Morgen.veilage der Wiesbadener Tagblatts, i « ■ ■■
Nr. 228. Donnerstag. 30. September. 1915.
(L Fortsetzung.)
S. M. S. Grille r
Copyright 1815 by Carl Duncker, Berlin*.*) Roman von Otto Elster.
lNu "idruck verboten.)
„Sollte Herne Mama da nicht von einem geheimen Wunsch geleitet werden?"
„Wie meinst du das?"
„Na — er und du ihr paßt doch schr gut zusammen. . - ."
Wera lachte lustig auf.
„Was du dir denkst!" rief sie. „Der Neuhofer und ich — wir sind ganz gute Freunde — aber weiter geht es nicht. Er denkt ja gar nicht daran, sich der Unbe- guemlichkeit einer Ehe auszusetzen. Und nun gar mich! *— Ich Lin ihm viel m häßlich. . .
„Aber. Wera- ..."
„Ja. wenn ich deine Gestalt und dein Gesicht besäße! Am letzten Sonntagabend, als wir Bridge spielten, hat er ja nur Augen für dich gehabt. Nimm dich in acht, Küche, daß du dein Herz nicht verlierst."
„Sei ohne Sorge", entgegnete Köche lachend, während ihre Wangen dennoch ein leises Rot überhauchte. „Ich komme hier doch gar nicht in Betracht."
„Wer weiß . . . doch da fährt er schon in den Hos Lin!"
Mit einer eleganten Wendung fuhr der Netchofer an der Rampe des Herrenhauses vor, sprang von dem Magen und begrüßte die jungen Damen.
Ein Diener kam eilig herbei, in der Haustür erschien Frau von Haidckrink.
„Guten Morgen, Herr von NeicharÄt —- wie schön, daß Sie kommen —"
Er küßte ihr die Hand.
„Wenn ich gewußt hatte, daß Sie meiner bedurften, wäre ich schon eher gekommen, gnädige Frau", sagte er zuvorkommend-
„Sie kommen gerade recht zum zweiten Frichstück."
„Das ich mit Dank annchme — ich wollte heute Morgen einen Dock schießen, ist mir aber nicht gelungen . . . nun Hab' ich allerdings einen schönen Hunger" setzte er lachend hinzu.
„Also dann bitte ich — im Speisezimmer ist alles bereit . . . ."
Bald saß man um den mit allerhand guten Sachen bedeckten Frühstückstisch.
Wie immer, wenn Neithardt zugegen war, zeigte sich die Baronin von der liebenswürdigsten Seite ihres Wesens. Sie plauderte lebhaft und lachte sogar oft in jugendlicher Weise. Für ihren Gast war sie von der größten Aufmerksamkeit. Neithardt hatte sich sonst diese Liebenswürdigkeit der noch immer hübschen Frau gern gefallen lassen, aber heute schien er zerstreut und unaufmerksam: sein Blick schweifte oft zu Käthe hinüber, die Eich mit Wera leise unterhielt, um die Baronin in ihrem Gespräch nicht zu stören. Käthe sah heute morgen aber
*1 Die Formel .Copyright hy . . ."wird vom amerikanischen Urheberrecht genau in dieser Form verkamt. Würden Mr die Worte nicht in der englischen Sprache, die in den Berel waten Staaten von Amerika die offizielle Staatssprache ist, setzen so würde uns der amerikanische Urheberschutz verfemt wachen und daraus un« und dem Autor sin grotzer Wirtschaft» Kcher Schaden erwachsen. . . . , »
auch gar zu reizend aus: die frische Morgenluft, die Er« regung des Tennisspiels hatten ihre sonst etwas blassen Waugen lebhaft gerötet und in ihren tiefblauen Augen einen Glanz hervovgerufen, als spiegele sich der sonnige, wolkenlose Junihimmel in ihnen. Sie saß so, daß das volle Sonnenlicht, das zur offenen Bevandatür herein« strömte, sie mit goldenem Glanz umflutete. Ihr Herr« liches blondes Haar leuchtete wie eine goldene Krone auf; ihre feine Gestalt glich einem auf Goldgrund ge» malten Bildnis- Sie mußte jedes Mannes Auge ent« zücken, und Neithardts Auge war gerade nicht verwöhnt,
„Sie scheinen von der.Jagd doch etwas abgespannt zu sein", sagte die Baronin nach einer Weile, da st« ihres Gastes Unaufmerksamkeit bemerkte. „Wir wollen deshalb unsere geschäftliche Angelegenheit auf ein ander Mal verschieben."
„Ich bitte um Verzeihung, Gnädigste", entschuldigt« sich Neithardt höflich, „wenn ich nicht ganz bei der Sache war. Ich dachte an etwas anderes — Mo was wollten Sie sagen, gnädige Frau? >— Ich bin jetzt voll« ständig Qhr . .
Er nahm sich zusammen, er durfte sich dem Einfluß nicht so hingeben, den die Schönheit eines jungen Mädchens auf ihn ausüben wollte. Er war doch kein Jüngk ling mehr und hatte in seinem Leben genug schön« Frauen kennen gelernt, ohne sich in sie zu verlieren. Ev war auch viel umworben worden, seiner Stellung, seine? Reichtums, seiner männlichffchönen Erscheinung wegen, aber sein Herz hatte er nur einmal verloren — und das ward zu einer schweren Enttäuschung für seinen Stolz.
Jetzt stand er den Bemühungen um seine Gunst mit einem lächelnden Hochmut gegenüber: sie schmeichelten wohl seiner Eitelkeit — er brauchte ja nur zu wollen, und Frauengunst ward ihm im reichsten Maße zuteÄ Aber stolz und hochmütig verschmähte er sie. Eiumm hatte er leidenschaftlich geliebt — das war vorüber ~• jetzt scheute er davor zurück, sich die Fesseln einer Lick« oder gar einer Ehe aufzuerlegen. Dazu war noch immep Feit!
„Wir wollen licker in mein Zimmer gehen , ent« gggnete Frau von Haidckrink, ,/lvenn ich Sie wirklich bemühen darf. Die jungen Damen werden an unseren) geschäftlichen Gespräch kaum ein Interesse nehmen."
Sie erhob sich, auch die anderen standen auf.
„Komm, Käthe", sagte Wera, den Arm um di« Schultern der Freundin legend, ,-wir wollen in den Park..."
„Werde ich die Damen noch sehen, che ich fortfahre?,"
fragte Neithardt.
„Wie kann ich das wissen, Herr von Neithardt?' fragte Wera lachend. „Wir laufen Ihnen sticht in den Weg ..." ^
„Mer, Wera*," ermahnte die Baronin. ^
T Neithardt war verletzt.
„So will ich mich gleich hiex verabschied^" er kühl. „Ich werde Ihre Wege Mer kreuzen . >
