Verlag Langgasse 21
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„Tagblatt-H-us" Nr. 6650-53.
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Samstag, 25. September 1915.
Morgen- Kusgade.
Nr. 447. » 63. Jahrgang.
3um neuen Milliardensieg.
ver Raiser an Staatssekretär vr. helfferich.
W. T.-B. Berlin, 24. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Seine Majestät der Kaiser hat an den Staatssekretär des Reichsschatzamts Dr. Helfferich auf die Meldung über den Erfolg der dritten Kriegsanleihe nachstehendes Telegramm gerichtet: „Ich danke Jbncn für die Nachricht von dem glänzenden Ausfall der Zeichnungen auf die dritte Kriegsanleihe und beglückwünsche Sie zu diesem neuen schönen Erfolg unserer Ihrer Leitung anvertrauten finanziellen Kriegsführung. Das deutsche Volk hat das Vertrauen auf die eigene Kraft damit dem Feind wie der ganzen Welt bekundet, daß es auch ferner wie ein Mann einmütig zusammensteht in deni u n e r - fchütterlichen Willen, den durch freventlichen Überfall uns aufgezwungenen Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuführeu und für die Sicherung und Freiheit des Vaterlandes jedes erforderliche Opfer an Gut und Blut freiwillig darzubringen. Wilhelm. I. R.“
Line Keutzerung des Staatssekretärs Dr. helfferich.
„Nicht nur neue Heere, sondern auch neues Geld zu neuen Schlägen". — Die grösste Finanzoperation der Weltgeschichte.
W. T.-B. Berlin, 2‘4. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Staatssekretär deS Reichsschatzamts Dr. Helfferich hat sich gegenüber Vertretern der amerikanischen Presse über das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe ausgesprochen, die nachstehende Äußerungen des Staatssekretärs nach den Bereinigten Staaten kabelten:
Das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe ist rund 12 Milliarden Mark. Zusammen mit der e r st e n Kriegsanleihe vom September 1914, 4y 2 Milliarden Mart, und der zweiten Kriegsanleihe vom März 1915, 9,1 Milliarden Mart, stellte also das deutsche Volk rund 2 5i/ 2 SR i 11 i = arden Mark in Form langfristiger Anleihen endgültig für den Krieg zur Verfügung. Damit sind alle bisher aufgelanfenen Kriegskosten abgedeckt und darüber hinaus ist neues Geld und unser kurzfristiger Kredit verfügbar sür die weitere Kriegführung. Wir haben nicht nur neue Heere, wie der Reichskanzler im Reichstag gesagt hat, svndern auch neues Geld frei zu neuen Schlägen. Die Finanzierung des Winterfeldzugs bis in das Frühjahr hinein ist gesichert. Die auf die dritte deutsche Kriegsanleihe gezeichnete Summe übertrifft noch die über die ganze Welt als unerreichbare Leistung berühmte zweite englische Kriegsanleihe. Die dritte deutsche Kriegsanleihe ist mithin die größte Finanzoperation der Weltgeschichte. Im Wege langfristiger Anleihen hat England bisher insgesamt 18H4, Deutschland 25}/ 2: Milliarden aufgebracht. Dabei sind die bisher aufgelanfenen Kriegskosten kaum geringer als diejenigen Deutschlands, und werden bald größer sein, da England heute fast 190 Millionen Mark, Deutschland nicht viel mehr als 6ü Millionen Mark täglich für den Krieg ansgibt. Das sind in Deutschland 1 M., in England mehr als 2 M. täglich p r o K o P f der Bevölkernng. Ich zweifle, ob die englischen Finanzleute heute noch glauben, daß sie den längeren Atem haben werden. In diesem Zweifel werde ich durch folgende Erwägungen bestärkt: Deutschland hat drei Kriegsanleihen bei gleichem Zinssatz der Reihe nach zu steigenden Preisen gegeben, England mußte den Zinsfuß von 3y 2 auf 4V 2 Prozent e r - höhen, und ist mit aller Voraussicht noch gezwungen, für die neue Kriegsanleihe, sei es im Inland oder in Amerika, 5 Prozent zuzugestehen. Deutschland hat seine Kriegsanleihen ausgezeichnet placiert, was sich darin zeigt, daß der Kurs stets höher als der Ausgabekurs notiert. England hat seine Kriegsanleihen schlecht placiert. Ihre Notierung steht um mehrere Prozent unter dem Ausgabeknrs. England stattete, um für die zweite Kriegsanleihe einen großen Erfolg zu erzielen, die Titres mit Konversionsrechten für die Li^proztigen Konsols auS. Die erste Ss/nprazentige Kriegsanleihe gewährte andere Jnducements. Deutschland erzielte einen größeren Erfolg ohne alle künstlichen Reizmittel. Alles, waS das Ausland über einen Druck und Zwang verbreitet, ist Fabel. Wir wandten uns lediglich an die finanzielle Kraft und den Patriotismus der Mitbürger. Der Erfolg muß der Welt die Augen öffnen, wie stark Deutschlands Finanzkraft und wie stark sein Wille ist. England bedrohte die Bereinigten Staaten bei Ausbruch des Kriegs durch die rücksichtslose Zurückziehung feiner Guthaben. Heute sind die Rollen vertauscht. England sucht Geld in Amerika, Deutschland dagegen findet die Mittel zur Kriegführung bei sich s e l b st und braucht keine fremde Hilfe. Wallstreet scheint allerdings im Begriff zu sein, auf das falsche Pferd zu setzen. Das mag der Wallstreet im Verlauf deS Kriegs mehr Schaden tun als Deutschland. Wer die Wette verliert, ist schlimmer daran als der, der das Rennen gewinnt. Ich vertraue aber darauf, trotz des Zwischenspiels Morgan-Holdeb, daß der Erfolg unserer 'Anleihe, der von neuem zeigt,' daß wir s e st st e h e n ans unseren eigenen Füßen, zu guten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern beitragen wird. Denn Unabhängig
keit ist das erste Wort in der amerikanischen Geschichte. Selbständigkeit ist das erste Unterpfand wahrer Freuudschaft.
vre Glückwünsche der Berliner Handelskammer.
W. T.-B. Berlin, 24. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Handelskammer Berlin richtete an den Staatssekretär des Reichsschatzamts Exzellenz Dr. Helfferich, Berlin, folgendes Telegramm: „Eurer Exzellenz erlauben wir uns zu dem außerordentlichen Erfolg der dritten Kriegsanleihe unsere aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen. Unter der weitblickenden Führung Eurer Exzellenz bewies damit das deutsche Volk aufs neue auch auf diesem Gebiet feste Ent- schlossenheit zu Kampf und Sieg durch die Tat. Mit dem Vordringen unserer Heere wird sie Freund und Feind offenbaren, daß das 14monatige Ringen Deutschlands Kraft ri'cht vermindert, sondern zu erneuten und erhöhten Leistungen anspannte."
An den Reichsbankpräsidenten Exzellenz H o v e n ft e i n richtete die Handelskammer folgendes Telegramm: „Mit stolzer Befriedigung erlangten wir soeben Kenntnis von den glänzenden Zeichnungsergebnissen der dritten Kriegsanleihe. Wenn hierbei das deutsche Wirtschaftsleben den hochgespannten Erwartungen noch weit übersteigende Kraft bewies, die für den Ausgang des Kriegs von gewaltiger Bedeutung sein muß, so trägt ein hervorragendes Verdien st hieran das u n- übertreffliche Wirken Eurer Exzellenz. Wir bitten Eure Exzellenz, zu dem außerordentlichen Erfolg die aufrichtigsten Glückwünsche von dem Handel und dem Gewerbe der Reichshauptstadt entgegenzunehmen."
von den östlichen Kriegsschauplätzen,
Schwerste Verluste der Nüssen an der unteren Ikwa. — Fortschreitende Verfolgung in Litauen. — keine wesentlichen Veränderungen auf der italienischen und serbischen Front.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
\V. T.-B. Wien, 24. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 24. September, mittags:
Russischer Rriegsschaupiatz.
Im Nordostcn trat gestern keine Änderung ein. Während in Ostgalizien Ruhe herrschte, kam es im Raume von Rowo-Alexinicc und an der unteren Ikwa zu heftigen Kämpfen. In dem erstgenannte,, Abschnitte griffen die Russen unter starkem Artilleric- aufgebot 11 Glied er tief unsere Linien an; sie wurden überall unter den s ch w c r st e n V c r l u st c n zu rückgeworfen, worauf ihnen unsere in Gegenangriffen nachdringendcn Truppen noch eine Höhen st ellung entrissen. Eine russische Batterie wurde durch unsere Artillerie zersprengt. In Rhdoml fielen auf verhältnismässig engem Gesichtsfelde 11 Offiziere und 300 Mann in unsere Hände. Auch Übergangsversuche des Feindes über die untere I k w a scheiterten-
In der Gegend nordwestlich von Kolkr am Styr vertrieb unsere Reiterei den Feind aus einigen Ortschaften.
Die in Litauen kämpfenden österreichisch-ungarischen Kräfte haben in. Verfolgung des Gegners werteren Raum gewonnen.
Italienischer Kriegsschauplatz,
An der Tiroler Westfront vertrieben unsere L a n d e s s.ch ü tz cn die feindlichen Alp in i von der A l b i o l o - Spitze nördlich des Tonale-Passcs. Ans der Hochfläche von Vilgercuth wurde ein Angriff einer italienischen Kompagnie auf den Dürer (nordwestlich des Coston) abgcwiesen. Etwa 1000 Italiener, die sich auf den Osthängen des Monte Piano gegen unsere Stellung in Bewegung setzten, wurden durch unser Artillcrie- sencr zum Rückzug gezwungen.
Im Kärntner Grenzgebiet scheiterte ein feindlicher Angriffsvcrsuch auf die C e l l o n - Spitze (östlich des Plöckenpasses).
An der k ü st e n I ä n d i s ch e n Front kam es gestern nur zu Geschützkampf. Die Gcsamtlagc ist unverändert.
Südöstlicher Rriegsschauplatz.
Im Südosten verlief der gestrige Tag ohne wesentliche Begebenheit.
Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
*
Teuerung auch in Moskau.
W. T.-B. London, 24. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Berichterstatter der „Times" Stefan Graham berichtet aus Moskau: Die Lebensmittel wurden viel teurer, nicht weil ein wirklicher Mangel herrscht, sondern weil die Eisenbahnen militärisckien Zwecken dienen müssen. Der Zucker
ist um 8 Pf. pro Pfund gestiegen. Auch Brot wurde viel teurer. Feisch ist sehr knapp und Obst sehr teuer. Der Tee stieg infolge Der Besteuerung um 24 Pf. pro Pftrnd. Die Eisen- bahnfabrten wurden um 25 Prozent teurer. Alle Einfuhrwaren snd im Preis gestiegen. Der Rubel ist im Wert nahezu aus einen Schilling gesunken. Man sieht nirgends Goldgeld, mm, begegnet vielfach eingezogenen, aber wieder gültig gewordenen Silberrnbeln und Papierrubeln, die im vorigen Jahre an der mongolischen Grenze für den Handel mit China im Umlauf waren. Das Schnapsverbot wirkte eine zeit- lang. Der Berichterstatter sah einen ganzen Monat in den verschiedenen Teilen Rußlands keinen Betrunkenen.
wann schlagt Bulgarien lo§?
Von einer diplcmiatischen Persönlichkeit, die soeben von einer Balkanreise nach Sofia und Konstantinopsl zurückgekohrt ist, erhalten wir folgende Mitteilungen: Die Kabvldrähte und Antennen des Vsirverbandes haben das Zustandekommen des türkifch-bungarischen Vertrages mit Kunst und Eifer solange gelsuguet, bis es eben nicht mehr zu leugnen war. SDer Vertrag ist jetzt nicht nur unterschrieben, ratifiziert, ausgefertigt uiud was sonst noch zur formellen Erledigung gehört, sondern er ist vollständig durchgeführt. An der bulgarisch gewordenen Maritza, an der „blutgetränkten Maritza", wie sie seit dem Balkankriege heißt, stehen die bulgarischen Posten. Auf der Maritza.» bahn fahren bulgarische Eisenbahner von Dedea- .gatsch nach Karagaffch. Und Kara-Agatsch, wie es Wohl richtiger heißt, enthält den Bahnhof der türkisch gebliebenen Stadt .Adrianopel. Indem Kara-Agatsch, mit dem Bahnhof innerhalb des BefeftigaingAg-ürtels gelegen, bulgarisch wurde, ist Adrianopel als Festung erledigt und abgetan. Man kann sich denken, welches Opfer hier die Türkei brachte und welche Sicherheiten des Vertrauens seitens Bulgariens ärnd auch noch von anderer Seite gegeben wurden, worüber aber während des Krieges nicht gesprochen werden soll. Ae Türkei schlug in den letzten Verhandlungen vor, . es könnte doch eine bulgarische Variante der Maritza- bahn um Kara-Agatsch herum gebaut werden. Zliber Sofia verlangte dringend die Bahn uud «den Bahnhof, so wie sie sind und >dazu noch einen Gebiutsstreffen auf den: Ostufer des Flusses zur strategischen Sicherung. Konstantinopel hat nachgegeben, es entblößte sozusagen den Rücken, es zieht seinen Balbanrock aus, um besser gegen die Dardanellenfernde losMischlägen und es weiß, daß dieses Vertrauen nicht getäuscht werden wird. Nur eines haben die Bulgaren nicht bekommen: KivkMssi! Sie forderten es, „weil der Boden von Kirkilisse mit soviel bulgarischem Mut getränkt ist". Kirkilisse ist ja das historische Schlachtfeld, auf dem die Bulgaren ihren ersten großen Sieg errangen. Um aber zu zeigen, daß man auch auf bulgarischer Seite klug verzichten kann, nicht den Bogen überspannen will, hat man es gegen Kara-Agatsch wieder preisgegeben. Dieses freundschaftliche gegenseitige Mchgeben zeigt sowohl, daß reiner der beiden Staaten in Zukunft den anderen bedrohen will. Sollte es noch kleine Meinungsverschiedenheiten in der neuen Abgrenzung geben, so entscheidet eine internationale Kommission, die aus je einem Offizier Bulgariens, der Türkei, Deutschlands, Österreich-Ungarns imd der Schweiz besteht. 4
Ju Konstantinopel, so berichtet unser Gewährsmann weiter, interessiert man sich natürlich lebhaft dafür, wann nund Bulgarien gegen Serbien losschLagen werde. Bisher hieß es auf Anfragen stets, nian müsse den Enderfolg der Schlachten in Rußland irnd Galizien abwarten. Der Endsieg Hindeaburgs sei für Bulgarien der große Moment, der die serbische Konkursmasse an Sofia ausliefern werde. Bulgarien warte noch auf einen Vormarsch der Q st e r re i che cknach N i s ch, dann werde es sofort zur Besetzung ganz jMazedonien-s schreiten. Ja, solange die r u ss i sch e, D i pl 0 m a- t i e in Sofia noch etwas bedeutete — seit Marschaus Fall ist es damit aus — versicherte mjan (wer ldarf dos dem kleinen Bulgarien übelaehmen?) mit artigem Augenaufschlag nach Petersburg, man müsse sich mit der Besetzung Mazedoniens beeilen, um diefm TeÄ nicht Ästerreich-Ungarn in die Hände fallen m lassen. Das ist aber jetzt alles anders geworden. Bulgarien schielt nicht mchr nach Petersburg. Es hat gegen Men nicht den mmdesten Verdacht mehr. Die Machenschaften des Vierverbands auf dem Balkan lhaben den Bulgaren die Augen darüber geöffnet, daß man sich auf ein Wort der Zentral machte mehr verlassen kann als auf zehn Dokumente mit Brief und Siegel der Eirtentebrüder. Österreich macht der bulgarischen Regiemmg von jedem Schritte gegen Serbien genaue Mitteilung. Es hat auch die neue Offensive an der Donau in Sofia angekündigt und ganz bestimmte freundschaftliche Versicherungen abgegeben. Bulgarien kann nun aus Hs««
