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^ , fetteafefcrafpm'cr No. 2958.
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Freitag» den 1. Januar.
Redaktions-Fernsprecher Ro. 82.
1V04.
res Urnjahr'^sestrs erscheint dir e mw Kamst rgnachmittag.
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i-land im Jahre 1903.
^GtzrfamtbUd des.Jahres 1903 ist alles - 'u nfreundliches und unfriedliches. Zu chs stand die internationale Politik irn rzueka-Streites, der Tcutschland, Eng- ' zwang, den Übermut der Venezolaner t i Präsidenten Castro mit Waffengewalt ezu gleichzeitig begann die makedonische ßlaufe der letzten Jahre überhaupt nicht der Tagesordnung verschwunden ist, nsthaften Konflikt zwisckzen der Türkei zu verschärfen, so daß es der stärksten ens Österreich-Ungarns nnü Rußlands seit gefährlichen Balkanbrand iin Keime ährend die makedonische Frage, deren ’|lr.Ttg noch immer aussteht. die inter- M'.atie in Atem hielt, erwuchsen dieser die in Ddarokko Msgebrochenen Wirren och hat sich die Furcht, daß der Kampf des kranken Marrnes in Vdarokko schon .inte, als unbegimndet ertoiesen. Zur internationale Politik völlig ün Zeichm Konfliktes, der sich zwar noch auf der irakischer Verhandlungen bewegt, aber zu sehr ernsthaften und gefährlichen Enthält. Die Welt würde allen diesen Mnt noch größerer Sorge gegenüberstehen, W>e in diesem Jahre von seiten der ver- Irten und Staatsoberhäupter wiederholt hrer friedlichen Gesinnungen abgegeben ui; die auch in mehrfachen Fürstenbestichen n Schiedsgerichtsverträgen, so zwischen Eng- alt reich und Italien und Frankreich, ihren dHck gesunden haben.
mHir im einzelnen die Entwickelung, welche D'irdech'n Staatsqebilden beschreden war, so zeigt ß dich Einzelbstder kaum freundlicher sind als i geschilderte Gesamtbild. Die Entwickelung ds int Jahre 1903 hoben wir bereits in einem ' rtckel geschildert. Reich an Krisen ist das st?»rreich -Ungarn gewesen. Zwar ngen Kämpfen gelungen, einen vorläufigen .scheu Ausgleich zwischen dm beiden Reichs- "de zu bringm, aber das politische Verhältnis ..Iue§ Jahres eher verschlechtert als der-
bessert. Diese Verschlechterung trat in den verschiedenen ungarischen Kabinettskrrsen zutage, die fast zu einer s ch iedl i ch - un f ri edli chien Auseinandersetzung zu sührm drohten. Über diesm Konflikten stürzte sowohl das Kabinett Szell wie das Kabinett Khuen-Hedecvary. Und tvenn denr Kabinett Tisza ein besseres Schicksal be- schieden zu sein sckzeint. so ist das nur noch ein Erfolg der schärferen Tonart, die jetzt in Ungarn gegenüber Österreich angeschlagen wird, und eine Folge des magyarischen Partikularismus. Auch das dritte der Dreibundländer. Italien, hatte dies Jahr seine Ministerkrisis. Nachdem das Kabinett Zanardelli schon vorher, insbesondere infolge der skandalösen Vorkommnisse in der Marineverwaltung, manche Krise durchgemacht hatte, trat Zanardelli im Anschluß an dm gescheiterten Zarenbesuch zurück und machte denr ausgeprägt dveibundfrenndlichen Kabinett Giolitti Platz. Daß inr übrigen die von Zanardelli geltend geinachtm Gesundheitsrücksichten nur allzu begründet waren, hat sein vor einigen Tagen erfolgter Tod in tragischer Weise bewiesen. Zu dm politisch bedmtsamstm Ereignissm des Jahred gehörte der anr 20. Juli erfolgte Tod des greisen Papstes Leos XIII., an dessen Stelle am 1. August der Patriarch von Venedig, Kardinal Sarto, als Pius X. zum Papst gewählt wurde.
In E n g l a n d war das Jahr ausgefüllt von heftigm Kämpfen für und wider die Schutzzollpolitik, welche zum Austritt Chamberlains aus demKabinettBalfour führten. Chomberlains politische Rolle ist jedoch damit nicht aus- gespielt; vielmehr hat er einen schrrsen Feldzug gegen das in sich gespaltme Kabinett Balfour eingelestet, um die englische Politik zum extremen Schutzzoll zu bekehrm. Balfours Vorgänger und Onkel Lord Salisbury schied am 22. August v. Js. aus dem Leben. In Frankreich führte das Kabinett Combes den im Jahre 1902 begonnenen „Kulturkampf" in radikaler Weise fort, so daß der größte Teil der Orden sich genötigt sah, Frankreich zu verlassm. Tie Humbert-Tragikomödie fand mü der am 22. August erfolgtm Verurteilung der gmialen Schwindler-Familie noch nicht ihren Abschluß, sondern sie erlebte ein parlamentarisches Nachspiel, das noch nicht ganz erledigt ist. Ebenso ist die Dreyfus-Affäre soeben im Begriff, eine Nmauflage zu erlebm. In Rußland brachte das Jahr neue Vergewaltigungen Finnlands, neue Judenverfolgungen, so besonders in Kischinew, und etliche Attmtate, welche die revolntionäre Stimmung im Lande kennzeichneten. Noch trostloser aber gestaltet sich die Lage in S p a n i en, wo auch in diesem Jahre eine Reihe von Ausständm und Unruhen das Land zerrüttete und wo inbezug auf die chronischen Ministerkrisen das Wort gilt, daß in Spanim nichts dauernd ist als der Wechsel.
Das eigentliche Schmerzenskind Europas ist aber auch in diesem Jahre, wie leider immer, der Balkan gewesen.
Die Unruhen in M a k e d o n i e n wuchsen zu einem blutigm Aufstande an, dessm Charakter durch die Attentate auf die russischen Konsuln inMstrowitza undllllonastir.
durch verschiedene Anschläge auf
)rienthahn und
durch das Christen-Massakre in Beirut gekennzeichnet wurde. Indessen ist es der energischer Politik des „orientalischen Zweibundes", Rußland und Österreich- Ungarn, gelungen, nicht nur dm Ausbruch des kriegerischen Konfliktes zwischm der Türkei und dem nach Makedonien lüsternen Bulgarim zu ursterd rücken, sondern auch die Pforte wenigstens im Prinzip zur Annahme des Reform-Programms zir zivingen. Über die Art und den Umfang der Durchführung dieses Programms sind freilich die Aktm noch immer nicht ge- schlosseir. In B u l g a r i e n und Griechenland dauern die innerm Krisen immer noch fort, aber den ersten Rang nahm und niinmt in dieser Beziehung Serbien ein. Die am 11. Juni erfolgte Ermordung des serbischen Königspaares bildet das dirnkelste Blatt in der Geschichte des verflossenen Jahves. Diese furchtbare Bluttat brachte zwar den Prinzen Peter Karageor- giewitsch aus den seit langm Jahrm erstrebten serbischen Königsthron, aber König Peter, der noch ganz unter der Botmäßigkeit der Königsmörder steht, ist in Serbien nicht auf Rosen gebettet.
Der amerikanische Kontinent, der sich zu Beginn des Jahres im Zeichm des Venezuela-Konfliktes befarrd, stand am Schluß des Jahres und steht noch im Zeichm des P a n a m a - K o n s l i k t e s. Da die Vereinigten Staaten von Anrevika sich mit Kolumbien nicht über den Bau des Panama-Kanals einigen konnten, spielten die sma!rtcn Jankees ein wmig „Vorsehung". Die Provinz Panama riß sich von Kolumbien los, und der neue Freistaat Panama machte mit den Amerikanern auf eigme Faust das Kanalgeschäft. Sowohl diese Stveitigkeitm wie die blutigm Wirrm auf San Domingo dauern zurzeit noch fort.
In Afrika stand in diesem Jahre die Marokko- n i s ch e F r a g e im Vordergrund. Die üblicheRevolution in Marokko nahm diesmal einen solchen Umfang cm, daß die rivalisiermdm Mächte Frankreich, England und Spanim schon die Zeit gekommen glaubten, den „Nachlaß" des Sultans zu „regulieren". Jndessm erwies sich doch zum Schluß gerade diese Eifersucht als das für dm Sultan günstige Moment, das abermals die Vertagung der marokkanischen Frage herbciführte. Freilich ist nicht zu verkmnm, daß Frankreich in diesem Wettlauf seinem Hauptnebmbuhler England um ein gutes Stück vorausgekommen ist. England bemühte sich in diesem Jahre, nach Möglichkeit die Wunden zu hei Im. die der blutige Burenkrieg den südafrikanischen Ländern geschlagen hatte. Aber der Erfolg dieser Bemühungen ist bisher nur gering, und die Lage in Südafrika ist so trostlos, wie sie nur jemals war. Dm Somali-
^A-Ernilleton.
«iSaitg sonst und jetzt.
. w on Kurt v. Walfeld.
Wen wir den Zeitraum, in welchem die "W üauf um die Sonne einmal vollendet. W70 man glaubte, daß sich die Sonne um nannte man diesen Zeitraum ein U ** J **‘ die alten Ägypter hatten ein Jahr
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it je 30 Tagen zu je 24 Stunden.
m noch nicht alle Völker dm Tag
- -- ie Chinesen beispielsweise haben heute
soppefltunde» und Nachtwachen. Ebenso hatten die «Römer die Stunden der Nacht in 4 Nach>twachen keilt, und ihr Tag dauerte nur von Sonnenaufgang ^onnmniedergnng. Erst später erhielt bei ihnen der 24 Stunden.
Ke alten Römer begannen in der Vorzeit ihr Jahr sf «n 1. Januar., sondern erst mit dem 1. März. Es rerte nur bis zürn 31. Dezember. Es hatte 804 Tage, anderen Tage zithlten nicht mit,' es war die Zeit des ters, wo auch b'ei ihnen die Natur vollständig ruht. " könig Numa hob die Fortlassung deb Januar und rar auf. Der Jahresanfang aber blieb beim AHirz stehen. Doch mit der Zeit machte dieser Jahres- g viel Unannehmlichkeiten, und man verlegte ihn zlich auf den 1. Januar. Der Name Januar Lnt von dem Gotte Janus. Er war der Ober-Tür- M im Himmel; er: öffnete die Himmelspforte, um dm hinansznlaffen, und verschloß sie wieder, wenn der |bi Abend zurü ckgekehrt war. ‘ Alle Arten von Ein- -kusgängen stan-den unter seinem Schd' Nach ihm Mr Tür jrrrnnri, und jeder StraßenEchgang, der ' 'Kratzen verband, hieß janus. Er war der Gott J>re§ und des Tages, vom Jahre n»ar ihm der MÄg und vom Tag die erste Stunde geweiht. Romn- ^Wte dem Gotte Janus einen wunderbaren Tempel. Wtzlxyr, Nmna, ordnete an, daß die Türe» die- beim Beginn eines Krieges weit geöf'ret
und nicht eher geschlossen würden, als bis kn allen Rom unterworfenen Ländern Friede sei.
tzicschlossen wurde dieser berühmte Tempel im Laufe von 700 Jahren nur dreimal. Das erstemal unter Numa selbst, zum zweitenmal nach dem ersten pnnischen Kriege und das drittemal nach der Schlacht bei Actium.
Die Römer hielten den 1. Januar für einen Glückstag und unternahinm an demselben gern wichtige Geschäfte. Nenjahrswünsche und Nmjahrsgeschmke warm unter ihnen so üblich, wie Wünsche heute noch bei uns. Die zuerst freiwilligen Ncujahrsgeschenke wurden von den Kaisern als Tribut eiirgcsordcrt, und zwar gleich von aüm Bewohnern Roms.
Bei den Israeliten schwankt heute noch der Jahresanfang zwischen dem 6. September und 7. Oktober. Es begtnl'.t nämlich mit dein ersten Neumond nach dem Herüstäquinoktium. Jedoch darf das Jahr nicht mit einem Sonntag, Mittwoch oder Freitag beginnen. Es sind daher auch bei ihnen sechs verschiedene Jahreslängm im Gebrauch, deren Länge um 82 Tage schwankt. Schon im Altertum hatte Neujahr eine hohe festliche Bedeutung bei den Juden: weil bei ihnen am 1. Tischri lNenjahrs- tag) im Tempel mit Posaunen geblasen wurde, nannten ste Neujahr das „Posaunmfest" oder „Sabbat des Blasens".
Bei den Chinesen schwankt der Jahresanfang zwischen dem 20. Januar und dem 19. Februar. Es beginnt, wenn die Sonne in das Sternbild der Fische eintritt. Das wurde bei den Chinesen schon in der Vorzeit genau beobachtet, denn sie waren schon sehr früh gute Astronomen. . *
Während bei uns das Jahr nur um einen einziger! Tag schwankt, geschieht dieses bei den Chinesen um einen vollen Monat. In den Ländern mohammedanischer Religion rechnet man die Jahre von der Flucht des Propheten an, also vom 15. Juli 622 nach Christi Geburt. Das Jahr ist bei den Mohammedanern ein reines Biond- jahr, und seine Dauer beträgt 354 oder 355 Tage. So kommt cs, daß der Anfang des Jahres immer mehr zurückgeht, so daß die Feier des neuen Jahres in Konstantinopel in alle Jahreszeiten fallen kann. Die Russen
beginnen zwar das neue Jahr mit dem 1. Januar, aber sie feiern das Neujahrsfest erst 13 Tage später, da sie noch nach dem im Jahre 46 vor Christi eingeführten julianischen Kalender rechnen und den verbesserten gregorianischen, der 1582 eingesührt wurde, nicht angenommen haben.
Die syrischen und griechischen Christen halten an dem 1. September alten Stils, also am 13. September des neuen Stils fest.
Die Deutschen des Mittelalters begannen das neue Jahr am 25. Dezember, In den Urkunden deutscher Kaiser finden wir diesen Tag noch bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders, also bis in das 16. Jahrhundert festgehalten.
Bis zum Jahre 1556 begann in Frankreich das neue Jahr mit dem Osterfest.
Wie und wann die Völker der Erde ihr Neujahrsfest auch feiern mögen, bei allen hat die Neujahrs- oder Silvesternacht ihren bcsvnderen Zauber. Fast alle glauben in ihrer Mehrzahl noch an die Zauberkraft der Mitternachtsstunde, wo das alte Jahr zu Ende ist und das neue beginnt. Der schwächste, wenn auch schönste Aberglaube, ist auch heute bei uns noch der, daß der Glückwunsch in der zwölften Stunde der Silvesternacht der glückbringendste ist. Und wer hat nicht schon in der Neu- jahrsnacht Blei gegossen oder sonst die Zukunft gedeutet?
Alles dieses und ähnliches haben wir von unsere» heidnischen Vorfahren geerbt. In der ersten der zwölf Nächte, zur Mitternachtsstunde, war mit der Gabe, den Menschen die Zukunft zu enthüllen, die ganze Natur erfüllt. Bäume und Sträucher, das stiauschen des Windes, das Ziehen der Wolken, alles wurde gedeutet. Da gab cs nichts, kein Zeichen, das man nicht befragt hätte. Was von alldem auf uns gekommen ist, sind nur wenige von den tausend Cleheimmittclii, welche unsere Altvordern anwendeten, um die Zukunft in der Silvesternacht zu erforschen. Natürlich Irieß bei den Heiden die Nacht nicht so, denn der Name ist christlichen Ursprungs, er stammt vom Papst Silvester I., dem Bekehrer Kaiser Konstantins des Großen. Papst Silvester starb am 31. Dezember 335.
Ebenso verschieden wie das Jahr und sein Anfang,
