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Samstag» 25. September 1915.

klbend-Kusgabe.

Nr. 448. . 63. Jahrgang.

Oie Valkanfragen.

Es wird sich erst später in seinem ganzen Umfange und mit seiner tiefgreifenden Bedeutung zeigen. Me verkehrt die Politik des Bierverbandes war, als sie die italienische Karte gegen hie Mittel" machte ausspielte. Man sieht nämlich schon heule, haß niit dem Eintritt Italiens in lhen Krieg her Bai" kan politisch wie militärisch für unsere Feinde der" l o r e n .gehen -mußte. Indem der Dreiverband seinem Vasallen in Rom erlaubte,, eroberungslustig nach der Ostküste der Adria zu schielen, erregte er das eifersüchtige Mißtrauen von Griechen­land und Serbien. Griechenland batte noch einen besonderen Grund zur Verstimmung, weil die italie­nische Ländergier nach dem Tod ekaneso s und Der k l e i n a s i a t i s ch e n Kiiste hinllbergrisf, wo «das Königreich der Hellenen einstmaliger glücklicher Erbe zu werden hofft. Solange sich Ö st e r r e i ch - U n g a r n und Italien am Westrand der Balkanhalbinsel die Wage hielten, konnten Griechen und Serben auf diese Gebiete als auf die ihnen vom Schicksal in der Zukunft vorböhaltenen zwar nicht mit sachlichen Gründen, wohl aber mit jener Sehnsucht blicken, die, solange sie nicht grausam geknickt ist, immerhin einen Ersatz für Wirklichkeiten gewähren kann. Damit war es vorbei als Italien aktive Balkanpolitik zu treiben unternahm. Daß sie nicht gelungen ist und auch nicht gelingen wird, ändert nichts an den Auffassungen in dm Balkan­hauptstädten und in Athen: Der Wettbewerb der

Italiener mußte ü b e r a l l al l ä st i g und feindlich empfunden werden, auch in Sofia und sogar in B u k a r e st, wo man doch am weitesten vom Schuß ist. Die Balkanhalbinsel kann nun einmal geographisch nicht weiter ausgedehnt werden, und wer von dieser Schüssel mitessen will, der verkürzt die Anteil? der anderen. Der Mißerfolg des Dierverbandes bei seinen Werbungen um Bulgarien und Griechenland hat schließ­lich seinen Ursprung in der verfehlten Politik, die sich in Italien einen Bundesgenossen ohne rechte Leistungs- Möglichkeit heranzog, einen Mitkämpfer, dessen mili­tärische Unzuverlässigkeit nur noch von seiner finanziellen und wirtschaftlichen Ohnmacht übertroffen wird. Man kann eigentlich nicht sagen, daß die serbische Regierung unklug ge­handelt und mit starrem Eigensinn die Gelegenheit ver­patzt habe- Wir möchten glauben, daß Herr Paschitsch den bulgarischen Ansprüchen aus Mazedonien weiter, als geschehen, entgegengekonimen wäre, wenn er die Sicherheit gehabt hätte, daß hinter der allgemeinen Zusage einer Entschädigung der feste Wille gestanden hätte, Serbien bis zum Meere Vordringen zu lassen. Qb die Feinde solchen Willen auch wirklich durchsetzen könntm, bleibt ja eine Frage für sich: w i r dürfen sie mit aller Bestimmtheit verneinen, aber im gegneri­schen Lager kann man natürlich anders denken. In Risch hatte man jedoch Anlaß genug, den unbestimmten Versprechungen aus Petersburg und London zu miß­trauen, schon weil Italien dieselben Gebiets­teile gefordert und wahrscheinlich zugesagt bekommen hat. So hängt eines am anderen: Serbien konnte an Bulgarien nichts ohne Entschädigung ge­währen, und diese Entschädigung schwebte in der Luft; Griechenland «mußte sich im eigenen Interesse zurück­halten und dem Viewerband die kalte Schulter zeigen. Denn zu welchem Zweck wohl sollte Griechenland kämp­fen, wenn es wiederum Italien war, das die Früchte der aufgewanidten Mühe gepflückt haben würde? Die gute diplomatische Arbeit, die von uns und auch von unseren Freunden an der Donau geleistet worden ist, wird in ihrem Werte nicht ver­kleinert, wenn man zu der Erkenntnis kommt, daß sie durch gehäufte Fehler nuferer Feinde wesentlich erleichtert worden ist. Wir haben es schon mehrfach gesagt und möchten es wiederholen: es ist ein Glück für die Mi tte Im ächte, daß das Bündnis mit Italien in die Brüche gegangen ist. Die Unbequem­lichkeiten des Übergangszustandes werden reichlich da­durch ausgewogen, daß Italien fortan aus den Ange- loqercheiten der Balkanhalbinsel völlig a u s ge­schaltet werden wird. _ Dafür wird unser gutes Schwert sorgen, daß die zwischen Größenwahn und Unfähigkeit ziellos hin- und hevschwankeNde Politik des Quirinals in Zukunft dort unten imSüdoften nicht «mehr mit^usprechen haben wird, und wenn dieser lärmend e Gernegroß erst zur Ruhe gebracht ist, werden die auf dem Balkan harrenden Aufgaben so gelöst werden, daß das Ergebnis den Stempel unseres Willens tragen wivd. selbstverständlich in der Weise, daß die wahren Interessen der zu uns haltenden Balkanvölker aufs beste werden gewahrt werden- Der Dreiverband oder der Vierverband (es kommt arrf dasselbe hinaus) ftoinb das Nachsehen bäbeu.

Auch Griechenland macht mobil?

W. T.-B. London, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Der grie­chische Gesandte in London erhielt die Meldung aus Athen, daß Griechenland mobilisiere.

Nein militärisches Eingreifen Griechenlands

8. Berlin, 25. Sept. (Eigsnie Meldung. Zenf. Mn.) Wie wir an uraßgebender Stelle hören, hat in Berlin die Nachricht von der griechischen Mo bil- machung keinerlei Besorgnis hervorgerufen. Nachdem Bulgarien im Lause der in den letzten Wochen stattgcfundenen Verhandlungen der griechischen Regie­rung ausdrücklich versichert hat, daß es sich gegenüber Griechenland jeden aggressiven Schrittes enthalten werde, kann es sich bei dem griechischen Schritt nur um eine Vorsichtsmaßregel handeln: Griechenland wird angesichts der Kämpfe, die sich unter Umständen in unmittelbarer Nähe seiner Grenze, ab­spielen werden, nicht wehrlos und ungerüstet diesen Kämpfen gcgcnübcrstehcn. Ein militärisches Eingreifen Griechenlands in den eventuellen bulgarisch-serbischen Konflikt ist, wie man hier a n n i m m t, nicht zu erwar­ten, obwohl Bulgarien vorsichtigerweise und vermutlich auch mit weiteren Komplikationen gerechnet haben wird.

Reine militärischen Vorkehrungen Rumäniens gegen Bulgarien.

Br. Ofenpest, 25. Sept. (Gig. Drahtbericht. Zenf. Mn.) Aus Bukarest wird gemeldet: Der bulgarische Gesandte Rados erschien beim Ministerpräsidenten Bratianu und teilte ihm im Aufträge seiner Regierung mit, daß die im Zuge befindlichen militärischen Maß­nahmen Bulgariens sich nicht gegen Rumänien richten. Zu gleicher Zeit kündigte der rumänische Ge­sandte in Sofia dem Ministerpräsidenten Radoslawow an, daß von Rumänien keinerlei militäri­sche Vorkehrungen gegen Bulgarien ge­plant seien. Die Begegnung der Handelsminister beider Staaten, die zu dem gleichen Zeitpunkt erfolgte, war der Beseitigung gewisser Mißverständnisse förderlich.

Oer rumänische Gesandte bei Radoslawow.

W. T.-B. Rom, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Das „Giornale d'Jtalia" meldet aus Bukarest: Der rumänische Ge­

sandte in Sofia hatte eine lange und wichtige Unterredung mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten RadosTawotv. Dieser ersuchte den Gesandten, die rumänische Regierung der friedlichen Gesinnung Bulgariens zu versichern. Trotzdem be­urteile man in Bukarest das Verhalten Bulgariens als zweideutig.

Fortdauer der Neutralität Griechenlands und Rumäniens.

Br. Berlin, 25. Sept. (Gig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Der Berichterstatter des „B. T." in Sofia telegraphiert über das Verhältnis zwischen Bulgarien, Griechenland und Rumänien folgende Informationen: Bulgariens

Mobilisierung hat n i ch t s Bedrohliches für seine südlichen und nördlichen Nachbarn. Nach meiner Information wird sich Rumänien weder durch diesen Schritt, noch durch eine even­tuelle Aktion Bulgariens in Serbien bedroht fühlen, also in seiner Neutralität weiter verharren. Auch der König von Griechenland und der Generalstab werden vermuüich ihr Land nicht in einen zwecklosen Kampf für die Interessen Dritter hineintreiben lassen. Allerdings werden sie sich aus strategischen Gründen dem Übergang des serbischen Gebietes von Oran und Gewgeli in bulgarische Hände aufs entschiedenste widerfetzeu. Aber es ist anzu- nchmen, daß Bulgarien versuchen wird, zu einer V e r st ä n - digung mit Griechenland zu gelangen. Die Entente wird natürlich nichts unversucht lassen, die Ansprüche in Ser­bien zu verhindern. Schob heißt es, daß die Gesandten Ruß­lands und I t a l i e n s in Sofia den Befehl erhalten hätten, abzureisen, sobald Bulgarien irgendwie seine Ideale in Serbien der Erfüllung näher zu bringen sucht.

Oer abgeiehnte Vorschlag ües Vierverbandes an Rumänien.

Br. Athen, 25. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bin.) Die Zeitung „Kairi" behauptet, über den In­halt der V o r s ch I ä g e, die der V i e r v e r b a n d durch den Mund des russischen Gesandten i» Bukarest Rumänien gemacht hat, folgendes erfahren zu haben: Der Vierverband garantiert Rumänien den Besitz von Tr a n s Y l v a n i e n, der Bukowina und des Banats von Temcsvar. Der Vierverband verpflichtet sich, keinen Frieden zu schließen, bevor Rumänien nicht in den Besitz dieser Gebiete gekommen ist. Rumänien ver­pflichtet sich dafür, mit einer Armee von mindestens 500 000 Mann die Deutschen auzugreifcn, keinen Separatfrieden zu schließen, bis zum Tage des Eintritts in den Kampf, wohlwollende Neutralität gegenüber dem Bierverbande an den Tag zu legen, be­sonders jeglichen Verkehr zwischen den Deutschen und den Türken zu verhindern und schließlich im

Falle, daß B u l g a r i e n Serbien angreifen wollte, «ne

zweite Armee, die jedoch nicht aus den Reihen der 500000 Mann genommen sein darf, gegen Bul- g a r i e n zu schicken- Dieser Vorschlag wurde WM Rumänien a b g e l e h n t.

Bulgarisches Ultimatum an Serbien?

W. T.-B. Mailand, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Der Sonder­berichterstatter des „Corriere della Sera" drahtet seinem Blatt aus Bukarest: In später Nachtstunde verbreitete sich das Ge­rücht, daß Bulgarien an Serbien ein Ultimatum gerichtet habe.

Rchlundzwanzig Jahrgänge unter UJajfeit;

W. T.-B. Rotterdam, 25. Sept. Reuter meldet auS Athent Bulgarien hat 28 Jahrgänge unter die Waffen gerufem In Griechenland erwartet man mit Spannung den weiteren Verlauf der Ereignisse.

Ein serbischer Rronrat.

Br. Wien, 25. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Tie „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Bukarest: Der serbische Ministerpräsident Paschitsch hat sich mtt de« anderen Ministern nach Kragujewatsch begeben, wo edr Kronrat unter dem Vorsitz des Thronfolgers Prinze« Alexander stattgefunden hat. Tags zuvor waren die Ver­treter des Vierverbandes beim Ministerpräsidenten Paschitsch erschienen. Wie in Rischer diplomatischen Kreisen erklärt wird, haben diese Gesandten einen letzten dringen­den Vorschlag gemacht, von dessen Annahme durch Serbien man sich in diesen Kreisen noch eine Wendung in d«t kritisch gewordenen Lage zu versprechen scheint. Der Minister­präsident soll den bei ihm erschienenen Diplomaten erklärt haben, daß eine Beschlußfassung über den gemachten Vorschlag in letzter Linie bei der Krone liege. Nach dem Kraurat in Kragujewatsch hat sich Ministerpräsident Paschitsch zum KönA begeben.

Serbien zur vorbehaltlos«« Preisgabe Mazedoniens bereit?

Berlin, 25. Sept. (Zenf. Mn.) Der „Nationalztg." zw, folge wird aus Zürich gemeldet: Schweizerischen BlättmoH' wird gemeldet: Nach Pariser Berichten ist Serbien b-e« reit, vorbehaltslos auf Mazedo-ni«« zu bet» zichteu, wenn ihm ganz Albanien einschließlich Durazzo und aller Küstenstädte zur dauernden Besitz­ergreifung überlassen wird. In J talie-n hat die Nachricht: die größte Entrüstung hervorgerufen.

Serbien auf dem hohen Pferde:

W. T.-B. Mailand, 25. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht:) Die Blätter veröffentlichen aus N i s ch eine amtliche Note vom 2t. September, in der es heißt: In einigen politischen Kreisen verschiedener Hauptstädte der Alliierten geht seit kurzem das Gerücht um, die d e u t s ch e Regierung habe unlängst der s er- bischen Regierung mitgeteilt, daß Deutschland Serbien <tm- greifen werde. Deutschland habe empfohlen, keinem ernstlichen Wider st and zu leisten, da der Angriff nicht gegen Serbien gerichtet sei, sondern unter höheren Ge­sichtspunkten erfolge. Diese Gerüchte und andere ähn­liche sind vollständig grundlos. Niemals hat Deutsch­land an Serbien eine derartige Mitteilung gemacht, die übri­gens gar nicht berücksichttgt worden wäre, da Serbien geneigt ist, jedwedem Angriff tapfer standzuhalten.

von den östlichen RriegsschsupWtzen.

Das bedrohte vünaburg.

Kopenhagen, 25. Sept. (Zenf. Bln.) Einem Petersburg: Telegramm zufolge ist die Bevölkerung Düwaburgs inftckge der heftigen Kämpfe in der Nähe der Stadt tu höchstem Matz« beunruhigt. Ununterbrochen ist Kanonendonner zu hören. Deutsche Flieger erscheinen fast täglich über der Stadt und werfen Bomben ab. An einem einzigen' Tage zeigten sich nicht weniger als zehn Flugzeugs «und zwest Zeppeline.

Die Lage in Riga.

Stockholm, 25. Sept. (Jens. Bin.) Der „Nowoje SSeeaqa'* zufolge schweben täglich feindliche Flieger über R^a. Zuletzt ist ein Flieger über den Mühlengraben geflogen ratf» hat fünf Bomben abgeworfen, von denen eine die Schiffs-- b au wer ft getroffen hat. Alles kostbare Bauholz, tme Eiche, Rot- und Schwarzbuche, wurde bereits iueggeführt. Bei der Rärmung der Mittelschulen weigerten sich einige Lehrer^ Riga zu verlassen: sie wurden ihres Postens enthoben. Alls Franzosen, Engländer und Belgier haben mit ihren KorHÄir die Stadt verlassen.

Die verwüsteten Orte Ostrolenka und Kowel.

Krakau, 25. Sept. (Zens. Bln.) Wie der „Karrher! Poznanfli" meldet, sind in der Festung Ostrolenka, ditt viele Wochen hindurch mitten im Kampfgewoge stand, mrü- wenige Häuser unversehrt geblieben. Die Stecht O s ttrcke uk a ist zum größten Teil abgebrannt. Der größte Teil der Bevölkerung wurde durch die Russen weggeschleppt. — Der hiesige „Przeglend Wietzernh" meldet aus Kowel: Di« ME hat bei dem Rückzug der Russen nur wenig gelitten^ dagegen Haben die Russen alle vier über de n To riaflutz führe »- •