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Samstag, 2. Oktober 1915.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 459. - 63. Jahrgang.
ver Krieg.
Defchetterter russischer Angriff bei Nowo-Alexi» uieks. — weiterer Raum am Rormin gewonnen — In den letzten Tagen 24l0 Gefangene. — vrei vergebliche italienische vorstötze gegen den Mrzli verh.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 1. Okt. (Nichtamtlich.) Amtlich »erlautet vom 1. Oktober, mittags:
Russischer Rriegsschauplatz.
I« Ostgalizien siel nichts Neues vor. Bei NowoÄlcxinicls scheiterte ein russischer Angriffs' versuch unter unserem Artilleriefcuer schon in der Vorbereitung. An der Ikwa und im wolhynischen Kestungsgebiet keine Änderung der Lage. Am Korminbach gewannen die Verbündeten erneut Kaum. Russische Gegenangriffe wurden a b g e w i e s e n. Fünf österreichisch-ungarische Eskadronen nahmen bei einem solchen Vorstoß des Feindes 2 Offiziere und 460 Mann gefangen und erbeuteten 1 Maschinengewehr. In den letzten zwei Gefechtstagen sielen in diesem Raum ist Offiziere und 2400 Manu des Feindes in Gesangen- k-haft.
Italienischer Rriegsschauplatz»
An der Tiroler und Kärntner Front fanden nur Geschützkämpfe statt. Die bereits gemeldeten Vorstöße gegen unsere befestigte Linie westlich des Bom- baschgrabcns wurden von den Salzburger Schützen abgeschlagen.
Gestern früh griffen die Italiener den Mrzli V e r h und die S ü d w e st h ä n g e dieses Berges mit starken Kräften dreimal vergebens an. Dabei erlitten sie sehr schwere Verluste. Angriffsversuche gegen einzelne Punkte des Tolmeiner Brückenkopfes wurden ebenfalls wie immer abgewiesen.
Südöstlicher Rriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Hinöenburg.
Zur Vollendung seines 68. Lebensjahres.
So oft noch in diesem europäischen Kriege eine frohe Kunde aus dem Osten zu uns drang, so oft Wir Anlaß zu Siegesfeiern fanden, immer wieder war es der Name eines Feldherrn, der über allen genannt wurde. Immer wieder ist das Bild dieses Mannes vor unseren Angen erstanden, wenn eine große Schlacht göschlagen, ein großer Sieg errungen ward: Das Bild des Volkshelden Hi »Idenburg, der heute sein 68. Lebensjahr fern der Heimat und fern von Haus und Hof verlebt.
Seit er die erste Schlacht bei Dannenberg gegen die vussrsche Übermacht gewann, seit er die halbasiatischen Horden in die Masurischen Seen jagte und die Moskowiter bei Wozlawec und Lodz aufs Haupt schlug, ist er uns immer lieber und teurer geworden, und nicht umsonst hat ihn der Dolksmund den Befreier Ostpreußens genannt. Es ist auch kern Geheimnis mchr, daß er zu dem vernichtenden Schlage, der die Russen am Dunajec und bei Gorlice traf, zu der Jagd, die sie über die ga-li- zische Grenze warf, einen Teil seiner besten, kriegs- göwvhnten Truppen hergab, und daß er damals jede Ruhmsucht, jeden Wunsch der Selbsthilfe «dem gemeinsamen Zweck unterzuordnen verstand. Zweimal vorher band er vor Warschau einen Teil seiner Streitkräfte un Schützengraben, während er selbst mit einer unvergleichlichen Rührigkeit von der ostpreußischen Defensive zur Offensive, vom Schutze, Ostpreußens zum Angriff auf Livland und Kurland und aus die polnischen Festungen überging. Hindenburg hat nie gleich den Wortlauten russischen Befshlshabern oder gar dem phrasengkschwo.lle- nen Joffre im Westen seine Vorstöße angekündigt, er Hot allezeit schweigsam gearbeitet, und dann erst, wenn er seine Zeit für gekommen erachtete, seine Stöße um so wuchtiger geführt. Die glänzenden Waffentoten, die er vollbrachte, haben ihn, soweit wir jetzt zu schauen vermögen, als größten Feldhercn der Gegenwart, wenn nid# aller Zeiten gezeigt. Erst spätere Geschlechter werden die Größe dessen, was er geleistet, ganz erkennen, sie werden in ihm, vielleicht noch weit mchr als wir' einen zweiten Hermann den Cherusker oder einen „Marschall Vorwärts" erblicken, der die bedrängten Lande mit eisernem Besen fegte und Russen und Asiaten gar manchmal das Schwimmen lehrte.
Trotzdem das Schlachtfeld im riesigen Bogen sich von Norden nach Süden weitete, trotzdem statt des Men
Heerführers noch drei andere für die imimer umfangreicher werdenden Operationen und Gruppen notwendig wurden, stcht Held Hindenburg noch immer als, Oberbefehlshaber /der gesamten Streitkräfte des Ostens an der Spitze. Und immer, of> es sich nun um eine Tätigkeit auf galizischem und wolhynischem Boden oder um Vorstöße aus der Gagend von Warschau, Brest- Litawsk oder hochaben im Norden handelt, ist es 'der eiserne Hindenburg, der im KönigÄschlosse seiner Ge- burtsstadt Posen die Pläne zur Zermalmung 'des Feindes schmiedet. Aber nicht allein seine Ruhmestaten sind's, die ihn uns immer näher brachten: aus Büchern, Anekdoten und Erzählungen haben wir im Verlaufe des Krieges so viele seiner ausgezeichneten und rein persönlichen Eigenschaften kennen gelernt, daß wir ihn für alle Zeiten ehren und schätzen müssen. Vor allein ist es da die schlicht vornehme, grundgütige Art seines Auftretens. die alle rühmen, die mit ihn: Msammenkamen. Dam Menschen Hindenburg war die Verehrung durch seine Truppen von Anbaginn gesichert. Waren sie doch stets van der sesten Überzeugung durchdrungen, daß ihr oberster Führer im Gegensatz zu idem blindwütenden russischen Nikolai Nikolasewitsch niemals unnötig und sinnlos Menschen hinopferte, sondern nur um der eisernen Notwendigkeit und des sicheren Erfolges willen auch Verluste an Menschenleben und Blutopfer wogte. Immer und immer wieder weist er alle, die ihm Dank und Huldigung dachringen. darauf hin. daß er, was erstrstten und errungen wurde, nur »den unvergleichlichen Truppen zu verdanken habe, die zu führen ihm die höchste Befriedigung gewähre.
So ist es nur zu verständlich, wenn heute an feinem Geburtstage, dem zweien, den er im Felde verlebt, das ganze de ursche Volk aus tiefinnerstem Bedürfnis heraus seinem Hindenburg jubelnde Glückwünsche darbringt. An Ehrungen und Lob wird H auch diesmal nicht fehlen. Hindenburg ist bis zu der höchsten Feld- herrnwüvde gestiegen. So manche Spendensammlung ist bereits nach ihm genannt worden, so manche Stiftung trägt seinen Namen oder steht unter seinem Schutze: überall in den Städten des 'Reiches erheben sich'Wahr- zeichen zur Nagelung, um auf feine Anregung hin Mittel für die HinteMiebenen Gefallener zu schaffen. Aber noch ist der Feind im Osten nicht gänzlich zerschmettert. Es wird noch an allen Fronten, im Norden, im Zentrum und im Süden genug zu tun sein, um das Ziel zu erreichen. Möge es unserem Hindenburg 'darum.vergönnt sein, noch viele Siege über den kosakischen Feind idavon zu tragen. Möge er «denSchrecken seines Namens, der auf Rußlands weiten Gefilden einen unheimlichen, ^gefürchteten Klang bekam, noch weiter hineintragen in Feindesland. Möge er auch endlich, wenn die Friodens- glocken läuten, siegesgchrönt und lorbeergeschmiückt in voller Jugendlichkeit heimkohren und die lhoihe Zahl seiner Jahre Lügen strafen. Dann werden sich auch noch weitere Zeichen ,der Anerkennung und der Ehren für ihn finden. Denn >was er getan, das wird ihnr Deutschland nie vergessen und nie vergessen 'dürfen. Kein Denkmal in Stein oder Erz wird «dazu gut genug fein. Es muß ein ewig dauerndes Andenken im Herzen auch der fernsten Geschlechter sein. Dr. A. H.
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Vermehrung des russischen R«kchsrates. folgen der Moskauer Tagung.
W. T.-B. Kopenhagen, 1. Okt. «Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Berlingske Tidende" meldet aus Petersburg: Zu der gestrigen Wahl vier neuer Mitglieder des Reichsrats, darunter zwei Vertreter des Handels, waren Wahlmänner aus dem ganzen russischen Reich versammelt. Gewählt wurden der Ottobrist Gutschkow, der Fortschrittler Graf Rjabuschinski, der Kadett Laptj ec und der Libe- rale Weinstein. Alle Gewählten sind Anhänger des liberalen Blocks. Wie dasselbe Blatt aus Petersburg erfährt, sind die Zeitungen „Djen", „Vestjernoe" und „Nowoje Wremja" wegen eines Artikels über den Kongreß in Moskau zu einer Geldstrafe von je 1000 Rubel verurteilt worden. — Gleichzeitig wurde der Kommandant von Moskau Fürst Jussupow seines Postens enthoben, aber als Generaladjutant des Zaren belasten.
Der Geleitsbricf für Dr. Dumba ausgestellt.
IV. T.-B. Washington, 1. Okt. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der englische Botschafter Spring Rice fyrt gestern morgen dem Staatsdepartement einen G e l e i t s b r i e f für den österreichisch-ungarischen Botschafter Dumba übergeben.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Eine vorgeschobene englische Stellung im Walde von fjooqe erstürmt.
Br. Berlin» 1. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zeus. SMn.)
Der Berichterstatter des „L^-A.", Karl Rosuer, meldet aus dem Felde vom L Oktober: 500 Meter südlich der Skratze
Meene-Upern, wo unsere Linie am meisten nach Osten einbiegt und ei» Borsprung der feindlichen Stellung am nächste« an unseren Graben heranreichte, ward unseren Truppen ei» schöner Erfolg bcschieden. Längst war diese vorgeschobene Stellung der Engländer im Walde südlich von Hooge als lästig empfunden worden. Die Gefahr lag nahe, datzi eines Tages ein Angriff ans dieser Ausbuchtung heraus erfolgen könnte. Diese Erwägung vccanlaßte den kommandierenden General des aus Truppen unseres westlichen Grenzlandes zusammengesetzten Korps, das hier vor dem Feinde steht, zur Wegnahme des unbequemen Grabenstückes. Für Mittwoch, 29. September, 5,30 Uhr nachmittags, war der deutsche Angriff angesetzt. Der Feind sollte von unserem Vorgehen in einem Gelände, in dem er selbst erst vor vier Tagen seine Minen hochgctrieben und angegriffen hatte, völlig L b e r r u m p e lt werben. Ganz nabe aufeinander, oft nur mit 10 Meter Abstand, sitzen dort die Gegner. Plötzlich wird dir Stellung dort vor uns durch einen jähcn Donner, als ob der Boden bersten sollte, unterbrochen. Unsere Jungen haben einige M i n e n st o l l e n, die tief unter die englischen Stellungen eingegraben waren, gesprengt, und was darüber lag, ist vernichtet. In diesem Augenblick geht eine wahne Hölle los. Entfesselt brüllen die Geschütze aus unserem großen angreifenden Abschnitte in einer Breite von etwa 2 Kilometer los. Drüben aber ans der anderen Seite anttvorten die Batterien der Engländer. Als das Feuer gleichmäßiger wird, gehen wir zur Feldstellung hinüber, wo sie telephonisch mit den ersten Gräben verbunden sind. Wir finden gute Röhrichten. Der gewaltige Trichter, den die Sprengungen in das vorspringende Waldstück geschlagen haben, ist von unseren Leute« im Sturm besetzt worden. Sie machten eine Anzahl Gefangene und erbeuteten drei Maschinengewehre. Ehre wie für diesen glatt durchgesührten Angriff gebührt dem gleichen Regiment auch für seinen Heldenmut am 25. September, als es vor dem Ansturm der Engländer einen Teil seiner Stellungen auf kurze Zeit räumen mußte, dann aber noch am gleichen Tage seine gesamten Positionen wicdergewann.
ver Vorstotz ver Rronprinzenarmee in ven Krgonnen.
Eine Beurteilung in der englischen Presse.
Br. Kopenhagen, 1. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Ein Pariser Bericht des „Dailh Mail" legt dem Vorstoß des Kronprinzen in den A r g o n n e n die höchste Bedeutung bei. Der Kronprinz verhindere da»^ mit das Vordringen der Alliierten gegen Challerange, das in französischen Händen eine Bedrohung der deutschen Vcrbindungsstraße der Argonneuarrnec und des Zentrums bedeuten würde
Bei Beausejour?
Br. Christiania, 1. Okt. (Eig. Drahrtmricht. Zens. Bln.> Der Pariser Berichterstatter des „New Dork American" berichtet über die Kämpfe in Frankreich, nördlich von Beaase j ou r: Mrs der Höhe vor dem Flusse Dumnvise sei der Kampf die reinste Schlächterei gewesen. Die Franzosen versuchten, die Deutschen in den Fluß hiueinzutreiben. Die deutschen Batterien aus dem anderen Flußufer brachten durch ihr furchtbares Feuer die vorstürmenden französischen Truppen zum Stehen, so daß diese sich damit begnügen mutzten, ihre eroberten Stellungen zu halten.
Kronprinz Rupprecht in Lille.
Br. Lille, 1. Olt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Kronprinz Rupprecht von Bayern besichtigte auf der Zitadelle von Lille die zahlreich dort Angebrachten ’ französischen Gefangenen aus der gegenwärtigen englisch-französischen Offensive. Der Kronprinz ließ sich von den französischen Gefangenen die neuen Stahlhelme, über welche die Gefangenen lebhaft Klage führten, zeigen, da ihnen die kesseiförmigen Ungetüme viel zu schwer auf dem Kopf lasten und trotzdem selbst gegen Querschläger und Sprengschüsie gar keinen Schutz bieten. Im Laufe des Tages trafen immer neue lange Züge von Gefangenen in buntfarbigstem Gemenge ein.
Auch Belgien soll keine weiteren Vorschüsse erhalten-
Br. Brüssel, 1. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Es erregt hier allgemeines Aufsehen, daß die englische Regierung sich geweigert hat, der belgischen Regierung in Le Havre weitere Vorschüsse zu leisten, und daß Frankreich sich ebenfalls ablehnend aussprach. Die englische Regierung will zwar 2 Millionen Franken hergeben, sie verlangt aber, da das Geld der Rationalbank schon verpfändet ist, die Eintreibung der zukünftigen belgischen Zolleirmahmen.
Der französisch-schweizerische Grenzverkehr gesperrt.
W. T.-B. Paris, 1. Okt. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Auf Ersuchen der Militärbehörden wurde die französisch- schweizerische Grenze zurzeit für den Personenverkehr von Frankreich nach der Schweiz gesperrt. Die Beförderung von Briefen, Telegrammen und Postpaketen, einschließlich solcher für Kriegsgeiangene, nach der Schweiz wird augenblicklich gleichfalls eingestellt. Außerdem körmen Telegramme nach gewissen Ländern ebenfalls, jedoch wicht länger als 48 Strip- den, zurückgehalteu werden, y r ' r \ \ \ Y ' * Y
