Verlag Langgaffe 21
„Tagblatr-HauS".
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12 Ausgaben.
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„Tagblaii-H-us" Nr. 6650-53.
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«ittag?°fü?dbe^Morgen-Ausg^A»'» ach mittags Berliner Schriftleitung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin-Wilmersdorf Güntzelstr. 66, Fenrfpr.: Amt Uhlaud 450 «. 451. ^agen und Piä^n wk^käne Gew"ädr^ubc?n°mmew
Zreitag, 1. Oktober 7913.
Morgen- Ausgabe.
Nr. 457. ♦ 63. Jahrgang.
ßorffchrettender Gegenangriff bei Loos
Oestlich vsn Zmorgon die feindliche Stellung durchbrochen.
Neue schwere Verluste der Franzosen und Engländer. — vollständige Vernichtung einer feindlichen Brigade, davon 800 Mann gefangen. — Bei Lmorgon über 1000 Gefangene, 0 Geschütze und 4 Maschinengewehre erbeutet. — Die Russen in Wolhynien weiter zurückgeworfen.
Der Tagesbericht vom 30. September.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Seht.
(Amtlich-)
westlicher Kriegsschauplatz.
Der Feind setzte seine Durchbruchsversuche gestern kur in der Champagne fort.
Südlich der Straße Menin - Nper « wurde eine von zwei englischen Kompagnien besetzte Stellung in dir Luft gesprengt.
Nördlich Loo§ schritt unser Gegenangriff langsam vor. Südöstlich von S o n ch e z gelang es den Franzosen, an zwei kleineren Stellen in unsere Linien ein- rudringcn. Es wird dort noch gekämpft. Ein französischer Tcilangriss südlich Arras wurde leicht abgewiesen. Zwischen Reims und Argonnen waren die Kämpfe erbittert.
Südlich St. Marie - ä - Py brach eine feindliche Brigade durch die vorderste Grabenstellung durch und stieß auf unsere Reserve, die im Gegenangriff dem Feinde 800 Gefangene abnahm und den Rest vernichtete. Alle französischen Angriffe zwischen der Straße Sommeptz-Sonain und der Eisenbahn Challe- range-St. Mcnchould wurde» gestern teilweise in erbittertem Nahkampfe unter schweren feindlichen Verlusten abgeschlagen. Heute früh brach ein starker feindlicher Angriff an der Front nordwestlich Massiges zusammen. Nördlich Massiges ging eine dem flankierenden feindlichen Feuer sehr ausgesetzte Höhe (101) verloren.
Ans den übrigen Fronten fanden Artillerie- und Minenkämpfe in wechselnder Stärke statt.
lvestlicher Nrieasschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von kfindsnburg.
Südlich von Dünaburg ist der Feind in die See- Engen von Wrsselowo zurückgedrängt. ,
Die Kavallcriekämpfc zwischen dem Dryswjatv-See und der Gegend von Postawa waren für unsere Divisionen erfolgreich.
Hstlich von S m o r g o n ist die feindliche Stellung im Sturm durchbrochen. Es wurden 1000 Gefangene sdarunter 7 Offiziere) gemacht und 6 Geschütze und 4 Maschinengewehre erbeutet. Südlich von S m o r g o u dauert der Kampf an.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» prtnz Oeopold von Bayern.
Feindliche Teilangrisfe gegen viele Abschnitte der Front wurden blutig abgewiefen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschall» von Mackensen.
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Die Russen wurde» am oberen Kormin in östlicher Richtung zurückgeworsen. Es wurden etwa 800 Gefangene gemacht.
Zwei russische Flugzeuge wurden aügeschoffc».
Oberste Heeresleitung.
»
verstärkte italienische slrlillerietätigkeit bei Golmein
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 30. September, mittags:
Ru bischer Rriegsschaupiatz.
Die Lage i> Ostgalizien, an der Jtwa und der Rutilow r ist unverändert. Im Sumpflande des Korminbaches erstürmten österreichisch- ungarische und deutsche Truppen mehrere Stützpunkte, wobei 4 russische Offiziere und 1000 Mann in Gefangenschaft fielen. 2 feindliche Flieger wurde» abgeschossen. Die k. rmd k. Streitkräfte in Litauen
wiesen rnffischc Angriffe ab. Die Kämpfe führten stellenweise zum Handgemenge. Der Gegner erlitt große Verluste.
Italienischer ttriegsschauplatz-
Au der Tiroler Westfront wurde in der vergangenen Nacht im Adamello-Gebiet gekämpft. Ein Angriffsversuch des Feindes auf den Paß westlich der Cima Presen« wuüie durch unsere Artillerie a b gewiesen. Auch bei der Mandrvnhntte mußten die Italiener »ach mehrstündigem Gefecht zurückgehen. Auf der Hochfläche von Vilgereuth griffen sie gleichfalls nachts unsere Stellungen zweimal vergebens an. Ebenso scheiterten an der Kärntner Front nächtliche Angriffe auf unsere befestigte» Linien westlich des Bom- dasch-Grabeus (bei Pontafel). Die Kämpfe bei und nördlich von T o I m e i n dauern fort. Bor dem M r z I i Br eh wich der Feind in seine alten Stellungen zurück. Gegen D o l j e griff er wiederholt an, wurde aber stets abgewiesen. Heute früh begann das italienische Artilleriefeuer gegen den Rannt vo» T o l m c i n, das schon gestern sehr lebhaft war, von neuem.
Slldvftlicher Rriegsschaupiatz.
Nichts Neues-
D«r Stellvertreter des Chefs des Generatstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Vas griechische Problem.
Berlin, 29. September.
Die Bedrängnis Griechenlands bildet den Angelpunkt der weiteren Entwicklung auf dem Balkan- Wir haben wieberhokt hierauf hin,gewissen, aber nran kann es mehrmals sagen, denn es ist von entscheidender Wichtigkeit. Wenn König Konstantin seine Politik ohne Rücksicht ans sein Kabinett ein- zurichten vermöchte, wäre die Verständigung zwischen Athen und Sofia, ohnewelche allendings der heutige Schwebezustand in störender Weise sortdauern müßte, vermutlich schon erzielt. Vermutlich. Ganz genau läßt es sich nicht bestimmen, weil Griechenland, wie wir ruhig zugeben können, eine unbeschränkt freie Wa'hl nicht hat und nicht haben kann. Denn die e ng li scheu Drohungen, hinter denen gewiß im Ernstfälle der rücksichtslose Wille zur Vergewaltigung eines widerspenstigen Mrttetstaates steht, schnüren die Bewegungsfreiheit Griechenlands beträchtlich ein. Das Land kann in der Tat gezwungen werden, dem Diervevband Heeressotge zu leisten. Das sind politische und militärische Realitäten, die darum nicht aufhören, wenn wir sie uns wvgleugnen wollten. Wer das wollen wir gar nicht, wir sehen vielmehr die Dinge ruhig, wie sie sind. Was Venizelos betrifft, so schlägt sein Herz zweifellos für unsere Feinde, jedoch ist er ein kluger Dtann, und er wird es zu würdigen wissen, was ein mit groß e n Mitteln unternommener B o r st o ß der Mittelmächte gegen Serbien bedeutet, wenn damit den Bulgaren die Harid gereicht und der Weg zum Agälschen Meer von Norden her geöffnet werden kann. So schwankt einstweilen noch die Wage der Entscheidung. Vielfach wird gefragt, warum Bulgarien nicht schon losgeichlagen hat. Aber die Frager sollten sich sagen, daß die bedächtige Politik des Königs Ferdinand und seines Ministerpräsidenten erst ganz ' i ch e r e n Boden unter den Füßen haben will, ehe sie an dem Kriege teilnimmt. Es ist da mancherlei zu berücksichtigen. Einmal die Ungewißheit des Verhältnisses zu Griechenland, sodann der wichtige Umstand, daß Kriege heutzutage mehr als je zuvor abhängig sind von dem Munitionsvorrat. So gut Bulgarien vorgearbeitet haben wird, so muß man doch immer fragen, woher der Ersatz für -den enormen Verbrauch von Munition kommen soll und kommen kann. Die Kriegführung Bulgariens wird also in selbstverständlicher Verknüpfung damit bleiben, in welchem Zeitpunkt die Bahn von Ungarn nach Mazedonien durch Niederringung des serbischen Widerstanbes srei- gemacht -werden kann. Diese Frage wird, wie wir überzeugt sind, den beteiligten Generälstäben keine hemmenden Sorgen bereiten: ober es handelt sich ^dabei um die Zeitspanne, und man kann es jedenfalls begreifen, wenn vorsichtig und ohne Rücksichtnahme auf d-ie Ungeduld der öffentlichen Meinung
bei rms und anderwärts vorgegangen wird. Nicht überflüssig ist es übrigens, daraus aufmerksam zu machen, daß die schwankende Politik Rumäniens wesentlich beeinflußt wird durch die Schwierigkeit, den im Kriegsfälle voraussichtlich bald zu erwartenden MunitronsMangel auszugleichen. Die Trupipen- zahl allem -macht es nicht, es müssen auch Granaten und Gewehrkugeln da sein. Von Rußland kann Rumänien nichts bekommen, denn Rußland hat selber keinen Vorrat an -diesen unentbehrlichen Dingen; von England und Frankreich ist Rumänien ab geschnitten. Uhr jedoch auf Griechenland zurückzukommen, so dürfen wir natürlich nicht glauben, daß eö seine bisher gezeigte Zurückhaltung gegen das Dringen und Zureden unserer Feinde aus Neigung zu uns gern sort- setzen möchte. Von Neigung zu uns ist keine Rede, aber die Interessen dieses Staates werden arg bedroht fein, wenn der Vierverband seinen Willen durchsetzt. Die Wkehr Griechenlands vom Dreiverbände setzte sichtbar erst ein, als I t a l i e n der Knecht Englands wurde, zwischen italienischen und griechischen Ansprüchen gibt es keinen Brückenschlag. Sodann kam mitbeftimmend noch hinzu, daß ein Erfolg der englischen und sranMi- schen Heere an -den Dardanellen alle nach den kleinasiatischen Küsten sich hinlenkmwM. Beffi»- b nagen der Griechen für immer schon im Keim vernichtet hätte oder vernichten würde. Freilich fit es mit dem Angriff auf die .Dardanellen und mit -dem dahinier- stehenden Ziele der Eroberung Konstantinopels eine sehr eigene und sonderbare Sache. Das Schlagwort, unter dem im Februar der DarÄanellenkrieg begann, lautete: „Jnternationalisierung der Meerengen". Dann aber erklärte Rußland, es muffe unbedingt Konstan- tinopel, also arich die Dardanellen als selbstverständliches Anhängsel, zu eigenem unbeschränkten Besitz bekommen, und dieser Formel stimmten England und Frankreich gezwungenermaßen zu. Die Probe aus die Rechnung wird ja nicht gemacht werden, die Dardanellen -werden gehalten werden, -und kein Zar wird in Konstantinopel triumphierend einziehen. Insofern braucht man nicht -weiter nachguforschen, ob der Verzicht besonders Englands aus Bewahrung des Gleichgewichts an den Meerengen ernstgemeint ist. Griechenland jedoch muß sich Wohl sagen, daß, wenn es zur Bekämpfung der Mittelmächte und der Pforte beitrüge, das russische Ziel zum schwersten Schaden des Hellenendolkes vielleicht wirklich erreicht würde, und hreMl mitzuhelfen weigert es sich. Ob auf die Dauer, das wissen wir nicht und können wir nicht wissen, aber die Entscheidung auch über diese Frage wird voraussichtlich aus den Schlachtfeldern im Osten und im Westen fallen.
Stimmungsumschwung zugunsten Bulgariens in Griechenland.
Die Opposition verlangt sofortige Kündigung des serbisch- griechischen Vertrags.
Br. Athen, 30. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Blll.) Hier hat sich innerhalb der letzten 24 Stunden ei» bedeutsamer Stimmungswechsel zugunsten Bulgariens vollzogen. Die Stellungnahme der öffentlichen Meinung wurde zunächst sehr durch das Beruhigungs- relegramm des Zaren Ferdinand an die hiesige Negierung beeinflußt. Sodann aber verbreitete sich wie ein Lauffeuer die von mehreren gut unterrichteten Blättern gebrachte Nachricht, wonach die Zentralmächte sich gegenüber der griechischen Regierung zur Bürgschaft verpflichtet hätten, daß Bulgarien keinerlei Angrifssab- sichten gegen Griechenland unterhalte. Die ganze Krisis hat dadurch an Schärfe bedeutend verloren und die Kampagne der Ententepresse ist gegenstandslos geworden. Alle Blätter der Opposition verlangen die sofortige Kündigung des griechisch-serbischen Bündnisver- - r a g S. DaS Parlament tritt morgen zusammen. Man erwartet hier eine entscheidende Erklärung des M i n i st e r - Präsidenten. Zu einer interventionistischen Politik würde er jedoch keine Mehrheit finden.
Ministerpräsident Radoslawow beabsichtigt eine Reise nach Berlin?
Br. Wien, 30. Sept- (Eig. Dra-Htbericht. Zeus. Mn.) Aus Sofia läßt sich das „Neue Wiener Journal" drahten, daß Ministerpräsident Radoslawow beabsichtige, in der nächsten Zeit nach Be r Li q au jafegn.
