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Zreilag, 1. Oktober 1915.
klbend-Ausgabe.
Nr. 458. * 63. Jahrgang.
Die neueDurchbruchrschiachtim westen
Von General der Infanterie z. D. v. Blume.
Der fünfte im großen Stile unternommene Versuch der Feinde, unsere befestigte Linie im Westen zu ldurchbrechen, hat begonnen. Wenn er zur E n t I a st u n g ihrer in N o t befindlichen Verbündeten im © st e n dienen soll, so kommt er reichlich spät. Wie den: aber auch sei, so steigert er -die Spannung ber allgemeinen Kriegslage, und die Frage, üb er gleich den ihm vorausgegangenen ■— bei Neuve Chapelle, in ider Champagne, im Woevre und in Artois — erfolglos bleiben oder gelingen wird, beschäftigt naturgemäß die Gemüter hüben und drüben lebhaft.
Das von unseren Gegnern diesmal eingsschlagene Verfahren unterscheidet sich von dom in den früheren Fällen befolgten dadurch, baß der Angriff ldort sich gegen einen einzelnen Abschnitt der Front richtete, im gegenwärtigen Falle aber mit einer lebhaften Kanonade auf der ganzen Front begann, der an mehreren Stellen gleichzeitig ein durch überwältigendes Artilleriefeuer vorbereiteter Ansturm folgte. So haben am 24. d. M. die Engländer auf der Front von Ipern und südwestlich von Lille, die Franzosen in >der Ehampagne, SwischenReinks und denArgonnen, angegriffen. BeDpern wunde der Angriff blutig .abgeschlagen und ist seitdem nicht erneuert worden. An den beiden anderen Stollen gelang es den .Feinden, nicht -unbeträchtliche Teile unserer vordersten Linie, deren Verteiidigungswerke durch Artilleriefeuer zusammengeschossen waren, zu erobern. Mer alle Versuche, darüber hinaus festen Fuß zu fassen, sind an den nachfolgenden Tagen gescheitert, an verschrsdenen Stellen wurde seitens der Unfrigen bereits erfolgreich zum Gegenangriff geschritten. Dadurch ist die Hoffnung der Angreifer auf Gelingen des Durchbruchs, wenn nicht bereits gänzlich vernichtet, so doch auf ein sehr geringes Maß herabgesunken. Denn nunmehr hoben die Verteidiger Zeit gewonnen, starke Reserven an die bedrohten Abschnitte hevanznfüihren, und die Gegner können die durch zeitraubende Vorbereitungen erzielte artilleristische Überlegenheit, der sie hauptsächlich ihren ersten Erfolg verdanken, nicht mehr in gleichem Maße wie gegen unsere vorderste Linie geltend machen. Da das Eingeständnis ihres abermaligen Mißerfolges für sie schwer ist, so werden sie ihre Versuche, weiter vorzudringen, wahr scheinlich noch mehrmals wiederholen, aber der Ausgang wird kein anderer sein. Und schließlich könnten uns selbst die Folgen eines gelungenen Durchbruchs nicht erschrecken, denn die nächste Folge wäre voraussichtlich eine uns willkommene Feld sch lacht.
Daß wir am ersten Schlachttage nicht nur eine ansehnliche Zahl von Gefangenen >g.emacht, sondern auch solche verloren haben, ist -bei tapferster Verteidigung und nachfolgendem Verlust von Schützengräben unvermeidlich- Denn wenn die Verteidiger, wie cs ihre Pflicht ist, dem zerstörenden Artilleriefeuer mutig stand halten und beim Ansturm der feindlichen Infanterie -bis zum letzten Augenblick von der Feuerwaffe und dom Bajonett tapfer Gebrauch machen, und wenn ihnen trotzdem nicht gelingt, den Angriff ab- zuschlagen, so ist für sie ein E n t k o m m c n aus dem engen und tiefen Schützengraben unmöglich. Wer da nicht fällt, gerät in Gefangenschaft. Das ist ebenso unvermeidlich wie unter solchen Umständen der Verlust des in den Gräben befindlichen Kriegsmaterials.
Unsere braven Truppen aber, die nun im Westen seit einem Jahre standhaft und unverdrossen in den ihnen angewiesenen Stellungen ausgeharrt hoben, werden den gegenwärtigen Kampf besonders freudig durchfechten in der Hoffnung, daß der Erfolg den Zeitpunkt des siegreichen Vorwärtsschreitens näher bringt. *
Die Schlacht in Flandern.
Der Heldenmut der Deutschen bei der Verteidigung von
Loos.
Br. London, 1. ©ft. (Erg. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die englischen Berichterstatter melden Einzelheiten über den englischen Angriff in Flandern am Samstag. Unterm 28. September telegraphierten die Kriegsberichterstatter des „Daily Chronicle" und des „Daily Telegraph": Von Freitag ab hörte man die ganze Nacht hindurch das heftige Bombardement, das dem Angriff vorausging. Das Zentrum des Angriffes, das Dorf Loos, war auf 10 000 Meter Distanz zu stürmen» Die feindlichen Laufgräben wurden ohne große Verluste erreicht. Die dritte Verteidigungslinie war daher unversehrt und durch starke Stacheldrahtzäunc gedeckt; die noch nicht zerstörten Drahthindernisse boten den ersten großen Widerstand. Unsere Soldaten griffen jedoch mit Todes- perachtu»g au» obwohl sie dem mörderischen
Feuer der Maschinengewehre preisgegeben waren. Nur langsam konnten sic sich einen Weg durch die Hindernisse bahnen. Schließlich gelang es einer großen Truppe, hindurchzudringen; sie kam aber in ein entsetz- icheS Maschincngcwehrfeuer auf dem Kirchhof westlich des Dorfes, den wir passieren mußten. Es waren dort mehr als 100 Maschinengewehre ausgestellt. Es war 8 Uhr, als die noch nicht Gefallenen den Rgnd von Loos erreichten. Fast zwei Stunden dauerten die für ch t e r- ] t cf) ft c u S t r a ß cnkä m p f e, mehrere Bataillone waren im Handgemenge durcheinander geraten. Viele Offiziere m,urden getötet und verwundet. In den H ä u s e r t r ü m m c r n hielten sich die Truppen und benutzten die Keller als Laufgräben. Kleine deut- chc Abteilungen verteidigten sich mit dem größten Mut der Verzweifln na und wollten sich nicht gefangen geben, bis der letzte Mann gefallen war. Das aus vielen Häusern auf dir Angreifer gerichtete Schnellfeuer fügte den Engländern viele Verluste zu. Abteilungen von Bombcnwerfern mußten Vorgehen, um dem Feuer ein Ende z» bereiten. Der Berichterstatter schildert mit Bewunderung den Mut und die Selbstaufopferung der Deutschen.
Ein englischer Bericht über die furchtbaren Kämpfe bei Loos.
Berlin, 1. Oft. (Jens. Bln.) Der Korrespondent des „Daily Chronicle" schildert das Feuer, dem die stürmenden Engländer bei Loos ausgesetzt waren. Die ersten zwei deutschen Linien waren unversehrt geblieben. Als die Engländer sie erstürmten, ergoß sich aus den überall ausgestellten Maschinengeivehren ein tödlicher Strom von Blei über sie. Die Maschinengewehre befanden sich in den Fenstern der Häuser und ans den Kränen der Bergwerksschachte. Auf dem Friedhof südwestlich von Loos, den die Engländer durchschreiten mußten, standen nicht weniger a'ls 100 Maschinengewehre. Erst anderthalb Stunden nach Eröffnung des Sturmes hatten sich diejenigen Engländer, ivelche nicht gefallen waren, bis zum Rande des Dorfes durchgekänrpfi- Noch zwei Stunden lang wurde wütend in den Gaffen gerungen. Mehrere Bataillone wurden dabei aufgerieben, viele Offiziere getötet oder verwundet. Ein wütendes Handgemenge fand im Innern der Häuser statt. Die Häuser steckten voll deutscher Soldaten. Kleine Gruppen deutscher Soldaten wehrten sich mit dem Mut l>er Verzweiflung. Das Schnellfeuer aus den Kellern fügte den Engländern starke Verluste zu. Der Korrespondent schildert dann den ebenso mörderischen Sturm um die Höhe 70 und schließt mit einer Beschreibung der Kämpfe bei H ulluch, wo zahlreiche Truppen der neuen Kitchener-Armee eine so schreckliche Feuertaufe erhielten. Auch dort mußten die Engländer unzählige Maschinengewehre stürmen.
Die Kämpfe in der Champagne.
Der Feind fiel ebenfalls garbenweis.
Br. Köln, 1. Okt. (Eig. Drahtbericht. Zeüs. Bln.) Zu den letzten Kämpfen in der Champagne schreibt die „Köln. Volksztg.", daß dem Feinde in der Verwendung von Gasbomben günstige Windrichtung zustatten kam. Die deutschen Truppen kämpften gegen eine vier- bis fünffache Übermacht. Die deutschen Maschinengewehre und Geschütze mähten den Feind nieder. Trotz der Berge von Leichen wurden iinmer neue Kolonnen Franzosen herangeführt. Die feindlichen Truppen waren mit Proviant für acht bis zehn Tage versehen, was darauf schließen läßt, daß man mit einem völligen Durchbruch und schnellen V o r r ü ck c n durch Belgien . und Luxemburg rechnete. Der völlige Dnrchbruch sei aber mißglückt. Dem Vorstoß der Engländer ging ein furchtbares Geheul der wilden Völker voraus. Obwohl der Feind durch das deutsche Maschinengewehrfeuer garbcnwcisc in den Drahtverhauen nieder- gemacht wurde und liegen blieb, führten die Engländer immer wieder neue Kolonnen heran, die dasselbe Schicksal hatten.
6 französische Munitionsvepors durch deutsche Artillerie zerstört.
Sr. London, 1. Okt. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.)
In einem Bericht des Londoner „Standard" über die Kämpfe in der Champagne heißt cs, daß von den Kricgsvorräten der Verbündeten sechs französische Munitions- dcpots in die Lust geflogen sind, weil die Deutschen das Geschützfeucr der Verbündeten in äußerst intensiver Weise beantwortet Hütten.
Grotzherzog Ernst Ludwig an seine hessische Landwehrtruppen.
Darmstadt, 30. Scpt. Der Großherzog von Hessen sandte an die hessischen Landwehrtruppen, die an den gegenwärtigen Kämpfen im Westen besonders beteiligt waren und durch den Tagesbericht vom 26. September ausgezeichnet wurden, folgendes Telegramm: „Wieder vernahm unser
Hessenland von Heldenmut und Todesverachtung der hessischen Landwehr, welche dem feindlichen Ansturm erfolgreich standgehalten hat. Ich weiß, daß in der Heimat alle Herzen stolz und dankbar der hessischen Helden gedenken und mit mir Gattes fernern Beistand inbrünstig erflehen. Ernst Ludwig."
Unsere Dankbarkeit.
Der Anprall der Verbündeten im Wösten gegen unsere im Sturm und Wetter und Schützengraben erprobten Krieger war furchtbar und wohl vordere i- t e t. Wir lesen in den Berichten der ©bersten Heeresleitung die knappen, aber inhaltsvollen Zeilen über das, was dort geschah, und wir find erschüttert von 'der weltgeschichtlichen Größe und Bedeutung der Ereignisse, obwohl wir sie vielleicht in ihrer vollen Tragweite noch nicht zu ermessen vermögen, und von der herrlichen Standhaftigkeit, der todesmutigen Kraft in der Verteidigung und im Angriff, die unsere Truppen auch gegenüber dieser neuen Hölle bewiesen haben. Und wir sind alle felsenifest davon durchdrungen, daß die Wacht im Westen treu und unerschütterlich bestehen bleibt.
Aber sind wir, die wir daheimbleiben mußten, auch alle vollkommen erfüllt von 'der tiefen Daukbar- 2 c i t, die wir allen unseren Tapferen draußen schulden? Empfinden wir es alle auch genügend, was es heißt, in einem tagelangen Kugel- und Granatenregen auszu- harren um der Idee des Vaterlandes willen, was^ es heißt, nach solchen Tagen noch mit stürmender »Hand einem zähen, tapferen, zun, äußersten Widerstand entschlossenen Feind entgegenzutreten? Haben wir uns die Unsummen von leidenschaftlicher Vaterlandsliebe, von Idealismus, von Disziplin, körperlicher Ausdauer, Nerven- kraft klar gemacht, die sich >bei einem solchen gewaltigen Ringen bei unseren Soldaten in so n n v e r g I e schlich e e Weise zeigt? Sind wir nicht durch die vielen großen Erfolge unserer Waffen vielleicht schon etwas matt geworden in unserem Empfindungsleben, in unserer Dankbarkeit, kommt nicht vielleicht hier und !da die Auffassung zur Geltung, als 'Müsse das eigentlich alles so sein und brauche man von unseren Leuten etwas anderes gar nicht zu erwarten?
Ja, es ist richtig: von unseren Volk in Waffen ist etwas anderes als kriegerische Großtat nicht zu erwarten; wenn auch die Heere unserer Gegner wahrlich nicht zu verachten sind und jede Unterschätzung derselben ein verhängnisvoller Feh'ler wäre i — der beste «Soldat ist und bleibt doch der deutsche, weil er kriegerische Tugenden von Geburt mit sich bringt, weil er vortrefflich geführt und geleitet ist und weil er weiß, «daß er für sein Heiligstes zu kämpfen hat. Wer diese Gewißheit von der Unübertrefflichkeit unseres Heeres soll und darf unsere Herzen nicht schwächer schlagen lassen in beim Gefühl der unauslöschlichen Dankbarkeit für das, was alle, vom leitenden General bis hin zum bescheidensten Musketier allerorten geleistet haben, und auch für das, was sie in diesem westlichen Stellungskrieg leisten, der ja freilich für den oberflächlich HinschanendM nicht so „interessant)' sein mag wie jene große Bewegungsschlachten, wo die Entscheidung rascher heranreift.
Mit atemloser Spannung folgt ganz Deutschland den Ereignissen im Westen. Um durchzuhalten und zu siegen — und sie werden durchhalten und siegen! — brauchen unsere wackeren Truppen neben ihren treffsicheren Waffen denzündendenFunken der Begeisterung. Und auch wir daheim bedürfen der anfeucrnden Wirkung der unser .Wesen durchdringenden Begeisterungskraft. Sie soll und wird sich äußern in dem Ausdruck einer tiefen, ernsten, für unser Leben anhaftenden Dankbarkeit unseren Brüdern gegenüber, die gegen Tod und Teufel, rn .Wetter und Braus gekämpft haben und weiter kämpfen .für ihr Vaterland und zugleich für unser Heim, flir unseren Hof und Herd! __
von den östlichen Urlegsschauplätzen.
Die Notlage in Reval.
W.T.-B. Petersburg, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Rjetsch" ist Reval vollständig ohne Holz und ohne Lebensmittel. „ Rjetsch" fi ndet dies unbegreiflich, da Reval nicht belagert sei. Das Matt sagt, die Untecbeamten der Staatsbahn seien ihrer Aufgabe keineswegs gewachsen.
Der russische Generalstabsbsricht.
Erzwungene Zngeständniffc.
W. T.-B. Petersburg, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Der Große Generalstab berichtet vom 20. September: In der
Gegend nordwestlich F r i e d r i ch st a d t griffen die Deutschen ohne Erfolg die Dörfer Tschaach und Ligger nordwestlich B irschallen an. Wir wiesen diese Angriffe mit Geschütz- und Kleingewehrfeuer ab. In der Gegend von Dünaburg geht das Geschützfeuer ohne Unterbrechung weiter. Wir wiesen durch unser Feuer deutsche Angriffe ab. An der Front Dorf Getem-S v e nt e n und M edm u s ees dauert der .Kampf an. Einiae weniger bedeutendere Gefechte fanden in der Gegend des Dorfes Koziany, in der Gegend nördlich K remo, statt. Südlich Qschmjany griff der Feind energisch unfexe
