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Verlag Langgasse 21

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Sonntag, 26. September 1915. Nr. 449. . 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Beginn der neuen großen Offensive der Feinde im Westen. — Alle Angriffe abgeschlagen. — Fortsetzung unserer Angriffe südlich von Solq. — Dis Stadt Negniewilschi, nordöstlich von Rowo-Srodekr, erstürmt. — Fortschreitender Angriff an der Szczara.

Der Tagesbericht vom 23. September.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 25. Sept. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Auf der ganzen Front vom M e e r e bis an die B o g e s cn nahm das feindliche Feuer an Stärke zu und steigerte sich östlich von N p e r n zwischen dem Kanal von L a B a s s e e und Arras sowie in der C h a m p a g n e, von Prosnes bis zu den Argonnen, zu äußerster Heftig­keit. Die nach der zum Teil 5vstündigen stärksten Feuervorbereitnng erwarteten Angriffe haben begonnen. Zwischen den Bahnen nach Ipern, nach R o u l e r s und nach C o m i n e s stießen die Engländer heute früh vor. Ihr Angriff ist auf dem Nordflügel erst nach Nahkampf vor und in unserer Stellung bereits abge­schlagen. Ferner greifen sie n o r d ö st l i ch und s ü d ö st - lich von Armentieres und nördlich des Kanals von La Bassee an. Sie versuchen dabei die Benutzung von Gasen und Stickbomüe».

Am 23. September, abends, drangen, wie nachträglich be­kannt geworden ist, die Franzosen in unsere zerschossenen Gräben bei Sou chez erft. Sic wurden sofort wieder her­ausgeworfen. Gestern wurden sie abermals bei Souchez und beiderseits von Neuville zurückgeschlagcn.

In der Champagne von Prosnes bis zu den Argonneit erfolgten französische Angriffe, die an den meisten Stellen abgewiesen wurden. Znm Teil wurden sie bereits durch unsere starke Arttllerie zum Scheitern gebracht, zum Teil brachen sie erst wenige Schritte vor unseren Hinder­nissen im Feuer unserer Infanterie und Maschinengewehre zusammen. Die zurückflutendcn feindlichen Massen erlitten in heftig sic nr Artillerie- und M a s ch i n c n g e - wehrfeuer sehr erhebliche Verluste. An einzelnen Punkten der Front ist der N a h k a m p f noch im Gange. Ein schwacher französischer Vorstoß auf Bezange-La- Graade (nördlich von Luncville) hatte keinen Erfolg. Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generaifeldmarschalls von kfindenburg.

Ruffische Angriffe südwestlich von L enn ew ad e n sowie bei Wilejka und Rabun wurden abgeschlagen. Unsere Angriffe in der Front südlich von S o l y werden fortge­setzt. Die Ruffen setzten unserem Vordringen in der allge­meinen Linie Smorgon - Wischnew westlich von Saberesina-Djeljatitschi (an der Einmündung der Beresina in den Njemen) noch Widerstand entgegen. Bei Friedrich st adt schoß ein deutscher Flieger ein ruffisches Flugzeug herunter.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern

Nördlich von Korelitschi wehren sich die Russen hart­näckig. Unsere Truppen stürmten die .Stadt Negnic- witscht (nordöstlich von N o w o - G r o d e k) und schlugen mehrere starke Gegenangriffe ab. Östlich und südöstlich hon Baranowitschi ist unser Angriff auf dem Wcstufer der Szczara im Fortschreiten. Es wurden einige hundert Gefangene gemacht. Westlich Medwjcditschi und süd­lich bei L i P s k ist die Szczara erreicht.

Bei der Heeresgruppe des Generalfcldmarschalls von Mackensen und auf dem südöstlichen Kriegsschauplätze ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung.

*

Große Verluste der Russen in Wolhynien. — 20 Offiziere, 4000Mann an der Ikrva gefangen. — Kroschin nordöstlich Baranowitschi erreicht.— Aufnahme der Arlillerietätigkeit im Grtler- gebiet. — Gescheiterter Angriff an der volo- mitenfront. — Erfolgreiche Artillerietätigkeit im Raume von Belgrad.

v«r österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 25. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)

Amtüch verlautet vom 25. September, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Lage im N o r d o st e n ist unverändert. In O st - galizien ging nichts von Bedeutung vor. Gegen unsere wolhynische Front nntcrnahm der Feind wieder eine Reihe mitunter sehr heftiger Angriffe, die an ein­zelne« Punkten bis in unsere Gräben führten, aber überall blutig abgewiesen wurden. Die Ruffen erlitten große Ver­luste. D« Zahl der an der I k w a - L i n i e gestern und vor- •aetttttt eimlebrachteu Gefangenen beträgt 20 Offiziere und

an 4000 Mann. Die im Wald- und Sumpfgebiet am unteren Styr vorgehende österreichisch-ungarische Reiterei euttiß dem Feinde abermals einige zäh verteidigte Ort­schaften.

In Litauen drangen unsere Truppen bis in die Gegend von K r o s ch i n vor.

Italienischer Kriegsschauplatz^

An der Tiroler Front eröffnete unsere Artillerie nun auch im Ortlergcbiet das Feuer. Eine feindliche Ab­teilung, die im Cedschtale vorgegangen war, flüchtete bis San Caterina, eine andere wurde aus ihrer Stellung westlich der Königspitze verjagt.

Östlich des oberen Daonetales säuberten unsere Truppen die Cima - Latola vom Gegner.

An der D o lo m i t c ns r o n t scheiterte ein Angriff ans unsere Stellung in Col dei Bois, wobei die Alpini, die sich zu dieser Unternehmung freiwillig gemeldet hatten, große B e r l u st e erlitten.

Im Kärntner und küsttnländischen Grenzgebiet hat sich nichts von Bedeutung ereignet.

Westlich am Ronschi fand ein italienischer Fcssclballotk durch Explosion sein Ende.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Artillerie beschoß erfolgreich serbischen Train im Raume von Belgrad und feindliche Infanterie auf der Höhe von T o p c i d e r. Im übrigen blieb auch im Süd- ostrn die Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: ■ v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Berufungen in die Zivilverwaltung Polens.

Zwei hervorragende sächsische Richter, Landgerichtsdirektor Hettner, der Vorsitzende der nationalliberalen Landtags­fraktion im sächsischen Landtag, und Reichsgerichtsrat Dr. H e i n z e, der frühere Reichstagsabgeordnete, sind in die deutsch-polnische Zivilverwaltung berufen worden. — Amts­richter Henrychowski (Gneserr) erhielt eine Berufung in die ZivilverwalMng nach Lodz. — Postrat B i t t l i n s k i (Posen) wurde an das neu eröffnet«: deutsche Postamt Warschau berufen. Bittlinski hat auch die Post in Kalisch eingerichtet.

Russische Schatzschcine für die japanischen Munitions- lieserungen.

Haag, 24. Sept. (Zens. Bln.) Wie die „Times" aus T c k i o melden, haben auf Grund von diplomatischen Vor­stellungen Rußlands die japanischen Großbanken,mit der Regierung in Tokio Verhandlungen geftihrt, welche das Ergeb­nis hatten, daß diese Banken unter der Führung der Dokohama Spezialbank sich bereit erklärten, für die an Rußland ge­lieferte Munition Bezahlung in russischen Schatzscheinen anzunehmen. *

Streitigkeiten innerhalb der städtischen Körperschaften.

W.T.-B. London, 25. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) .Daily Telegraph" meldet aus Petersburg: Während sich in Moskau die Verhandlungen der Semstwosvertreter würdig und harmonisch abspielen, entstand in der Versamm­lung der Munizipalitäten eine kräftige Oppo­sition der Linken. Die Verhandlungen waren zeitweise sehr bewegt, selbst stürmisch und drohten in ein Kreuzfeuer persönlicher Herausforderungen auszuarten. Die Minderheit verlangte eine Abstimmung über die von ihr beantragte Ent­schließung, in der man anscheinend ein verantwortliches Ministerium und ein Koalitionskabinett fordert. Die Ver­lesung der Resolution erntete starken Beifall, wurde aber durch eine starke Mehrheit abgelehnt. Eine Entscheidung der Mehrheit wurde sodann nur gegen 3 Stimmen angenommen. Die Wahl einer Abordnung verursachte einen neuen Streit. Tie Minderheit setzte durch, daß Gutschkow nicht gewählt wurde.

Oer deutsch-österreichische Städtetag für die wirtschaftliche Annäherung an Deutschland.

W. T.-B. Wien, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Der deutsch­österreichische Städte tag, an den: Vertreter von 58 Städten, zahlreiche Abgeordnete des deutschen- Nationalver- bandes und Vertreter der Ministerien teilgenommen haben, nahm eine Entschließung an, die sich für die wirtschaft­liche Annäherung der Monarchie an das Deutsche Reich ausspricht. _ .

Das Gouvernement Minsk.

Die gewaltigen deutschen Fortschritte auf dam öst­lichen Kriegsschauplatz brachten einen Teil unterer sieg­reichen Truppen in den Bereich des russischen Gouver­nements Minsk- Dies ist das ausgedehnteste unter den westrnssischen Gouvernements. Mit einem Flächen­inhalt von 1660 Quadratmeilen hat cs annähernd die Götze der beiden Königreiche Bayern und Württemberg. Desto spärlicher ist seine Bevölkerung, denn diese be­trägt nur 1451900 Seelen, also 875 Menschen auf eine Quadvatmeile und ist demnach nur halb so stark als die relative Volkszahl der Nachbargouverncments. Dies ausgedehnte Gouvernement grenzt im Norden an Das Gouvernement Witebsk, im Osten an das von Mohilew

und Tschenrigaw, rm Süden an Kiew und Wolhynien, im Westen an Grodno, im Nordwssten an Wilna. Es erstreckt sich demnach vom Oginski-Kanal ini Westen bis zum Dnjepr iim Osten. Die südliche Hälfte wird vom Pripet und dessen Zuflüssen durchzogen, der Nordosten gehört der Beresina und dem Sjwislotsch, der Nordwesteir dom Gebiet des oberen Njemen. Hieraus geiht hervor, daß das Land sehr reich ist an Wasser, bosonders was den südlichen Teil des Gouvernements anbelangt. Hier liegt der Kanipfraum der Aririiee des Generalseld- mavschalls v. Mackensen- Die Höhenverhältnisse sind derartige, daß im Norden, in der Gegend der Stadt Minsk, Erhebungen bis zu 340 Meter Vorkommen und der Landschaft einen bergigen Charakter verleihen, wäh- renid nach Süden und Südwcsten zu die durchschnitt­liche "Höhe stetig abnimmt, bis der Tallaus des Pripet die tiefste Senkung des Geländes auf etwa. 130 Meter Höhe bezeichnet. Fast genau deckt sich Mt diesen Höhen- Verhältnissen der Anbau und die Ertragfähigkeit des Landes, indem der höher liegende Nordwesten die an- göbautesten und bevölkertsten Bezirke enthält, während der Osten und Süden des Gouvernements, bas Bere­sina- und Pripet-Gebiet, überwiegend mit Wald- und Sumpsland bedeckt ist. Ter südliche Teil des Gou­vernements ist das unter dem Namen der Rokigno- Sümpse bekannte PoIjessje, -das größte Sumpf- land Europas. Zu den beiden Seiten des dem Dnjepr zuströnrenden Pripet dehnen sich ungeheure, größtenteils bewaldete Smnpsstrecken aus. die an Um­fang das Königreich Bayern weit übertreffen. Me Ver­sumpfung rührt vom mangelnden Gefälle der Wasser­adern urid dem Unistande her, daß die südlichen Zu­flüsse viel eher auftauen als die nördlichen. Die russi­sche Regierung hat schon vor vielen Jahren die Entwässe­rungsanlagen begonnen, auch einen Teil des GÄnetes entsumpft und urbar gemacht. In den lebten Jahren vor dem Kriege wurde diese Arbeit ober gänzlich ern- gestellt. Militärische Gründe sprachen dafür, dieses gewaltige Naturhindernis in seinem Riesenumsange bestehen zu lassen. Der größte Fluß dieser Swnps- ländereien ist der Pripet. Er entspringt Zwischen Brest-Litowsk und Wladimir-Wolynski, hat eine Länge von 500 Kilometer, bei deur am 17. September erober­ten Pinsk eine Breite von 60 Mieter, bei Mosyr von 200 Meter und an der Einmündung in den Dnsestr 400 Meter. Ab Minsk Verkehren Dampf schisse. Nicht- sumpfige U-ferstreifen finden sich nur stellenweise am Mittel- und Unterlauf, im übrigen aber begleiten den Fluß breite, meist ungangbare, mit Schilf be­wachsene Sumpfftrecken. deren Beschafsenbeit natürlich Mit der Jahreszeit wechselt und die in der Regen- pcriode des Herbstes sowie der Eisschmelze tm Früh­jahr überschwemmt sind. Während dieser Zeit steig t der Wasserspiegel des Pripet und seine User bilden eine bis zu 2 0 Kilometer breite Wassermaste, dre ieden Verkehr zu Lande zwischen den weit ausgedehnten Wohnplätzon unmöglich macht. Anfangs Juni geht der Pripet wieder auf seine gewöhnliche Masserhöhe zurück. Ende Dezember friert er in der Regel zu.

ddur in seinem Oberlauf vermitteln Brücken den Verkehr zwischen den beiden Usern. Bei L um i n e z führt eine Eisenbahnbrücke über den Muß. Die wichtig­sten Nebenflüsse sind rechts die Turija, der Stochod, der Styr, der Goryn mit drei Zuflüssen, links dre Jassjolda, der Slutsch, der Pritsch. Die Jassjolda rst durch dm Qginski-Kanal mit der Schara und damit auch mit dem Njemen vcrburrden. Auch mit dem westlrchm Bug be-> stcht eine Verbindung, und zwar durch die der Jassjolda zwströmenden Pina, die durch den Bug-Dmepr-Kanal mit deur Muchäwjez verbundm ist. Diese Wasserver- hältnisse des Poljessje und insbesondere die Versumpfung der meisten Bezirke sollten nach den bisherigen Ansrasten Unternehmungen größeren Umsangs ge- valdeAu unmöglich m-achen. Wer uuch in dieser sicht hat die deutsche Heeresleitung die bisherigen Anschauungen zunichte gemacht. Außerordentlich schwre^ rig liegen hier die Verhältnisse sür die BeweMmigeü großer' Heeresmassen, für die Verpslegung und Unter-, kunft in diesem ärmlichen unid dünn bepölkerten Landes- teil Me erfolgreichen Unternehmungen der Armes Mackensen und des Prinzen Leopold totm Bayern haben in glänzender Weise bewiesen, daß sie damit fertrg zu werderr verstehen. Ebmso schwierig wie die Bvdm- und Massecverhältnisse des Poljessje sind auch drejemgm dev Kunstbauten. Nur zwei große Bahnlinren durch-^ schneiden das Poljessje', in nordsüdlicher Richtung dig Wilna-Rowno-Linie und in westöstlicher die Lime Brest- Litawsk-Homel. Letztere ist zweiglersia. Schnitt­punkte beider Schienenwege ist das 10. Kilometer nörd­lich dLs Pripet liogen-de LuMinez. Die südlichm Aus­läufer des Poljessje durchzieht die Lime Kowel-Krew, die b"i Sarny die Strecke Wilna-Rowno kreuzt. Me andere, an der nordwestlichen Grenze lairsmde Mchm ist seit der Eroberung von Dcest-LitM?2k in ümAcher