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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags. E

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Mittwoch» 29. September 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 455. * 63. Jahrgang.

Alle rodtercn 3 unfi(inid!«tjiid|c im Westen miedet ipniejen.

Die Russen südwestlich Dünaburg abermals zurückgeworfen. General von Linfingen erzwingt de« Uebergang über den Styr.

Ueber 22000 Gefangene in der Schlacht bei Wilna.

Lin wirkungsloser englischer Gegenangriff. — vernichtete französische Ravalleriemassen. — Die feindliche Stellung bei Wischnew durch­brochen. — Mehr als 3300 Gefangene. — Die Brückenköpfe von Barnowitschi genommen.

Der Tagesbericht vom 28. September.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Ter Gegner letzte seine Durchbruchsversuche auch gestern fort, ohne irgend welche Erfolge zu erreichen. Dagegen erlitt er an v i e l e n Stellen sehr emp­findliche Verluste.

Bei Loos unternahmen die Engländer einen neuen Gasangriff. Er verpuffte völlig wir­kungslos. Unser Gegenstoß brachte neben gutem Geländegewinn 20 Offiziere, 7 5 0 Mann an Gefangenen, deren Zahl an dieser Stelle damit auf 539 7 (einschließlich Offiziere) steigt; 9 weitere Maschinengewehre wurden erbeutet.

Bei Souchez-Angres-Roclincourt und sonst auf der ganzen Front der Champagne bis an den Fuß der Argonnen wurden die französischen Angriffe r e st l o s abgewiesen. In Gegend von S o u a i n brachte der Feind unter merkwürdiger Verkennung der Lage sogar Kavalleriemassen vor, die natürlich schlellnigst zusammengeschossen wurden und flüchteten. Besonders ausgezeichnet haben sich bei der Abwehr der Angriffe sächsische Reserveregimenter und Truppen der Division Frankfurt am Main.

In den Argonnen wurde unsererseits ein kleiner Vorstoß durch Verbesserung der Stellung bei Fillemortc ausgeführt. Er zeitigte das gewünschte Ergebnis und lieferte außerdem 4 Offiziere und 250 Mann an Gefangenen.

Auf der Höhe bei C o m b r e s wurde vorgestern und gestern durch umfangreiche Sprengungen die feindliche Stellung auf breiter Front zerstört und verschüttet.

Gestlicher Rriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfoldmarschalls von yindenburg.

Der gestern ans der Südwestsront von D ü n a b u r g znrückgcdrüngte Gegner suchte sich in einer rückwärts gelegenen Stellung zu halten. Er wurde angegriffen und geworfen. _ ^ .

Südlich des Dryswjatysees finden Kavallerre- gefechtc statt. .

Das Ergebnis des Generalobersten v. Eichhorn in der S ch l a ch t v o n W i l n a, die zum Zurückwerfen des Feindes bis über die Linie N a r o c z - S e e - Smorgon -Wischnew geführt hat, beträgt an Ge­fangenen und Material: 70 Offiziere, 21908 Mann, 3 Geschütze, 72 Maschinengewehre und zahlreiche Bagage, die der Feind auf seinem eiligen Rückzug zurückgelassen hat. Die Zusammenstellung dieser Beute konnte in­folge unseres schnellen Vormarsches erst jetzt erfolgen. Die bisher gemeldeten Zahlen sind in ihr nicht ent­halten

Südlich von Smorgon blieb unser Angriff im Fortschreitcn. Nordöstlich von Wischnew ist die feind­liche Stellung durchbrochen, 24 Offiziere, 3300 Mann wurden dabei zu Gefangenen gemacht und 9 Maschinen­gewehre erbeutet.

Heeresgruppe ves Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern

Die Brückenköpfe östlich vo« Baranowitschi find nach Kampf in unserem Besitz; 350 Gefangene sind cingebracht.

Heeresgruppe des GeneralfeldmarschaSs von Mackensen.

Die Lage ist unverändert.

Heeresgruppe des Generals von Linsingen.

Der Übergang über den Styr unterhalb von Luzk ist erzwungen. Unter diesem Druck sind die Russen nördlich von Dubno ans der ganzen Front im vollen Rückzüge. Oberste Heeresleitung.

Die Gffenfive der Engländer und Karstigen.

Eine ganze indische Brigade niedergemacht.

W. T.-B. Berlin, 28. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Kriegsberichterstatter des „B. T.", Bernhard Kellernrann, berichtet aus dem Großen Hauptlsuartier: Mit einem Maffen- aufwaud von Munition und mit 14 bis 15 Divisionen, dar­unter ein Teil der Kitchcncr-Armce mit Schotten, Irländern, Gurkhas, Siks und Farbigen aller Schattierungen, mit 100 000 Kubikmeter giftigen Gasen, ergriffen die Engländer auf dem rechten Flügel der Westfront die Offensive. Ihre Verluste sind ungeheuer, die Resultate kaum nennenswert. Sie legten vier Tage lang ei» schweres Wirbel- fencr ans unsere Gräben und ans bestimmte Abschnitte einen

nordöstlich Formelles. Hier wurden sie unter schweren Verlusten abgeschmettert; ferner westlich Anders. Teilweise in unsere Gräben eingedrungcn, wurden sie durch einen Gegenstoß geworfen und dabei eine indische Brigade total vernichtet. Ähnlich erging es ihrem Angriff bei G i v e n ch y und F e st u b e r t. Sie arbeiteten hier erfolg­los mit Rauchbomben. Das einzige nennenswerte Resultat erzielten sie südlich des Kanals von La Bassee, wo sie nicht mit Soldaten angriffcn, sondern ihren Truppen Tausende von Kubikmeter von giftigen Gasen als Sturm- kolonnen voranssandten. Die Gaswellen waren so dicht, daß man auf zehn Schritt Abstand keinen Baum mehr sah. Bor diesem Ansturm von Gaswellen mußten wir uns auf unsere zweite Stellung zurückziehen, aber sobald es wieder lichter wurde, gingen unsere Triwven zum Gegenangriff vor und eroberten Teile der verlorenen Stellungen zurück. Gleichzeitig mit den Engländern und den Gaswellen griffen die Franzosen von der Lorettohöhe bis Riviere, südlich Arras, nach einem tagelangen Hagelwetter von Granaten und Verwendung von Gasgranaten an. Ihre Verluste sollen ins grauenhafte gehen.

Ein furchtbarer Rampf.

Sr. Kopenhagen, 28. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Nach Drahtberichten aus Frankreich und Holland war das furchtbare Geschützfeuer an der Westfront in den letzten Tagen bis Paris und weit in die holländische Provinz Seeland hinein hörbar. Das Blutbad der letzten 24 Stunden war furchtbar. Am Sonntag wütete der erbitterte Kampf längs der ganzen Front. Nicht nur auf dem Lande wurde gekämpft, sondern auch in der Luft und zur Sec. Das Artillcriefeuer der Engländer und Franzosen warf ohnr Unterbrechung einen dichten Hagel von Geschossen aller Kaliber aus Hunderten von Batterien auf die deutschen Linie».

Oie aufgegebene russische Offensive in Wolhynien.

DerKeind hinter dieLutilowka zurückgeworfen — Eine neue völkerrechtswidrige Beschietzung eines RotenRreuz-Lazaretles durch die Italiener

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wie», 28. Sept. (Nichtaimtliich.) Amtlich verlautet vom 28.'September, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

Durch österreichisch-ungarische und deutsche Strcit- kräfte am Styr mit der Umklammerung bedroht, sah sich der Feind gezwungen, seine unter großen Opfern unternommene Offensive im wolhynischen Festungs- gcbict aufzugeben. Der russische Rückzug dauerte gestern den ganzen Tag über an und führte das feind­liche Heer hinter die CutiIowka. Unsere Armeen verfolgen. In den Nachhutgefechtcn östlich von Luzk nahmen unsere Truppen 4 russische Offiziere und 600 Manu gefangen- An der I k w a und in O fH galizien ist die Lage unverändert.

Italienischer Rriegsschauplatz-

An der D o l o m i t e n s r o n t wurde heute früh ein Angriff des Feindes gegen den Col bei Bois mit Hand­granaten ab gewiesen. Gestern beschossen die Italiener neuerdings das Spital des Roten Kreuzes in Görz mit etwa 50 Granaten, obwohl diese Sanitätsanstalt, da sie noch nicht vollständig ge­räumt werden konnte, noch die Genfer Flagge trug.

Im Abschnitt von D o b e r d o vereitelte unser Feuer einen Angriffsversuch gegen den Monte bei Sei Bussi.

Südöstlicher Rriegsschauplatz.

Unser Artillcriefeuer störte feindliche Befestigungs­arbeiten an der unteren Save. Die Festungs- geschützc von Belgrad gaben auf die Stadt Zemun (Semlin) einige fehlgehende Schüsse ab.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. H ö f e r, Feldmarichalleutnant.

von ben östlichen Kriegsschauplätzen«

Aufhetzung der russischen Rrbeilermaffen durch die russische Fortschrittspartei.

Kopenhagen, 28. Sept. Die bisher von den fortschrittlichen Parteien in jeder Weise genährte Unzufriedenheit un­ter den russischen Arbcitermassen nimmt jetzt immer mehr einen drohenden revolutionären Charakter an. Ter allgemeine Eindruck ist. daß die fortschrittlichen Kreise' jetzt die einzige Möglichkeit zur Erreichung ihrer Ziele in der allgemeinen Niederlage Rußlands im Krieg erblicken.. Bestärkt wird man in dieser Auffassung durch die Rede Tschingarews ans dem Semstwokongreß, in der er ausführte, der unglückliche Krieg von 1855 habe Rußland die Aufhebung l der Leibeigenschaft gebracht, durch die Niederlage im russisch- japanischen Krieg habe Rußland die ersten Anfänge zur Kon­stitution erhalten, und der jetzige Krieg müsse Rußland die Beseitigung des jetzigen Systems und die poli­tische Freiheit bringen.

vumbas Abberufung.

Rotterdam, 28. Sept. (Jens. Bln.) Reuter meldet aus Paris: Der hiesige „New Uork Herald" erfährt, Österreich- Ungarn habe in bezug auf die amerikanische Forderung auf Abberfung Dr. D u m b a s ausgiebige Genugtuung erteilt.

Der Krieg gegen England.

Masseninternierung der feindlichen Ausländer in England.

W. T.-B. London, 28. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Alle noch nicht internierten Deutschen, Österreicher, Ungarn, und Türken militärpflichtigen Alters, die nicht ausdrücklich die Erlaubnis erhalten haben, auf freiem Fuß zu leben, erhielten den Befehl, sich gestern bei der Polizei wegen Internie­rung zu melden. Der Pastor der deutschen Kirche in der hiesigen Clevelandstraße, tzer trotz Protestes eines Eng­länders weiter in deutscher Sprache predigte, wurde jetzt in», t e r n i e r t.