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Wiesbailkmr

Verlag Langgasie 21

„Tagtlatt-HauS".

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Berliner Schristleitung des Wiesbadener Tagblatts:

12 Ausgaben.

Fermmft

„Tagblatt -Haus" Nr. 6i»5l)-53.

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.... chür die Ausnahme »°n Anzoivn an vargoschrieb«-«-

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Mittwoch, 29. September 1913.

Kbend-klusgabe.

Nr. 454» - 63. Jahrgans-

Oer Stillstand

der französisch-englischen Offensive.

Die große englisch-französische Offensive hat nicht vermocht, die am ersten Tage erzielten tcrMschen Er­folge auszunutzen und den Angriff gegen die deutschen Teilungen inerter zu führen. Am zweiten Tage des Jnsanterieangrifses (Sonntag) -wurden sämt­liche französisch-englischen Angriffe auf der ganzen Front angewiesen. Die feindlichen Kräfte reichten nicht aus, um einen Erfolg gegen die zweite Verteidigungs- stellung der deutschen Truppen zu erzielen- In der Gegend von Lille waren die Deutschen sogar in der Lage, mit den schnell herbeigeeilten Reserven _pti Gegenangriff vorzugehen und dadurch die französisch- englische Offensive zum Sffllstand zu bringen. ^ Auf diesem Teil der Schlachtfront ist daher die Initiative schon wieder auf die Deutschen übergegangen. Die ab­geschlagenen feindlichen Angriffe Waran für die Eng­länder und Franzosen mit schweren Verlusten ver­bunden. Es spricht sich dies zunächst in der Zahl der Gefangenen aus, die an einzelnen Stellen mehrere tausend Köpfe betrugen, was um so bemerkenswerter ist, als die Gefangennahme beim Angriff erfolgte. Es ist dies nur dadurch zu erklären, Latz die Verteidigung überall in aktivem Sinne geführt wurde, daß also Ivde Gelegenheit wahrgenommen wurde, «um Gegen­angriffe aus der Verteidigungsfront heraus zu unter­nahmen und Latz dadurch große Teile der am weiteften vorgedrungenen feindlichen Truppsnverbände abge- schnitten wurden.

Auch der dritte Tag (Montag) zeigte ein ähnliches günstiges Bild. Ein neuer bei Loos nlnternommbener englischer Gegenangriff wurde abgeschlagen. Ebenso wurden alle feindlichen Vorstöße bei Souchez und wei­ter südlich sowie in der ganzen Champagne restlos ab­gewiesen. Die deutschen Truppen begnügten sich aber nicht nur mit der Abwehr der feindlichen Angriffe, sondern gingen vielfach zum Gegenangriff vor, der an vielen Stellen erfolgreich verlief. Dies war z. B. bei Loos der Fall, wo 750 Mann gefangen genom­men und ein ansehnlicher Geländegewinn erzielt wurde. Auch in den Argonnen haben die deutschen Truppen ihre Stellungen wesentlich verbessern können, und auf den Maashöhen bei Cmnbres hoben sie durch glücklich ausgesührte Minensprengungen ansehnliche Teile der feindlichen Linien zerstört. Faßt man das Ergebnis der beiden letzten Tage zusammen, so kann man sagen, daß die t a k t is ch e n Erfolge, die die Gegner zunächst erzielt hatten, nicht strategisch ausge- nutzt werden konnten. In der feindlichen Vor­wärtsbewegung ist überall ein Stillstand eingetreten. Allerdings mutz man sich darüber klar sein, daß die feindliche Offensive damit noch keines­wegs erschöpft ist, und daß Franzosen sowohl wie Engländer, wie dies auch die früheren Durchbruchs-Ver­suche gezeigt haben, ihre Angriffe fortfetzen werden. In dieser Hinsicht hat die oberste Führung unserer Gegner stets eine außerordentlich große Energie gezeigt und hat sich auch vor dem rücksichtslosen Ein­setzen des vorhandenen Menschenmate­rials nicht gescheut. Alle Berichte von der Front stimmen auch damit überein, daß die feindlichen Trup­pen sich mit außerordentlicher Tapferkeit schlagen und hohen militärischen Wert besitzen. Den -deutschem Trup­pen im Westen steht deshalb noch immer eine große und schwere Aufgabe bevor. Es sind aber alle Aussichten vorhanden, daß die feindlichen Angriffe auch in Zu­kunft abgewissen werden können. Dazu zählt zunächst der Umstand, daß bei einem Angriff und Durchbruchs- Versuch die hauptsächlichste Gefahr in der Über­raschung des Verteidigers besteht. Der Angreifer kann die Stelle, gegen die er seinen Vorstoß richten will, nach freiem Ermessen bestimmen und dementsprechend alle Vorkehrungen in Ruhe treffen. Der Verteidiger dagegen kann nicht im voraus wissen, w o er angegriffen wird, und es entsteht daher für ihn immer die Gefahr, daß er die weit zurnckgehaltenen Reserven nicht rechtzeitig an die gefährdeten Punkte heranib ringen kann. Ist aber der Moment der Überraschung verschwun­den, sind die feindlichen Angriffsrichtungen erkannt, und ist es gelungen, den ersten feindlichen Vorstoß auf- zuhaltcn, so ist die größte Gefahr beseitigt. Es treten dann alle die Vorteile hervor, die die V e r t e i d i g u n g dem Angriff gegenüber besitzt Me Tatsache, daß die Deutschen bei Lille zum Gegenangriff vorgegangen sind, zeigt jedenfalls, daß es dort gelungen ist, genügend starke Kräfte rechtzeitig zusammenzuziehen, die sich nicht uns die bloße Verteidigung zu beschränken brauchten. ,

Bei den großen Vorberertungon, die unsere Gegner zu der jetzigen Offensive getroffen hatten, ist es, wie gesagt, nicht ausgeschlossen, daß sie schließlich auch noch

an einer andere« Melle mft starken Kräften mn

Angriff Vorgehen werden, namentlich, wenn sie ernge- fehen haben, daß ihre bisherigen Vorstöße gescheitert sind. Die Bereitstellung der hierzu -erforderlichen Twrp- pen, sei es, daß dies durch Heranführung zurückgehal- teuer Reserven oder durch Truppenverschiebungen inner­halb der Front evsolgt. kann ober nicht gänzlich uMe- merkt kckeiben. Auch dagegen wird die deutsche Heeres­leitung rechtzeitig die entsprechenden Gegenmaßrogeln getroffen haben. Es kommt ihr dabei zugute, daß sie in momttÄonyer Arbeit das Verkechrsnetz rm Rücken der Stellungen außerordentlich -Mt und um­fangreich ausgÄbcatt hat.

Der erneute große Widerstand, den die Russen geleistet hatten, und die zahlreichen, mit starken Kräf­ten unternommenen Gegenangriffe, die sie an den ver­schiedensten Stellen der Front ausgeftihrt hatten, haben ebensowenig einen Erfolg erzielt wie die englisch- ftanzäfifche Offenste. Es ist dies besonders wichtig, weil beide Operationen in ursächlichem Zu­sammenhang miteinander standen. Auch am letz­ten Tage haben die Verbündeten im Osten auf der ganzen Front weitere Fortschritte gemacht und den Geg­ner zurückgeworfen. So blieb der deutsche Angriff südlich von Srnovgon in siegreichem Forffchreiten, nord­östlich vo-n Wischnew wurde die feindliche Stellung durchbrochen und die Brückenköpfe östlich von Molo- detschno sind erobert. Besonders entscheidend waren die Ereignisse, die sich inr Sü d o st e n abgespielt haben. Im wolhynffchen Festungsgsbiet ist die russische Gegen­offensive vollÄmmen zusamMMigebvochen. Me Rüsten haben sogar ihre am wertesten vorgeschobenen Stellun­gen in der Gegend von Dubuo und Luzk wieder räumen und sich in öfllicher Richtung zurüttziehen rmMen. Der Brückenkopf östlich von Luzk ist wieder im Besitz der öfterreichischningarischen Truppen und damit die ge­samte Festung Luzk- Die Sperrbefeftigungen von Dubno -haben die Österreicher überhaupt niemals anfgegeben.

Hierauf konnten sich die Verbündeten tat Übergang über den Styr unterhalb von Luzk erkämpfen. Unter dom Mucke dieses Vorgehens sind die Russen auch nörd­lich von Mibno ans der ganzen Front in vollem Rückgänge bis hinter die Cutalowkä. Da an den vorhergchenden Tagen die russischen Angriffe am Sereth-Abschnftt und ebenso ihr Durchbruchsversuch gegen die Mitte der Stellungen der Verbündeten bei Nowo-Meksiniecz gescheitert waren, kann man die russische Gegenoffensive in Wolhynien und Südostgalizien als ab gewiesen bettachten.

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Deutsche Kriegsberichterstatter über den heldenmütigen Widerstand der deutschen Truppen.

Berlin, 29. Scpt. (Jens. Bln.) Zn dem Ringen in der Champagne heißt es in einer Drahtung des Kriegsbericht­erstatters Max Osborn: An der Tapferkeit unfererDuuppen scheiterten alle mit sehr erheblichen Kräften angesetzten Ope­rationen des Feindes. In zähem Ringen wurde er überall zwrückgeschlagen. Die Stimmung unserer Truppen ist durch das siegreiche Zurückweichen der immer noch mit groß«! Mitteln versuchten Angriffe ausgezeichnet und voll Zuver­sicht. — Der Kriegsberichterstatter S ch -e u e r m a n n meldet: Außer für die taktische Lage völlig wertlosen Erfolgen der Eindrückung einer kleinen Beule in unsere vorderste Linie, die durch die atemverpestenden giftigen Gase, nicht durch englischen Mut -erreicht worden ist, und durch Einsetzen einer ungeheuren Übermacht, die mit un­absehbaren Verlusten für den Feind abgewehrt wurde, hat der Feind nichts erreicht. An einzelnen Stellen lagen 600 bis 800 und noch mehr tote Engländer vor unseren vergeblich gestürmten Linien.

Lin dänischer Bericht.

Verfrühter Freudentaumel in Frankreich und England.

Br. Kopenhagen, 29. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der französisch-englische Generalsturm, der im Neutralen Skandinavien als der von Lloyd George angekündigte Eisen­hagel und der seit 12 Monaten verheißene Joffresche Durch­bruch eingeschätzt wurde, aber seit dem Eintreffen der gestrigen Nachrichten als gescheitert gilt, hat nach Telegrammen einiger Blätter den Parisern und Londoner» völlig den Kopf verdreht. Im Vaudeville las eine der Künstlerinnen Jo ff re- sche Depeschen vor und eine andere sang unter stürmischer Begleitung des Publikums dreimal nacheinander die Mar­seillaise und danach dreimal die russische Hymne. Noch lauter soll es in Bordeaux hergegangeu sein, wo bis in den Morgen hinein gelärmt wurde. Jenseits des Kanals verstieg sich die „Times" zu folgender Überschwänglichkeit: Die Stellung ist jetzt derart, daß, wenn der Vorstoß der Alliierten durchhält, Lille -und LenS von den Deuffchen geräumt werden müssen und sie jenen Schienenstrang verlieren, der das Heer des Kronprinzen mit dem deutschen Zentrum verbindet. — Heute wissen die Neutralen bereits, daß der Vorstoß der Alliierten nicht durchgehalten hat. Der Zusammenhang mit der ftcmzö- sischen und der englischen Offensive mtt den Geschehnissen auf dem -SSoßara wird auch in der dänischen Preß'e richtig beurteilt.

Die Enttäuschung nfrch den hochs«p*ttschten kroffnungen in Paris.

Berlin, 29. Sept. (Zeus. Bln.) Im *33. T." wird ffi&ead die schweren Verluste der Engländer wNd Franzose« aus Genf berichtet: In Paris erhielt das Putckikum von dar schweren Verlusten au Offizieren und Marnffchaften bei dem ungeheuren Ringen in Nordfrankreich weder aus den Be­rnden von French noch aus dem französischen des Generol- stabes die geringste Kunde. Doch gcht ans Andeutur»» gen der Blätter hervor, daß man in den Paris« Redaktion«» über jene erschütternden Zahlen weit genau« unteo- rtchtet ist, als die Zensur mitzuteilen gestattet. I« der Foch- kritik gibt sich eine gewiss« Enttäuschung darüber kund, daß sowohl im Norden wi-e in der Champagne den erste» Vor­stößen eine verhältnismäßig lange Pause folgt«, deren Ausnützung durch den Gegner mehrfach befürchtet wird. In englischen Blättern wird an das Gefecht bei Neuve-Ehapell« erinnert, wo die Engländer siegreich die erste deuffche Sorte durchbrachen, vor der zweiten aber bftstig zurückst«^ schlagen wurden. f

Gedämpfte Freude i» Paris und London. "

Genf, 28. Sept. (Zens. Mn.) Die in der verflossen«« Nacht ausgegebenen amtlichen Berichte aus dem englischen und ftanzöstschen Hauptquartier bestätigen durch die Vorsicht i-g gewählten Ausdrücke bei Kennzeichnung der eigenen und gegnerischen Stellungen, daß jene französischen Fachkrikik« vollkommen recht hatten, die schön gestern das leicht enfflmmn- bare Publikum vor überschwenglichen Erwartungen warnten. Zu diesen nüchternen Beurteilecn der Gesamtlage an d» Westftont gehört auch der Mrkitärkritiker des „Statin", Major Civrieux, der betont, daß der deuffchen MeHode ein« zweiten und dritten Verteidigungslinie ungleich stärkere Bedeutung beizumesien fei als d« ersten. Ähnliche Mahnrufe «heben der „Figaro", das „Journal" und die „Guerre sociale", di« darauf Hinweisen, daß die UngriffSfteudigkeit d« ftanzöstschen Truppen noch sehr harte Proben zu bester» habeni werde. > *

Betrachtungen der englischen Presse.

W.T.-B. Land,«, 29. Sept. (Nichtamtlich. Dvahöb eri cht.) „Daily Telegraph" schreibt: Die deuffche Front ist nicht durchbrochen. Es fft nicht sicher, ob d« Durchbeuch der K«nj des Planes d« Alliierten war. Die letzten Ereignisse stellen vermutlich nur die Eröffnung eines gewaltigen Schlacht- planes dar, über den natürlich SJenmrtongen anzustellen, eitel wäre. — »Daily Mail" schreibt in einem Leitartikekr Die nächsten 48 Stunden werden lehre», cd auf die heftigen Schläge bei Arras und in der Champagne weitere bedeu­tende Ereignisse, als die Gefangennahme von 20 000 Mau», ftlgen werden, ob« ob nach glänzendem Anfänge Wied« eine neue Periode des Rühens folgen wird, wie nach Neuve- Chapelle. Das klügste fft, mich dem Grundsatz« zu handeln, daß Verstärkungen nie notwendiger find als nach einer großen Schlacht, und anzunehmen, daß noch viel mchr Schlachten ge­schlagen werden müsftn, ehe die Deutschen üb« den Rhein zurückgeworfen sind.

Die Beurteilung durch die holländische Presse.

W.T.-B. Amsterdam, 29. Sept. (Nichtamtlich. Dvcchtbe. richt.) Die Blätter verzeichnen de» Umschwung i» d« mili­tärischen Lage zugunsten d« Mittelmächte in den letztens 24 Stunden und das vorläufige Erlahme» do« Offensive der Alliierten im Westen. »NteiüveL van den Dag" schreibt: Es fft deutlich, daß die Erfolge, die die Alliierten am Samstag und Sonntag zu v«zeich»en hatten, ein ganz schöner Anfang waren, av« an sich nichts bedeuten, wenn nicht, schnell nennenswerte Forffchritte folge» irrte nicht nach der «sten Schützengrcrbenkinie rasch die zweite und dritte fällt. Che das geschieht, kann von einem Durch­bruch der deutschen Linien nicht gebrochen werden, auch nicht von einem deutschen Rückzug an den Rhein od« auch nur bis zur Maas. — Bei Besprechung d« Lage auf dem östlichen Kriegsschauplatz stellt das Blatt fest, daß mehrere nichtcmttliche ftcmzöfische und englische Berichte üb« eine» russische»^ Sieg, die eben veröffenüicht wurden, wahrscheinlich aus der Luft gegriffen sind. Es sei im Gegenteil anzunehme», daß im wolhynifchen FestungÄrreieck eine für d« Mittelmächte günsttge Wendung eingetreten sei.

Ein weiteres neutrales Urteil:

Bern, 29. Sept. (Zeus. Bln.) Der bekannte Militär­kritiker Stegemann schreibt im „Bund": „Die Verbünd es t e n haben zwar einen klaren, be st immtabgegrenz- ten taktischen Erfolg davongetrageu, der ihnen noch eine strategische Auswirkung v«spricht, mußten sich ab« da- mit bescheiden, eine Aufgabe in Etappen lösen zu wollen, die die größte Sicherheit der Ausfiihrung nur durch das erste und überraschende Durchstoßen möglichst vieler Linien d« be­festigten Kordons empfängt. Es sei cm den Durchbruch von Gorlice erirm«t, der dergestalt angelegt und mst einer solchen Wucht ausgeführt wurde, daß neunrussis che Verteidigungslinien ohne wesentlichen Aufenthalt aufgerijsen und erobert werden konnten. Das Abstoppen des Angriffs vor d« zweiten Linie bedeute zwar nicht die Ertedi- gnng der Offensive im Westen. Der Angreifer werde ver- slichen, das Spiel von neuem zu beginnen. „Wie lange « eine solche Etappenosfensive a u s h ä l t, ist eine and«e Fragee-Die dteu,t^Aeu Verluste sind sehr b et räch t l i chj