Einzelbild herunterladen
 

58. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch denVcrlag 5» Pfg. monatlich, durch die Post 8 Mk. 50 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

20,000 Abonnenten.

Anzeigen-Preis r

Die einspaltige Petitzcile sür lokale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

-Annahme ^««d-AuSgabe bis 12 Uhr mittags für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. - Für die Aufnahme später eingcreichter Anzeigen zur nächst.

_ erscheinenden Ausgabe, tote für die Anzeigcn-Aufnahme an bestimmt vorgcschnebenen Tagen wird »eine Gewähr übernommen, jebodh nach Möglichkeit Sorge getragen.

Verlags-Fernsprecher No. 2983.

Montag» den 18. Januar.

Nedaklionö-Fernsprecher No. 32.

1904.

Anzeigen

|!j0< 28.

Abend-Ausgabe.

Deutlch-SüdmestafriKn in Aufruhr.

. Die Nachrichten aus unserem südwestafrikanischen Schutzgebiet klingen irr höchstem Grade beunruhigend, und die Hoffnung, daß. es sich bei dem Aufstand der Bondelzwarts um eine vereinzelte Erscheinung lokalen Charakters gehandelt habe, hat sich leider allzu schnell als eine schwere Täuschung erwiesen. Noch ist die Er- Hebung der Bondelzwaris im Süden von Deutsch-Süd- iiaestafrika nicht völlig rtiedergeschlagen, und schon ist ihm der viel umfangreichere und weit gefährlichere Aufftand ker Hereros im Norden unseres Schutzgebietes gefolgt, xie neuesten Nachrichten aus Swakopmund klingen im höchsten Maße bedenklich. Allem Anschein nach ist der Hauptort unserer _ Kolonie. Windhoek, ernstlich bedroht ijitb ebenso die Eisenbahnlinie von Swakopmund nach Windhoek. _ Die geringen Streitkräfte, über die wir im Herero-Gebiet verfüget!, und die durch die Entsendungm in den Süden zur Niederdrückimg des Bondelzwarts- Au-fstandes außerordentlich reduziert wurden, sind dem mächtigen und kriegerischen Stamm der Hereros gegen­über in einer ganz außerordentlich gefährdeten Lage, und insbesondere muß das Schicksal der kleinen ver­streuten Posten sehr ernste Besorgnisse Hervorrufen.

Der außerordentlickie Ernst der Lage in Deutsche Südwestasrika liegt vor allem darin, daß zweifellos zwischen dem Aufstand der Bondelzwarts und dem der Hereros ein innerer Zusammenhang besteht und daß deshalb imnierhin mit der Möglichkeit gerechnet werden jnui daß die Gärung noch auf wettere Stämme über­greift ; so sind insbesondere die im äußersten Norden wohnenden Ovambos als unsichere Kantonisten zu be­trachten. Unsere gesamte aktive Schntztruppe in Südwest­afrika bestecht nur aus ca. 60 Offizieren und Milttär- bwmten, 150^Unterossizieren, 620 weißen und über 200 farbigen Soldaten. Diese Streitmacht ist als außer- ordenllich klein zu bezeichnen, wenn mau bedenkt, daß das Gebiet von Teutsch-Südwestafrika 835 100 Quadratkilo­meter mit einer Bevölkerung von ca. 200 000 Köpfen umfaßt, unter denen sich höchstens 5000 Weiße befinden, während der Flächeninhalt des Deutschen Reiches nur 510 743 Quadratkilometer umfaßt.

Selbst wenn es gelingen sollte, den Aufstand der Hereros auf diesen Stamm zu beschränken, und wenn der Aufftand der Bondelzwarts nicht, was leider zu be­fürchten steht, durch die Erhebung der Hereros neue Nahrung gewinnen sollte, ist die Lage doch als eine außerordentlich ernste und gefährliche zu bezeichnen. Die Hereros, ein den Kaffern verwandter Bantustamm, wer­den auf ettva 65 000 Köpfe geschätzt, und sie sind ein ganz besonders kräftiger, sehr kriegerische gesinnter Stamm, der uns schon in den Jahren 1896 und 1897 schwer zu schaffen gemacht hat. Die Hereros, die sich besonders

durch hohen Wuchs und Gewandtheit in der Waffen­führung auszeichnen, sind mit Wnrfkculen und Assagaien bewaffnet, doch haben sie vielfach auch Gewehre freilich sehr alter Konstruktton im Besitz. Nach den neusten Nach­richten sind jedoch die Hereros durch Plünderung der Regierungsmagazine und durch Beraubung der weißen Farmer leider vielfach in den Besitz sehr guter und wirk­samer Schußwaffen gelangt.

Der Ernst der Lage wird durch die Einberufung des Landsturmes gekennzeichnet, leider wird der dringende Ruf nach Hülfe, der besonders von Windhoek aus ertönt, nicht so bald Erhörung finden können, da die im Herero- oebiet vorhandenen deutschen Streitkräfte an sich zu schwach und dazu noch zersplittert sind. Die Haupt­hoffnung beruht jetzt darauf, daß der zur Bekämpfung der Bondelzwarts nach dem Süden abmarschierte Oberst Leutwein rechtzeitig mit seiner Truppe nach dem Norden zurückkehrt. Eine weitere, sehnlichst erwartete Hülfs- trnppe bildet die 170 Mann starke Besatzung des KanonenbootsHabicht", das von Kapstadt schleunigst nach Swakopmund abgefahren ist und Ende dieser Woche dort eintreffen wird.

Selbstverständlich ist es, daß die ausgedienten Mann­schaften der südwestafrikanischen Schutztruppe jetzt nicht entlassen werden können. Es ist aber dringend not­wendig, unsere Streitkräfte in Deutsch-Südwostasrika ganz erheblich zu vermehren, und eine diesbezügliche Vor­lage wird schon dieser Tage dem Reichstag zugehen. Daß die Vorlage mit großer Majorität bewilligt werden chird. das ist angesichts der dringenden Notlage in unserem Schutzgebiet nicht zu bezweifeln, denn es ist Gefahr im Verzüge. Leider wird geraume Zeit vergehen, bis der Nachschub aus Deutschland auf dem Kriegsschauplatz ein­treffen wird, denn die Seereise von Hamburg nach Windhoek nimmt volle vier Wochen in Anspruch.

Wenu an der Bewilligung der notwendigen Hülss- M'ittel zur Unterdrückung des Aufstandes in Deutsch-Süd- westasrika nicht zu zweifeln ist, so wird andererseits die Volksvertretung eine eingehende Aufklärung darüber ver­langen müssen, welche Ursachen der ganz unerwarteten Erhebung erst der Bondelzwarts und jetzt der Hereros zugrunde liegen. Sollten sich dabei Begeliungs- oder Unterlassungssünden seitens der Kolonialverwaltung Herausstellen, so wird mit rücksichtsloser Energie auf die Abstellung der vorhandenen Mißstände, auf welchem Ge­biet sie auch liegen, gedrungen werden müssen Die nächste Aufgabe wird aber freilich sein, schleunigst und mit allen Mitteln den Aufstand, der unser Schutzgebiet be­droht, niederzuschlagen. ^

Die Befürchtungen, die ich, so schreibt ein mit den Verhältnissen vertrauter Mitarbeiter derDeutschen Sfimmen", vor einigen Wochen in Nr. 17 über den Um­fang des Ausstandes in Südwestasrika ausgesprochen habe, sind durch die Wirklichkeit leider noch übertrosfeu. Der vollkonuueue Aufruhr der Herero zusammen mit dem der Hottentotten stellt das Schutzgebiet vor eine Krisis, wie

sie in der Geschichte dieser Kolonien noch nicht dagewcsen ist. Ich bin fest überzeugt, daß die Regieruna alle Maß­nahmen in vollen! Umfange ergreifen wird, die in dieser schwierigen Lage nötig sind. Aber ich möchte doch vor jeder schädlichen Überstürzung ivarnen und in nachstehen­dem Vorschläge machen, die sich auf langjährige koloniale Erfahrungen stützen.

In der Hauptsache bedarf das Schutzgebiet jetzt einer gut ausgebildeten, gut ausgerüsteten und gut berittenen Truppe. Schnell zusammengerasste und hinübergeworsene 1000 Mann nützen gar nichts, denn der Infanterist unter ihnen kann nicht refien, der Kavallerist nicht schießen.

Außerdem sind für eine so große Truppenmasse bei weitem nicht genug Pferde im Schutzgebiet; eine Truppe aber, die auf Ochsenwagen transporüert werden muß, ist einfach unbrauchbar.

Es müssen daher sofort in der Heiinat 800 Frei­willige zusammengestellt, in 4 Kompagnien n 200 Mann geteilt und von erfahrenen Afrikanern als berittene In­fanterie ansgebildet werden. Jeder Kompagnie ist ein Maschinengewehr zugcteilt. Die Ausbildung mutz, mindestens 4 Wochen dauern. Nach dieser Zeit werden 2 Kompagnien in das Schutzgebiet entsandt, und zwar eine nach Swakopmund-, die andere nach Lüderitzbuchfi Nach weiteren 4 Wochen folgen die beiden anderen Kom­pagnien nach Swakopmund, bezw. Lüderitzbucht nach.

Inzwischen tverden sür jede Kompagnie 300 Pferde in Südrußland und 50 Maulfiere (diese für Maschinen­gewehre und zweirädrige Transporttarren) in Spanien aufgekauft und so nach dem Schutzgebiet abgeschickt, daß sie kurz nach Eintreffen ihrer Kompagnien ebenfalls in den beiden Häsen ankommen.

Die für den Norden bestimmten beiden Kompagnien haben nach ihrer Ankunft kejne besonderen Schwierig, kciten zu überwinden, denn ihr Weg führt sie durch ver­hältnismäßig dicht bevölkertes, von einer Eisenbahn durch­zogenes Land, wohin gegen die in Lüderitzbucht gelandeten Truppen von vornherein mit echt afrikanischen Wider- wärttgkeiten zu kämpfen haben. Denn Lüderitzbucht ist von seinem Hinterland durch einen breiten, öden Dünen- und Wüstengürtel getrennt, der in zweitägigem Ritt über­wunden wird. Nur einmal unterwegs ist Wasser vor­handen, Gvas gibt es gar nicht.

An diese Schwierigkeiten und an das Klima soll m aber die Truppen und die Tiere erst in aller Ruhe ge­wöhnen denn es ist genügend Zeit vorhanden. Operationen größerer Truppenmassen können in der jetzigen Jahreszeit, wo Weide und Wasser überall schlecht sind, nicht stattfinden und zum defensiven Verhalten ge­nügt die jetzige Truppe nach Einziehung der Reserven und Landwehr vollauf.

Für die Südkompagnien lautet also die Parole: Sich Zeit lassen- und sich vorbereiten! Denn der Mdzug im Süden wird langwieriger, schwieriger und verlustreicher werden als der im Norden, und daher muß für ihn das allerbeste Material an Menschen und Pferden heraus- gesucht und die Vorbereitung auf das peinlichste ge-

Die Nevolutzer.

Roman von Walther Schulte vom Brühl.

(79. Fortsetzung.)

Es wurde nun eine eingehende Beratung gepslogc und man einigte sich dahin, daß die jungen Männer d> paMfie andern Morgens, in der Frühe, mit Lebensmitt - wohl versorgt, in den Mühlenbusch. ziehen und sich do tagsüber verstecken sollten. Sie wollten sich zwar weigeri Ae tfamtlte in der Gefahr zu verlassen, aber des Vattr Machtwort entschied. Die Mutter und die Mädchen pac N.^te Wertgegenstände zusammen, legten sie in ei -taitchen und Gustav und Settchen schlichen sich damit i i.®?.wirten. Dort suchten sie ein Plätzchen, wo die Her «Veiten am. besten zu vergraben seien. Ans eine, -pmmenbeet, in dessen Mitte sich ein alter, hoher Taru- oaum erhob, stand ein kräftig entwickelter, mit viele -vlutenkrispen bedeckter Strauch, dessen Mattrosetten fa unen Quadratfuß Erde dicht bedeckten.

, ,,Was meinst du zu dem Pitter-Johännesken?" fru catchen, aus die Pflanze deutend.

Kiek, kiek, Ihr Weiter (Mädchen) seid doch geschei -wcms wär' ich ni(f)t gekommen", lobte Gustav di ^M-aster, hob mit einem Spaten die Blume samt eine, ^^I!..^^ballen aus, machte eine Grube und versenk! c-as Kästchen hinein; dann brachte er alles wieder in de näheren Zustand und Settchen sagte mit Genugtuung M nun mal einer kommen und unter dem Straui Zitiere Kostbarkeiten vermuten."

/^eme Millchen hatte unterdeß seine bescheidenen 'rm - ein silbernes Medaillon und einen Achat- S, l^tme ein Kettchen aus Korallen, in ein rundes «wAchholzdöschen getan. Sie forderte die Kvusine, an 5;+ ein Wohlgefallen gefunden hatte, aus, sie zu be- und so krochen die beiden in den.Stall, hinter den mD der Kühe, wo in einem Eckchen die alte Katze mit

ihren vier bunten Jungen lag. Hinter sie, tief ins Heu, drückte Millchen ihre Habseligkeiten, brachte auch noch ihre Puppe in dem Versteck unter und mahnte die Katze:So, nun paß' mir nur gut auf, Miß. Und wenn sie kommen, so kratz' den ekligen Kerls die Augen aus." Dann schmiegte sie sich an Agnes und sagte:Weißt du Agnes, es ist doch so schön, daß ich bei dir da oben im Giebelzimmerchen schlafen darf. Die Tapeten mit den hellen Streifen und den bunten Röschen darauf gefallen mir immer so gut und wenn du bei mir bist, dann bin ich gar nicht bang'. Sag mal, glaubst du, daß der Vetter Gottfried, von dom Ihr vorhin sprächet, nun auch zu den Rebellen gegangen ist?"

. .Ich weiß es nicht, Millchen," cntgegnete Agnes mit erniger Beklommenheit.

Aber wenn er dabei ist, nicht wahr, dann sorgt er doch, daß sie uns nix tun und daß sie der armen Miß und den klernen Kätzchen nicht den Hals abschneiden. Wenn du's chm sagst, daun ist er doch gewiß so freundlich."

Agnes seufzte.Ja, vielleicht ist er dann so freund­lich, wenn er dabei sein sollte. Aber ich glaub' es doch nicht. Ich weiß nicht, wo er jetzt steckt."

Als sie sich in das Wohnhaus zurückbegeben wollten, kamen sie am Schweinestall vorbei. Tie Magd hatte das halbwüchsige Tier, das darin grunzte, gerade gefüttert, und Frau Röntgen stand dabei, hatte die Klappe über den ^rog geöffnet und kratzte das behaalich schmatzende Schwein sanft mit einem Stöckchen auf dem Rücken/ was das Borstentier mit besonderem Behagen erfiillte. Sie hatte ihre Freude am Gedeihen des Tieres, aber es er­füllte ihre Seele unausgesetzt mit Mitleid, daß das arme Geschöpf so sorgfältig seinem vorzeitigen Tode entgegen- gemastet wurde. Der sesüiche Tag des Schweineschlachtens war ihr immer ein Tag des Kummers, und niemals litt sie es, daß ihre Kinder der Prozedur des Abstechens bei­wohnen durften.

,Was machst du da, Tante?" frag Agnes ,als sie die kleine Frau m ihrer sauberen Kleidung mit dem Lüstre-

kragen und in ihrer großen, weißen Spitzenhaube, mit dem Stöckchen in der Hand, an dem Tier hantieren sah,

Ach", entgegnete sie,das arme Mer kann sich nicht lang' seines Lebens freuen. Auf den Winter wird es ge­schlachtet, wenn in diesen Tagen nicht gar die Rebellen darüber kommen.. Siehste, Agnes, das tut -mir daun als so leid, und damit es doch 'ne kleine Freude in seinem! Leben hat, kratz' ich ihm als jeden Tag ein bißchen den Rücken. Das tut ihm nämlich gut."

Du bist wirklich eine liebe Frau, Tante Wilhelmin. chen", sagte Agnes gerührt.Paß' auf, der Himmel wird nicht so grausam sein, daß er dir durch die Rebellen das Schweinchen ermorden läßt, und alles wird ohne Gefahr vorübergehen."

Auch das Borstentier schien guten Mutes zu sein, denn es ringelte feilt Schwänzchen so lebensfroh, schmatzte so behaglich und blickte öfter mal mit einem freundlichen Grunztou zu seiner Wohltäterin empor, daß sie ordentlich gerührt wurde und dem kleinen Millchen die Haare mit milder Hand aus der Stirne streichelnd, sagte:Sich' nur, wie es mich auguckt; es ist doch, als verstände es, was wir sagten. Nun, wenigstens hat es das Geftchl, als wenn ich es gut mit ihm meinte und davon gedeiht es besonders gut."

Andern Tages war die Freit in großer Aufregung. Man hatte erfahren, daß sich in den Wäldern nach Elzer- seld zu Scharen wild aussehender Kerle herumtrieben. Von Söhlig und anderen Orten würden auch wohl noch ausständige Arbeiter und Rebellen angerückt kommen, um gemeinsam zum Sturm aus das Zeughaus zu schreiten. Ja, es schien ernst zu werden, und die erwachsenen Sohne des Herrn Röntgen wurden nun durch einen Machtspruch des Vaters wirklich gezwungen, sich in den Mühlenbusch zu begeben, um nicht vielleicht doch zu landesverräterischer Tat angchalten zu werden Sie zogen, mit zwei Flaschen Wein, gekochten Eiern, belegten Broten, etlichen Büchern und einem Kartenspiel bewaffnet, verstohlen durch den Garten ab, wo sie sich mit Freude überzeugten, daß das