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1. Der läge jum Wiesbadener Tagblalt

Uo 1. Worgen-Arrsgabe.

Freitag, den 1. Januar.

82. Jahrgang. 1804.

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A An einem offenen Pcirodicrgärtlci» gebt der Mensch flkitfuiüIHfl vorbei und wird erst lraurio, wen» es ver-

* schloffen ist.

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<8. Keller iniSinngedicht". (Dem G.°K.-Brevicr entnommen.)

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(88. Fortsetzung.)

Ena Keoni.

Roman von Marie Bernhard.

Sie werden mich nun fragen, Eva Leoni, woher ich alles dies weiß? Entsinnen Sie sich wohl, wie Ahrenz eines alteir Onkels erwähnte, der früher beim Militär gestanden hat? Nun, dieser gute Mann ist seht hier in Berlin, in der Absicht, mich kennen zir lernen, um viel­leicht, da er ganz allein steht, künftig in unserer Häus­lichkeit zu leben. Er hat alles, was ich Ihnen soeben er­zählst zum großen Teil miterlebt, die Geschichte hat dazumal natürlich ein ungeheures Aufsehen erregt und ist von dem alten Herrn, der ein Vorgesetzter des jungen Offiziers war und ihn persönlich außerordentlich gern hatte, in einem getreuen Gedächtnis betvahrt worden.. Sie sehen schr angegriffen ans, Kind, aber raffen Sie sich zusammen, meine Erzählung ist noch nicht zu Ende, sie hat noch ein Nachspiel!"

Ich fühlte, daß ich wie unter einem elektrischen Schlag zusammcnzuckte, langsam schien ein Eisstrom durch ineine Glieder bis in die äußersten Fußspitzen zu rinnen, und unwillkürlich wandte ich meine Augen mit schreckensvollem Ausdruck dem Fenster zu,- draußen be­gann allmählich die Dämmerung herabzusinken.

Vor einiger Zeit ist der Fürst des Landes, welcher damals die Todesstrafe in lebenslängliche Festungshaft

umwandelte, gestorben, --Sie haben das ohne Zweifel

gleichgültig in den Zeitungen gelesen und sich nichts weiter dabei gedacht: Sie werden aber wissen, daß solch' ein Todesfall eines regierenden Herrn zahlreiche Amnestien

und Begnadigungen nach sich zieht! Nun gut,.

unter diesen Begnadigungen befindet sich auch diejenige des Offiziers, von dem wir sprechen; er hat sich während seiner Strafzeit musterhaft geführt und sich die Teilnahme seiner Vorgesetzten in hohem Grade erworben. Wie alle höheren Militärs ist auch er auf der Festung zum Bureau- dienst verwendet worden, und da er sich als außerordent­lich geschickt und vflichtgetreu erwiesen hat, so besorgte man ihm hier in Berlin durch gute Empfehlungen eine Stelle in einein Bureau, die seinen anständigen und aus- kömmlichen Lebensunterhalt reichlich sichert; hier, in der Millionenstadt, die tmiscnde von gebrochenen Existenzen beherbergt, taucht er im übrigen so unbeachtet und unge- kannt unter, daß ihm noch so am wohlsten sein dürfte! Durch einen ganz merkwürdigen Zufall, dessen Schilde­rung zu weit führen möchte, hat Ahrenz' alter Onkel den ehemaligen, von ihm unvergessenen Kameraden hier ent- deckt, und es ist ihm allmählich gelungen, dessen anfäng­liche Scheu und Verschlossenheit zu besiegen, so daß er ihm anvertraute, er sei aus allen Kräften bemüht, die Spur seines einzigen Kindes, einer Tochter, aufzufinden, er würde die Welt durchsuchen, um sie zu entdecken, es aber nicht wagen, sich ihr als ein Vater, der nur Schande auf ihren Namen gehäuft, zu offenbarm. Ich habe es für

meine Aufgabe gehalten, die Existenz dieses Vaters fest- zustellen; ob nun die Tochter sich umtig zu ihni bekennen und damit selbstverständlich! einen Strich durch ihre bisherigen Beziehungen und durch ihr bisheriges Leben

machen will - ob sie es vorzieht, so zu tun, als hätte

sie nichts gehört und schweigend ihres Weges weiter zu gehen, als die Gattin des ahueustolzSn Barons und Gardekürassierofsiziers Clemens Günther von Rothkirch,

das bleibt ihr überlassen! Daß der Vater aus eigenem Antriebe nie sich melden, nieinals seine Zugehörigkeit zu diesem Kinde und seine grenzenlose Liebe zu demselben offenkundig nrachcn wird, unterliegt keinen! Zweifel; er­würbe, hat er geäußert, lieber sterbm. als ihrem Glück im Wege stehen! Eine schwere Wahl, eine starke Aufgabe für ein junges Mädchen! Hier Glück, Reichtum. Glanz,

die Auerkmuung und Huldigung der großen Welt-

dort eine dunkle Vergangenheit, ein jäher Bruch mit allem bisherigm Besitz, ein Hiuabtauchen in eine völlig andere Sphäre, ein Vergessenwerden, wahrscheinlich sogar ein

Geächtetsein seitens der früheren Genossen, - - was

meinen Sie, Eva Leoni, wird die Tochter die feste Seele habm, diesen Tausch auf sich zu nehmen?"

Doktor Laugenfeldt lenkte die klugen Augen auf mich, die ich wie gebannt regungslos verharrte. Ich konnte nicht antworten, nicht denken!

Überlegen Sie sich's ich werde in ciuigm Tagm wiederkommen, und, falls Sie es zu wissen wünschen, werde ich Ihnen sagen, wo Sie Ihren Ihren den Mann, von dem ich sprach, zu suchen haben!"

Das ist nicht nötig! Ich weiß ihn zu finden!"

Ich stieß es heiser heraus, mit einer Stimme, die gar nicht mir zu gehören schien.

Sie haben gewußt?" Doktor Langenfeldts Gesicht erstarrte förmlich in eisiger Verachtung.Sie hätten mir das fricher sagen sollen. ich hätte mir und Ihnen meinen Vortrag erspart!"

Das nicht nein", stammelte ich zusammenhangs­los erst seit Sic sprachen, glaube ich - denke ich aus Barmherzigkeit, lassen Sie mich jetzt allein!"

Hm! So! Nun, ich denke nicht, daß Sie lügen können, ich hielt Sie dessen nie für fähig! Gehen will ich aber noch einmal: Sie können handeln, wie Sie es für gut finden, die vier Leute, die um die Sache wissen, Ahrenz, sein alter Onkel, ich und der der Beteiligte, wir wissen zu schweigen! Sie sind niemand Rechenschaft schuldig, als Ihrem eigenen Gewissen!"

Das helle, kühle Gesicht unter dem Lodenhütchen nickte mir kaltblütig zu, ein fester Druck ließ meine Hand schmerzen, eine Tür klang, ich war allein!

Nein, ich kann es in Worten nicht wiedergeben, was ich empfand! So redlich ich mich bestrebe, es zu tun, es ist mir nicht möglich! Ein Wirbel hatte mich erfaßt und riß mich mit sich fort, ich kann nicht sagen, daß ein Zaudern und Ahwanken. ein Abwägen für und wider

mich überkam, -- ich hatte Furcht vor mir selbst,

das war's! Wild sprang ich empor: nur nicht denken nicht denken! Mein Blick fiel auf eine große Photographie Clemens Günthers im Stehrahmen, die ich hier in der Verschwiegenheit meines Zimmers aufgestellt hatte; wie die verkörperte Versuchung sah der wunderschöne Männer­kopf mit den verlockenden, strahlenden Augen zu mir herüber: seine Lippen schienen zu bitten: schweige! Soll ich dich betrügen?" fragte ich laut, und dazu hörte

ich Doktor Langenfeldts Stimme:Sie sind niemand

Rechenschaft schuldig, als Ihrem eigenen Gewissen!"

- Ein Gewissen! Hatte ich denn noch eines?

War inir's nicht im Taumel der letzten (seit abhanden ge­kommen? Nicht denken, o, nicht denken! Ich blickte von dein Bilde weg, ich trat schwankend zurück, mechanisch legten meine Hände sich um die Griffe des Fensterkreuzes.

Da geschah mir etwas Seltsames! Es dunkelte mit Macht, allein mein Blick schien dreifach geschärft, er ge- wahrte deutlich dort im Vorgarten, rechts unter den Bäumen, eine mir bereits wohlbekannte Gestalt. Sie stand bewegungslos da, das schneeweiße Haupt-und Bart- Haar dänunerte durch den sinkenden Abend zu mir herüber,

- da riß es an meinem Herzen, daß ich meinte, zu

ersticken, und so >vie ich ging und stand, ohne Hut und ohne Hülle, flog ich durch die Tür, die ich hinter mir offen ließ, die Treppe hinab, durch die Hinterpforte - und nun um das Haus herum, leise, behutsam, geduckt unter den Bäumen hin, ihn im Halbkreise umgehend, danut er nich nicht komemn sähe . .' . . lind nun plötzlich, dicht ruax.il ihm, wie aus der Erde gewachsen, warf ich ineme beiden Arme um seinen Hals und sagte ganz leise und zärtüch:Mein lieber Vater!"

XVII.

Und gut war es, daß meine Arme ihn so fest um­schlungen hiclteii, - ich fürchtete, er wurde fallen!

Er zitterte von Kopf bis Fuß, o, wie er zitterte! Ich hatte keinen anderen Gedanken, als den, ihn zu beruhigen, und ich hob mein Gesicht zu ihm auf und sagte:sprich doch zu mir, mein lieber Vater! Küsse mich, und sprich zu mir!"

Eva! Eva!" kam es leise und tonlos von seinen Lippen.Tu du weißt woher weißt"

O, nicht fragen, nicht grübeln, wir haben uns, das ist genug! Du hast dein Kind wieder, ich habe einen Vater gefunden, der mich lieben wird."

Nein, nein!" Er sah sich wild und verstört um und schob mich beinahe heftig von sich.Geh' zurück, geh! Noch hat dich niemand mit mir gesehen! Du bist ein Kind, du weißt nicht, was du tust, dein gutes Herz hat dich verleitet .... du kennst die Welt nicht! Ich wem es, du bist heimlich Braut, du sollst gliicklich werden."

Glücklich?" fiel ich ein.Glücklich, wenn ich meinen eigenen Vater verleugne und mit einer Lüge vor Gottes Altar trete?"

Ich hörte ihn aufftöhnen. .

Wer ist so grausam gewesen, dir alles zu sagen? Ich wäre nie gekommen, dich zu belästigen, nur von weitem, nur dich sehen, das had' ich nicht dekämpsen können! Eva, Eva, inein einziges Kind, mein Lieb­ling, mein Abgott!"

Jetzt fühlte ich seine heißen Küsse auf meinem Ge­sicht, fühlte die Tränen auch, die brennend aus seinen Augen auf meine Stirn niedertropften. Ich schmiegte mich fest an sein Herz; wohl er hatte gefehlt und ge- sündigt, kam es mir zu, tfm zu richten?

Laune, lange standen wir in dem finsteren Garten; laue, feuchte Düfte von vermoderndem Laub stiegen um uns auf, ganz leise rauschten die Bäume im flüsternden Abendwinde.

(Fortsetzung folgt.)

Mlinsi-ge^lig-Vsi-km

Heute Abend von 8/a Uhr ab:

Grosser Fest-Ball

mit einleitender Weihnachtsfeier

in den oberen Sälen desCasino 46 , Friedrichstrasse.

Wir laden unsere verehr]. Mitgliedschaft, sowie Inhaber von Gastkarten ergebenst ein.

Der Vorstand.

N. S. Wegen Einführung von Nichtmitgliedern wolle man sich an Herrn Spritz a»«ereasif-, Rheinstrasse 20. wenden, woselbst auch die Karten in Empfang genommen werden

(BalB-^nzug Vorschrift.)

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Sonntag, den 3. Januar 1904, vormittags pünktlich 11 */a1 Uhr, im Saale des Hotel Victoria:

Wohltätigkeits-Konzert

zum Besten der Freibettkasse des Vereins vom Boten Kreuz.

Mitwirkende:

Fräulein Bertha Grimm, Konzertsängerin (Alt), Herr Direktor Spangenberg (Orchesterdirektion und Klavierbegleitung), Herr Dr. Karl Roser (Tenor), Lottchen Roser (Klavier), Karl Moser jun. (Cello) und die Orchester­klasse des Spangenbergsclien Konservatoriums.

Programm:

1. Honzrrt in D moll für Klavier und Orchester, II. und I. Satz, Mozart. 2. Arie für Alt aus der OperElfenliebe, Jean Grimm. 3. I.nlier{grins lilerkunft, Wagner. 4. Sonate in D-duv für Klavier und Cello, II. und III. Satz, Rubinstein. 5. Iiäeder für Tenor: a) Morgen­hymne, Henschel, b) Aus dem Kachtlied Zarathustras, A. Mendelssohn. 6. Sdeder für Alt: a) Die Haide ist braun, R. Franz, b) Mir träumte einst ein schöner Traum, Spangenberg, c) Salomo, H. Hermann. 7. Elegie und Vnisc aus der Suite für Streichorchester, Tschaikowsky.

Preise der Plätze: I. numerierter Platz 4 Mk., II. numerirfer Platz 2.50 Mk., nicht numerierter Platz 1 Mk. Eintrittskarten sind vorher in der Buchhandlung von Moritz und Miinzei. Wilhelmstr. 52, in der Musikalienhandlung von Er. Scliellen- berg, Kirchgasse 33, und an der Kasse zu haben. F 219

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