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l -— -^p i morgen• Beilage -es Wiesbadener Tagblatts. > >

Nr. 223. Kreitag. 24. September. »yio.

(24. Fortsetzung.)

ZrieLels Liebe.

Roman von Anny von PanhuyS.

(Nachdruck verboten.)

Jonkheer van Moelen war gestern abend mit seinem Automobil in Frankfurt an: Main angekommen. Gleich am Vormittag mvachte er dann dem Oberst Sorhagen seinen Besuch. Er lieb sich bei ihm direkt uwlden, ohne erst die Damen zu begrüßen. Der Oberst war anwesend und empfing ihn sofort, er war von seiner Gattin ge­nügend vorbereitet.

Die Herren befanden sich im Arbeitszimmer des Hausherrn. Ein sehr gemütlicher Raum mit hübschen, alten, ererbten Möbeln, auf die die Qktobersonne gol­dene, tanzende Kringel malte.

„. . . So, Herr Oberst, nachdenr ich Ihnen meine finanziellen Verhältnisse klargelegt habe, bitte ich um die Hand Ihrer Tochter", schloß Jonkheer van Mosten, er erhob sich bei den letzten Worten.

Oberst Sorhagsn dachte. diese Krage hätte der Jonk- Heer auch sitzend an ihn richten können. Es toar doch kein stürmischer Jüngling mehr, der da vor ihm stand, DLan hätte diese Unterredung etwas gemütlicher ab­machen können, aber der Holländer war bei seiner Er­klärung so feierlich getvesen, und ldas feierliche Gesicht behielt er bei. Friedels Verlobung mutt dem Schlingel Hans war entschieden amüsanter, die beiden ertappte er beim Küssen, na ja, n,nd da erklärte er das Pärchen als Verlobte. Löeil die Sache aber auch gar zu leicht ging, deshalb konnte sic auch nicht halten. Ernst und Feier­lichkeit gehört wohl dazu, wenn zwei Menschen sich ein­ander fürs Leben angeloben. Und da erhob sich der Oberst auch. Auge in Auge standen sich die Männer gegenüber, doch um den grauen martialischen Schnurr­bart des Obersten zuckte es vergnügt, er konnte es beim besten Willen nicht tragisch finden, daß ein so bomben- mäßig reicher Mann die Friedel heiraten wollte, und die Friede! brauchte man nicht mal zum Altar zu schleppen, die hatte sich ja den Liebsten salbst ausgesucht, also — er streckte dem Holländer die Rechte hin: „Lieber Herr van Moelen, die Zustimmung meiner Frau haben Sie be­reits, auch meine Tochter ist mit Ihnen längst einig, da gebe ich gern meinen väterlichen Segen, machen Sie das Mädel glücklich." Beinahe hätte er noch hinzugesctzt: „Sonst soll Sie der Deibel holen." Aber er schluckte es Noch rechtzeitig hinunter. Zu Hans -damals sagte er »as, und es nutzte doch nichts, der Deibel hatte den Ben­gel doch nicht gcholt. Gott, schließlich hatte er Friedel auch nicht unglücklich gemacht, sonst stände der Freiers- Manu jetzt nicht .vor ihm. Jedenfalls ein soliderer Schlag pls der Ritter Hans, dachte Oberst Sorhagen.

Jonkheer van Moelen preßte die Hand des Äfln Offiziers fast inbrünstig, er war so. unsagbar glücklich-

„Nachdem wir min einig sind, werde ich meine IDamen rufen, nicht wahr?" fragte ider Oberst. Ganz chärrisch verliebt mußte der Jonkheer sein, sonst brauchte sr doch nicht rot zu werden. Famos, Oberst Sorhagen ,Mnii1sierte sich köstlich, er hatte doch wahrhaftig gemeint, so eine richtig tolle Verliebtheit sei ein Privileg der

VUMNd.

Auf ein Klingelzeichen erschien der Metter.

„Ich lasse meine Frau und Tochter hierher bitten. Der Oberst ging den Gerufenen entgegen, und auf Herrn van Moelen deutend, lachte er: „Mein Schwieger­sohn, den Ihr ausgesucht."

Mit großer Herzlichkeit begrüßte Gräfin Sorhagen den Besuch. Richig und freundlich, wie er es an ihr gewöhnt, bot ihm Friedel die schmale Hand. Er neigte sich, sie auf die Stirn zu küssen.

„Ja, aber" — Oberst Sorhagen mußte schon wieder eüvas hinunterschlucken. War das ein merkwürdiges Willkommen von Friedels Seile. Hm — der Verliebtere von beiden war entschieden der blonde Hüne -mit dem kreu,fbraven anständigen Gesicht. „Überhaupt 'ne hunde- schnauzige Natur, mein Töchterchen!" stellte Oberst Sorhagen fest. Slber vielleicht gefiel das gerade Frederik van Moelen, diese stolze zurückhaltende Art. Der Jonk­heer ist übrigens ein sehr vergnügter, netter Kerl, fand der Oberst, und taut ans, nachdem er die Werbung hin­ter sich hat. Es plauderte sich gut mit ihm. Er war auch Artillerist gewesen, natürlich in Holland, und die beiden Herren unterhielten sich vorzüglich -über die Ver­schiedenheiten der deutschen und der holländischen Ar­tillerie.

Die Gräfin machte der Unterhaltung ein Ende: ,/Sie bleiben doch zu Tisch, lieber Herr van Moelen?"

Der Angercdete verneigte sich: „Aber gern, Gräfin." Seine Augen suchten Friedels Blick, doch der wich ihm aus. Hier in ihres Vaters Haus erschien ihr die Ver­lobung mit Frederik van Moelen in einem ganz anderen Lichte als aus Qudcburg.

Weshalb? o-f

Sie hätte es selbst nicht recht zu erklären vernwcht, aber ihr war's, als füge sie dem ritterlichen, vornehmen Manne ein Unrecht zu, daß sie seine Braut ward, denn- wie sie auch mit sich kämpfte und rang, sieghaft und herz» bezwingend machten die jungen, übermütigen AugenHanA Buckenbachs all ihr Denken und Wollen zunichte, und ihr Stolz war dagegen machtlos, so fest sie sich auch da­mit umpanzerte.

„Nun können wir also die Verlobung veröffentlichen'', sagte Gräfin Sorhagen, und wieder suchten Frederik van Moelens Augen den Blick seiner jungen Braut, und' ein Strom seiner warmen, starken Liebe zog zu ihr hin­über und versuchte -die gleiche Empfindung in ihr auszu­lösen. Doch umsonst, nicht einmal das „Gernhaben", das in ihr gewesen, so Imme sie der Heimat fern war, konnte sie mehr a-usbringen. Nur ein Etwas wuchs iit ihr ans, das war Mitleid mit idem iManne, der sie mit so hoffenden Augen ansah, so gläubig, wie ein fro-Mnep Beter wohl ein Heiligenbild ansah.

Sie schämte sich. Wie schlecht, wie entsetzlich schlecht handelte sie. Denn es war doch gemeiner Betrug, was sie rm Begriffe war, zu tun. In ihr schrie es: ,/Saga die Wahrheit, -dem-ütige dich, noch ist es Zeit."

.„Nun, Friedel, wo bist du denn mit deinen Ge" danken?" schreckte sie die Stimme der Mutter auf, , /nicht wahr, du bist auch dafür, daß wir die Verlobung^«