9bu 448. Samstag, LS. September ISIS.
jrriffen, die nie stattfanden. Der vorgestern veröffentlichte italienische Generalstabsbericht vom 19. September übersteigt aber geradezu in unerhörter Weise das Matz der ansonst stillschweigend geduldeten Unwahrheiten. Es wrrd berichtet: „Auf dem Karftplateau hatte sich der Feind in einem Perro di Cavallo genannten Wald im Abschnitt des Monte San Michele stark verschanzt. Durch überraschendes Borgehen und Sturmangriffe gelang es unserer Infanterie, trotz erbitterten Widerstands und wiederholter Gegenangriffe des Feindes, den ganzen Wald im Nahkampf zu besetzen. . ."
Alle unsere Stellungen am Monte San Michele befinden sich nach wie vor fest in unserer Hand. Die Besitznahme eines Waldes, der Perro di Cavallo heitzen soll, aber aus keinerDetailkarte zu finden ist, ist einfach erlog e n. In Wirklichkeit stören eigene vorgeschobene Patrouillen nachtsüber stets die feindlichen Erdarbeiten im Vorterrain unserer Stellungen. Als Beweis für die rege Tätigkeit dieser Patrouillen diene, datz es einigen von ihnen vorvorgestern gelang, 119 Mann mit 3 Offizieren gefangen zu nehmen.
Der Krieg im Grient.
ver amtliche türkische Bericht.
W. T.-B. Konstantinopel, 25. Sept. (Nichtamtlich. Draht- bcricht.) Das Arotze Hauptquartier teilt mit: Die allgemeine Lage ist unverändert.
An der Dardanellenfront bei Anaforta zerstörte unsere Artillerie wiederum einen Teil der feindlichen Schützengräben. Bei Ari Burnu machte unser Feuer eine feindliche Kanone bei Vuksscksirt (?) kampfunfähig.
Bei Sedd>ül-Bahr zerstörte die Explosion einer unserer Minen vor unserem rechten Flügel einen Teil der feindlichen Schiitzengräben und Drahtverhaue, sowie eine feindliche Gegenmine, bei der die feindlichen Pioniere den Tod fanden.
An der Jrakfront wurden am 22. September zwei Schwadronen feindlicher Kavallerie, die zusammen mit fünf feindlichen Schiffen auf dem linken Ufer des Tigris gegen unsere Stellung vorrückea wollten, dank der Gegenangriffe unserer starken Erkundungskolonne zurückgeschlagen. Wir fügen täglich durch unsere wirksamen überraschenden Angriffe den Feinden, die ohne den Schutz ihrer Kanonenboote auf dem Tigris und Euphrat sich im Gelände bewegen, schwere Verluste zu. Wir entrissen ihnen eine grotze Beute.
französische reguläre Truppen für die Dardanellen?
Thrazien der künftige Kampfplatz.
Sofia, 25. Sept. (Zens. Bln.) Das in Athen erscheinende Blatt .Hestia" meldet die in Kürze erfolgende Abfahrt des 1 7. französischen Armeekorps nach den Dardanellen, da die Verwendung regulärer Truppen statt der bisherigen Kolonial- truppen-Freiwilligen notwendig geworden sei. Man mutmaht, datz durch den Vormarsch deutscher Truppen nach dem Balkan der Kampfplatz nach Thrazien verlegt werden wird.
Ein zurückgewicsener Angriff auf Smyrna.
W. T.-B. Konstantinopel, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Man erfährt jetzt, dass am 14. September drei kleine feindliche Schiffe 55 Geschosse gegen Tuzla nördlich Budrun an der Küste des Wilajets Smyrna abgefeuert haben und mittels Motorbooten Truppen zu landen versuchten. Der Feind mutzte sich jedoch, da die türkischen Truppen das Feuer tapfer er- wideasten, zurückziehey.
Der Milliardensieg ves deutschen Volkes. Lin zweites ttaiferlelegramm an Staatssekretär Helfferich.
W. T.-B. Berlin, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Nach Erhalt des endgültigen Ergebnisses der dritten Kriegsanleihe richtete der Kaiser aus dem Grossen Hauptquartier an den Staatssekretär des Reichsschatzamts Dr. Helfferich eine zweite Drahtung folgenden Wortlauts:
„Meinen wärmsten Dank für die Meldung von dem über alles Erwarten günstigen Erfolg der dritten Kriegsanleihe, der einem glänzenden Sieg auf dem Schlachtfeld gleichkommt und keine Blutapfer gefordert hat. Wilhelm. I. R
Die Beteiligung Libaus an der ttriegranleihe.
8. Memel, 25. Sept. Mg. Meldung. Zens. Bln.) Wie das „Memeler Dampsboot" aus Libau meldet, sind auch dort in der eben von uns besetzten russischen Stadt 44 009 M. auf die neue Kriegsanleihe gezeichnet worden.
Lin freier Lag für alle Schulen.
W. T.-B. Berlin, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Vom Kaiser ist dem Kultusminister aus dem Grotzen Hauptquartier folgendes Telegramm zugegangen: „Wie ich höre, hat zu dem glänzenden Ergebnis dep Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe die Tätigkeit der Lehrer und Schüler in erfreulicher Weise beigetragen. In Würdigung des überraschend grossen Erfolges wünsche ich der Schuljugend meinen Dank zum Ausdruck zu bringen und bestimme, dass in den Schulen der Monarchie am heutigen Tage der Unterricht ausfällt.
Die verschwundenen Papstschreiben an den Nuntius von München.
IV. T.-B. Köln, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Volksztg." hält gegen die halbamtliche Ableugnung der Agenzia Stefani ihre Behauptung voll aufrecht, dass zwei Briefe der römischen Kurie, die in Rom zur Post gegeben wurden, beim Münchener Nuntius nicht ankamen. Der eine Brief enthielt die Ernennungsurkunde für den Erzbischof D a l b o r, der andere Brief betraf Angelegenheiten der Di^ese BreÄau. Der Papst an den Bischof von Paderborn.
Köln, 25. Sept. (Zens. Bln.) Der Bischof Dr. Karl Joseph Schulte von Paderborn erhielt nach der „Köln. Volksztg." auS dem Staatssekretariat des Papstes ein Schreiben, in dem es u. a. heisst: „Dem Heiligen Vater war es eine sehr grosse Freude, aus Ihrem Brief zu ersehen, wie Sie mit Ihren Mitarbeitern treu und unverdrossen ausharren in dem so löblichen Entschluss, sich dem von Seiner Heiligkeit gekrönten Werk, dass den Völkern der Friede so bald wie möglich zurückgeführt und die unglückliche Lage der Gefangenen durch die christliche Liebe erleichtert werde, angelegentlich zu widmen. Der Heilige Vater ist der festen Hoffnung und Zuversicht, datz Sie chm niemals Ihre Mitwiäung versagen werden, um diese schwere Aufgabe mit Gottes Hüje zp. Lade zu führ«,''
Wiesbadener Tagblalt»
MlMm ..WM MW".
Eiserner Siegfried.
Es hat das tapf're deutsche Heer Mit siegfriedstarken Hieben Beschützt das Haus und Hof und Herd Und alles, was wir lieben.
Und Opfer hat's für uns gebracht,
Blutopfer, riesengroße!
Des zeugen Frauen, gramgebeugt.
Und Kinder, vaterlose.
Ein jeder, der fürs Vaterland Sich selbst hat hingegeben.
Der darf fürwahr mit Fug und Recht Die Forderung erheben:
„Sorgt für mein Weib, sorgt für mein Kind, Lasst' sie nicht Hunger leiden!
Ich habe erst für Euch gekämpft.
Nun müßt Ihr für mich streiten!"
Sie gaben Blut, wir geben Geld,
Wir geben'? ohne Prahlen:
Bezahlen können wir sie nicht.
Jedoch wir können zahlen!
Sie haben ihre Pflicht erfüllt.
Wir wollen sie erfüllen Und in schimmerndes Gewand Held Siegfried freudig hüllen!
Wohlan, schlagt einen Nagel ein!
Er mutz nicht golden gleißen'
's darf Silber auch, 's darf Effen sein:
Ein Siegfried ist's in Eisen! H. D.
Ein Denkmal des Opfersinns der Bürgerschaft der Residenzstadt Wiesbaden wird morgen vormittag seiner Bestim- mung übergeben. Der Künstler — Willy Bierbrauer — hat die reckenhafte Gestalt des Helden Siegfried der deutschen Sage gewählt, und seine Wahl war eine glückliche. Er bot ein Werk geschafsen, das ihm Ehre macht und hoffentlich auch seiner Heimatstadt Wiesbaden zum Ruhm gereichen wird. Ern Denkmal des Ovfersinns der Bürgerschaft soll es sein; datz es diesen stolzen Namen verdient, dafür habxi- nun wir zu sorgen.
Held Siegftied hat den Lindwurm getötet und sich in seinem Blut gebadet. Das Drachenblut machte seinen Leib unverletz. luh bis auf eine kleine Stelle. In diese eine unbewehrte &ttät Siek Lauen das Schwert und tötete den Helden.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt.Seite 3»,^
Held Siegfried — deutsches Volk! Du wirst ewig rmvev» lctzlich aus dem Kampf mit dem Drachen hervorgehen, wen» du eine Rüstung trägst,- geschmiedet aus Einigkeit, Pflichtge* fühl, Mut, Gerechtigkeit und Nächstenliebe. Vernachlässige keine der Tugenden, die dich stark gemacht haben, dann wirst du deinen Feinden keine Blöße bieten, in die sie ihre Schwert« stoßen können!
Der stolze Siegfried, der morgen feinen gebräunte» Lindenholzleib den Wiesbadenern zur Benagelung fteigibtz soll ein Eiserner Siegfried werden. So soll er künftigen Go» fchlechtern ein leuchtendes Bild sein von dem Opfersinn der? Bürgerschaft in schwerer, harter Kriegszeit.
Aber nicht, um uns der Zukunft im guten Licht zu zeige«, sollen wir opfern, sondern aus Pflichtgefühl und aus Dankbarkeit für die grotzen und schweren Opfer, die unser tapferes Heer für uns alle gebracht hat.
Die Kommission für Krieqswitwen- und -Waisenfürsorge hat das Denkmal errichtet, das eine Stiftung eiiteSr angesehenen Bürgers der Stadt Wiesbaden ist. De» bedürftigen Witwen und Waisen gefallen ner Krieger gilt das Denkmal. Jeder Nagck, der eingeschlagen wird, ist nichts weiter als eine geringe Abzahlung der großen Schuld, in der wir uns denen gegenüber befinden, die ihr Alles für das Vaterland hingegebe» haben.
Jeder schlage einen Nagel nach seinen Mitteln ein. Dee Eiserne Nagel des kleinen Mannes ist hier ein ebenso schönes Zeugnis des Opfersinns wie der goldene des Reichen. Nnv einzelne Teile des Denkmals sind vorerst für die Benagelung vorgesehen; möge sich der Opsersinn der Bürgerschaft der Res» denzstadt Wiesbaden als so groß erweisen, daß der ganze Siegö fried in Gold, Silber und Eisen gehüllt werden kann! i
* TP
Der Schöpfer des „Eisernen Siegfried" ist der WiesbadS» ner Bildhauer Willy Bierbrauer, der durch die prächtig^ und eine selbständige Auffassung bekundende Gutenbergfigur am Eingang des neuen Gebäudes der Landesbibliothek vor« teilhaft bekannt geworden ist. Der „Eiserne Siegfried" ist, einschliesslich des Sockels, 4 Meter hoch. Das Material ist Lindenholz; der mächtige Holzblock, aus dem die Bildhauer Hutter, Leitem und Stortz unter der Leitung Bierbrauers das Denkmal herausgearbeitet haben, wurde von dem! Zimmecmeistrr Fritz Müller zusammengefügt, während die Firma Dams (Inhaber Gäfgen) dem fertigen Werk de» bräunlichen Ton gab. Das Denkmal ist würdig; die Stellung Siegfrieds kraftvoll, sein Gesichtsausdruck kühn, entschieden^ ernst. Der Sockelschmuck — das Kreuz auf der Vorder-, das Wiesbadener Stadtwappen auf der Rückseite — gut gewähst und gefällig angebracht. Das mächtige Schwert, der Brustpanzer, das Hüfthorn ufw. fordern förmlich zur Benagelung heraus. Der Gedanke, Wehr und Waffen Siegfrieds in erster Linie für die Benagelung zu bestimmen, war ein sehr glückÄ licher. Selbstverständlich kann der ganze Siegfried benagest werden, abgesehen allein von den Fleischteilen und bat Haaren. Benagelt werden: die Sandalen nur mit eiserne» Nägeln; die Wadenriemen außen mit eisernen, innen mit silbernen und goldenen Nägeln in fortlaufendem Muster; der Schwertknauf mit goldenen Sfiftungsnägeln (die Zwischen» selber werden mit schwarzen Nägeln ausgefüllt); die Brüst» rosetten mit goldenen und eisernen Nägeln, ebenso die Arm» spangen; der Brust- und Hüftenpanzer mit eisernen Nägeln, ebenso das Schwert; das Hüfthorn samt Kette mit silberne» Nägeln; der Flügelbelm durchgehends mit silbernen Nägel» mit unplastischen Köpfen. Mit Ziernägeln kann auch dr« Mantelspange benagelt werden. Vorerst ist Platz für S0 00S Nägel vorgesehen. Die Rückseite des Denkmals ist fellactig stilisiert. Der Schild wird schwarz benagelt bis auf den Schild« buckel, für den die silberne Benagelung vorgesehen ist.
Die Weihe und Benagelung des Denkmals findet in des» von Direktor B e u t i n g e r von der Lokalgewerbeschule entworfenen hübschen Tempel statt, der den besten Platz gesunde» bat, den man ihm geben konnte: er steht im Blumengarte» gegenüber dem Kaiser-Friedrich-Denkmal und tritt mit seiner» vorderen offenen Teil auf die Wilhelmstratze heraus. Dev stilvolle, hellgrau abgetönte Tempel, dessen schlichte Konture» sich wunderbar von den bunten Farben des BlumenM»te»H abheben, kann gar nicht übersehen werden.
Kus Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
ver Waid mutz vor Zeuer bewahrt werden.' 4
Herr Regierungspräsident Dr. v. Meister erlässt fotz gcnde Bekanntmachung:
Obwohl wiederholt in den Amtsblättern und Tageszeitu«, gen auf die Bestimmungen ses 8 44 Feld- und Forstpolizei. gesetzes vom 1. April 1880 und des tz 368,6 Reichsstrafgesetz, buchs warnend hingewiesen ist, sind doch wiederholt Wald-« brände vorgekommen, die auf leichtfertiges FeueranzündeU durch Privatpersonen, zum Teil auch durch Jugendoereiwq. Wandervögel, Jungdeutschlandbund, Pfadfinder zum Zweq des Abkochens zurückzuführen sind. Da Waldbrände weg« Leutemangel während des Kriegs besonders schwer zu bö, kämpfen sind und deshalb jetzt eine besondere Gefahr bedeute», so werden die Kgl. Oberförster veranlasst, durch entsprechendq Anweisung der Forstschutzbeamten darauf hinzuwirken, datz jedem Feueranmachen im Wald durch Personen, die nichh beruflich darin tätig sind, mit aller Strenge entgegengetrcte« und jede Zuwiderhandlung gegen obige gesetzlichen und drg sonstigen zum Schutz des Waldes gegen Feuersgefahr erlasse nen Bestimmungen rücksichtslos zur Anzeige gebracht wird, J
Besuch unserer Bundesgenossen im »aiser-wilhelm-Heim.
Die in Wiesbaden zur Kur weilenden österreichr« schen und türkischen Offiziere und Mannschaft« t e n, insgesamt etwa 60 an der Zahl, besichtigten gestern ia Begleitung einer Anzahl deutscher Offiziere das Kaiser-« Wilhelm-Heim der „Deutschen Gesellschaft für Kauf« monns-Erholungsheime" bei der Station Chausseehaus. Siq wurden dort von dem Vorsitzenden des Präsidiums mit ein« kurzen Ansprache willkommen geheissen, auf die Herr Ober« leutnant Kraus, ein Österreicher, namens der Besucher er« widerte. Die in dem Kaiser-Wilhelm-Heim untergebrachte« deutschen Verwundeten begrüßten die österreichischen und türkischen Kameraden durch ein frisches Lied, auf das die Türke« durch Absingen ihres Natiormlliedes antwortete», Ls wechjM
