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e.——a Morgen.yeilage des Wiesbadener Tagblalts. 1» -■)

Nr. 227.

Mittwoch» 29. September.

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(1. Fortsetzung.)

S. m. S. Grille!

(Nachdruck verboten.)

Copyright 1915 by Carl Duncker, Berlin*. *) Roman von Otto Elster.

„Na, sahen Sie, liebe gnädige Frau", sagte Neithardt «nach einer Weile, „auf Ihr Teil wunden etwa 250 Mk. fallen. Das ist eine Kleinigkeit Nr Sie, und dafür er­halten Sie einen guten, fahrbaren Weg zur Bahn und laufen nicht Gefahr, daß Ihre Wende die Beine brechen oder Ihre Wagen die Achsen."

„Sie haben recht, lieber Freund. Ich beteilige «mich also und banke Ihnen für Ihre Bemühung."

„Bitte — kerne Ursache", entgegnet? er lachend. „Es ist ja nrein eigenes Interesse. Haben Sie denn Ihr Heu gut heroingekriagt?"

Eine Weile untenliielten sie sich von landwirtschaft­lichen Dingen, bis lautes Hundegekläff ihr Gespräch «unterbrach und ein Wagen in raschem Trabe auf Den Hof fuhr.

„Aha, -das gnädige Fräulein kommt zurück", sagte Neithavdt lächelnd. „Da will ich mich nur rasch emp- felllen . . ."

„Wollen Sie Wera nicht guten Tag sagen und un­seren Gast begrüßen?"

„Sagen Sie mal — aber im Vertrauen — woher stammt eigentlich dieses Fräulein Schuhmacher.... so heißt sie ja wohl?"

Der Hochmut seines Wesens trat in dieser Frage deutlich zutage. Es zuckte ironisch um seinen Mund. Frau von Haidebrink geriet in eine gelinde Verlegen­heit.

„Fräulein Schuhmacher entstammt einer guten bür­gerlichen Familie: ihr Vater war Arzt."

„So — dm — -das geht ja noch an."

. „Verzeihen Sie — ich muß der jungen Dame wohl entgegengehen", meinte die Baronin.

„Ja — gehen Sie nur . . . Ich will mich empfahlen . . . lerne die junge Dame wohl später gelegentlich kennen. . ."

Aber in diesem Augenblick öffnete sich bereits die Lür und Arm in Arm traten Wera und ihre Freun­din ein.

„Da bring' ich dir Käthe, Mama . . ." ries Wera.

Die Baronin, von Herzen gutmütig, streckte dam Besuch die Hand entgegen.

„Seien Sie herzlich willkommen, mein liebes Fräu­lein . . ."

Käthe Schuhmacher verbeugte sich und küßte der BoronN die Hand.

„Ich danke Ihnen, gnädige Frau . ich freue mich so sehr, einige Zeit bei Ihnen verleben zu 'dürfen."

.hoffentlich gafällt es Ihnen bei uns . . . 'darf ich Ihnen gleich Herrn von Neithardt, unseren lieben Guts­nachbar, vorstellen . . ."

Er verhängte sich in etwas steifer Höflichkeit- Die

*) Die Formel „Copyright by . . ."wird vom amerika­nischen Urheberrecht genau in dieser Form verlangt. Würden wir die Worte nicht in der englischen Sprache, die in den Ver- oinßiten Staaten von Amerila die offizielle Staatssprache ist, setzen, so würde nnS der amerikanische Urheberschutz versagt werden und daraus uns und dem Autor ein grober wirtschaft­licher Schaden erwachsen.

Erscheinung des jungen Mädchens hatte ihn überrascht. Schlank gewachsen, wie eine junge Birke, besaß die Ge­stalt Käthens eine Vornehmheit, eine Anmut, die der derben Gestalt Wevas abging. Dabei überstvalilten das feine Gesicht zwei große, seelenvolle blaue Augen und die weiße Stirn umkräuselte ein Gewirr blonder Locken, das unter dem Strahl der Sonne wie flüssiges Gold ausleuchtete.

„Donnerwetter", dachte Neithavdt, „eine famose Erscheinung! Sieht gar nicht nach dom Doktormädel aus . . ."

Käthe hatte ihn mit oinom leichten Neigen des Kopfes begrüßt, dann wandte sie sich wieder der Baronin zu. Wera dagogen fragte in ihrer ungenier­ten Weife Neithavdt: „Wann kommt denn endlich diese Wegeverbessevung, Herr von Neithavdt? — Jetzt kann man sich ja da Hals und Beine brechen!"

„Bor allem, wenn man so fährt wie Sie, gnädiges Fräulein", entgegnete er ironisch lächelnd, ,-das kostet Pferdefleisch."

„Unsinn . . ."

„Aber. Wera!" evmahnte die Baronin.

„Ja, ich Hab' mich aber auch scheußlich über diesen Weg geärgert", führ Wera fort. „Im Sumpf kann man da stecken bleiben- Was soll Käthe von unseren Zustän­den denken!"

„Nun, ich glaube, daß es darauf nicht ankommt", sagte Neithavdt mit einer gewissen Schärfe. — „Asphal­tierte Straßen können wir hier nicht bieten . . ."

„Sie sind gewiß von der langen Fahrt ermüdet, liebes Fräulein", unterbrach die Baronin das Ge­spräch das heftig zu werden drohte, wie so oft, wenn Neithardt und Wera in einen Disput gerieten. Dann wollte keiner nachgeben' jeder verteidigte seine Ansicht ans Loben und Tod, und wenn auch Neithavdt in den Grenzen der Höflichkeit blieb, so schenkte er doch seiner Gegnerin auch nichts, so daß diese meist ärgerlich das Gespräch abbrach.

So auch jetzt. Sie eilte aus Käthe zu und schlang den Arm nm sie. „Verzeih', daß ick -gar nicht daran gedacht habe", bat sie. „Komm, ich Nhre dich aus dein Zimmer, da kannst du dich ansrnhen. - . ."

„Ich bin durchaus nicht ermüdet, liebe Wem, möchte mich nur umziehen und vom Staube reinigen . . ."

„Ja, ja — komm nur — dein Zimmer ist bereit. .."

„Sie gestatten, gnädige Frau . . ." «wandte sich Käthe an die Baronin.

„Gehen Sie nur, liebes Fräulein. In einer halben Stunde erwarte ich Sie zu einer kleinen Erfrischung... aus Wiedersehen."

Käthe verbeugte sich, dann ward sie durch Wera da­vongezogen. Die Baronin atmete auf, Neithavdt lachte leise vor sich hin.

„WaS sagen Sie zu der Freundin Wevas?" -fragte die Baronin.

„Hm — eine stattliche Erscheinung, dieses Doktor­mädel", entgegnete Neithardt. „Das muß ihr der N eid