem Chiffon ge­fertigt. Der untere Rock besteht aus maisgelbem Taffet mit drei ausgeschlagenen Plissees besetzt. Der obere Rock ist vom Gürtel au zunächst dreimal eingekraust, fällt