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n Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts.

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Nr. 224 .

Samstag» 25. September.

*915.

(25. Fortsetzung.)

Zriedels Liebe.

Roman von Anny

(Nachdruck verboten.)

<&m] Buckenbach wohnte in einem «der neuen Hotel­paläste am Hauptbahnhof. Er hatte oben im Sveisesoal eine Kleinigkeit gegessen, nun suchte er sein Zimmer ans. Bor dem Reiten pflegte er immer gehörig zu ruhen. Und heute galt es besonders vorsichtig zu sein. Heute ging „Hexenkind" zum ersten Riale über die Bahn. Hans Blickenbach machte es sich bequem, er mußte sich ein Stündchen hinlagen. Er warf sich auf das Sofa, doch schnellte er sofort wioder auf: „Verdammt unbequem", brummte er; nun, da mußte er sich aufs Bett legen und dabei siel ihm ein, der Portier hatte ihm heute morgen einige Postsachen übergeben. Ein Brief der Mutter war dabei, den las er natürlich gleich, doch die Zeitungen steckte er achtlos in seinen Ulster, die konnte er setzt durch­studieren, pour passer le temps.

Er holte die Blätter. Ein paar Sportzeitungen, die ihm der Inspektor nachgeschickt, und eine bekannte Ber­liner Zeitung. Naim, darauf war er doch nicht abon­niert?! Und, wie kovlisch, die KreuKandsendung trug den Poststempel Frankfurt a. M. Jedenfalls ein inter­essanter Sportbericht, den ihm ein Bekannter zusandte. Für Lektüre wäre also gesorgt. Er ließ sich auf Dem Bett nieder.

Erst griff er nach den Sportzeitungen, da gab es inriner etwas von Wichtigkeit für ihn, und.ganz zuletzt langte er nach den: Berliner Blatt. Das Kreuzband glitt zur Erde- Ah, da, der Artikel war mit einem dicken roten Strich gekennzeichnet. „Quatsch, was mich .das kümmert", sa>g.te er laut, als er sah daß der Artikel unter dem Strich sich in der Rubrik: „Aus beim Reiche der Kunst" befand und doch wunderten seine Augen mechanisch über die Zeilen hin.

Zwei Worte sprangen daraus hervor, ein ddame. Der Liegende erhob sich plötzlich mit einem Ruck. Himmel­donnerwetter, das konnte nicht möglich sein, was die Zeitung da erzählte, das war einfach Blech, heller Blöd­sinn, höhere Perstmpelung. Wütend zerknitterte Hans Buckenbach das Blatt, die Adern auf seiner Stirn schwol­len an. als wollten sie springen. Er stürzte ein Glos Wasser hinunter, daun nahm er das mißhandelte Blatt und breitete es glättend aut den Tisch.

Er mußte das Unglaubliche noch einmal lesen.

Wort für Wort, mit halblauter Stimme las er:

„Im Ibsen-Theater fand gestern die mit größter Sorgfalt vorbereitete Ausführung von Ibsens „Bau­meister Solneß" statt. Auf das Stück selbst wollen wir morgen zurückkommen, heute nur einiges über die Dar­stellung. Fräulein Warlow, die Darstellerin der Hilde, erkrankte kurz vor Beginn. Eine junge, den Berlinern völlig unbekannte Schauspielerin, namens Magda Ber­gen, die im Zuschauerraum anwesend war, übernahm die Rolle und spielte sie so vorzüglich, so meisterhaft, so eigenartig, idaß wir nicht begreifen können, daß dom wachsamen Auge Direktor Ohlendorfs eine solche Kraft bisher entging. Einen derartigen Beifall, wie gestern, hatte das Ibsen-Theater bisher in seinen Annalen noch Nicht zu verzeichnen. Hoffentlich versteht es die Direk-

von PanhuyS.

tion, diese junge Schauspielerin — nebenbei bemerkt, eine Berlinerin — 1 die auch von auffallender Schönheit ist, an die Reichshauptstadt zu fesseln, und wir geben der Hoffnung Ausdruck, die Dame recht bald als Mit­glied des Ibsen-Theaters begrüßen zu dürfen."

Nun folgte eine kurze Notiz:

„Wie wir soeben erfahren, wivd sich unser Wunsch. Fräulein Magda Bergen ain Ibsen-Theater zu scheu, leider nicht erfüllen, die Dame steht kurz vor ihrer Der- mäblung mit dem Herrenreiter Graf Buckenbach."

Mit ein ein .Stöhnen fiel der Lesende auf einen Stuhl und abermals zerknüllten die Hände das Blatt.

Und gerade heute mußte er den Wisch erhalten, vor dem Reiten, wo er dei „Hexenkinds" unberechenbaren Launen Ruhe und Selbstbeherrschung nötig brauchte.

Magda hatte ihm versprochen, nie mehr auszukreten und sie brach ihr Wort. Er wurde sowieso schon oft ge­nug daran erinnert, welche Dummheit es gewesen, sich mit einer Schauspielerin zu verloben, jetzt hatte man sich in seinem Bekanntenkreis wohl an die Tatsache ge­wöhnt, da mutzte Mazda sowas anstellen. Lieber Gott, er gab nun «mal was ailf das Urteil der Menge, er war nicht darüber erhaben iind man würde schön schwatzen, daß seine Braut in Berlin kurz vor' der Hochzeit aufge­treten war.

Wie konnte sie nur.

„Dolle Kiste!" fluchte er uud klingelte dem Kellner: „Bringen Sie mir eine halbe Heidsieck", bestellte er.

Er stürzte da? schäumende Getränk hastig hinunter. Er mußte einen Entschluß fassen. Neulich sprach er mit seiner Mutter über Magda- Er hatte erzählt, wie schwer es Magda geworden, der Bühne zu entsagen. Die Mutter meinte, hoffentlich komme in Magda nicht einmal später die Sehnsucht nach den Brettern zum Durchbruch. _ Da lachte er. das schade weiter nichts, die Hauptsache sei, sie habe mit dem Theaierkrempel Schlich gemacht. Und nun, — nun hatte sie sogar ihr Wort gebrochen, das sie ihm auf seinem Wunsth damals bei der Verlobung gegeben. Was wird di? Mutter zu wlcher Liebe sagen, ging es ihm durch den Kopf.

Er warf den Sektkelch zu Boden, klirrend zerbrach das dünne Glas und es war ihm, als läge all das Heiße, Tolle. Ungestüme, do^ ihn zu der liebreizenden Schau­spielerin gezogen, so in Trümmern am Boden und er stieß es mit seinen Füßen fort, wie er die Glasscherben beiseite stieß.

Sein festgefovmtes Kinn schob sich ein wenig vor. hart und kalt wurde der Ausdruck seiner Augen. Mit flüchtiger Hand schrieb er ein Telegramm nieder und übergab es, ehe er nach dem Rennplatz hinausführ, einem Boy zur Besorgung. So, morgen mit der ersten Post konnte er von Magda Antwort erwarten.

Er ging gleich in die Box zu „Hexenkind" und blieb beim Anfsatteln dabei. Bei der Stute mußte man vor­sichtig sein, die geringste Kleinigkeit verdarb ihr die Laune- Sie hatte sich aber gut an ihn gewöhnt, schnup-

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