Einzelbild herunterladen
 

Tjetmaefucrjt. &cr Bairnr fff rfchffgc- / debecft sich mit Blasen, &fe /ruersi eine klare, dann lriikie

«». Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

20,000 Abonnenten.

Arrzcigen-PreiSt

einspaltige Petitzcile für lokale Anzeigen Pfg., für auswärtige Anzelgcn 25 Pf«. Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., > - für auswärts 1 Mk.

Die

15

für die Abend-Ausgabe bis

AMitlKkA ^-NNlNfMk erscheinenden Ausgabe, wie für

Verlags-Fernsprecher No. 2958.

Uhr mittag« für die Morgen-Ausgabe bi» 3 Uhr nachmittags. Für die Ausnahme später eingemchter Anzeigen zur nächst-

AnzcigeiEÜfnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird »eine Gewähr übernommen, ,edoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

1804.

Dienstag» den 26. Januar.

Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Abend -Ausgabe.

n .1 I .1 .. I I ng

p Me« des englische« Wulallsms.

Mser Londoner u-Korrespondeut schreibt unterm ?3 er.

Soeben erfolgte die bedeutsame Ankündigung, daß die Kaaiermlg sich dazu verstanden habe, die Emission der 10 000 000 Pfd. Sterl. der Transvaal-Kriegs- beitragsanleihe, die von den leitenden südafrikanischen Goldminenfirmen garantiert wurde, zu verschieben. Merraschend ist das nicht, denn die betreffenden Garanten hielten innerhalb der letzten vier Wochen bereits zwei Konferenzen ab und machten gar kein Geheimnis da­raus, daß sie der bewußten Anleihe galten. Bei dem aeqenwärtigen Stande der Mi-nenindustrie reichen die Revenuen des Transvaals nicht einmal für den laufcn- hm Aufwand der Kolonie aus, und schon darum, sowie Mläßlich der außerordentlichen Depression i-mWertpapier- «schäst unterliegt es keinem Zweifel, daß die Garanten M dem größte Teile der Anleihe sitzen bleibm würden, «Miene sie jetzt. Die ganze Geschichte läuft aber auf M neues Armutszeugnis für die unionistische Regierung Maus, die auf Anstistm Mr. Chamberlains ihre ganze Poliük gewissermaßen im Leihamt eines halben Dutzends Mannesburger Firmen versetzte. Überhaupt gibt sich das Ministerium eine Blöße nach der andern. So ver­kündete der neue Kriegsminister soeben, er hätte, wie Sir Edward Grey es übersetzte, Mr. Brodricks großen Armee- reformplan auf den Kehrichthaufen geworfen. Der jugendliche Schatzkanzler Mr. Austen Chamberlain aber, der wun sein erstes Budget aufzustellen hat, prophezeit ein Defizit, oder glaubt wenigstens keine Zoll- und Steuerermäßigung eintreten lassen zu können. Letzteres ist von ganz besonderer Bedeutung, well es sich da um die Nichthaltung von Versprechen im Zusammenhänge mit gewissen, durch dm ungeheuren .Kriegsaufwand vercm- laßtm Erhöhungen handelt. Der frühere Schatzkanzler gewährte lediglich einen teilweism Nachlaß auf die Ein­kommensteuer, aber Tee, Tabak, Zucker und -geistige Ge­tränke, sowie Spiritus für industrielle Zwecke bliebm im vollen Umfang belastet, wiewohl seit dem Kriege bereits mehr als anderthalb Jahre vergangm sind. Mr. Austm Chamberlain vermag auch nicht die geringste Beschrän­kung der riesigm ordmtlichm Ausgaben zuzusagen, die im letzte Wirtschaftsjahre die fabelhafte Steigerung um 45000 000 Pfd. Sterl. gegen das dem Krieg unmittel­bar vorhergegangene Jahr zeigtm. Mr. Arnold Foster verspricht zwar für die Zukunft allerhand _ Ersparnisse, behauptet aber, der Heevesauswand ließe sich vorläufig nicht ermäßigen. Die Unkosten für die Marine wachsm sogar von Jahr zu Jahr in der verschwenderischstm Weise, und gleichzeitig iverdan dem Staate immer neue Lasten üufgÄaden. Gegenwärtig z. B. finden zwei ungeheuer kostspielige Expeditionen statt, derm eine die gegen den

Mad Mullah in Somaliland, bereits über ein Jahr währt, indes die andere, nach Tibet unternommen, teuft die weitgehendsten Verwicklungen zur Folge haben könnte. Auch die Allianz mit Japan,die das Werk, der gegenwärtigen Regierung bildet, gehört zu denjenigen Schritten, die die Resultate der von Mr. Chamberlain an- geregtm ultra-chauvinisfischm Strönnmg sind und ein vollständiges Mißachten oder Verkennen der wahren In­teressen Englands dokumenüeren. Während der letzten vier Jahre wurde das Land seiner stolzm, gebietenden Stellung im Mittelpunkte der Weltfinanz beraubt, und Mt. Chamberlain war soeben unverfroren genug, das vor einer großen Versammlung leitender Citymänner auf den Freihandel zu schieben, und es als ein Argument zu­gunsten seiner Schutzzollpropaga-nda vorzubringeu. Man unterbrach ihn bei dieser Gelegenheit zwar mit dem Zu­rufKrieg", was dengroßm Mann" aber nicht abhielt, nach seiner Art weiter zu argumentieren. Was Wunder, daß man unter dm Liberalm daher auch jetzt den Verdacht äußert, der junge und der alte Chamberlain manipulier­ten im Interesse der Zollpolitik des letztem das Budget John Bulls.

Deutsches Deich.

* Hoi- und Personal-Nachrichten. Anfangs Februar trifft bas großherzoglich mecklenburgisch-fchwerinisch e P a a r als Gast des K a i s e r s in Wien ein und wird in der Hofburg Wohnung nehmen. Zu Ehren desselben findet ein Galadiner statt, bei welcher Gelegenheit bas Herzogspaar Cumberland die Prinzessin Alexandra als Braut dem Kaiser vorstellen wird.

Rach einer Meldung desB. T." aus Dresden wurde gestern im Ehestreit S ch ö n b u r g - W a l d e n b u r g die An­fechtungsklage der Prinzessin wegen Bermögensherausgabe ver­handelt. Der Prinz war zugegen. Die Entscheidung wurde aus-

^^Der Kommandeur der 1. bayrischen Division, General von Könitz, hat seinen Abschied erbeten.

* Znm Tod des Herzogs von Anhalt. Am Sterbebett des Herzogs von Anhalt war, wie derLo-tal-Anz-mger" berichte, die ganze herzogliche Familie versammelt. Be­reits 18 Stundm vor dem Tode hatte -der Patient bas Bewußtsein völlig verlorm. Die Veranlassung zu der Lähmung, bie dm schlimmm Ausgang unmittelbar her- beiführtv, wird in einem Sturz aus bemSchlittm gesucht, dm der Herzog vor etlva 8 Tagm erlitt. Im Laufe der gestrigen Morgenstunden trafen bereits viele Beileids- Telegramme ein, zuerst eins, bas der Kaiser an dm neuen Herzog richtete. Ter Herzog wurde als Sohn des Herzogs Leopold und dessen Gemahlin gebormeFriederike von Preußen am 29. Aprll 1831 zu Dessau geboren und übernahm die Regierung der 1863 wieder vereinigten anhaltischen Lande nach dem Tobe seines Vaters am 22. Mai 1871, nachdem' er kurz zuvor aus dem Kriege gegen Frankreich zurückgekehrt war. Er wurde 1851 in ber preußischm Armee als Oberleutnant ä la suite des 1. Garberegimmts zu Fuß angestellt. Am Kriege gegm Dänemark nahm er 1864 beim Stabe des Prinzen

Albrecht von Preußm tell. Im Dezember 1866 ruckte er znm Generalleutnant auf. Am Kriege gegm Frank­reich nahm er beim Generalkommando des 4. Armeekorps teil und war mit bei Bvaumont, Sedan und mehrerm Ausfallgesechten vor Paris. Am 22. März 1873 würbe er zum General der Infanterie befördert. Vermählt war ber Herzog mit Antoinette Prinzessin von Sachsm-Altm- bürg seit dem 22. Aprll 1854. Er würde demnach im Aprll dieses Jahres seine goldene Hochzeit gefeiert haben, zu der bereits vielste Vorbereitungen getrossm warm. Aus der Ehe sind vier Söhne und zwei Töchter hervor- gegangen, von denen Erbprinz Leopold gestorben und Erbprinz Friedrich die Regierung -antritt. Unter der Re­gierung des stets humanen und' mildtätigen Herzogs Friedrich hat Anhalt eine erfreuliche Entwickelung nach aufwärts gmommen. Handel und Wandel blühte auf, und alle kulturellen Forderungen fanden _ unter.dem Regime des Herzogs und seiner Ratgeber ein geneigtes Ohr.

* Rundschau im Reiche. , Nach einer Meldung der Vossischeu Zeitung" aus Essen beschloß ber Gesamt- Vorstand der Vereinigte Krieger-Vereine des Industrie- Bezirks den Ausschluß aller Mitglieder, welche dem alte sozialistischen Bergarbeiter-Verbande angchörtm.

Ein Strafmandat über 30 M. erhielt ber verant­wortliche Redakteur desPolenblat-tesDgiennikBerlinski", Gozdziewicz in Berlin, wegm Anfn-ahme eines Inserates in den ein Goldarbeiter Krawattennadeln und Broschen mit dem polnischen W a p p e n zum Kauf offerierte. Der Goldarbeiter erhielt bas gleiche Stvas- manbat.

Der AMand in DeulsüMdMaMa.

yd. Berlin, 25. Januar. Über die Lage in Deutsch- Sudwestafrika liegm hmte wieder weniger günstige Nach- richtm vor. Der Kommandant des Kanonenbootes Habicht" meldet ans S w a k o p m u n d:Bahn noch immer unterbrochen, hinter Karibib wieder durch Regen zerstört. Zug ging gestern nur bis Kilometer 209." Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" will aus zuver­lässiger Quelle erfahren haben, in dem Distriktsort Malta­höhe versuchten die eingebormm Polizisten. Arbeiter und Gefangene, die Abwesenheit des Distriktschefs, ber sich auf einer Expedition befand, zu einer Meuterei zu be­nutzen. Doch besteht ein direkter Zusammenhang 'dieser Meuterei mit dm Bondelzwarts-Unruhm nicht. Die Ruhe konnte ohne Mühe wieder h-ergestellt werdm.

hd. Berlin, 25. Januar. Nach teer Kieler Depesche 'desBerliner Tageblattes" tritt der Stab des Marine-ExpMtion-s-Korps b'ereits am 1. Februar dic Ausreise nach Swakopmund mit dem DampferAdolf Wörmann" an. Der endgülsigm Bestimmung zufolge werben keine Dispositions-UrkMiber in das See-Bataillon eingezogm.

Die Nevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(86. Fortsetzung.)

Währenddes tvar aus einem Hinterpförtchen bes Hofes ein Knecht geschlüpft und eilte über die Wiesen weg gen Queckmvade zu, einem Dorfe, dessm Kirchturm in der Ferne über Ob-schäume schaute. Der Knecht war des Sinnes, die Queckenrader zum Heerbann aufzubiete, und wo er unterwegens hastig in einem Gehöft vorsprach, da sah man alsbald Herren und Knechte auch einige hand­feste Mägde tatm mit mit alten Flintm, mit Dresch- slogeln und MistgahÄn bewaffnet hervorbrechm und dem Dorf entgegenziehm.

Jnzwischm hatte die Vorposten ber Freischärler ge­meldet. daß es in der Gegend lebenbig werde. Dom Walürande aus konnte man sehm, daß in der Ferne von Kronsdors nnd Prüttinghausm her einzelneTrupp s yerangezogen kamen, auch hörte man, daß plötzlich in Queckenrade die Sturmglocke ihre schrillm Töne über das niedliche Gelände sandte.

.Wir müssm weiter, wenn wir nicht von allm Seiten ttngeschlossm werdm sollm", brummte Mirkenbach.Zu einem rechten Kampfe sind unsere Kerle jetzt doch nicht aufgelegt, und schließlich haben wir auch andere ZiÄe, Äs uns hier mit Bauem und Mirgerwehrm herumzu- schlagm."

Ich denke, ohne Kampf wird es doch nicht abgchm, und ich bin nicht traurig darum", sagte Schwertseger zu chm.Einm großm Tell der Lumpe sind wir schon kos gsvordm und ein Gefecht wird die Spreu nun wohl end- Mtig vom Weizen sondern."

,Cs wird wohl auch vmu Weizm nicht viel übrig Aeiben", meinte der andere.Wmn loir das von unserer Streitmacht abgiehm, was hier besoffen herumliegt und leinen Rausch ausschlafcn will,, und bas, was sich noch

dünne macht, bann sind wir so geschwächt, baß wir der Halste von dem ,was gegm uns heranrückt, nicht stand­halte könnm. Wir dürsm jetzt an nichts anderes denken, als mit heiler Haut zu mtwischen."

Es wurde zum Sammeln geblasm: Mirkenbach teilte in wenigm Wortm dem Häuften, das sich zusammenfand, mit, wie sich die Situasion gestaltet habe und daß nur im eiligen Weitermarsch nnd in festem Zusammenhalt ein Entkommen aus der von Feindm wimmelndm Gegend möglich sei.

Die geschwächte Kolonne setzte sich wieder in Bewegung: aber noch war sie kein halbes Stündchen weiter marschiert, als es dmüich wurde, daß eine von Queckenrade auf dm unfem wieder beginnenden Wald heraneilende Bauern­schar den Versuch machm wollte, den Freischärlern dm Weg abzuschneidm, währmd diese nicht allzuweit hinter sich schon die Trommeln der aus dem Städtchm hervor- gebrochmm Bürgerwehrm vernahmm. Die Gefahr wuchs von Mnute zu Minute. Ein alter Sttebruch, der am- Waldrand gelegm war, schien Mirkenbach als gute Stellung geeignet, weil sich von dort hinter dm herum- liegmden Felsblöckm her das fteie Feld beherrschen ließ und der Wald im Rückm teige Deckung gewährte und einm Rückzug leichter machte. Das Hcmpttveffm wurde also in dm Steinbruch verlegt. Eine Wtellung unter Schwertfeger und eine andere unter Gottfried sollte die Flanken decken und die Feinde an einer Umgehung durch dm Wald hindern.

Schnell sammelte der Kaufmann^ noch einmal seine wenigen Vertraute um sich.Die Situation ist so heikel, als nur möglich", sagte er.Auf den Mob ist kein Ver­laß und wir sind rmserer zu wmig, um die Bande anzu- fmern und zusammenzuhalten. Es ist möglich-, das wir in teer hakbm Stunde zersprengt und- aufgerieben sind. Dann muß jeder von uns sehm, wie er sich rettet, jeder für seinen Kops allein. Ihr wißt, tvelche Anordnungen ich für alle Fälle getrossm habe. Bis zur Pfalz werden wir nicht mehr durchkommm, denn die -durch die nmestm

Berliner Versprechungm beseligte Bürgerschaft erstiM

in Loyalität und wird überall dieRebeltejagd als schönen und patriotischen Sport üben. Es wirb uns also nichts übrig bleibm, als einzeln durch die Wälder nachdem Rhem zu mtkomm-m. Ihr wißt die Stelle, wo der über- morgm von Köln zu Tal fahrende Holländer auf das bewußte Zeichm hin ein Boot aussetzt, um FlüchÄinge an Bord zu nehmen und zu versteckm. Wmn's also hier schief geht, -dann, gute Leute, dann auf Wiodersehm jenseits der Grenze!"

Unsere ganze schöne Sache scheint mir ins Wasser gefallen", sagte der Hammerschmied zur Hellen mit be­wegter Stimme.Wir haben wohl unsere Kräfte über­schätzt ..."

Nein, nur dm Freih-eitsdrang der Philister und die elementaren Kräfte im Proletariat," fiel Gottfried ein.

Gleichviel," fuhr der Hammerschmieds fort,wir, die wir hier stehm, sind brave Kerle, und keiner hat dem andern was vorzuwerfen. So wollm wir uns.dmn wenigstes noch einmal -die Hände schütteln."

-Älle tatm, wie zur Hellen gesagt. Schwertseger und Gottfried aber umarmten sich, und der Kaufmann sagte mit Tränen in dm Augen:Ich bin zwanzig Jahre alter als Sie, Gottfried. Junge, und mir ist jetzt nicht anders, als wärst du mein Sohn und ich dein Vater. Dort hast d u zu kämpfen und da hinaus ist mein Posten. Es ist möglich, daß wir hmt' getrennt werden und aus- teanderkommen. Aber ich Hab' so'n G'efühl in mir, als wenn ich doch zu -dir sagm dürfte: Wir werdm uns nicht verlieren auf dieser Welt. Halte dich wacker, mein Junge!"

Auf Wiedersehm, auf ein frohes Meders-chen, mein Freund, mein Vater!" schluchzte der junge Mann, und dann begab sich alles aus den zugewiestnm Posten.

Unterdes war ein Haufe von Bauern auf etwa zwei­hundert Schritt herangerückt, vorsichtig hinter dm Fel-d- h-ecken nähersch-leichend. Nun standen sie -Hinte einem- kleinm Gehölz und Hielte Kriegsrat. Einige schlugm

§