*9. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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Morgen-Ausgabe.
jUrfrup Her Rentabilität im ftlciubaljiitn.
Angesichts der neuerdings starker hervorgetretenen Notwendigkeit, zuverlässigere Unterlagen für die. Bestellung der Ertragsfähigkeit staatlich zu unterstützender Kleinbahnen zu gewinnen, bedarf cs zur Begründung der «inzekansätze in den Rentabilitätsberechnungen der Beibringung von Verkehrsübersichten, die tunlichst von den ^rts- und Kreisbehörden zu begutachten sind.
Bei Aufstellung und Benutzung dieser Verkehrsübersichten zur Veranschlagung der Einnahmen empfiehlt es sich wie der Minister der öffentlichen Arbeiten in einem Munöerlaß ausführt, im allgemeinen folgendes zu beachten.
. i. Hinsichtlich des Personenverkehrs. Es ist ein Verzeichnis der einzelnen im Verkehrsbereiche der neuen Bahn liegenden Ortschaften unter Angabe ihrer Einwohnerzahl Leizubringen. Ferner sind die Entfernungen der einzelnen Orte von der nächsten Station, Sie Erwerbsverhältnisse der Einwohner, deren größere oder geringere Wohlhabenheit, die Nähe von Fabriken, von größeren Orten, Märkten usw., ein etwaiger neben dem allgemeinen Verkehr zu erwartender besonderer Verkehr, z. B. Arbeiter-, Touristen- und Vergnügungsverkehr, Besuch von Bädern, Wallfahrtsorten und dergleichen anzugeben und gebührend zu berücksichtigen. In geeigneten Füllen kann es auch von Wert sein, die nach Sen obwaltenden Verhältnissen zu erwartende Anzahl von Reisen der Einwohner und die voraussichtliche kilometrische Länge der Reisen sowohl für die geplante Neubaulinie, wie für etwaige bereits vorhandene Strecken desselben Unternehmens, soweit den letzteren ein vermehrter Verkehr zufließt, schätzungsweise anzugeben. Einen Anhalt für die Veranschlagung können die Ergebnisse gewähren, die auf gleichartigen, bereits im Betriebe befindlichen Kleinbahnstrecken des eigenen oder benachbarter Bezirke mit ähnlichen Verkehrs- und Erwerbsverhältnissen der berührten Gegend erzielt worden sind.
2. Hinsichtlich des Güterverkehrs. Es ist zusammenzustellen, in welchem Umfange und auf welche Entfernungen die Güter — nach Art undMenge —, welche bisher auf dem Land- vezw. Wasserwege oder auf bereits vorhandenen Schienenverbindungen befördert wurden, demnächst voraussichtlich dem neuen Bahnwege zufallen und auf etwaige ältere Strecken desselben Unternehmens übergehen werden. Ferner ist zu ermitteln und zu verzeichnen, welcher neue Verkehr infolge der besseren Erschließung der beteiligten Gegenden (infolge Vergrößerung bestehender oder Begründung neuer gewerblicher Unternehmungen, durch gesteigerten Versand oder Emp
fang land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse, erhöhten Bedarf an landwirtschaftlichen Hülfsstoffen und Maschinen und dergleichen) mit genügender Bestimmtheit in den ersten Jahren nach der Betriebseröffnnng zu erwarten ist, und auf welche Durchschnittsentscrnung er sich voraussichtlich auf der neuen Bahn und auf den älteren Strecken desselben Unternehmens bewegen wird.
In diesen Zusammenstellungen sind die hauptsächlich in Frage kommenden Wagenladungsgüter nach ihren Mengen und den durchschnittlichen Transportlttngen besonders hervorzuheben. Die Rückwirkungen auf die Einnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr der etwa schon vorhandenen Strecken desselben Unternehmens sind unter Berücksichtigung der Betriebskosten tunlichst ziffernmäßig zu ermitteln. Die in Aussicht genommenen tarifarischen Einheitssätze für den Personen- und Güterverkehr sind anzugeben und nach Lage der maßgebenden wirtschaftlichen Verhältnisse zu begründen.
Solche Übersichten sollten fortan in allen Fällen mit den von den Kleinbahnunternehmern zu beschaffenden ausführlichen Vorarbeiten, bestehend in einem Bauplan nebst Kostenanschalg und Rentabilitätsberechnung, vorgelegt und von den beteiligten königlichen Eisenbahn- direktionen geprüft werden.
MHeMMMsen, beM. zur MrMOMng
der OffiE und gciimtru Im Uentrop Reich unö in Rreußen.
Sjm (Schluß.)
V.
1903 sind
Nach dem Neichshansh-alts-Etat von unterKapitel XIII vorgesehen:
Allgemeiner Pensionsfonds: a) für das Reichsheer u. die Marine: 75 489 074 Mark li) für die Zivilverwaltung 2 050 884 „ *)
zusammen ----- 77 539 958 Mark. Kapitel XIV. Reichsinvalidenfonds:
a) für das Reichsheer und die Marine: 38 683 449 Mark,
b) als Dispositionsfonds des Kaisers:
Pensionszuschüsse und Unterstützungen . 10 320 300 Mark,
zusammen Kap. XIV — 49 003 749 Mark. Da die Reichsbeamten in der Regel nach dem 65. Lebensjahre mit Pension aus dem Dienste scheiden müssen und die im Einkommen geringer gestellten Altpensionäre
*1 Zur Zivilverwaltung gehören die Reichsbeamten, welche wie folgt zusammengesetzt sind: die Post- und Telegraphen-Be- cimten des Deutschen Reichs (mit Ausnahme von Bayern und Württemberg), die Militärbeamten der Armee und Marine <mit Ausnahme von Bayern) und die Reichstagsbeamten.
schon vor dem 1. 4. 1897 pensioniert worden sind, also durchschnittlich das 70. Lebensjahr überschritten haben, so dürfte es die höchste Zeit sein, wenn bei diesen ehe- maligen alten Kriegern durch Gleichstellung im Einkommen mit den jüngeren Pensionären nock Gerechtigkeit geübt werden sollte. Um so mehr mutz dieses hervor- gehoben werden, weil 'der Reichstag (durch seine Zusage von 1890) moralisch verpflichtet ist, bei denjenigen Alt- Pensionären — nämlich: mittleren Beamten — dre 1890/91 noch im aktiven Dienste waren, sein Ehrenwort endlich einzulösen und' den alten Staatsdienern die höhere Pension — gleich den jüngeren Pensionären vom 1. 4. 1897 ab — jetzt zuzuerkennen. (Cfr. Schlußsätze, Seite 6/7, des Berichts der Petitions-Kommission des Reichstages voni 20. März 1901). Berücksichtigt man, daß für die Reichsbeamten (laut Etat von 1903) eine Srnnme von 2 Mllionen Mark an Pension ausgegeben wird, fo würde die Einlösung des Ehrenworts (bezw. die damalige Zusicherung) des Reichstags — den vorgedachten Altpensionären gegenüber — nur eine Mehrausgabe von noch' nicht % Mllionen Mark erforderlich machen, damit aber auch eine lange schwebende Ehrenschuld der Nation gelöscht sein.
Die hierdurch entstehende finanzielle Belastung des Etats —die wohl allen übrigen neuen Etats-Belastungen a ns moralischen Gründen Vorgehen mnh •— wird auch nur von kurzer Dauer sein, weil die alten Männer stark im Absterben begriffen sind.
VI.
Nach den seither in der preußischen Militärver. Wallung vorherrschenden Grundsätzen wurden solche Personen, die im Dienst Verletzungen, Schüsse, Brüche von Gliedmaßen usw. erlitten haben, in den Pensionsgesetzen besonders mit höheren Beträgen bedacht, Werl der regelrechte Gebrauch- der Glieder mehr oder weniger beeinflußt ist urid mitunter eine Hiilfeleistung erforderlich macht. Obgleich gegen eine solche Berücksichtigung im allgemeinen nichts einzuwenden ist, bleibt doch zu be- denken, daß namentlich aber solche ehemalige alte Kriege, bei denen sich erst später, nach den Feldzügen, innere Leiden und Gebrechen, als Herzkrankheit, Nieren- und Blasenleiden, Brustbeengung, nervöse Zustände usw., eingestellt haben, oft durch die große Altersschwäche und Hinfälligkeit eine höh.ere Berücksichtigung bedürfen, als jene noch kräftigen und gesunden Männer mit etwas mangelhaften Gliedmaßen. Erst in den letzten Jahren hat sich die Einsicht Bahn gebrochen, daß solche innere Gebrechen, sowie die bei 70 und mehr Jahren ein- tretende Altersschwäche und Hinfälligkeit die ehemaligen Krieaer hülfsloser machen, als dieses bei solchen Männern,
Feuilleton.
Das pelzwerk.
Plauderei von Bernhard Ohreuüerg.
Ein altes russisches Sprichwort sagt: „Wem der Pelz fehlt, darf nicht über den Winter spotten/' Der gestrenge Herr regiert aber nicht nur im Reich des Zaren, sondern auch bisweilen in Deutschland so ungemütlich, daß jedem bas Spotten vergeht, der nicht so glücklich ist, in einen weichen, warmen Pelz schlüpfen zu können.
Jetzt hat auch bei uns die Herrschaft des Pelzwerkes, des ältesten Bekleidungsstückes der Menschen, begonnen.
Als in grauer Vorzeit die Kunst des Webens noch nicht erfunden, Nadel und Zwirn unbekannte Dinge waren, da bestand der Pelzmantel der Frauen zweifellos nur in einem übergewvrfenen Fell, das durch einen Dorn festgehalten wurde.
Unsere Urahnen bedienten sich der Trerfelle jedoch nicht nur als wärmender Hüllen, sondern auch als Mittel, um ihre Feinde zu schrecken. Die reckenhaften Teutonen bekleideten sich mit dem Fell des grimmen Auerochsen, dessen drohendes Hörnerpaar ihr trotzig blickendes Haupt überragte, wenn sie in den Kampf gegen die Römer zogen; und kehrten sie ermüdet aus der Schlacht heim, dann pflegten sie der Ruhe auf den weichen Bärenfellen. Noch jetzt pflegen wir von einem trägen Menschen zu sagen: „er liegt gern auf der Bärenhaut", ist ein „Faulpelz" und Bärenhäuter" — ein interessantes Beispiel, das da beweist, wie manche unserer geflügelten Worte aus den ältesten Zetten stammen.
Im Mittelalter wurde von den ärmeren Volksklassen mehr Pelzwerk getragen als jetzt, weil die gröberen Sorten billiger und haltbarer waren als die feinen, niederländischen Tuche, die hoch im Preise standen. In den großen, dichten Wäldern hausten Bär, Wolf und Luchs noch zahlreich, und die Sumpfniederungen der Flüsse bevölkerten Biber und Fischotter. Der unverwüstliche Schafpelz bildete fast ausschließlich die Bekleidung des Bauern.
In den kleinen Städten des Ostens war noch im Anfang des vorigen Jahrhunderts der Schafpelz so beliebt, daß ihn die Ackerbürger fast das ganze Jahr trugen, weshalb man sie scherzweise „Pelzbürger" nannte.
Für die Bäuerinnen in Rußland, Polen, Ungarn ist auch jetzt noch die anliegende Pelzjacke aus Lammfellen das unentbehrlichste Kleidungsstück.
Die vornehmen Frauen des Mittelalters schmückten sich gern mit den Pelzen des schwarzen Fuchses und des noch kostbareren Zobels; Hermelinmäntel zu tragen war ausschließlich ein Vorrecht der Fürsten. Die Bürgcr- frauen trugen Pelze von Marder und Iltis, Biber und Eichhörnchen. Es herrschte allgemein die Sitte, Jacken und Mäntel mit den Fellen der roten Eichhörnchen zu verbrämen, während in neuerer Zeit nur die Felle der im hohen Norden lebenden grauen Eichhörnchen beliebt sind und unter der Bezeichnung „Grauwerk" in den Rauchwarenhandel kommen.
Edle Pelzsorten sind zu allen Zeiten sehr begehrt gewesen; aber die Mode der letzten Jahre hat den Gebrauch deS Pelzwerkes wieder sehr gesteigert.
Kein anderer Stoff vereinigt in sich so viele vorzügliche Eigenschaften wie seines Pelzwerk. Es ist leicht und zugleich warm, weich, schmiegsam und dauerhaft; außerdem bietet es die Möglichkeit zu reichhaltiger Abwechselung und erfreut das Auge durch Glanz und prächtige Farben.
Es darf nicht überraschen, daß unsere Frauen mit großer Vorliebe Pelzwerk tragen, denn es schmückt und sieht elegant aus.
Selbst eine nicht ganz junonische Gestalt wird, wenn sie schönes Pelzwerk umhüllt, in vorteilhafterer Erscheinung sich zeigen. Ein weiterer Vorzug ist, daß sehr teures Pelzwerk die willkommene Gelegenheit zur Entfaltung von Pracht und Luxus bietet; beim Pelz bewährt sich so recht das alte Sprichwort: „Kleider machen Leute I"
Den Wert des Pelzwerkes bedingt seine Schönheit, Güte und Seltenheit. Man unterscheidet im Rauchwarenhandel, für den Leipzig der Hauptstapelplatz ist, drei Abstufungen:
In der ersten Klasse steht als kostbarstes Pelzwerk obenan das Fell des sibirischen Zobels. Ein gutes Silber- zobelfell kostet jetzt schon 150 bis 600 M., die Preise sind jedoch fortwährend im Steigen. Noch mehr begehrt werden die schwarzblauen Felle, von denen die schönsten mit 800 bis 900 M. bezahlt werden. Zu einem vollständigen Pelz sind gegen 80 Fellchen notwendig.
Da neben Leipzig auch in London, das in regem Verkehr mit Nordamerika steht, regelmäßig große Pelz
auktionen stattfinden und die reichen Engländerinnen mit
Vorliebe Zobel tragen, so bleibt ein großer Teil der vorzüglichsten Ware in England.
Dem Zobel am nächsten kommt der Kamtschatkabiber, richtiger Meerotter genannt. Dieses merkwürdige Tier gehört, wie der Fischotter, zur Fannlie der Marder, bildet aber einen Übergang zum Seehund. Infolge unablässiger Nachstellungen ist der Seeotter schon fast ausgerottet. Die besten Felle dieses Tieres haben einen Wert von M0 bis 600 M.
Erstklassig sind auch die Felle der in Sibirien und Nordamerika heimischen Schwarz-, Blau- und Silberfüchse. Die glänzend schwarzen Felle, die im hohen Norden erbeutet werden, sind am kostbarsten; sie zeichnen sich auch durch sehr große Leichtigkeit aus. Pelze aus Kehl- und Nackenstücken kosten 7—8000 Rubel; sie sind bei der vornehmen Damenwelt in Petersburg sehr beliebt.
Von köstlicher Sammetweiche ist das Fell des Pelz- scehundes, im Handel Sealskin genannt. Die Robben- schläger richten unter den unglücklichen Tieren so grausame Massenmorde an, daß ein Aussterben dieser Art Seehunde bald stattfinden wird.
Zu der ersten Klasse im Pelzhandel werden noch der Biber (jetzt fast nur noch aus Kanada importiert), die verschiedenen Bärenfelle, virginischer Iltis, Fischotter und die Felle der südamerikanischen Wollmäuse (Chinchilla) gerechnet. Die Tierchen bewohnen hohe Regionen der Anden und liefern ein feines, seidenweiches Pelzwerk von grauer Farbe, das aber recht teuer ist. Das Dutzend der kleinen Felle kostet 40 bis 60 M.
Bon den verschiedenen Pelzsorten, die zur zweiten Klasse gehören, sind die Schuppenfelle, die der Waschbär liefert, ein stets gesuchter Artikel. Auch die Skunksfelle, die erst seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts aus Nordamerika eingeführt wurden, nachdem es gelungen war, den widerlichen Geruch zu beseitigen, finden gern Abnehmer und sind namentlich in Polen begehrt.
Der Nerz (Snmpfotter) liefert einen dichten, glatt anliegenden und glänzenden Pelz, der hauptsächlich zu Besätzen verwendet wird.
Zu den beliebtesten Rauchwaren, deren Preise noch nicht unerschwinglich sind, gehören die schönen und leichten Felle von Baummarder, Edelmarder und Iltis. Die Preise für dieses herrliche Pelzwerk würden vielleicht noch mäßiger sein, wenn nicht Rußland sehr große
